HU Berlin: Vollversammlung
Am 19.11.09 fand eine erneute Vollversammlung der Studierenden an der HU Berlin statt. Diese beschloss, das Audimax weiter besetzt zu halten. Darüber hinaus wurden die "Kernforderungen" vorgestellt und man solidarisierte sich nur(!) mit dem gewaltfreien Protest.
Dies war bereits die zweite Vollversammlung, welche an der HU durchgeführt wurde. Während auf der ersten VV die Besetzung beschlossen wurde, stand diesmal das "Wie weiter?" auf der Tagesordnung. Zuerst kamen die Berichte, was bisher gelaufen war (Besetzung und Demo). Außerdem stand der von Studierenden besuchte Akademische Senat auf der Tagesordnung. Dieser hatte die Anträge der Studierenden einfach auf die nächste Sitzung vertagt.
Dann kam es zur "Diskussion" der Kernforderungen. Diese hatte eine AG über die Woche ausgearbeitet. Obwohl sie angeblich zig Mails mit Forderungen erreicht hatten, wurden hier nur fünf Kernforderungen vorgestellt, die wohl eher Minimalforderungen sein sollten.
Verkürzt waren das:
- Keine wirtschaftlichen und staatlichen Einflüsse auf die Lehre und Forschung. Rückkher zum Humboldtschen Bildungsideal.
- Abschaffung der Zwangsberatung
- Tätsächliche Durchführung der Überarbeitung aller Studiengänge
- Einführung Viertelpärität
- Keine Repression von ProtestteilnehmerInnen
Tja, alle anderen Forderungen, wie Forderungen, die über den Tellerrand der Universität hinausgehen, gab es nicht, jedenfalls nicht zur Abstimmung. Die Redeleitung fragte, ob jemand etwas gegen diese Forderungen habe oder welche hinzufügen wolle. Niemand meldete sich (ich leider auch nicht). Dann gab es einige unwesentliche Änderungen an den Forderungen, bis sich ein Aktivist mit Tierrechtskappu meldete. Dieser forderte unter lautstarken Beifallsbekundungen, dass die Studierenden ausdrücklich nur keine Repression von gewaltfreiem Protest fordern sollen. Beispiele, wann der Protest in der Woche unfriedlich war, blieb der gute Mensch freilich schuldig, denn es gab sie tatsächlich nicht. In vorauseilendem Gehorsam wurde dieser Forderung mit großer Mehrheit zugestimmt.
Beim Punkt Besetzung kamen gleich zu Anfang zwei Studies zu Wort, die ebenfalls unter Beifall die angeblich verwendete linke Symbolik kritisierten. Hier kam es vereinzelt auch zu Buhrufen. Die Mehrheit der Anwesenden klatschte jedoch. Das einzige Transarent im Hörsaal mit einem Stern, war eines der (ich glaube) SoWi-Fachschaft. Als Konsequenz wurde eine AG Ästhetische Wirkung des Streiks gegründet. Diese sollte nach der VV über eine neue Symbolik und Außenwirkung des Streiks beraten. Mit dabei in etwa 5 Jungliberale, die den Stein ins Rollen gebracht hatten. In der AG sollen die Vorschläge - wie man später gehört hatte - zumindest mit Interesse aufgenommen worden sein. Nur wenige Bemerkten das geplante Störmanöver des liberalen Haufens. Aktionen dieser AG sind jetzt Infotafeln in jedem Institut (natürlich frei von politischer Symbolik). Die Jungliberalen bekamen auch von einigen BEsetzern viel Sympathie, weil sie sich einfach getraut hatten, vor so einem Publikum zu sprechen. Tja, soviel zur Zusammensetzung der BesetzerInnen.
Aber zurück zur VV:
Als letzter Beschluss wurde die Weiterbesetzung des Audimaxes mit sehr großer Mehrheit gefällt. Danach gab es noch ein Konzert mit einer Band und den Surfpoeten. Am Abend waren in etwa 150 Leute vor Ort.
Wie es politisch weitergeht ist indess völlig unklar. Sollten die Forderungen weiter auf diesem Niveau stagnieren, obwohl es genug andere gibt, wird der Protest in wenigen Tagen in sich zusammen fallen, da sich niemand mit Studies solidarisiert, welche nur auf ihr eigenes Wohl (Verbesserung von Studienbedingungen) aus sind.
Dann kam es zur "Diskussion" der Kernforderungen. Diese hatte eine AG über die Woche ausgearbeitet. Obwohl sie angeblich zig Mails mit Forderungen erreicht hatten, wurden hier nur fünf Kernforderungen vorgestellt, die wohl eher Minimalforderungen sein sollten.
Verkürzt waren das:
- Keine wirtschaftlichen und staatlichen Einflüsse auf die Lehre und Forschung. Rückkher zum Humboldtschen Bildungsideal.
- Abschaffung der Zwangsberatung
- Tätsächliche Durchführung der Überarbeitung aller Studiengänge
- Einführung Viertelpärität
- Keine Repression von ProtestteilnehmerInnen
Tja, alle anderen Forderungen, wie Forderungen, die über den Tellerrand der Universität hinausgehen, gab es nicht, jedenfalls nicht zur Abstimmung. Die Redeleitung fragte, ob jemand etwas gegen diese Forderungen habe oder welche hinzufügen wolle. Niemand meldete sich (ich leider auch nicht). Dann gab es einige unwesentliche Änderungen an den Forderungen, bis sich ein Aktivist mit Tierrechtskappu meldete. Dieser forderte unter lautstarken Beifallsbekundungen, dass die Studierenden ausdrücklich nur keine Repression von gewaltfreiem Protest fordern sollen. Beispiele, wann der Protest in der Woche unfriedlich war, blieb der gute Mensch freilich schuldig, denn es gab sie tatsächlich nicht. In vorauseilendem Gehorsam wurde dieser Forderung mit großer Mehrheit zugestimmt.
Beim Punkt Besetzung kamen gleich zu Anfang zwei Studies zu Wort, die ebenfalls unter Beifall die angeblich verwendete linke Symbolik kritisierten. Hier kam es vereinzelt auch zu Buhrufen. Die Mehrheit der Anwesenden klatschte jedoch. Das einzige Transarent im Hörsaal mit einem Stern, war eines der (ich glaube) SoWi-Fachschaft. Als Konsequenz wurde eine AG Ästhetische Wirkung des Streiks gegründet. Diese sollte nach der VV über eine neue Symbolik und Außenwirkung des Streiks beraten. Mit dabei in etwa 5 Jungliberale, die den Stein ins Rollen gebracht hatten. In der AG sollen die Vorschläge - wie man später gehört hatte - zumindest mit Interesse aufgenommen worden sein. Nur wenige Bemerkten das geplante Störmanöver des liberalen Haufens. Aktionen dieser AG sind jetzt Infotafeln in jedem Institut (natürlich frei von politischer Symbolik). Die Jungliberalen bekamen auch von einigen BEsetzern viel Sympathie, weil sie sich einfach getraut hatten, vor so einem Publikum zu sprechen. Tja, soviel zur Zusammensetzung der BesetzerInnen.
Aber zurück zur VV:
Als letzter Beschluss wurde die Weiterbesetzung des Audimaxes mit sehr großer Mehrheit gefällt. Danach gab es noch ein Konzert mit einer Band und den Surfpoeten. Am Abend waren in etwa 150 Leute vor Ort.
Wie es politisch weitergeht ist indess völlig unklar. Sollten die Forderungen weiter auf diesem Niveau stagnieren, obwohl es genug andere gibt, wird der Protest in wenigen Tagen in sich zusammen fallen, da sich niemand mit Studies solidarisiert, welche nur auf ihr eigenes Wohl (Verbesserung von Studienbedingungen) aus sind.
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Ergänzungen
nun mal halblang....
- die erste forderung nach beendigung der ökonomisierung wurde übrigens vertagt und an die ag forderungen zurücküberwiesen zur genaueren formulierung, du hast recht mit der feststellung, dass es sich dabei um minimalforderungen an die hochschule handelt was leider nicht entsprechend deutlich gemacht wurde und letztlich ein rein taktisches vorgehen ist (die 4 hauptforderungen des bildungssstreiks bleiben natürlich weiterhin grundlage des protestes der auch über eine audimax besetzung hinaus kontinuierlich weitergehen wird, wie gestern ebenfalls deutlich wurde)
daneben wird die unterstützungsarbeit z.B. für die angestellten des studentenwerks weitergehen
- bzgl. der AG Ästhetik:
als besagte, von dir als jungliberale titulierte die linke symbolik kritisierten gab es nicht ein paar buh-rufe sondern 3/4 des saales haben die redner_innen ausgebuht. meinem eindruck nach ging es ihnen tatsächlich (auch wenn sie es nicht gesagt haben und später davon abgerückt sind) um eine zurückdrängung linker inhalte in der besetzung......
tatsächlich wurde in dieser AG hinterher allerdings recht schnell deutlich gemacht, das es sich beim bildungsstreik um eine pluralistische bewegung handelt und es wurde stattdessen konkrete vorschläge erarbeitet wie die besetzung offener gestaltet werden kann, dh. wie ausschließendes (linkes) politcheckertum vermieden werden kann, wie man potentiell neugierige aber unerfahrene leute einbinden kann, die noch keine erfahrung mit derartigen protestformen haben und deswegen von der besetzung verunsichert sind
alles in allem also alles halb so wild, kommt vorbei, guckt euch die besetzung an, arbeitet mit, übernachtet mit
HEUTE ABEND SPIELT ÜBRIGENS DIE KLEINGELDPRINZESSIN IM AUDIMAX
ich habs anders wahrgenommen
Ich denke der Streik hat ein massives Problem, und das ist das Unpolitische. Noch nie gab es so wenig Allgemeinpolitik. Warum kommen so wenig zu den Demos? 2003 waren viele radikale Linke aktiv? Diesmal wurde von vornherein darauf geachtet, dass man den Protest möglichst neutral hält, um möglichst "viele" anzusprechen. Dadurch hat man es geschafft, die radikale Linke aus der Organisation fast gänzlich rauszuhalten. Im Sommer gab es in allen Ländern Länderspezifische Forderungen. In Berlin war das Bündnis noch relativ radikal, bis einige KaderInnengruppen meinten: Nein, in Berlin soll es keine Forderungen geben. Das soll jede Uni für sich machen. Leider ließen sich die radikalen Kräfte drauf ein. Ein Teil ist ja diesen KaderInnengruppen auch gar nicht so abgeneigt. Gibt ja ab und zu auch mal ein bisschen Geld für Transpistoff, richtig? ;)
Ich kann und will auf Inhalte nicht verzichten. Klar, Zwangsberatungen sind wichtig weil sie sozial selektiv wirken. Viele kommen dank des (Bildungs-)Systems aber gar nicht dazu, sie am Ende der Regelstudienzeit besuchen zu müssen, weil sie einfach davor ausgesiebt wurden.
Und zum Gewaltfreien Protest: Klar ist das nicht auf ewig festgeschrieben aber es zeigt doch eine Stoßrichtung an. Selbst die (Partei-)"Freunde" vom SDS haben für den Änderungsantrag gestimmt, in dem nur keine Repression für Gewaltfreien Protest gefordert wurde. Ich meine, dass diese Forderung irgendwann eingebracht werden würde, war klar. Aber dass es bereits auf der zweiten VV geschieht, ist gelinde gesagt ne Katastrophe!
Naja, wir sehen uns beim "Streik". Es gibt keinen Grund aufzugeben. Immerhin gibt es einen ersten Erfolg. Irgendeine Stelle für BAs wurde an der HU eingerichtet. Wow! Was man nicht alles erreichen kann! Heute eine Stelle zur BA-Problemkoordination, morgen schon 3,5% weniger Workload und danach gehts richtig los (Mensaessen, Bäume im Innenhof, Neue Anstrich fürs Hauptgebäude usw.)! ;)
Heute: Gegen das Führungstreffen Wirtschaft!
Treffen der Ent-Führungskräfte
Fr. 20.11. // 16 Uhr // Innenhof der Humboldt-Universität // Dorotheenstr. 24 // 10099 Berlin //
Bringt Rettungsschirme, Charaktermasken, Pappe, eure Wut und eure FreundInnen mit! //
Zum Thema "Ver-Führung zur Revolte" spricht Antonio Negri (Autor und Aktivist)
Buh-Rufe
Als der Saal nahezu komplett Ablehnung signalisierte setzte ein Redner rechts und links gleich. Und da ist es ja wohl das Mindeste, was man von Studenten erwarten kann, das anders zu sehen.
Das was an der HU läuft, ist kein Streik, nicht mal ein Streikchen, sorry. Da wird eins zu eins der Bundestag kopiert, Mehrheitsentscheidungen sind bindend, ein Konsens wird gar nicht erst versucht zu finden. In Zukunft sollen auch wieder Vorlesungen im Audimax stattfinden, welche "gedulded" werden. Ist das Ding besetzt, oder nicht?
Was die Entscheidung der Einführung des Wortes "friedlich" angeht, dies sorgt dafür, dass ich bei einer Räumung nicht blockieren werde. Ab wann ist man "unfriedlich"? Wenn man nicht freiwillig geht? Wenn die Bullen einem Widerstand oder Beleidung anhängen?
Ein komisches Verständnis von "Friedlichkeit" hat man in der HU anscheinend sowieso. Da steht auf dem Twitter-Account der HU-"Streikenden" dass die Demo super friedlich war. Auf welcher Demo wart ihr denn? Ich habe gesehen, wie Bullen geprügelt und getreten haben, laut Bullenticker gab es 10 Verhaftungen. Es ist also nur wichtig Repressalien gegenüber "unfriedlichen" Protesten zu tolerieren, wird die Staatsmacht unfriedlich wird das nicht mal erwähnt. Super.
Und wie will man die Misere des Bildungssystems verstehen ohne die Systemfrage zu stellen? Kapitalismus ist für die Situation verantwortlich, im Kapitalismus wird es nich besser. Vielleicht kurzzeitig. Und in 10 Jahren muss dann wieder "gestreikt" werden. Aber vielleicht gibt es bis dahin effektivere Reppressalien, so dass sich das keiner mehr traut.
Hab was vergessen
diskussionsprotokoll (nicht wortwörtlich)
→ Diskussion wird auf 30min begrenzt & 2min Redezeit/Person
Leute fehlen („Ressourcenproblem“)
Protest muss von möglichst vielen Studis getragen werden um legitim zu sein
APPLAUS bei „Proteste sind zu links, diffus, dogmatisch“
Forderung nach einer Entideologisierung
„ob linke oder rechte Propaganda – für mich kein Unterschied“
→ doppelt quotierte Redeliste wird eingeführt
gestern folgende Diskussion: ES GEHT WEITER
Wer beteiligt sich ab jetzt aktiv?
Streik für Bildung
Öffnung in Richtung Auszubildende
nicht nur Unistreik
Kritik des Copyrights (gegen Kommerzialisierung von Wissen)
Neubesetzung OUBS
„Education is not for Sale“
ist Schulstreik überhaupt politisch?
Koordinierte Strukturen für dt. Unis
bildungsferne Schichten, Steuerzahler und die gesamte Gesellschaft werden abgeschreckt durch umgefallene Flaschen
keine Gewalt (weder Worte noch Taten)
Rekrutierung über Unzufriedenheit der Studierenden
„daneben“, wenn einzelne Leute ihre Meinung nicht äußern dürfen
Gewaltdebatte gar nicht relevant, da keine Gewalt passiert
Kritik an der Bildung benötigt auch Kritik an der Gesellschaft
Wim spricht:
organisatorisches; macht alle mit!;...
→ Rednerliste wird geschlossen (noch 8 Leute)
→ Verfarensfehler en masse
zuviele Forderungen (hat SZ gelesen – toll)
Präzisierung, Pragmatismus
es gibt Probleme und es gibt Forderungen
über Gott [sic] und die Welt kann geredet werden, Forderungen brauchen Zähne
hat Erfahrung in Protesten und Streiks
komme nicht auf die gute Formulierung an, sondern auf den Druck, der aufgebaut werden kann
Bündnispartner finden
gemeinsam politische Forderungen gegen die Ursace
hinter Bologna steckt der Kapitalismus
„Es gibt nur einen gemeinsamen Kampf – das ist Klassenkampf – das ist der Kampf gegen den Kapitalismus!“
weiter Diskutieren für die nächsten fünf Jahre
keine Kompromisse, keine Vorlesungen mehr reinlassen
mehr als nur HU-Forderungen
Politik ist immer ideologisch
Bildungsstreik war und ist pluralistisce Bewegung → das muss man aushalten (sogar die GAM-Flyer!!!!!)
erst Konzentration auf Forderungen an den Senat durchboxen
Problematik der Ästhetik und Rhetorik
AG gründen
steht hinter den Forderungen, kommt aber mit der Art des Protestes nicht zurecht
ist bekennend nicht links
rechts, konservative machen nicht mit, wegen schwarzen Sternen auf rotem Grund
erst die Studenten, dann die Arbeiter
organisierte haben viel geholfen, weil sonst niemand mitmacht
Beschlussantrag: wird abgewiegelt
Foucault … Repression nach innen
US-Panzer haben auch Sterne
erst aufhören, wenn Kernforderungen umgesetzt
→ Antrag: Fortführung der Besetzung (Debatte geht nächsten Donnerstag weiter)
→ Gegenrede: Studierenden dürfen entscheiden, ob sie ihre Vorlesung machen wollen (obsolet!) → wird zurückgezogen
deutliche Mehrheit für Fortsetzung der Besetzung
3 oder 4 Gegenstimmen
VV vorbei
(muss ausgefüllt werden)
Da es bei den Studistreiks allerdings bis auf kleine Reförmchen und eventuell ausnahmsweise auch mal die Erhaltung eines Fachbereiches (z.B. 2003 die LGF) nicht viel zu gewinnen gibt, finde ich, dass die persönliche Politisierung im Vordergrund stehen sollte. Und das beinhaltet natürlich auch oder sogar speziell allgemeinpolitische Themen. Der Studierendenprotest als Plattform gesehen, bietet zum Einen politischen Gruppen die Möglichkeit, neue Mitstreitende zu finden aber zum Anderen bietet er auch für die Streikenden die Möglichkeit, Einblick in deren politische Arbeit zu bekommen und dadurch Denkanstöße in die unterschiedlichsten Richtungen (können auch Negativerfahrungen sein) zu erhalten. Das ist der erst Schritt zur Politisierung.
Um wenigstens diesen kleinen positiven Nebeneffekt aus so einer Protestwelle zu erzielen, muss es aber auch für politische Gruppen die Möglichkeit geben sich einzubringen. Klar ist es schwierig die Grenze des Erträglichen zu finden zumal eine Vorzensur ja eigentlich nicht stattfinden sollte. Die derzeitige Abschottung der Studierenden vor anderen Protestbewegungen, sogar von anderen Universitäten ist jedoch ziemlich erschreckend. Streiken heißt auch streiten! Ein guter Streit, manche nennen es auch Diskussion, ist die Grundlage für eine Auseinandersetzung mit der eigenen und der Situation anderer Menschen. Und nur wenn erkannt wird, dass nicht der eigene Chef oder in euerem Fall die Unileitung doof ist, sondern in jedem Lebens- und Wirtschaftsbereich die gleichen Mechanismen die Entscheidungen vorbestimmen, kann auch Veränderung angestrebt werden. Wer diese Erkenntnis inne hat, kann sich politisiert nennen. Der Streik hat dann etwas gebracht, wenn wieder mehr Leute davon überzeugt sind, dass sich etwas ändern muss und diese dann auch die nötigen skill und vielleicht sogar Mitstreitenden gefunden haben, sich auch darum zu bemühen.
Kapitalismus war, ist und bleibt Scheiße! Weiterführende Parolen lass ich an dieser Stelle mal weg ;) Unten habe ich noch einen kleinen Anhang angefügt, den ich bei
Zur Ethnologie des Streiks
Thesen einer öffentlichen Vorlesung am 2.12.2003 im Berliner Lustgarten von Prof. Dr. Wolfgang Kaschuba (Institut für Europäische Ethnologie der Humboldt-Universität zu Berlin), die er uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat
1. Anders, als gemeinhin gedacht, bedeutet Streik in der Regel keineswegs „Nichtstun“ , sondern: „etwas anders tun“. Streik ist also eine Aktivitätsform, die Gewohntes verfremdet.
2. Wenn er gut geht, kann Streik eben bedeutet, dass „die Welt in gewisser Weise auf den Kopf“ gestellt wird. Zumal an der Universität. Das sieht dann so aus: die Gebäude und Räume, die sonst von Professoren und Hausmeistern hoheitlich verwaltet werden, unterliegen nun der Regie der Studierenden. Streikende Studierende stellen Professoren Passierscheine aus: die „Scheinfrage“ wird in der Tat auf den Kopf gestellt (statt Seminarschein für Studierende gibt es den Passierschein für Lehrende). Auch bei der Sitzordnung in Lehrveranstaltungen lässt sich Neues beobachten: plötzlich sitzen all die, die in normalen Vorlesungen ganz weit hinten sitzen wollen, vorne, denn vorne spielt die Musik. Und es muss auch neu verhandelt werden, was „politisch korrekt“ ist: welche Veranstaltungen, welche Prüfungen dürfen trotz Streik durchgeführt werden? Was ist legitim? Und wer entscheidet es?
3. Streik als soziale Praxis bedeutet dann auch, dass eine neue Verbindung von Universität und Welt hergestellt wird. Das Draußen, die Öffentlichkeit, die Gesellschaft wird wichtig. Vermittlungsfragen tauchen auf. Aber auch nach drinnen verändert sich die Welt: die Beziehung zwischen dem Einzelnen und den Gruppen erhält eine neue Bedeutung im Rahmen einer politischen Streikkultur. Wie entstehen Aktionen, wer stimmt ab, was bedeuten Mehrheitsentscheidungen. Und natürlich wird auch sichtbar, dass die Universität eine heterogene Landschaft ist: es gibt nicht nur Studierende und Professoren, sondern auch Verwaltung und Mittelbau, Sekretärinnen und Putzkräfte. Wie die unterschiedlichen Gruppen mit dieser außergewöhnlichen Situation umgehen, ist in der Tat einen ethnographischen Blick wert.
4. Streik ist also in jedem Falle eine sehr intensive kulturelle, ja symbolische Praxis, denn es geht immer darum: was sollen wir tun? Und wie sollen wir es tun? Die Aktionen, die Formen, die Ästhetik spielt eine wesentliche Rolle. An welchen politischen Traditionen wird angeknüpft? Was entsteht an Kreativität und Kompetenz, das nicht den normalen Seminarqualifikationen entspricht: etwa das Malen- und Zeichnenkönnen, das für Plakate und Transparente wichtig ist, das Reden und Argumentierenkönnen, bei dem nun Lautstärke und Witz vereint werden, oder überhaupt die kreative Entwicklung von Ideen, die auch in der Öffentlichkeit überzeugen. Zugleich auch ergibt sich ein Streikalltag, der im Blick auf sein Raum- und Zeitverhalten völlig neue Strukturen und Rhythmen entwickelt. Und es wäre gewiss interessant, eine mentale Karte, eine mental map solcher Streikalltage zu dokumentieren. Die Vermutung dabei wäre, dass Studierende plötzliche völlig neue Orte im Hauptgebäude der Humboldt-Universität wie in der Stadt entdecken, völlig neue Wege gehen und völlig neue Alltagsrhythmen entwickeln.
5. Jeder Streik führt einerseits zu Vergemeinschaftung, andererseits zu Differenz. Das gilt im Blick auf das Verhältnis von Universität und Gesellschaft, wie im Blick auf den inneren Streikablauf. Immer gibt es die Konkordanz wie den Gegensatz von Interessen, sei es im Blick auf unterschiedliche Ziele oder auch im Blick auf unterschiedliche Dynamiken, bei denen sich am Ende dann oft harte Kerne von Streikaktivisten und Mehrheiten von Streikpassivisten gegenüberstehen. Wesentlich ist: für die Studierenden ist der Streik wohl ganz entscheidend auch als eine neue Kleingruppenstruktur erlebbar. Man lernt sich besser kennen, man spricht anders miteinander. Hier findet in der Tat auch ein Stück Vergemeinschaftung statt, die im normalen Universitätsalltag vor allem in den großen Universitäten und großen Städten sich sonst vielleicht nicht ereignen.
6. Schließlich ist Streik natürlich immer eine öffentliche Repräsentationsstrategie. Es geht immer um eine „demonstrative Geste“ nach Außen, bei der die Bühnen der Gesellschaft betreten werden müssen: öffentliche Räume und Plätze, öffentliche Medien und Formate. Und auch dafür ist wiederum entscheidend, ob solche Repräsentationsstrategien gewählt werden, die legitimatorisch wie ästhetisch an entsprechende Auffassungsmöglichkeiten der Öffentlichkeit anknüpfen, also schlicht und einfach auch verständlich und nachvollziehbar sind. Dass dies gegenwärtig von den Studierenden in sehr eleganter und überzeugender Weise betrieben wird, zeigen die überaus positiven Medienreaktionen.
Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen
grauenvoll — dagegen