Bericht über die Antifa Aktionen in Warschau

Antifa Polen 17.11.2009 18:17 Themen: Antifa Antirassismus
Am 11. November anläßlich einer Demonstration der von dem ONR (NL - Nationalradikales Lager, de.wikipedia.org/wiki/Nationalradikales_Lager) geführten neofaschistischen Gruppierungen in Warschau haben die anarchistischen und antifaschistischen Aktivist/inn/en eine Reihe von Aktionen durchgeführt, um starke und klare Stimme des Widerstandes gegen den Faschismus zu geben. Die Aktionen wurden im Rahmen der europäischen Tagen gegen den Faschismus, die eine Folge der von Siempre Antifascista organisierten Antifaschistischen Konferenz im vergangenen Jahr waren.
Das größte Ereignis des Tages war die durch „Das Abkommen 11. November“ (Porozumienie 11 Listopada) leglisierte friedliche Mahnwache an der Ecke der Swietokrzyska Straße und Marszalkowska Straße. Sie begann um 13.00 Uhr (eine Stunde vor dem geplanten Beginn des Marsches der Faschisten) mit rund 300-400 Personen. Es wurden von Aktivist/inn/en und anderen Personen (Alina Cala (Jüdisches Historisches Institut), Seweryn Blumsztajn (Gazeta Wyborcza), Halina Bortnowska (Internationale Helsinki-Föderation für Menschenrechte). Anwesend waren Menschen aus ganz Polen zusammen mit ausländischen Gästen. Kurz nach dem Beginn wurde die Mahnwache durch den Reihen der Polizei umstellt. Leute, die zur Mahnwache anschliessen wollten, hatten damit Schwierigkeiten. Trotzdem setzte die Mahnwache fort, spielte Samba Band, wurden warme Mahlzeiten im Rahmen der Food Not Bombs verteilt. Nach einiger Zeit, begann sich eine Handvoll von Demonstranten von der Mahnwache zu trennen und sich in Richtung der Senatorska Straße zu bewegen. Auf dem Bankowy Platz wurde ein grosses Transparent mit der Aufschrift „Faschismus wird nicht passieren“, mit den durchgestrichenen Phalanx und keltischen Kreuz.
Wenn die Faschisten zu marschieren anfingen, wurde die gesamte Breite der Sanatorska Straße von 150 Personen blockiert, leider van Anfang an von vielen Polizisten umgeben. Die Blockade blieb trotzdem am Ort, bis die Polizei den faschistischen Marsch an eine andere Route – Nowy Swiat Straße und Krakauer Vorstadt Straße umgeleitet hat. In diesem Moment ein Teil der Gruppe hat sich in Richtung der U-Bahn begeben, um ins Zentrum zu gelangen und dort dir Faschisten stoppen. Die gebliebenen Aktivist/inn/en wurden von der Polizei mit dem Tränengas und den Schlagstöcken angegriffen. 20 Personen wurden im Sächsichen Park von der Polizei eingekesselt und für 2 Stunden ohne Grundangabe gehalten.
An der Ecke von Al. Jerozolimskie Straße und Nowy Swiat Straße eine Gruppe von ungefähr 20 Antifaschist/inn/en hat sich quer über die Strasse gestellt und bewarf die Faschisten mit verschiedenen Gegenständen. Nach einer Weile wurde sie von die Polizei zerstreut und eine Person wurde vereinnahmt.
Als die Information über die veränderte Route der Faschisten sich verbreitet hat, Antifaschist/inn/en begannen in Richtung Dmowski Denkmal zu gehen, wo die Faschisten das Ende ihres Marsches geplant hatten. Als die Faschisten dort gekommmen sind, wurden von der Polizei umgekesselt. Es sind Dutzende von Antifaschist/inn/en gekommen. Plötzlich eine von den kleinen Gruppen wurde von Geheimpolizisten angegriffen. Menschen wurden geschlagen und die Geheimpolizisten haben sich erst dann aufgedeckt, wenn die Prävention angefangen hat die Leute zu schlagen, unter denen auch einen von ihnen.
Insgesamt 14 Personen wurden festgenommen. Sobald festgestellt wurde, dass sie in der Polizeistation auf der Wilcza Straße gehalten waren, wurde dort eine Solidaritätsmahnwache von Dutzende von Menschen gebildet. Sieben von den Gefangenen wurden am selben Tag entlassen, fünf weitere am nächsten Tag am Nachmittag und die letzten zwei Personen nach 48 Stunden. 7 Personen, die 24 und 48 Stunden dort verbrachten, haben die Anklage wegen des Angriffs und Beleidigungen auf die Offiziere gehört. Sie werden von der Anarchist Black Cross juristisch versorgt.
Von den Morgenstunden wurden auch militante antifaschistische Aktionen durchgeführt. Eine dezentralisierte Gruppe von ein Paar Dutzenden Leuten attackierte die Faschisten auf dem Weg zur Demonstration und nach ihrem Schluss. Während einer solchen Aktionen hat die Polizei gegen die fliehenden Antifaschist/inn/en Schusswaffen benutzt (!!!), glücklicherweise ist niemend verletzt worden (natürlich außer den angegriffenen Neonazis).
Die Antifaschist/inn/en waren die ganze Zeit mit oft illegalen Handlungsweisen und Repressionen von der Seite der Politei gegenübergestellt. Die Leute, die zur Mahnwache gelangen wollten, wurden legitimiert, festgenommen und schikaniert von Beamten. Vier Antifaschisten hörten ein Gespräch von Polizisten:
„Polizist A: Du, hör mal, wen sollen wir denn legitimieren?
Polizist B: Anarchisten, Farbigen und Kahlköpfigen.“
Dies bestätigt eindeutig die Einstellung den die genze polizeiliche Intervention führenden Offizieren. Es ist zu Absurden gekommen, wenn die Polizei erst die Leute in ein Ort gedrängt hat, um ihnen dann eine Formierung einer illegalen Versammlung zu unterstellen. Die Geheimpolizisten haben Gruppen von Antifaschist/inn/en angegriffen ohne sich aufzudecken und jetzt werden die Leute von Angriffen auf die Beamten angeklagt. Die Polizisten haben weder ihre Namen und Dienstgrad noch den Grund der Intervention angegeben, wozu sie rechtlich verpflichtet sind. Eine Grotesk ist auch der offiziele Grund der Routewechsel des Marsches – nach der Polizei auf der geplanten Route wurden „verdächtige Packungen“ gefunden, die tatsächlich einfache Taschen waren. Trotz dieser Tatsache wurden keine spezielle Polizeieinheiten gerufen, die Packungen wurden von den üblichen Polizisten durchgesucht. Ist das eine normale Handlunsweise im Fall einer solchen Gefahr?!? Solche Taktik ist auf eine Kriminalisierung der antifaschistischen und anarchistischen Bewegung eingestellt und wird durch die Mainstream Medien propagiert, wo von „Linksextremisten“ und „anarchistischen Randalierer“ die Rede ist, die den „die Demokration wehrenden Polizisten“ gegenübergestellt werden.
Die Behandlung den festgenommenen Personen wurde auch ohne jeglichen Normen durchgeführt. Sie hatten keine Möglichkeit, sich mit der Familie oder dem Anwalt zu kommunizieren, wurden nicht über den Grund der Festnahme informiert, es wurde ihnen der Zugang zu Toilette verweigert, haben das Essen und Trinken nicht bekommen. Während der Verhören waren sie mit dem Gebrauch der Gewalt bedroht, waren beschimpft, oft mit rasistischen und sexistischen Ausdrücken. Sie waren gefordert, falsche Protokolle der Geständnisse zu unterzeichnen, glücklicherweise haben sie es nicht gemacht. Einer der Polizisten gab offen zu, dass er ein ehemaliges Mitglied und jetzt immernoch ein Anhänger der Nationalen Wiedergeburts Polens (Narodowe Odrodzenie Polski (NOP), de.wikipedia.org/wiki/Nationale_Wiedergeburt_Polens) ist, die anderen haben auch ihre faschistischen Sympathien nicht besonders versteckt.
Zusammenfassend, die Antifaschist/inn/en in diesem Jahr haben deutlich gezeigt, dass es die gesellschaftliche Akzeptanz der öffentlichen Auftritte der Neofaschisten nicht gibt. In den antifaschistischen Aktionen hat eine Gesamtsumme von etwa 400-500 Personen teilgenommen. Es sind Leute aus ganz Polen nach Warschau gekommen, aus Szczecin, Bielsko-Biala, Biala Podlaska, Gorzow Wielkopolski, aber auch aus Berlin und Prag. Die Aktivitäten waren mehr unterschiedlich als im vergangenen Jahr. Es war klar, dass die Menschen schon vor langer Zeit aufgehört haben, Angst von den faschistischen Gruppen zu haben, und dass sie niemals die Proklamation der faschistischen Ideologie dulden werden. Die Techniken der Antifa werden immer mehr offensiv und das ist der richtige Weg ihrer Entwicklung. Die Neonazis marschierten nur dank einer riesigen Zahl der Polizisten, was den Staat eine Menge Geld gekostet hat. Wir wissen es sehr gut, dass die neoliberale Regierung nur auf dem wirtschaftlichen Niveau die Realität beobachten kann, also sie kann schon jetzt einschätzen, wieviel Geld sie im nächsten Jahr verlieren wird, wenn sie wieder den faschisten marschieren lässt. Herr Tusk, Frau Gronkiewicz-Waltz, lohnt es sich wirklich? Denken Sie daran, dass wo immer die Faschisten ihre kranken Ideen verkünden wollen, dort sind wir da, um ihre Träume von Macht zu einem Albtraum werden lassen. Mit allen Mitteln!
NO PASARAN!


Fotogalerie:  http://rozbrat.org/galeria/category/209-
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Ergänzungen

Ohje

antifa 17.11.2009 - 20:52
Die antifaschistische Aktion fand wegen des Datum des Naziaufmarsches statt. Nicht wegen einer Kampagne einiger Berliner. Oder wollt ihr sagen, dass die polnischen Nazis sich nach dem Terminkalender der ALI Berlin oder der NEA richtet, weil die so ne nette Kampagne machen?

Da versuchen aber Leute mit Ach und Krach eine eigene Kampagne aufzublasen.

Statt vernünftig zu schauen, wie man eine realistische internationale Solidarität hinbekommt, wird hier zwanghaft versucht alles unter ein Label und somit unter die Kontrolle einiger Berliner Gruppen zu bekommen.
Wie kleingesitig und kurzfristig gedacht.

Türme aus Sand!

legitimieren?

Frager 18.11.2009 - 15:25
„Polizist A: Du, hör mal, wen sollen wir denn legitimieren?
Polizist B: Anarchisten, Farbigen und Kahlköpfigen.“

Was ist in dem Zusammenhang mit legitimieren gemeint? Ist wahrscheinlich eine falsche Übersetzung - egal. Kann mir da jemand weiterhelfen?

legitimieren = ausweisen

19.11.2009 - 01:10
im polnischen sind die worte für legitimation und personalausweis dieselben - legitimieren = ausweisen

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

Zeige die folgenden 3 Kommentare an

tolle sache und — toller beitrag

Guter Artikel — atze