[Berlin] Mauerpark is our Park!

Mauerblume 13.11.2009 11:49 Themen: Freiräume Kultur

Mauerpark is our Park!

Der westliche Teil des Mauerparks soll mit 6 - 7 stöckigen Lofts bebaut werden. Die Folgen wären soziale Verdrängung durch Mietsteigerung in den umliegenden Gegenden, so wie eine zunehmende Präsenz von Sicherheitsdiensten und Polizei, um die Ruhe und Unversehrtheit der neuen Anwohner_innen sicherzustellen. Die kreative Vielfalt, wie sie den Mauerpark als “temporären Freiraum” derzeit prägt, wäre damit passé.

Im Folgenden der Aufruf von NEA (North East Antifascists) und der Initiative VOSIFA


Mauerparkbebauung? - Wir haben was dagegen!

Vor etwa 15 Jahren förderte die Allianz Umweltstiftung den Ausbau des Mauerparks mit 5 Millionen DM mit der Auflage, diesen bis 2010 fertig zu stellen, d.h. auf mindestens 10ha zu vergrößern. Dies ist aber bis heute nicht geschehen! Das Land Berlin ist nun gezwungen, schleunigst etwas zu unternehmen, um das Geld nicht zurückzahlen zu müssen. Das Problem ist allerdings, dass die Brachfläche am Mauerpark, welche ausgebaut werden soll, nicht im Besitz des Landes ist. Sie gehört der vom Bund gegründeten Immobiliengesellschaft Vivico Real Estate, die 2008 in privaten Besitz überging. Der Flächennutzungsplan sieht für das Gelände westlich des Mauerparks, um das es geht, jedoch keine Bebauung vor. Deshalb ist das Grundstück in seinem jetzigen Zustand für die Vivico so gut wie wertlos. Zur Lösung des Problems führte Mittes Baustadtrat Ephraim Gothe (SPD) Anfang dieses Jahres Geheimverhandlungen mit der Immobiliengesellschaft. Wenn diese ein Stück der Fläche abgibt, steht ihr die restliche Freifläche für ihre feuchten Investorenträume vom Luxuswohnen am Mauerpark zur Verfügung. Dort sollen dann 6-7stöckige Lofts entstehen.

Die neue Siedlung würde eine extreme bauliche Trennung der Stadtteile Wedding und Prenzlauer Berg bedeuten. Die Menschen im infrastrukturell benachteiligten Wedding dürfen sich in Zukunft über neue nackte Hauswände statt über eine gemeinschaftlich nutzbare Grünfläche freuen. Hinzu kommt, dass die Bebauung des westlichen Mauerparks eine rasante Mietsteigerung für alle umliegenden Wohnblöcke bedeuten würde. Außerdem ist davon auszugehen, dass die neuen BewohnerInnen der Closed-Community sich ihrer Ruhe willen nicht nur die entsprechenden Security-Firmen etwas kosten lassen werden. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird es eine engere Kooperation mit der Polizei geben, wenn es darum geht, sich einen ruhigen Sonntag zu verschaffen - frei von lärmenden Kindern, Trommlern, frei von spontanen Fußballturnieren, Musik-Sessions oder Menschen, die sich zum Grillen und Quatschen im Park treffen. Der Mauerpark würde somit zu einer ökologischen und kulturellen Brache werden, steril und gesäubert vom ordinären Pöbel dieser Stadt, passend zur neunen Beton- und Glaskonstruktion. Mit Bauten, wie sie auf der West-Seite des Mauerparks realisiert werden sollen, würde all das, was wir an lebendiger Kultur und gegenseitiger Begegnung noch diesen Sommer im Mauerpark erleben konnten, bald ein jähes Ende finden. Damit würde eine weitere Verdrängung der Menschen vorangetrieben, die finanziell nicht so gut betucht sind. Benachbarte Bauprojekte, wie z.B. die Marthashöfe, die Kastaniengärten, oder die Gleim50, die mit Quadratmeterpreisen um die 3000 Euro aufwarten, haben hier bereits schon den Anfang gemacht.

Die Entscheidung über die geplante Bebauung fällt am 25. November 2009. Am Tag selbst, aber auch schon im Vorfeld, wollen wir gegen die Pläne demonstrieren. Unsere Kritik zielt nicht allein auf Gothe, sondern auch auf das Land Berlin ab, welches letzten Endes die Bebauung in Gänze abzusegnen hat. Wir treten ein für eine Stadt, in der die Menschen nicht zu Gunsten von Kapitalinteressen zusammengestaucht werden, sondern in der wir uns frei entfalten und leben können. Und zwar ohne Angst haben zu müssen, dass wir im kommenden Monat die Miete nicht mehr zahlen können. Die Mauerparkbebauung steht dem komplett entgegen, weswegen wir die Initiative “Mauerpark fertigstellen“ in ihrem Anliegen, die Pläne zu stoppen, unterstützen. Allerdings geht es uns letzten Endes nicht allein um den Erhalt einer Grünfläche als gemeinschaftlich nutzbaren Raum. Schon während der Kämpfe um den Erhalt der Pankower Jugendeinrichtungen haben wir uns immer wieder für eine umfassendere Kritik der Verhältnisse ausgesprochen, die nicht bei der Forderung nach mehr Sachmitteln oder irgend einer „gerechteren Politik“ stehen bleibt. Wir wollen ein gutes Leben jenseits von Konkurrenz und Leistungszwang. Betrachten wir also die Verhinderung der Bebauungspläne als einen kleinen Schritt in eben jene Richtung. Die Verhinderung des Vivico Real Estate-Projektes macht den Mauerpark zwar nicht zu einer „kapitalismusbefreiten Zone“, dafür wäre es aber eine herrlich schallende Ohrfeige für die hiesige Stadtentwicklungspolitik. Machen wir also aus dem Kampf um den Mauerpark einen Punktsieg für die KiezbewohnerInnen und Basisbewegungen dieser Stadt, gegen ein Berlin, in dem die soziale Schere immer mehr auseinander geht.

Wir wollen eine unkommerzielle Nutzung der Freifläche am Mauerpark!

Zeigen wir ihnen also mit lautstarkem Protest, was wir von ihren Ideen halten!

14. Nov. 2009: Demonstration
15.00 Uhr, Mauerpark-Eingang Bernauer Straße

16. Nov. 2009: Infoveranstaltung
19.30 Uhr, Cafe Morgenrot, Kastanienallee 85
Anschließend: die Dokumentation „Unter deutschen Dächern“
Beschreibung des Films
Ausschnitt aus dem Film

25. Nov. 2009: Kundgebung
16.30 Uhr, BVV-Mitte, Parochialstr. 3

Ein Aufruf von:
Initiative VOSIFA
North East Antifascists

Website des Bündnisses:
Initiative „Mauerpark fertig stellen!“
Hintergründe der Bebauung

Unterstützer_Innen des Aufrufs:
Jugend-Antifa Nord-Ost [JANO]
Antifa Jugend Hohenschönhausen [AJH]
Antifa Initiative Reinickendorf [AIR]

* * * * * * * * * * * * * * * * * * * * *
Musikalischer Support von Jenz Steiner
Jenz Steiner - Mauerpark
Jenz Steiner - Stacheldrahtzaun

Creative Commons-Lizenzvertrag Dieser Inhalt ist unter einer
Creative Commons-Lizenz lizenziert.
Indymedia ist eine Veröffentlichungsplattform, auf der jede und jeder selbstverfasste Berichte publizieren kann. Eine Überprüfung der Inhalte und eine redaktionelle Bearbeitung der Beiträge finden nicht statt. Bei Anregungen und Fragen zu diesem Artikel wenden sie sich bitte direkt an die Verfasserin oder den Verfasser.
(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)

Ergänzungen

Weitere Unterstützer_innen

AFA 13.11.2009 - 15:09
Weitere Unterstützer_innen

Jugendantifa Wilmersdorf und Charlottenburg
Initiative "Bildungsblockaden Einreißen!
Wir bleiben alle! - Kampagne
AK Linke Metropolenpolitik
AJZ La Casa
SpokenView Records
Jenz Steiner


Fotos zur Demo

... 15.11.2009 - 22:07
Fotos zur "Mauerpark is our Park" Demo unter:

 http://www.flickr.com/photos/mikaelzellmann/sets/72157622802031624/

@richtig verstanden

wohl doch nicht 16.11.2009 - 12:14
aus welchen gründen sollte der marktmechanismus bei immobilien nicht funktionieren?

wenn ich eine wohnung besitze, die ich auf jeden fall vermieten muss, werde ich das tun zu dem preis, den die nachfrage nach meiner wohnung hergibt. und wenn das eben nur 10 euro + betriebskosten wären, hätte ich halt pech gehabt. solange die 10 euro die instandhaltungskosten, die durch die nutzung entstehen, decken, wird natürlich vermietet.

eine seit zehn jahren leer stehende villa ist aus gründen, die nur der besitzer (falls dieser bekannt ist) weiß, nicht am markt. aus diesem objekt kann also keine aussage über den marktmechanismus abgeleitet werden.

dass der mietpreismechanismus nach oben und nach unten funktioniert, siehst du, wenn du die mieten in der platte irgendwo in der ostdeutschen provinz (suhl, hoyerswerda oder so) mit denen am prenzlberg oder am starnberger see vergleichst. was glaubst du, wo das angebot größer als die nachfrage und wo die nachfrage größer als das angebot ist?

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

Zeige die folgenden 4 Kommentare an

Panikmache? — Schwabe

etwas falsch verstanden? — ahnungsloser

richtig verstanden — mitdemonstrant