Köln: Gedenken an Edelweisspiraten

Autor/in 10.11.2009 23:16 Themen: Antifa
Jahrestag der Hinrichtung der 13 jugendlichen Edelweißpiraten und anderer Widerstandskämpfer
Am heutigen 10. November 2009 wurde in Köln-Ehrenfeld erneut der vor 65 Jahren am Galgen öffentlich hingerichteten Menschen gedacht.

Sie waren durch ihren Widerstand als jugendliche Dissident/innen(Edelweißpiraten) den rassistischen NS-Herrenmenschen ein Dorn im Auge. Während des Zweiten Weltkriegs hatten zahlreiche Gruppen öffentlich Widerstand geleistet und Sabotageakte gegen die Nazis ausgeübt.

Seit 2003 ist an dem Bahnbogen eine Gedenktafel angebracht. Die Inschrift der Gedenktafel in der Schönsteinstraße (Ecke Bartholomäus-Schink-Str.) lautet:
"Hier wurden am 25.10.1944 elf vom NS-Regime zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppte Bürger Polens und der UdSSR und am 10.11.1944 dreizehn Deutsche – unter ihnen jugendliche Edelweißpiraten aus Ehrenfeld sowie andere Kämpfer gegen Krieg und Terror – ohne Gerichtsurteil öffentlich durch Gestapo und SS gehenkt."

Etwa hundert Leute kamen heute zusammen, um in einem Schweigemarsch von der ehemaligen Synagoge in der Körnerstraße zum Ehrenfelder Bahnhof zu demonstrieren. Dort redete der neue Oberbürgermeister Roters, der sich als Regierungspräsident für die Anerkennung der Edelweißpiraten als Widerstandskämpfer/innen stark gemacht hatte. Auch der in der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem als "Gerechter unter den Völkern" geehrte Kölner Karnevalist und Edelweißpirat Jean Jülich redete über die Schwierigkeiten der Anerkennung in der Nachkriegszeit.

Auch Fritz Theilen und Wolfgang Schwarz waren dabei, Gertrud "Mucki" Koch ließ sich wegen Krankheit leider entschuldigen. Neben Musikdarbietungen der Lokalmatadoren aus dem Brings-Klan wurde auch die Ehrenbürgerschaft für den 80jährigen Jean Jülich eingefordert. Doch weder der Oberbürgermeister, noch der einladende Bezirksbürgermeister Wirges wollten sich darauf festlegen lassen.

Historische Hintergründe:
 http://de.wikipedia.org/wiki/Edelweisspiraten
 http://de.wikipedia.org/wiki/Ehrenfelder_Gruppe#Hinrichtungen
Creative Commons-Lizenzvertrag Dieser Inhalt ist unter einer
Creative Commons-Lizenz lizenziert.
Indymedia ist eine Veröffentlichungsplattform, auf der jede und jeder selbstverfasste Berichte publizieren kann. Eine Überprüfung der Inhalte und eine redaktionelle Bearbeitung der Beiträge finden nicht statt. Bei Anregungen und Fragen zu diesem Artikel wenden sie sich bitte direkt an die Verfasserin oder den Verfasser.
(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)

Ergänzungen

Gedenkdemo zum 09. November

Autor/in 10.11.2009 - 23:28
Ebenfalls in Köln fand gestern die Demo zum Jahrestag des Beginns der reichsweiten Novemberpogrome 1938 statt. Anfang etwa hundert, später wesentlich weniger Menschen, zogen im Regen vom Standort der ehemaligen Synagoge am Offenbachplatz (Schauspielhaus) über eine Zwischenkundgebung an der von Schließung bedrohten Gedenstätte Jawne zum Allianz-Gebäude auf dem Kaiser-Karl-Ring.

Hier der Aufruf:

"Gedenkkundgebung und Protestdemo in Köln:
Kein Vergeben - Kein Vergessen!

Die Pogrome des 9. November 1938 waren der Auftakt des Holocaust. In ganz Deutschland verwüsteten Nazis und "normale Bürger" jüdische Geschäfte, Einrichtungen, Wohnungen und Synagogen. In Köln wurde unter vielen anderen Gebäuden die Synagoge am Offenbachplatz niedergebrannt.
Der erste Teil unserer Demonstration ist daher dem Gedenken an die Opfer der Novemberpogrome gewidmet. Dabei unterstützt uns musikalisch die Klezmer Akademie Köln.

Den Lern- und Gedenkort Jawne erhalten.
In den Pogromen wurden auch die Gebäude in der St. Apernstraße, einem Zentrum jüdischen Lebens, verwüstet. Darunter befand sich das einzige jüdische Gymnasium im Rheinland, die Jawne; ihre Lehrer wurden in das KZ Dachau verschleppt. Der damalige Direktor Erich Klibansky hatte bereits vorher begonnen, die sog. "Kölner Kindertransporte" nach England zu organisieren und konnte so bis Juli 1939 130 seiner Schüler_innen retten. 1100 Kinder wurden im Verlauf der weiteren Jahre auf dem Schulhof der Jawne zusammengetrieben und in die Vernichtung deportiert. An sie erinnert heute ein Gedenkbrunnen auf dem Erich Klibansky Platz, am historischen Ort der Jawne in der heutigen Helenenstraße.
Dort befindet sich auch ein kleiner Lern- und Gedenkort, um an die Geschichte der jüdischen Kölner Kinder zu erinnern. Diesem droht nun das Aus.

Die Allianz zur Verantwortung ziehen.
Hat der Allianz-Konzern in den letzten Jahren die Räumlichkeiten für den Lernort kostenlos in ihrem Gebäudekomplex an der Skt.-Apern-Straße zur Verfügung gestellt, fordert sie nun eine Miete von 1.400,- Euro monatlich. Alle bisherigen Proteste dagegen haben lediglich dazu geführt, dass die Allianz eine Staffelung in zwei Jahren von 50% für 2010 und 75% für 2011 angeboten hat, um dann ab 2012 die volle Miete zu verlangen.
Mit unserer Demonstration fordern wir die historische Verantwortung der Allianz ein und verlangen die weitere kostenlose Bereitstellung der Räumlichkeiten. Immerhin hat die Allianz nach den Novemberpogromen davon profitiert, dass sie den Versicherungsverpflichtungen für die zerstörten jüdischen Gebäude aufgrund eines Deals mit der NS-Regierung nicht nachkommen musste. Dieser Verantwortung kann sich die Allianz auch nicht dadurch entziehen, dass sie anführt, durch Einzelentschädigungen und diverse Gedenkprojekte schon genug getan zu haben. Im Fall der Jawne will die Allianz trotz ihrer Geschichte am Gedenken noch verdienen.
Das können und wollen wir nicht akzeptieren.

Veranstalter_in: Bündnis Kein Vergessen/Initiative 9.11. Köln
 http://www.kein-vergessen.tk"

NO PASARAN !

Chico H. 10.11.2009 - 23:56
erfasst von: anonym. Verfasst am: Sa, 07.11.2009 - 10:21.

am Freitag den 13. und Samstag den 14. 11 findet in der KTS Freiburg das antifaschistische "no pasaran" - Festival statt. Das heißt: Bands,Bands,Bands, Kneipe, Filme, Cocktails, Burger, pi.pa.po. Mit dabei sind......

Freitag : Tv Smith (acoustic/punk) Riot Brigade (HC-Punk) No Authority (Ska) Liberty Madness (Pünk) The B. Goode Boys (Rock´n´Roll)

Samstag : strawberry Blondes (Punk/Trompeten-Punk) Loaded (Ska-Punk) Obtrusive (Hc-Punk) Estrella Negra (Punkrock) Sweat shop Boys (Punk) R.M.E.F.R.M. (Crust)

.....geht ab, oder?

* Antworten

The Revolution Will Not Be Televised
URL
ontopic
Verfasst von: Herbert Paix. Verfasst am: So, 08.11.2009 - 13:16.

Dieser Herbst entpuppt sich als eine relevante Zeit für unsere Kämpfe. Gut, dass endlich mal geschafft wird überregional auf einander Bezug zu nehmen. Dementsprechend ist davon auszugehen, dass Behörden und Nazis die siempre-antifa Aktionswochen als ebenso wichtig einstufen. Neben Aktionen gegen die Naziaufmärschen in Wunsiedel und München (und?), gibt es in Deutschland mindestens sechs größere Mobilisierungen der Autonomen Linken.

Im Mittelpunkt unserer Reflektion stehen Nazis, Repression, Sozialpolitik, Ökologie und Rassismus; Kämpfe die in dieser Zeit in den Mittelpunkt der öffentlichen Debatte rücken müssen. Dies zu erreichen ist und bleibt Handarbeit, die durch Versammlungen und Interventionen sichtbar werden.

Damit trägt die außerparlamentarische Bewegung dazu bei, den aktuellen Entwicklungen wenigstens ein paar tausend Wütende entgegen zu tragen und wenigstens Teilweise "Erfolge" im Spektakel der theatrokratischen Gesellschaft zu erzielen.

Auch an den Universitäten und sonstigen Bildungsinstitutionen gibt es Entwicklungen, die auf neue Auseinandersetzungen hindeuten. Das gleiche gilt für explizit antirassistische Aktionen, angesichts zehntausender drohender Abschiebungen diesen Winter.

Und die Krise? Tja die Krise zieht völlig an uns "Wessies" vorbei, hier ein paar Kämpfchen, dort "soziale Lösungen", und die Staaten retten mit Sand ein bröckelndes Fundament der kapitalistischen Wirtschaftsweise. Wann und ob das Ganze hier so richtig spürbar wird und welchen Umgang die Menschen mit der Krise finden, hängt auch stark von der Auseinandersetzung mit ökonomischen Fragen in der Linken, die bisher weitgehend ausbleibt. Soweit ist die Reaktion antagonistischer Kräfte in Europa kaum zu spüren. Vielmehr gewinnt ein rechtes Klima an Fahrtwind. Unsere Offensive steht auf allen Ebenen an.

Auch wenn Demonstrationen und direkte Aktionen gegen die Nazis und den Staat nur einige der Mittel im sozialrevoluionären Kampf darstellen und in Mitteleuropa schon seit zwei Jahrzenten keine linke Massenbewegungen mehr erfolgten, sind sie dennoch notwendig, um eine Öffentlichkeit für antifaschistische und autonome Strömungen zu schaffen und dem Autoritarismus praktisch zu begegnen.

Aber was kommt danach, und wann klinken sich wieder richtige Massen ein? Und wie hart werden sie das nächste mal zuschlagen, auf Demonstrationen oder gegen unsere Freiräume? Auf Flughäfen, Bahnhöfen und an Grenzen?

Fakt ist, dass die Antifa-Aktionstage, die Aktivitäten gegen die WTO in Genf, den COP15 in Kopenhagen, Bildungs- und Gesundheitspolitik und kommende Antirassistische Aktionen im Winter den Ton angeben könnten. Es liegt an uns.

* Antworten
* Versionen

Kein Vergeben, Kein Vergessen!
URL
Verfasst von: Conny Demo. Verfasst am: Di, 10.11.2009 - 23:15.

 http://conny2009.blogsport.de/
 http://jugendantifagoettingen.blogsport.de/
 http://www.ali.antifa.de/

* Antworten

Creative Commons license icon

Fritz Theilen: Edelweißpiraten

egal 11.11.2009 - 00:00
# Fritz Theilen: Edelweißpiraten. Emons-Verlag, Köln 2003, ISBN 3-89705-272-5