Letzter Tag im Schwarzen Petersburg

Pank Rok! 10.11.2009 11:57 Themen: Freiräume Kultur Repression Soziale Kämpfe Weltweit
Am Sonntag endete das alljaehrliche anarchistische Festival in St. Petersburg (Russland) mit weiteren Workshops und einer Hausbesetzung.
Im Zentrum der "Petersburger Soldatenmuetter" wurden zunaechst praktische Hinweise fuer die Vermeidung der Wehrpflicht gegeben. Die Moeglichkeit der Kriegsdienstverweigerung besteht in Russland zwar theoretisch, wird aber durch Unkenntnis der Wehrpflichtigen und das Verhalten der Behoerden kaum umgesetzt. Die meisten warten bis zur Einberufung und versuchen dann, sich irgendwie rauszumogeln, was schiefgehen kann. So ist auf einem Plakat der Soldatenmuetter zu lesen: "Zahl keine Schmiergelder, sondern informiere Dich ueber Deine Rechte!" Neben dem Krieg letztes Jahr in Georgien fuehrt Russland auch in Tschetschenien weiter Krieg; man hoert zwar nicht mehr viel davon, aber im Veranstaltungssaal haengt eine ganze Wand voll mit Bildern von Soldaten, von denen viele erst in den letzten zwei, drei Jahren in Tschetschenien umgekommen sind.
Weitere Workshops befassten sich mit aktuellen und theoretischen Fragen des Anarchismus. So gab es einen lustigen Selbstversuch zur Praktikabilitaet von Konsensentscheidungen, eine Nachbereitung zu den antifaschistischen Gegenaktivitaeten zum Nationalfeiertag am 4. November (u. a. gab es in Moskau als Gegenaktion zum "russischen Marsch" eine Kundgebung "Russen gegen Faschismus", die auch von AnarchistInnen mitorganisiert war, was sehr umstritten ist; bzw., die Anwesenden waren fast geschlossen dagegen), einen Workshop "Psychogeografie der Stadt", Infos ueber Gentechnik und eine kontroverse Diskussion ueber die realen Auswirkungen anarchistischer Aktivitaeten.
Abends ging es dann erneut in das besetzte Haus an der Metrostation Petrogradskaja, wo diesmal ein Konzert stattfand. Es spielten sieben Bands von nah und fern Sound von Ska ueber Punk und Oi! bis zu Grunzcore-Kreischcrust. Dazu servierte Food Not Bombs leckersten Vegie-Doener, zugunsten des Festivals diesmal ausnahmsweise nicht gratis, sondern fuer 30 Rubel das Stueck (auf der Strasse kostet das Zeug hier 80, das sind knapp 2 Euro, und die Portionen sind kleiner). Dafuer war der Eintritt zum Konzi frei. Die Veranstaltung ging ohne Bullenstress ueber die Buehne. Leider gab es zwei, drei kleinere Schlaegereien unter betrunkenen Anwesenden, die jedoch schnell geschlichtet werden konnten und unter "russischer Humor" verbucht wurden. Bedauerlicherweise dauerte das Ganze so lange, dass anschliessend keine Metro mehr fuhr und sich ca. 100 Leute gemeinsam auf den Weg in die Innenstadt machen mussten, wo sie auch fast ueberhaupt nichts angestellt haben. Die Cops hielten sich fern, es gab bis jetzt keine Berichte ueber Verhaftungen oder Uebergriffe (allerdings ist es schwer, einen Ueberblick zu bekommen).
Positiv ist uebrigens noch anzumerken, dass es diesmal offenbar ueberhaupt keine Probleme mehr mit Faschos gab.
Hintergrund, Vorgeschichte und Ankündigung:  http://de.indymedia.org/2009/10/262785.shtml
Bericht vom Freitag:  http://de.indymedia.org/2009/11/265018.shtml
Bericht vom Samstag:  http://de.indymedia.org/2009/11/265075.shtml
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Ergänzungen

Bilder aus dem Petersburger Squat

Linker 11.11.2009 - 23:23
Und hier gibt's die Fotos von dem Konzi im besetzten Haus:  http://de.indymedia.org/2009/11/265486.shtml