Jürgen Riegers Testament: NPD geht leer aus

Rotes Wunsiedel 05.11.2009 16:06 Themen: Antifa Blogwire
Der in der vergangenen Woche einem Schlaganfall erlegene Neonazi Jürgen Riegen aus Hamburg hat nach Informationen des Nachrichtensenders NDR Info ein Testament hinterlassen, in dem allein die Familie begünstigt wird.
Die Familie hat keine angeblich Bezüge zur rechtsextremen Szene. Sie alleine hat danach zu entscheiden, was mit dem Vermögen des Neonazis geschehen soll.

Es scheint als kreise über der NPD demnächst wieder einmal nicht nur der verweste Reichsadler sondern auch der Pleitegeier...
Der im Alter von 63 Jahren verstorbene Rieger war in den vergangenen Jahren immer wieder durch spektakuläre Immobiliengeschäfte in die Schlagzeilen geraten . Zuletzt hatte er versucht , in der Gemeinde Faßberg im Landkreis Celle ein 80- Betten Hotel für die Gründung eines rechtsextremen Schulungszentrums zu ersteigern. Dieses Problem dürfte sich jetzt ebenso erledigt haben, wie viele andere Immobilienprojekte des Hamburger Neonazis in der gesamten Republik. In dem Ende vergangener Woche in Hamburg vorgefundenen Testament heißt es nach Informationen von NDR Info, dass allein die Kinder von Rieger künftig über die Hinterlassenschaft bestimmen sollen.

Zugleich ist in dem Testament festgelegt, dass das Dokument nicht den Gerichten übergeben werden solle. Jürgen Rieger war Jahrzehntelang eine Schlüsselfigur der Neonazi-Szene mit internationalen Verbindungen und einem erheblichem Immobilienbesitz. Treuhänderisch verwaltete er außerdem die Vermögen verblichener Altnazis. Rieger hatte dafür eigens eine in London registrierte Forma namens „Wilhelm Tietjen Stiftung Ltd.“ gegründet. In deren Namen erwarb er immer wieder Grundstücke, unter anderem im niedersächsischen Landkreis Verden uns, im thüringischen Pößneck und zuletzt in Faßberg im Landkreis Celle . Außerdem versorgte er die rechtsextreme NPD immer wieder mit sechsstelligen Krediten.

Mit diesem finanziellen Hintergrund sorgte er für seine Wahl zum stellvertretenden Bundesvorsitzenden der rechtsextremen Partei. Zugleich war er Landesvorsitzender der NPD in Hamburg. Experten gehen davon aus, dass Riegers Grundstückspläne damit der Vergangenheit angehören, da er nach Informationen von NDR Info testamentarisch keinen Bevollmächtigten für seine Londoner Firma eingesetzt hatte.

Das Testament könnte aber vor allem die finanziell klamme NPD vor Probleme stellen, denn Riegers Familie könnte die der Partei gewährten Darlehen zurückfordern.

NDR Info liegen Dokumente vor, die belegen, dass Rieger allein für den Landtagswahlkampf der rechtsextremen NPD in Mecklenburg-Vorpommern rund 270.000 Euro zur Verfügung gestellt hatte.

---Rieger belastet Udo Pastörs mit VS Vorwurf---

Nach Informationen von NPD-BLOG.INFO hatte Rieger an Parteichef Voigt einen Brief geschrieben, in dem es um die Vergabe des Postens als Fraktionschefs in Mecklenburg-Vorpommern ging. Darin hatte Rieger gemutmaßt, Pastörs könnte für den Verfassungsschutz arbeiten:

“Wenn angesichts dieser Situation zwei der Landtagskandidaten, nämlich Pasteurs und Andrejewski, erklären, nachdem sie wußten, daß ich [...] meinen Fraktionsvorsitz als Bedingung stelle, sie wollten Pasteurs als Fraktionsvorsitzenden , mit anderen Worten mich nicht im Landtag haben wollen (wie mir Steiner im übrigen nunmehr erklärt hatte, hat Pasteurs schon vor diesem Gespräch, als noch völlig offen war, ob Dr. Frey den vierten Platz besetzen würde, ihm erklärt: Ich bin nicht bereit, mit Rieger zusammenzuarbeiten), dann gibt es nur zwei Gründe: Entweder, sie stellen ihre eigene Person über das Interesse der Partei, weil die Partei mit mir als Kandidaten mit Sicherheit höhere Stimmenzahl erreichen würde, oder aber sie arbeiten im Auftrage des Verfassungsschutzes”
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Ergänzungen

quellenangabe

name 05.11.2009 - 17:31
ist schon immer wieser ganz cool mal ab und an ne quellenangabe zu machen, vor allem wenn ALLES zitiert wird.

man staune, dass sich vor einigen stunden stefan schölermann beim nrd-info genau die gleiche formulierung ausdenken ließ o.0

 http://www.tagesschau.de/inland/rieger106.html


achja wo wir grade dabei sind: frontbann 24 wurde heute verboten. die hatten es sich in letzter zeit aber auch recht unbequem gemacht, indem sie sich komplett übernommen haben und einfach mal meinten sie könnten es mit den bandidos aufnehmen.

Quellenangabe: Augen auf

Rotes Wunsiedel 05.11.2009 - 17:54
Die Quelle ist direkt unter dem Artikel verlinkt.

Verschwörungstheorien ^^

jemand 06.11.2009 - 19:32
Habe grade mal geguckt, was die Faschos auf Altermedia spekulieren; seltsamerweise läßt von über 100 Kommentaren nur einer Zweifel an Riegers Gesinnung durchblicken (die aber nur versteckt, er bringt die Begriffe "offene Aufbahrung" und "Zeugenschutzprogramm" ins Spiel, ohne konkreter zu werden, ich konnte sie aber nur in diese Richtung interpretieren).
Alle anderen sehen ihn über jeden Zweifel erhaben...

Mal angenommen, Rieger war VS'ler...
...der den Auftrag hatte, sich über Jahrzehnte Vertrauen ehemaliger NSDAP-Größen (Tietjen-Stiftung!) sowie der NPD zu erlangen...
...dann, im Alter von 63 (kurz vor der Pension!) erlangt er einen Schlaganfall (Symptome leicht simulierbar, zumindest gegenüber medizinischen Laien) und "verstirbt" im Krankenhaus (ohne Beisein von "Kameraden")...
...praktischerweise haben sich seine Kinder entschieden, ihn einäschern zu lassen und die Asche zu verteilen...
...anscheinend weiß der VS schon vor der Testamentseröffnung, daß alles den Kindern Riegers zufällt...
... und daß der VS Leute in der NPD hat, auch hochrangige, ist seit dem gescheiterten Verbotsverfahren bekannt...
...Meines Wissens hat Rieger der NPD immer nur in finanzieller Not Geld gegeben/geliehen, nicht, um künftige Aktionen vorzufinanzieren. Gekaufte Objekte waren sein Privatbesitz und damit unzugänglich für die NPD...

Wenn ich der VS wäre und ernsthaftes Interesse an einer Auflösung der NPD hätte, wäre ich ungefähr so vorgegangen.

Möglicherweise hat Rieger nicht mit seinem Tod gerechnet und daher kein die NPD begünstigendes Testament geschrieben... aber er war Anwalt, hat bestimmt auch den Fall eingeplant, daß er per Unfall oder Attentat (von wem auch immer) stirbt; wenn er der NPD so nahe stand, wirft das Testament doch viele Fragen auf. Das Argument, daß ihm die Familie einfach näher stand ("Blut ist dicker als Wasser", wie einige auf Altermedia gemeint haben), verliert an Gewicht, wenn man bedenkt, daß er mit seinem Erbe sowohl Familie als auch NPD hätte reich machen können.
Man könnte auch argumentieren, daß er dem rechten Flügel genutzt hat, indem er ihn "geeinigt" hat - das kann man aber auch wieder in Richtung meiner VS-Theorie auslegen, erstmal alle Nazis unter seine Fittiche zu bringen, Geld und Vertrauen zu erschleichen und dann ab dafür.
Jemand auf Altermedia hat auch - nicht ganz von der Hand zu weisen - gemeint, daß Rieger die NPD nicht bedacht habe, aus Angst, daß sie doch noch verboten wird und das Geld dann dem Staat zufällt. In diesem Falle hätte ich als strammer Rechter dann aber zumindest andere Organisationen bedacht, die nicht von Verbotsverfahren bedroht sind, oder an 'zuverlässige' Einzelpersonen. Oder an Naziorganisationen im Ausland (er hat ja versucht, in Schweden zu investieren).

Zum weiterspinnen...

LG

Riegers Tagebuch

durlacher 08.11.2009 - 17:11
Die Tagebücher von Jürgen Rieger wurden gestern zumindest teilweise gefunden. Es handelt sich um 7 (von 13 bis 20 numerierte) Schulhefte im Format A5, kleines Karo. Die mit blauer Tinte eng geschriebenen Eintragungen gehen vom 7.3.1998 bis 23.10.2009.

Hier der letzte Eintrag:


Hamburg, 23. Oktober abends


Komme gerade aus Schw. zurück. Das tat gut, mal wieder in Sv. Sä. zu sein. Ganz andere Stimmung. Auf dem Konto der HSH ist noch nichts aus Teheran eingegangen, der Ahmadinedschad kapiert auch gar nichts. Ich habe doch extra den Briefkopf mit der Kontonummer genommen. Vielleicht ist der auch wegen dem kleinen i beleidigt, diese Memme.
Trübe Aussichten für die Vorstandssitzung morgen. Hoffentlich kommt die dicke Edda vom RNF nicht, ich verstehe die schwäbische Mundart von der kaum. Ob ich dem Steiner mal sage, daß er eine andere Mütze nehmen soll, die jetzige erinnert mich immer an Thälmann und an Helmut Schmidt, für mich als Hamburger ist das Käse. Der Mann tut mir leid, seit wir ihn nicht mehr in der Zentralen beschäftigen können, steht er finanziell mit seinen drei Kindern nicht gut da. Vielleicht stelle ich ihn demnächst als Fahrer für mich ein, als gelernter KFZ-Mechaniker kann er dann meinen Wagen und auch die alten in der Scheune in Schuß halten.


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Erbrecht olé — KeinAnwalt