venezuela: solidarität mit lusbi portillo
Während dieser Text geschrieben wurde hält sich Lusbi Portillo, Professor an der Zulia Universität (in Maracaibo) und Umweltaktivist in Solidarität mit der indigenen Bewegung versteckt, um sein Leben und seine körperliche Unversertheit zu schützen. Während der Ereignisse des 13. Oktober waren in der Sierra de Perijá zwei Yukpa getötet und fünf weitere im Konflikt um die Vermessung indigenen Landes verwundet worden. Die Polizei der Region verlautbarte, dass gegen den Professor ein Haftbefehl wegen »Drogenbesitz« anhängig sei. Es ist nicht das erste Mal, dass der Professor aufgrund seiner aktiven Solidarität mit den Forderungen der indianischen Völker kriminalisiert wird, aber wie sich die Dinge zur Zeit entwickeln – die Untersuchung der Ereignisse wurde von den Behörden zu einer Frage der »nationalen Sicherheit« erklärt – hat er sich dazu entschieden, präventive Maßnahmen zu ergreifen und sich versteckt zu halten.
Venezuela: Vom Fehler Lusbi Portillo zu sein
Der Umweltaktivist hatte sein Engagement in den indigenen Kämpfen intensiviert, nachdem der Präsident der Republik am 13. November 2003 angekündigt hatte, den Kohleabbau in der Zulia Region auf 36 Millionen metrische Tonnen zu verdreifachen. Der erste »Fehler« von Lusbi Portillo war es aus Sicht der bis zur Bewegungslosigkeit polarisierten politischen Szene, dass er an seinen Werten und Forderungen festhielt, vorbei am offiziellen Diskurs, der deren Erfüllung zu irgendeinem Moment in der Zukunft versprach. Ohne sich von Erwartungen und persönlichen Sympatien irritieren zu lassen hat Portillo sich seinen autonomen sozialen Charakter erhalten. Er verkaufte sich nicht und änderte nichts an seinen Prioritäten. So bewahrte er sich trotz der Situation des Wahlkampfes die Fähigkeit, sich für die Lösung der Probleme zu organisieren.
Der zweite »Fehler« von Lusbi Portillo war, seinen eigenen Kopf zum Denken zu nutzen. Im Unterschied zu anderen Intellektuellen und Mitgliedern der akademischen Welt, deren Diskurs auf das Niveau der Polarität Regierung-Opposition verwässert wurde, verbindet Portillo Elemente von Aktivismus und Forschung, was ihn zu einer gedankliche Linie führt, die sein konsequentes Handeln motiviert. Auf diese Art war es ihm möglich, die Wurzel der öffentlichen wie privaten politischen Entscheidungen, welche die Natur und die Lebensweise der indianischen Völker beeinträchtigen, in der zunehmenden Anbindung Venezuelas an die Hauptströmungen der globalisierten Ökonomie zu diagnostizieren. So stellte er den für die Region Zulia vorangetriebenen Entwicklungsplan in Zusammenhang mit dem Projekt der Regionalen Infrastruktur Initiative Südamerika (auf spanisch IIRSA), dessen Ziel es ist, den Fluss von Energieressourcen zu optimieren und die regionale Wettberbsfähigkeit zu erhöhen, um die internationale Nachfrage zu bedienen. In zahlreichen Dokumanten und Konferenzen hat Portillo nachgewiesen, dass die IIRSA das, bequemerweise in der begrenzten und polarisierten Debatte nicht erwähnte, Gegenstück zu einer anderen, von der gegenwärtigen Regierung öffentlich verurteilten Politik bildet: dem Freihandelsabkommen der beiden Amerika (in spanisch ALCA). Diese scharfe Analyse der wachsenden Bedeutung, die Venezuela von den wichtigsten globalen ökonomischen Akteuren zugewiesen wird, beinhaltet weitere angeblich »endogene« Entwicklungsaktivitäten, wie den Puerto America, die südliche Gas Pipeline, die Ausbeutung des Imataca Naturschutzgebiets oder den Ausbau der Orinoco-Apure Achse zeigt uns, was hinter der anti-kapitalistischen Rhetorik des derzeitigen Bewohners des Miraflores Palast wirklich steckt.
Der dritte »Fehler« des Lusbi Portillo ist es, dass er im Rahmen seiner unmittelbaren Forderungen – dem Schutz der Umwelt und der Rechte der indigenen Bevölkerung – Verbindungen und Beziehungen zu allen möglichen Basisinitiativen aufgebaut hat, die sich nicht entlang des Verhältnisses zu Präsident Chavez definieren, sondern am Grad ihrer Solidarität mit der Natur und den indianischen Communities. Auf diese Art rückte Portillo ins Zentrum eines sozialen Netzwerks mit variabler Geometrie, das aller Konflikte und Fluktuationen zum Trotz im Stande war, sich zu einer der wenigen Instanzen im Lande zu entwickeln, die dem gängigen Manichäismus widersteht, die ihre eigene Perspektive entwickelt und zum Ausdruck bringt - und so zeigt, wie die Demagogie derjenigen auseinanderzunehmen ist, die der falschen Dichotomie »Chavismus vs. Anti-Chavismus« stets neue Nahrung geben, um die sozialen Kämpfe zu domestizieren und in den Wahlprozess zu überführen.
Die genannten »Versäumnisse« verurteilen Lusbi Portillo zu Verbannung und Isolation, was genau eines der Ziele einer jeden Politik ist, die kämpferische und unabhängige Proteste sozialer AktivistInnen kriminalisiert. Nach wiederholten Warnungen und Drohungen, werden nun zwei Frauen, Luisa Ortega Díaz (Generalstaatsanwältin) und Gabriela Ramírez (Anwältin des Volkes) für jeden Anschlag auf die Freiheit, die persönliche Unversehrtheit oder gar das Leben von Lusbi Portillo verantwortlich sein, eines Aktivisten, dessen zentraler Fehler es ist, an seinen alten Idealen festzuhalten in einer Zeit, die von opportunistischer Ethik geprägt ist und ihre Werte mit der Klimaanlage herunterregelt. Solidarität mit Lusbi Portillo.
ellibertario [at] nodo50.org
http://www.nodo50.org/ellibertario
Der Umweltaktivist hatte sein Engagement in den indigenen Kämpfen intensiviert, nachdem der Präsident der Republik am 13. November 2003 angekündigt hatte, den Kohleabbau in der Zulia Region auf 36 Millionen metrische Tonnen zu verdreifachen. Der erste »Fehler« von Lusbi Portillo war es aus Sicht der bis zur Bewegungslosigkeit polarisierten politischen Szene, dass er an seinen Werten und Forderungen festhielt, vorbei am offiziellen Diskurs, der deren Erfüllung zu irgendeinem Moment in der Zukunft versprach. Ohne sich von Erwartungen und persönlichen Sympatien irritieren zu lassen hat Portillo sich seinen autonomen sozialen Charakter erhalten. Er verkaufte sich nicht und änderte nichts an seinen Prioritäten. So bewahrte er sich trotz der Situation des Wahlkampfes die Fähigkeit, sich für die Lösung der Probleme zu organisieren.
Der zweite »Fehler« von Lusbi Portillo war, seinen eigenen Kopf zum Denken zu nutzen. Im Unterschied zu anderen Intellektuellen und Mitgliedern der akademischen Welt, deren Diskurs auf das Niveau der Polarität Regierung-Opposition verwässert wurde, verbindet Portillo Elemente von Aktivismus und Forschung, was ihn zu einer gedankliche Linie führt, die sein konsequentes Handeln motiviert. Auf diese Art war es ihm möglich, die Wurzel der öffentlichen wie privaten politischen Entscheidungen, welche die Natur und die Lebensweise der indianischen Völker beeinträchtigen, in der zunehmenden Anbindung Venezuelas an die Hauptströmungen der globalisierten Ökonomie zu diagnostizieren. So stellte er den für die Region Zulia vorangetriebenen Entwicklungsplan in Zusammenhang mit dem Projekt der Regionalen Infrastruktur Initiative Südamerika (auf spanisch IIRSA), dessen Ziel es ist, den Fluss von Energieressourcen zu optimieren und die regionale Wettberbsfähigkeit zu erhöhen, um die internationale Nachfrage zu bedienen. In zahlreichen Dokumanten und Konferenzen hat Portillo nachgewiesen, dass die IIRSA das, bequemerweise in der begrenzten und polarisierten Debatte nicht erwähnte, Gegenstück zu einer anderen, von der gegenwärtigen Regierung öffentlich verurteilten Politik bildet: dem Freihandelsabkommen der beiden Amerika (in spanisch ALCA). Diese scharfe Analyse der wachsenden Bedeutung, die Venezuela von den wichtigsten globalen ökonomischen Akteuren zugewiesen wird, beinhaltet weitere angeblich »endogene« Entwicklungsaktivitäten, wie den Puerto America, die südliche Gas Pipeline, die Ausbeutung des Imataca Naturschutzgebiets oder den Ausbau der Orinoco-Apure Achse zeigt uns, was hinter der anti-kapitalistischen Rhetorik des derzeitigen Bewohners des Miraflores Palast wirklich steckt.
Der dritte »Fehler« des Lusbi Portillo ist es, dass er im Rahmen seiner unmittelbaren Forderungen – dem Schutz der Umwelt und der Rechte der indigenen Bevölkerung – Verbindungen und Beziehungen zu allen möglichen Basisinitiativen aufgebaut hat, die sich nicht entlang des Verhältnisses zu Präsident Chavez definieren, sondern am Grad ihrer Solidarität mit der Natur und den indianischen Communities. Auf diese Art rückte Portillo ins Zentrum eines sozialen Netzwerks mit variabler Geometrie, das aller Konflikte und Fluktuationen zum Trotz im Stande war, sich zu einer der wenigen Instanzen im Lande zu entwickeln, die dem gängigen Manichäismus widersteht, die ihre eigene Perspektive entwickelt und zum Ausdruck bringt - und so zeigt, wie die Demagogie derjenigen auseinanderzunehmen ist, die der falschen Dichotomie »Chavismus vs. Anti-Chavismus« stets neue Nahrung geben, um die sozialen Kämpfe zu domestizieren und in den Wahlprozess zu überführen.
Die genannten »Versäumnisse« verurteilen Lusbi Portillo zu Verbannung und Isolation, was genau eines der Ziele einer jeden Politik ist, die kämpferische und unabhängige Proteste sozialer AktivistInnen kriminalisiert. Nach wiederholten Warnungen und Drohungen, werden nun zwei Frauen, Luisa Ortega Díaz (Generalstaatsanwältin) und Gabriela Ramírez (Anwältin des Volkes) für jeden Anschlag auf die Freiheit, die persönliche Unversehrtheit oder gar das Leben von Lusbi Portillo verantwortlich sein, eines Aktivisten, dessen zentraler Fehler es ist, an seinen alten Idealen festzuhalten in einer Zeit, die von opportunistischer Ethik geprägt ist und ihre Werte mit der Klimaanlage herunterregelt. Solidarität mit Lusbi Portillo.
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Ergänzungen
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Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen
der Arme — Guaicaipuro
??? — licia