Protest gegen "ExpoKolumbien" (Bln)
In einem Artikel vor einigen Tagen bei Indymedia wurde über die Hintergründe der gerade stattfindenen "ExpoKolumbien" berichtet (
http://de.indymedia.org/2009/10/264214.shtml). Bereits letzten Sonntag fand vor dem Kino Babylon eine Videokundgebung zu diesem Thema statt (
http://de.indymedia.org/2009/10/264253.shtml).
Während der Woche gingen die Proteste erfreulicherweise weiter, klein aber fein, mit einer Kundgebung vor dem "Haus der deutschen Wirtschaft" am Mittwoch und einer Infoveranstaltung inklusive anschließenden Störens der Expo-Kolumbien.
http://de.indymedia.org/2009/10/264214.shtml). Bereits letzten Sonntag fand vor dem Kino Babylon eine Videokundgebung zu diesem Thema statt (
http://de.indymedia.org/2009/10/264253.shtml). Während der Woche gingen die Proteste erfreulicherweise weiter, klein aber fein, mit einer Kundgebung vor dem "Haus der deutschen Wirtschaft" am Mittwoch und einer Infoveranstaltung inklusive anschließenden Störens der Expo-Kolumbien.
Die „ExpoKolumbien“ wirbt damit, dass Kolumbien das Land mit den besten Profitmöglichkeiten in Lateinamerika sei. Nicht erwähnt wird, was hinter diesen Profitmöglichkeiten steht: ein brutaler und massenhafter Terror gegen Gewerkschafter_innen und andere politische und soziale Bewegungen, die umfangreiche Vertreibung von Bewohner_innen, die enge Zusammenarbeit von Regierung, Militärs und Paramilitärs in der ganz großen Koalition für hohe Profite.
Am Mittwoch fand vor dem "Haus der deutschen Wirtschaft" (Breite Str. 29, Berlin-Mitte, Nähe ehemaliger Palast der Republik) eine Kundgebung mit etwa 15-20 Leuten da. Dafür, dass wir nur so wenige waren, war es sehr kraftvoll und laut. Die Kundgebung konnte direkt vor dem Eingang zur ExpoKolumbien-Veranstaltung stattfinden, so dass es möglich war, die Leute, die aus der zu Ende gehenden Veranstaltung kamen, lautstark mit unserer Kritik zu konfrontieren. Auch drinnen, wo es nach Ende der Veranstaltung noch einen gemütlichen Teil mit von der kolumbianischen Botschaft kredenzten Häppchen und Sekt gab, dürfte die Kritik unüberhörbar gewesen sein.
Aus dem Aufruf zur Kundgebung: "Im Rahmen der "ExpoKolumbien" findet auch das sogenannte „Wirtschaftsforum Kolumbien - ein attraktiver Markt - Infrastruktur, Gesundheitswesen und Agrarindustrie“ statt. Auf den ersten Blick wird deutlich, dass genau dort, wo gegenwärtig in Kolumbien gegen den Widerstand der Bevölkerung profitträchtige Großprojekte autoritär durchgesetzt werden, um Investitionen geworben wird. Schon heute steht Kolumbien auf der weltweiten Liste der Länder mit den meisten Vertriebenen auf Rang 2 – jeder Euro, der in diese Projekte investitiert wird, trägt zu weiterer Vertreibung bei. Und lassen wir uns nicht täuschen von dem Punkt „Gesundheit“. Es geht hier keineswegs um eine angemessene Gesundheitsversorgung für die Bevölkerung – schließlich richtet sich das Projekt als Zielgruppe ausschließlich an „deutsche Unternehmer“.
Einige Teilnehmer der ExpoKolumbien meinten, die Teilnehmer_innen der Kundgebung provozieren zu müssen. Ein besonders unangenehmer Typ im hellen Anzug stolzierte mit einem breiten Grinsen minutenlang vor der Kundgebung herum. Als er sich dann aber einem der Transparente bis auf Zentimeter genäherter hatte, erstarrte sein doofes Grinsen, um dann restlos (und hoffentlich für lange Zeit) zu verschwinden: später sollte er angeben, im sei aus nächster Nähe ins Gesicht gespuckt worden. Eine kurzer Sprint des Anzugträgers sowie der Polizeibeamten blieb jedoch erfolglos - die angeblich spuckende Person war unauffindbar verschwunden. Die Bullen waren etwas sauer, nahmen eine Anzeige wegen Körperverletzung auf und kündigten an, auch die die Demo anmeldende Person müsse mit einer Anzeige wegen Verstosses gegen das Versammlungsrecht rechnen - schließlich sei es deren Aufgabe, dafür Sorge zu tragen, dass niemand den hohen Kapitalvertretern, noch dazu direkt vor einem ihrer Stammsitze, ins Gesicht spuckt.
Am Donnerstag verlagerte sich der Schwerpunkt der Aktivitäten an die FU. Die FU selbst trat als "Partner" der widerlichen "ExpoKolumbien" auf ("Im bundesweiten Excellenzwettberwerb der Bundesregierung wurde die Freie Universität Berlin zu einer der neuen Excellenzuniversitäten Deutschlands gewählt. Mit ihrem Zukunftskonzept „International Network University“ verfolgt die Universität das Ziel, strategische Forschungskooperationen weltweit auf- und auszubauen und die internationale Zusammenarbeit und den Austausch von Wissenschaftlern zu intensivieren").
Die kolumbianische Botschaft bereitete für den Donnerstag eine Tagung im Henry Ford Bau an der FU vor, zu der der Bildungsvizeminister und der Präsident von der Universidad Nacional in Bogotá erwartet wurden. Beide stehen auf besonders exemplarische Art und Weise für die auch in Kolumbien hochaktuelle Privatisierung der Hochschulen.
Von einer Soligruppe wurde eine parallele Infoveranstaltung im Roten Café der FU mit dem kolumbianischen studentischen Activisten Diego Marín organisiert. Marín lebt seit einem Jahr in Oslo als politischer Flüchtling, da er in Kolumbien wegen seiner politischen Arbeit als Sprecher der Studierenden massiv bedroht worden war. Er berichtete über die Krise der Hochschulen, die Repression an den Universitäten, die kritische soziale Lage und die letzten Mobilisierungen der Studierenden.
Nach dem beeindruckenden Vortrag von Marín wurde von den Anwesenden vorgeschlagen, zum Henry Ford Bau zu mobilisieren, um dort die Kritik an der ExpoKolumbien-Tagung zum Ausdruck zu bringen. Innerhalb von 2 Stunden wurden mehr Studis mobilisiert, Flugblätter kopiert und Transpis gemalt. Gegen 16 Uhr zogen über 50 Studierenden in den Henry Ford Bau, in dem gleichzeitig der Bildungsvizeminister und der President der Universidad Nacional sich in einer Konferenz befanden. Unter dem Spruch „Keine neoliberale Universität, keine Kooperation mit Paramilitärs“ und trotz der verschlossenen Türen des Gebäudes schafften es die Studis (dank Nebentür), dass Gebäude zu betreten und lautstark vor dem Konferenzraum zu protestieren. Der Hörsaal selbst, in dem die Veranstaltung stattfand, war massiv durch Privatbullen abgeriegelt.
Eine Stunde lang dauerte der Protest. Den Teilnehmer_innen der ExpoKolumbien dürfte klar geworden sein, dass sie auch im Ausland die Öffentlichkeit nicht weiter unkommentiert anlügen können.
Solidarität mit den studentischen Bewegungen weltweit! Gegen die Privatisierung der Hochschulen! Keine Kriminalisierung der sozialen Bewegungen! „L@s estudiantes no somos terroristas – terrorista el estado que desaparece y asesina!“
Hoffen wir, dass die Proteste gegen das Handeln der deutschen Konzerne und der deutschen Politik in Lateinamerika und speziell in Kolumbien auch nach der "ExpoKolumbien" weitergehen. Gerade unter der neuen schwarz-gelben Regierung, die sich die Unterstützung ausgerechnet der reaktionärsten Regime in Lateinamerika - Kolumbien, Peru, Mexiko und Honduras unter den Putschisten - offen auf die Fahnen geschrieben hat, wird das notwendig und wichtig sein!
Am Mittwoch fand vor dem "Haus der deutschen Wirtschaft" (Breite Str. 29, Berlin-Mitte, Nähe ehemaliger Palast der Republik) eine Kundgebung mit etwa 15-20 Leuten da. Dafür, dass wir nur so wenige waren, war es sehr kraftvoll und laut. Die Kundgebung konnte direkt vor dem Eingang zur ExpoKolumbien-Veranstaltung stattfinden, so dass es möglich war, die Leute, die aus der zu Ende gehenden Veranstaltung kamen, lautstark mit unserer Kritik zu konfrontieren. Auch drinnen, wo es nach Ende der Veranstaltung noch einen gemütlichen Teil mit von der kolumbianischen Botschaft kredenzten Häppchen und Sekt gab, dürfte die Kritik unüberhörbar gewesen sein.
Aus dem Aufruf zur Kundgebung: "Im Rahmen der "ExpoKolumbien" findet auch das sogenannte „Wirtschaftsforum Kolumbien - ein attraktiver Markt - Infrastruktur, Gesundheitswesen und Agrarindustrie“ statt. Auf den ersten Blick wird deutlich, dass genau dort, wo gegenwärtig in Kolumbien gegen den Widerstand der Bevölkerung profitträchtige Großprojekte autoritär durchgesetzt werden, um Investitionen geworben wird. Schon heute steht Kolumbien auf der weltweiten Liste der Länder mit den meisten Vertriebenen auf Rang 2 – jeder Euro, der in diese Projekte investitiert wird, trägt zu weiterer Vertreibung bei. Und lassen wir uns nicht täuschen von dem Punkt „Gesundheit“. Es geht hier keineswegs um eine angemessene Gesundheitsversorgung für die Bevölkerung – schließlich richtet sich das Projekt als Zielgruppe ausschließlich an „deutsche Unternehmer“.
Einige Teilnehmer der ExpoKolumbien meinten, die Teilnehmer_innen der Kundgebung provozieren zu müssen. Ein besonders unangenehmer Typ im hellen Anzug stolzierte mit einem breiten Grinsen minutenlang vor der Kundgebung herum. Als er sich dann aber einem der Transparente bis auf Zentimeter genäherter hatte, erstarrte sein doofes Grinsen, um dann restlos (und hoffentlich für lange Zeit) zu verschwinden: später sollte er angeben, im sei aus nächster Nähe ins Gesicht gespuckt worden. Eine kurzer Sprint des Anzugträgers sowie der Polizeibeamten blieb jedoch erfolglos - die angeblich spuckende Person war unauffindbar verschwunden. Die Bullen waren etwas sauer, nahmen eine Anzeige wegen Körperverletzung auf und kündigten an, auch die die Demo anmeldende Person müsse mit einer Anzeige wegen Verstosses gegen das Versammlungsrecht rechnen - schließlich sei es deren Aufgabe, dafür Sorge zu tragen, dass niemand den hohen Kapitalvertretern, noch dazu direkt vor einem ihrer Stammsitze, ins Gesicht spuckt.
Am Donnerstag verlagerte sich der Schwerpunkt der Aktivitäten an die FU. Die FU selbst trat als "Partner" der widerlichen "ExpoKolumbien" auf ("Im bundesweiten Excellenzwettberwerb der Bundesregierung wurde die Freie Universität Berlin zu einer der neuen Excellenzuniversitäten Deutschlands gewählt. Mit ihrem Zukunftskonzept „International Network University“ verfolgt die Universität das Ziel, strategische Forschungskooperationen weltweit auf- und auszubauen und die internationale Zusammenarbeit und den Austausch von Wissenschaftlern zu intensivieren").
Die kolumbianische Botschaft bereitete für den Donnerstag eine Tagung im Henry Ford Bau an der FU vor, zu der der Bildungsvizeminister und der Präsident von der Universidad Nacional in Bogotá erwartet wurden. Beide stehen auf besonders exemplarische Art und Weise für die auch in Kolumbien hochaktuelle Privatisierung der Hochschulen.
Von einer Soligruppe wurde eine parallele Infoveranstaltung im Roten Café der FU mit dem kolumbianischen studentischen Activisten Diego Marín organisiert. Marín lebt seit einem Jahr in Oslo als politischer Flüchtling, da er in Kolumbien wegen seiner politischen Arbeit als Sprecher der Studierenden massiv bedroht worden war. Er berichtete über die Krise der Hochschulen, die Repression an den Universitäten, die kritische soziale Lage und die letzten Mobilisierungen der Studierenden.
Nach dem beeindruckenden Vortrag von Marín wurde von den Anwesenden vorgeschlagen, zum Henry Ford Bau zu mobilisieren, um dort die Kritik an der ExpoKolumbien-Tagung zum Ausdruck zu bringen. Innerhalb von 2 Stunden wurden mehr Studis mobilisiert, Flugblätter kopiert und Transpis gemalt. Gegen 16 Uhr zogen über 50 Studierenden in den Henry Ford Bau, in dem gleichzeitig der Bildungsvizeminister und der President der Universidad Nacional sich in einer Konferenz befanden. Unter dem Spruch „Keine neoliberale Universität, keine Kooperation mit Paramilitärs“ und trotz der verschlossenen Türen des Gebäudes schafften es die Studis (dank Nebentür), dass Gebäude zu betreten und lautstark vor dem Konferenzraum zu protestieren. Der Hörsaal selbst, in dem die Veranstaltung stattfand, war massiv durch Privatbullen abgeriegelt.
Eine Stunde lang dauerte der Protest. Den Teilnehmer_innen der ExpoKolumbien dürfte klar geworden sein, dass sie auch im Ausland die Öffentlichkeit nicht weiter unkommentiert anlügen können.
Solidarität mit den studentischen Bewegungen weltweit! Gegen die Privatisierung der Hochschulen! Keine Kriminalisierung der sozialen Bewegungen! „L@s estudiantes no somos terroristas – terrorista el estado que desaparece y asesina!“
Hoffen wir, dass die Proteste gegen das Handeln der deutschen Konzerne und der deutschen Politik in Lateinamerika und speziell in Kolumbien auch nach der "ExpoKolumbien" weitergehen. Gerade unter der neuen schwarz-gelben Regierung, die sich die Unterstützung ausgerechnet der reaktionärsten Regime in Lateinamerika - Kolumbien, Peru, Mexiko und Honduras unter den Putschisten - offen auf die Fahnen geschrieben hat, wird das notwendig und wichtig sein!
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(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)
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Ergänzungen