Es lebe die Weltrevolution!*

kein name 23.10.2009 22:49 Themen: Blogwire Soziale Kämpfe
Vor wenigen Tagen jährte sich der Geburtstag von Max Hölz zum 120. Male.
Wer war dieser Max Hölz werden sich jetzt einige fragen.
Max Hölz wurde am 14.10.1889 in der Nähe von Riesa als Sohn eines Landarbeiters geboren. Nach Abschluss der Volkschule, schlug er sich als Tagelöhner durch. 1906 wanderte er nach Großbritannien aus. Hier studierte er Geometrie, eignete sich Grundkenntnisse im Eisenbahnbau und der Vermessungstechnik an. Bereits im Jahr 1909 kehrte er nach Deutschland zurück. Nur wenige Jahre später zog er aus gesundheitlichen Gründen nach Falkenstein im Vogtland. Hier arbeitete er als Landvermesser und Filmerklärer. Mit Beginn des 1. Weltkrieges meldete er sich freiwillig zur kaiserlichen Armee.
Der grausame Kriegsalltag verändert seine Einstellung zum Krieg und seinen Sinn. Durch die Oktoberrevolution in Russland 1917 und dem Kommunisten
Georg Schumann kommt Max Hölz mit kommunistischen Ideen in Berührung.
Nach Ende des Krieges kehrt Max Hölz nach Falkenstein zurück. Hier schließt er sich erst der USPD an und tritt nur wenige Monate später zur KPD über. Anfänglich agiert Hölz bei der Plauener Ortsgruppe. Als neugewählter Vorsitzender des Falkensteiner Arbeitslosenrates machte er sich schnell einen Namen.
Energisch setzte sich der Rat für Erwerbslose, Kriegswitwen und all Jene ein, die der Krieg nicht zu Gewinnern hat werden lassen. Mehrmals besetze die Reichswehr Falkenstein um die Arbeiteraufstände niederzuschlagen. Vorübergehend muss Max Hölz Falkenstein und das Vogtland verlassen.

Während des Kapp Putsches, im März 1920 gelangte Max Hölz wieder ins Vogtland. Er organisierte den Widerstand der revolutionären Arbeiterschaft gegen die Konterrevolution. Mittlerweile nannte man ihn den „Roten Robin Hood“ des Vogtlandes.
Mit Gewalt und Gewaltandrohung wurde den Reichen genommen was den Armen zustand. Nur wenige Wochen nach Beginn des anarchistisch geprägten Aufstandes im Vogtland, sah sich die „Rote Garde“ einer Übermacht aus Reichswehr und Polizei gegenüber und zog sich nach heftigen Kämpfen in die nahe Tschechoslowakei zurück. Im November desselben Jahres kehrt Hölz nach Deutschland zurück, wo er Steckbrieflich gesucht wurde.
I
m März 1921 war der Anarchist Max Hölz maßgeblich an den bewaffneten Aufständen im Bergbaugebiet Mansfeld-Eisleben beteiligt. Kurze Zeit später wird er in Berlin verhaftet. Im Juni 1921 wird er von einem Sondergericht in Berlin-Moabit zu lebenslanger Haft verurteilt. Ausschlaggebend für das Urteil, war der Totschlag an einem Gutsbesitzer. Max Hölz war aber in keiner Weise an jener Tat beteiligt. Auf Umstände die zu seiner Entlastung beitrugen, nahm das Gericht keine Rücksicht. Max Hölz der immer für seine Ideale – für eine andere Welt einstand sollte gebrochen werden. Die kommenden Jahre verbrachte er in verschiedenen deutschen Zuchthäusern. Einzelhaft, Krankheiten und Misshandlungen durch Aufseher gehörten zum Alltag. Immer wieder wurden Forderungen laut Max Hölz freizulassen. 1927 fordert ein „Neutrales Komitee für Max Hölz“ die Überprüfung des Urteils von 1921 und seine Freilassung, unter anderen auch Albert Einstein, Thomas Mann, Heinrich Zille und Heinrich George.
Reichspräsident Ebert und die deutsche Justiz stellten sich quer. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich der Täter, der für den Tod des Gutsbesitzers verantwortlich war bereits gestellt.

Im Zuge einer Amnestie für politische Gefangene 1928, erlangte auch der von der deutschen Klassenjustiz im entscheidenden Punkt zu Unrecht verurteilte Max Hölz seine Freiheit wieder.
Hölz engagierte sich weiter politisch und trat bei diversen Versammlungen und Demonstrationen als Redner auf.
Bei Arbeitern und Demokraten, z.T. auch Liberalen war Hölz hoch angesehen. Die Reaktionären Kräfte hassten ihn.
Bei einer KPD Wahlveranstaltung im Jahr 1930 in Bad Elster wurde er von Nazis zusammengeschlagen und schwer verletzt, nachdem die SA eine Saalschlacht angezettelt hatte. Nach mehreren Morddrohungen emigriert er noch im selben Jahr in die damalige Sowjetunion.
Hier arbeitet er bis zu seinem Tod in verschiedenen Bergwerken, Fabriken und Landwirtschaftlichen Betrieben. Auch in der Sowjetunion blieb er Arbeiter und Idealist gleichermaßen. Er kritisierte Arbeitsbedingungen, Bürokratie und andere Unzulänglichkeiten im Staat der Arbeiter und Bauern. Unter ungeklärten Umständen ertrank Max Hölz in der Nacht vom 15. auf den 16. September 1933 bei dem Versuch einen Fluss per Boot zu überqueren. Auch wenn es keine schriftlichen Beweise gibt, so gibt es doch Indizien dafür, dass sowjetische Sicherheitsorgane für den Tod von Max Hölz verantwortlich waren.

In Erinnerung an einen Idealisten und Kämpfer für eine andere, vielleicht bessere Welt.

*Aus Hölz‘ Anklagerede gegen die bürgerliche Gesellschaft
Gehalten vor dem Moabiter Sondergericht am 22. Juni 1921 in Berlin
Creative Commons-Lizenzvertrag Dieser Inhalt ist unter einer
Creative Commons-Lizenz lizenziert.
Indymedia ist eine Veröffentlichungsplattform, auf der jede und jeder selbstverfasste Berichte publizieren kann. Eine Überprüfung der Inhalte und eine redaktionelle Bearbeitung der Beiträge finden nicht statt. Bei Anregungen und Fragen zu diesem Artikel wenden sie sich bitte direkt an die Verfasserin oder den Verfasser.
(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)

Ergänzungen

Max Hölz ist wieder da...

... gesungen von Frank Spilker 24.10.2009 - 13:58

Anklagerede gegen die bürgerliche Gesellschaf

Dein Name 24.10.2009 - 14:31
Die lesenswerte Rede von Max Hoelz vor dem Moabiter Sondergericht am 22. Juni 1921 in Berlin:
 
http://www.marxists.org/deutsch/archiv/hoelz/1921/06/hoelzrede.html

Solche Leute können wohl als "Klassenindividuen" bezeichnet werden, weil sie sich jeder Repräsentation verweigert haben, wissenschaftlich-kommunistischer Theorie nachgegangen sind und den offenen Klassenkrieg gesucht haben.
Da möchte ich auch die Verfasser des Artikels kritisieren, die Hoelz als "Anarchisten" bezeichnen. Hoelz sagte selbst in seiner Rede:

"Ich war aus dem Kriege als Pazifist heimgekehrt. Aber aus den Vorgängen im Vogtlande und meiner anschließenden Beschäftigung mit der Theorie und Praxis des Klassenkampfes lernte ich, daß sich die Befreiung der Arbeiterschaft nicht im wirtschaftlichen Kampfe durchzusetzen vermag, sondern daß ein Kampf um die politische Macht notwendig ist, der mit allen Mitteln der Gewalt geführt werden muß, weil die Bourgeoisie die wirtschaftliche Knechtung der Arbeiterschaft mit allen Mitteln der Gewalt aufrecht zu erhalten sucht. Ich kam zu der Erkenntnis, daß die soziale Revolution kommt und kommen muß, weil sie in der gesamten Geschichte der Menschheit begründet liegt. Es besteht objektiv nicht der geringste Zweifel, daß der Druck auf die Massen immer stärker werden wird, bis die Massen erkennen, daß nur der schonungslose Kampf gegen ihre bisherigen Unterdrücker das Proletariat vor dem Untergang zu bewahren vermag. Die Erfahrungen der letzten zwei Jahre haben mich zum Todfeind der Bourgeoisie gemacht. Ich habe mich der proletarischen Sache zunächst aus wirtschaftlichen Ursachen angeschlossen. Nachdem ich einmal in die Bewegung eingetreten war, vertiefte ich mich in den Sinn der proletarischen Revolution. Ich habe mir nie eingeredet, daß man mit einem bewaffneten Putsch die soziale Revolution herbeiführen könne. Die soziale Revolution kommt als Ergebnis bestimmter wirtschaftlicher Bedingungen und sozialer Kräfte. Das schließt nicht aus. daß man die Revolution durch Aktionen zu fördern vermag, und das muß jeder echte Revolutionär in jedem Augenblicke zu tun bereit sein, wenn er von den alten Gewalten zum Kampf gezwungen wird. Ich bin nur ein einfacher Soldat der Revolution. Zu meinem heißen Herzen ist nach und nach die wissenschaftliche Erkenntnis gekommen, daß die soziale Revolution eine eiserne Notwendigkeit ist. Wenn ich nicht die wissenschaftliche Überzeugung von dem Kommen der Revolution gewonnen hätte, so würden mich die vielen Enttäuschungen der letzten Jahre an dem Glauben, daß die soziale Revolution zum Siege kommen wird, irre gemacht haben. Die in der sozialdemokratischen und in der unabhängig-sozialdemokratischen Partei organisierten Arbeiter werden der gewaltsamen Austragung des Klassenkampfes nicht aus dem Wege gehen können, auch dann nicht, wenn sie unter dem Einfluß ihrer sozialverräterischen Führer sich nicht für, sondern gegen die Revolution erklären."

"Ich habe den Kampf geführt mit allen Mitteln, nicht weil ich die Gewalt über alles stelle, sondern weil ich erkannt habe, daß der Klassenkampf des Proletariats nur auf dem Wege der Gewalt zum siegreichen Ziele geführt werden kann. Vor zwei Jahren glaubte ich noch, daß die kommunistische Idee, daß der Gedanke der Befreiung des Proletariats ohne Anwendung von Gewalt als wirtschaftlicher Kampf durchgeführt werden könne. Ich hätte mich damals geschämt, einem Menschen, wie ich heute einer geworden bin, die Hand zu geben. Wenn die revolutionäre Arbeiterschaft Gewalt anwendet, so geschieht dies nur in Erwiderung der Gewalt, welche die herrschende Klasse dem proletarischen Existenzkampf und Aufwärtsstreben entgegensetzt."

Max Hölz ist Anarchist?

berlinAnarcha-Gedankenpolizei 27.10.2009 - 12:35
Es wurde in der DDR folgender Film gedreht: "Wolz - Leben und Verklärung eines deutschen Anarchisten (1974)" dieser Film ist eine Anlehnung an die historische Figur des Max Hölz (und ihm auch gewidmet), der dann plötzlich als Anarchist dargestellt wird, weil er den Aufstand gemacht hat, Großgrundbesitzer enteignet hat, entgegen seiner Partei (KPD) Arbeiter-Kampfverbände aufgestellt hat und wie damals auch Brandler/Thalheimer ein Offensiv-Praktiker/Theoretiker war.

Er wurde aus der KPD wegen disziplinlosigkeit ausgeschlossen und schloß sich der damals glaub ich sogar größeren KAPD (Kommunistische Arbeiterpartei Deutschlands) an. Gut diese war eher Rätekommunistisch und hatte die Allgemeine Arbeiter Union (AAUD) als Vorfeldgewerkschaft, die sich wiederum von der Freien Arbeiter Union Deutschlands (FAUD)[also den Anarcho-Syndikalisten] abgrenzte.

Er war aber schon sehr bekannt und beliebt unter Arbeiter_Innen in der "Weimarer Republik"-Zeit, viele deutsche Intellektuelle setzten sich damals für seine Freilassung ausm Zuchthaus ein, weil ihm ein Mord an einem Großgrundbesitzer angehangen wurde.

Letztlich trat er dann doch wieder der KPD bei und verschwand in der Sowjetunion. Max Hölz war eín sehr guter Schwimmer und ertrank merkwürdigerweise beim Schwimmen.

Dr. Andreas Graf (anarchistischer Arbeiterhistoriker) bescheinigte ihm (Max Hölz) in einer Diskussion im Fersehen anlässlich dieses Films eine "anarchistische Attitüde", widersprach aber der Behauptung Hölz sei Anarchist! Also wenn Mensch selbst denkt, handelt und den Parteivorstandsbeschlüssen bzw. dem "Zentralkomitee" widerspricht ist man "Anarchist" ja?

Keine Ahnung ob diese "Ergänzung" hier beanspruchen kann historisch genau zu sein, aber so sympathisch Max Hölz auch war, Anarchist war er gewiß nicht. Auch wenn ich ihn gerne für "Anarchistische Bewegung" als Anarchist gesehen hätte!

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

Zeige die folgenden 2 Kommentare an

An Max ein Beispiel nehmen! — Max Hoelz sein Urenkel