Stopp Trans Pathologisierung 2012 (in Berlin)

Paola Zuckersüß 17.10.2009 19:22 Themen: Gender
Die weltweite Kampagne „Stopp Trans-Pathologisierung 2012“ zur Entpathologisierung transgeschlechtlicher Menschen zielt auf die Reform internationaler Krankheitskataloge. Bis 2014 soll der ICD 10 (Internationaler Klassifikationskatalog von Krankheiten und anderen Gesundheitsproblemen) der Weltgesundheitsorganisation WHO überarbeitet werden. Das Ziel der Kampagne ist, dass im nachfolgenden ICD 11 (ab 2014 in Kraft) trans*** Menschen nicht mehr als psychisch krank denunziert werden sollen. Die Hauptforderung der Kampagne lautet daher:

„Streichung der Diagnose Geschlechtsidentitätsstörung aus den Krankheitskatalogen!“
In diesem Rahmen fand auch in Berlin erstmalig eine kleine sponatane Aktion statt.
Stopp Trans Pathologisierung 2012 (media 1)

Im Rahmen des Internationalem Aktionstag „Stopp Trans Pathologisierung 2012“haben am 17. Oktober 2009 nachmittags in Berlin beim S-Bahnhof Hackescher Markt etwa 60 Trans***-Menschen, Intersexuelle, Queers & Freund_innen ihren Protest gegen die Psychiatrisierung & Pathologisierung von Trans-Identitäten zum Ausdruck gebracht.

Mit OP-Masken im Gesicht und „Stop STP 2012“-Schildern in den Händen liefen sie auf ein Signal hin gemeinsam über den belebten Markt. Anschliessend machten sie sich an der Weltzeituhr auf dem Alexanderplatz und in einem S-Bahn-Zugang mit einem kurzen Flash-Mob bemerkbar.

Mit einigen Flugis und auf Schildern wurden die Zusammenhänge der „Stopp Trans Pathologisierung 2012“ – Kampagne erklärt:

„TRANS*** IST KEINE KRANKHEIT, SONDERN EIN MENSCHENRECHT“
„PSYCHIATER HABEN GESCHLECHTSIDENTITÄTSSTÖRUNGEN! WIR NICHT!“
„ZWEIGESCHLECHTLICHKEIT MACHT KRANK“
„INTERSEXEN GEGEN GESCHLECHTSZUWEISUNGEN“

(media 3)

Mit Psychiatrisierung meinen wir die Definition und Behandlung von Trans*Menschen unter dem Label einer psychischen Krankheit. Derzeit wird Transsexualität als „Geschlechtsidentitätsstörung“ angesehen, als psychische Krankheit. So ist sie auch im ICD-10 (Internationale Klassifikation von Krankheiten und anderer Gesundheitsprobleme der Weltgesundheitsorganisation) und im DSM-IV-R (diagnostisches und statistisches Handbuch psychischer Störungen der American Psychiatric Association) aufgeführt.

Die Pathologisierung stellt die Ablehnung einer starren Zwei-Geschlechter-Ordnung als abnormal und krank dar. Sie gibt zudem der Medizin und dem Staat die Kontrolle über unsere Geschlechtsidentität. In diesem System haben wir nur dann ein Recht auf medizinische und rechtliche Schritte der Geschlechtsangleichung, wenn wir uns als psychisch gestört definieren lassen. Noch immer werden auch Intersexen mit Gewalt (u.a. Zwangs-Ops bei Säuglingen) einem binären Geschlecht zugeordnet.

Die Zurückweisung der Psychiatrisierung von Trans*** und Intersexen wurde in Berlin unterstützt u.a. von:

Abqueer ,
Gender-Wiki e.V.
Liminalis, Revista para la Emancipación y Resistencia de los Sexos/Géneros
TIA M.
Transinterqueer e.v.- TriQ
Transgender Network Berlin TGNB
Transgenderradio
Wigstöckel
LSVD

Die Kampagne „Stopp Trans-Pathologisierung 2012“ des Trans Entpathologisierungs-Netzwerkes wird von mehr als 180 Trans-Gruppen sowie ihrer Verbündeten in 40 Ländern Europas, Afrikas, Asiens, Nord- und Südamerikas unterstützt. Mehr als 100 europäische Gruppen beteiligen sich an der Kampagne, darunter 14 deutsche. Sie ist damit die erste weltweite Kampagne der internationalen Trans-Bewegung. Demonstrationen und andere Aktionen fanden in 23 europäischen Städten statt.

Diese weltweite Kampagne zur Entpathologisierung transgeschlechtlicher Menschen zielt auf die Reform internationaler Krankheitskataloge. Bis 2014 soll der ICD 10 (Internationaler Klassifikationskatalog von Krankheiten und anderen Gesundheitsproblemen) der Weltgesundheitsorganisation WHO überarbeitet werden. Das Ziel der Kampagne ist, dass im nachfolgenden ICD 11 (ab 2014 in Kraft) trans*** Menschen nicht mehr als psychisch krank denunziert werden sollen. Die Hauptforderung der Kampagne lautet daher:

„Streichung der Diagnose Geschlechtsidentitätsstörung aus den Krankheitskatalogen!“

In den letzten Jahren ist in vielen Ländern ein Anstieg transphober Gewalt zu beobachten. Forschungen zeigen, dass 2009 bereits an jedem zweiten Tag der Mord an einer Trans-Person berichtet wurde. In 2008 liegt für jeden dritten Tag eine Meldung vor.

Die Pathologisierung von Trans-Identitäten ist eine der Grundlagen einer weltweit verbreiteten Transphobie. Der Menschenrechtskommissar des Europa-Rates Thomas Hammarberg erklärte am 29. Juli 2009 auf der World Out Games Menschenrechts-Konferenz in Kopenhagen, dass die Pathologisierung von transgeschlechtlichen Menschen der Verwirklichung ihrer Menschenrechte im Wege steht.


Du kannst die Kampagne auch mit deiner Unterschrift unterstützen ( http://www.tgeu.org/node/75)


Mehr Informationen über Kampagne „Stopp Trans Pathologisierung 2012“:

 http://stp2012berlin.blogsport.de

 http://www.tgeu.org/node/75

 http://stp2012.wordpress.com/
in Castellano- English- Français- Deutsch- Italiano- Català- Euskera

 http://www.transinterqueer.org

TransInterQueer e.V., eine Berliner Organisation, die 2008 den zweiten Europäischen Transgender-Council organisierte, der mit über 200 Teilnehmer_innen aus 37 Ländern das bis dahin größte internationale Transgender-Treffen darstellte, unterstützt die Kampagne mit einer Berlinweiten Plakat-Aktion.
(media 2)

Demnächst wird es ein auch Video zur Aktion bei youtube geben.
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Ergänzungen

Smash Transphobias Fotos - STP 2012 - Berlin

Raoul Salzmann 17.10.2009 - 20:06

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viel erfolg! — sandra