Putschisten freuen sich auf Südafrika
Die Qualifikation für die Fußball-WM in Südafrika kommt dem Putschregime in Honduras sehr gelegen
Die Qualifikation für die Fußball-WM in Südafrika kommt dem Putschregime in Honduras sehr gelegen
Eigentlich hatte der verfassungsmäßige Präsident von Honduras, Manuel Zelaya, eine Frist bis zum 15. Oktober gesetzt für ein Ergebnis des Dialogs mit dem Putschregime und seine Wiedereinsetzung als Staatsoberhaupt. Doch nach dem Sieg der honduranischen Nationalmannschaft im WM-Qualifikationsspiel gegen El Salvador am Mittwoch Abend waren die Gedanken der Bevölkerung ganz woanders.
Die bürgerliche Presse rief: "Wir fahren nach Südafrika". Am gleichen Abend strömten Zehntausende Menschen in allen großen Städten auf die Straße. Entscheidend war eigentlich ein Sieg der USA gegen Costa Rica in einem parallel stattfindenden Qualifikationsspiel, der den Aufstieg von Honduras statt Costa Rica ermöglichte. Deswegen waren unter den jubelnden Massen viele US-Fahnen und Schildern mit "Thenk you, USA!" (sic) zu sehen – ein eher weiße Journalist aus Uruguay berichtete gegenüber jW, wie er den ganzen Abend lang mit "Gracias, Gringo!" (Danke, US-Amerikaner) angebrüllt wurde.
Der Sieg gehörte ganz dem Putschregime: Für Donnerstag rief der Putschpräsident Micheletti einen Feiertag aus. "Wir erleben gerade einen Moment der Freude, die unsere Schwierigkeiten vertreibt" meinte er, als er die Spieler im Präsidentenpalast empfing. Die Fernsehübertragung des Spiels war voll von Werbung für die Wahlen, die die Putschisten am 29. November durchführen wollen, und für ihre einzelnen Kandidaten.
Aber auch die Widerstandsbewegung konnte vom freien Tag profitieren. Die Kundgebung vor dem Hotel Clarion, wo die Verhandlungen zwischen den Vertretern von Zelaya und denen der de-facto-Regierung stattfinden, war mit über 1.000 Teilnehmern deutlich größer als die Protestveranstaltungen der letzten Woche. Die Menschen riefen: "Honduras zur Weltmeisterschaft – und Zelaya zur Präsidentschaft!"
Doch als der Bus der Nationalmannschaft zufällig an der Kundgebung vorbeifuhr, riefen sie auch: "Müll!" und "Warum trefft ihr euch mit den Gorillas?", also den Putschisten. "Was nutzt es uns Armen, wenn sie nach Südafrika fahren?" fragte Ruth Maridiaga, eine Labortechnikerin, gegenüber jW. "Die Spieler sind alle Putschisten – oder warum lassen sie sich sonst von Goriletti inszenieren?"
Währenddessen gab es noch keine Einigkeit im "Guaymara-Dialog". Die Vertreter des Regimes plädieren für mehr Zeit. "Sie wollen das Dialog möglichst verlängern" erklärte Marvin Ponce, Kongressabgeordneter von der linken Partei UD und Berater des Verhandlungsteams von Zelaya, gegenüber jW. Die Putschisten haben angedeutet, dass sie die Ergebnisse des Dialogs erst vom Kongress und dem Obersten Gerichtshof genehmigen lassen werden, was weitere Tage oder Wochen in Anspruch nehmen wird. "Aber wenn es nicht bald eine Lösung gibt, werden wir die Wahlen boykottieren – aber wir dürfen das laut den Putschisten nicht so nennen, also sagen wir mal, wir werden die Wahlen nicht anerkennen."
Obwohl Zelaya schon vor Monaten zugestanden hat, dass er auf die Forderung nach einer Konstituierenden Versammlung und einer neuen Verfassung verzichten würde, steht die Widerstandsbewegung geschlossen hinter dieser Forderung. "Was wir nicht am Verhandlungstisch gewinnen können, werden wir auf der Straße gewinnen müssen" sagte der Generalkoordinator des Widerstands, Juan Barahona, auf der Kundgebung.
von Wladek Flakin, Tegucigalpa, 15. Oktober 2009
Bilder vom 15. Oktober:
http://www.flickr.com/photos/onesolutionrevolution/sets/72157622594802888/
Eigentlich hatte der verfassungsmäßige Präsident von Honduras, Manuel Zelaya, eine Frist bis zum 15. Oktober gesetzt für ein Ergebnis des Dialogs mit dem Putschregime und seine Wiedereinsetzung als Staatsoberhaupt. Doch nach dem Sieg der honduranischen Nationalmannschaft im WM-Qualifikationsspiel gegen El Salvador am Mittwoch Abend waren die Gedanken der Bevölkerung ganz woanders.
Die bürgerliche Presse rief: "Wir fahren nach Südafrika". Am gleichen Abend strömten Zehntausende Menschen in allen großen Städten auf die Straße. Entscheidend war eigentlich ein Sieg der USA gegen Costa Rica in einem parallel stattfindenden Qualifikationsspiel, der den Aufstieg von Honduras statt Costa Rica ermöglichte. Deswegen waren unter den jubelnden Massen viele US-Fahnen und Schildern mit "Thenk you, USA!" (sic) zu sehen – ein eher weiße Journalist aus Uruguay berichtete gegenüber jW, wie er den ganzen Abend lang mit "Gracias, Gringo!" (Danke, US-Amerikaner) angebrüllt wurde.
Der Sieg gehörte ganz dem Putschregime: Für Donnerstag rief der Putschpräsident Micheletti einen Feiertag aus. "Wir erleben gerade einen Moment der Freude, die unsere Schwierigkeiten vertreibt" meinte er, als er die Spieler im Präsidentenpalast empfing. Die Fernsehübertragung des Spiels war voll von Werbung für die Wahlen, die die Putschisten am 29. November durchführen wollen, und für ihre einzelnen Kandidaten.
Aber auch die Widerstandsbewegung konnte vom freien Tag profitieren. Die Kundgebung vor dem Hotel Clarion, wo die Verhandlungen zwischen den Vertretern von Zelaya und denen der de-facto-Regierung stattfinden, war mit über 1.000 Teilnehmern deutlich größer als die Protestveranstaltungen der letzten Woche. Die Menschen riefen: "Honduras zur Weltmeisterschaft – und Zelaya zur Präsidentschaft!"
Doch als der Bus der Nationalmannschaft zufällig an der Kundgebung vorbeifuhr, riefen sie auch: "Müll!" und "Warum trefft ihr euch mit den Gorillas?", also den Putschisten. "Was nutzt es uns Armen, wenn sie nach Südafrika fahren?" fragte Ruth Maridiaga, eine Labortechnikerin, gegenüber jW. "Die Spieler sind alle Putschisten – oder warum lassen sie sich sonst von Goriletti inszenieren?"
Währenddessen gab es noch keine Einigkeit im "Guaymara-Dialog". Die Vertreter des Regimes plädieren für mehr Zeit. "Sie wollen das Dialog möglichst verlängern" erklärte Marvin Ponce, Kongressabgeordneter von der linken Partei UD und Berater des Verhandlungsteams von Zelaya, gegenüber jW. Die Putschisten haben angedeutet, dass sie die Ergebnisse des Dialogs erst vom Kongress und dem Obersten Gerichtshof genehmigen lassen werden, was weitere Tage oder Wochen in Anspruch nehmen wird. "Aber wenn es nicht bald eine Lösung gibt, werden wir die Wahlen boykottieren – aber wir dürfen das laut den Putschisten nicht so nennen, also sagen wir mal, wir werden die Wahlen nicht anerkennen."
Obwohl Zelaya schon vor Monaten zugestanden hat, dass er auf die Forderung nach einer Konstituierenden Versammlung und einer neuen Verfassung verzichten würde, steht die Widerstandsbewegung geschlossen hinter dieser Forderung. "Was wir nicht am Verhandlungstisch gewinnen können, werden wir auf der Straße gewinnen müssen" sagte der Generalkoordinator des Widerstands, Juan Barahona, auf der Kundgebung.
von Wladek Flakin, Tegucigalpa, 15. Oktober 2009
Bilder vom 15. Oktober:
http://www.flickr.com/photos/onesolutionrevolution/sets/72157622594802888/
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Ergänzungen
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