Schwargelbe Zukunft - lernen ist luxus:

und raus bist du 08.10.2009 13:57 Themen: Kultur Medien Soziale Kämpfe Ökologie
Die Koalitionsverhandlungen laufen auf Hochtouren, es wird erbittert gestritten aber natürlich in angenehmer Atmosphäre (die der Erde ist damit eher nicht gemeint) ... erste Einblicke in die Welt von Schwarzgelb und was das real bedeutet
Manche Medien habe in der Krise ein wenig gelernt, wieder Distanz zum Politiktheater und dem Mainstream zu gewinnen. Es gibt durchaus kritische Kommentare zu den Ritualen und Nebelbömmchen, einer weiterhin auf Wachstumsideologie bauenden schwarzgelben Regierung. (siehe auch:  http://de.indymedia.org/2009/10/262506.shtml - Leben ohne Wachstumszwang)

Aber es sind viel zu wenige. Im inszenierten Gestreite (die CDU als für das Soziale und die Sicherheit zuständige und die FDP als Wirtschafts- und Bürgerrechte vertretende Partei darstellt - geht schnell unter, was da gerade Vorbereitet wird:

Die Schrittweise Abschaffung der ohnehin löchrigen allgemeinen solidarischen Krankenversicherung in Richtung Kopfpauschale. (sprich massive Privatisierung der Gesundheitsversorgung, nur noch absolute Grundversorgung für das unterste Drittel, etwas mehr für das Zweite und unbegrenzte Möglichkeiten für das oberste Zehntel in der Einkommens- und Eigenkapitalsskala bei der Gesundheitsvorsorge) CDU/CSU werden ihr Gesicht dabei wahren, es wird so umgesetzt, dass es wie schleichendes Gift wirkt - die meisten merken es erst, wenn es zu spät ist.

weitere Lockerung/ Abschaffung des Kündigungschutzes bei Neueinstellungen verbunden mit irgendeinem Scheinangebot, damit die Gewerkschaften nicht völlig austicken

mindestens 1 Milliarde steuerliche Entlastung von Unternehmen zeichnen sich bereits ab...finanziert durch...na was wohl???

Energie- und Umweltpolitik: keine neuen Ideen, aber Verlängerung der Auslaufzeiten von AKW - voraussichtlich um mindestens 10 Jahre im Vergleich zum bisherigen Ausstiegszenario mit ein bisschen Gewinnumlage in Richtung regenerative Energien (als Angebot an die KritikerInnen), dafür wird Gorleben weiter bespielt bis zum bitteren Ende, etwa 7 Milliarden werden in die Kernforschung gesteckt, für den Atommüll und seine Folgekosten zahlen wir alle, Kohle bleibt auf Dauer teil des Energiemixes und CO2 - Abgase sollen in die Erde verpresst werden, bei der Gentechnik wird sich die FDP weitgehend durchsetzen...also alles im allem ökolgisch das Letzte, ein Kniefall vor den Energiekonzernen und logische Folge des weiter so...

Einwanderungspolitik nach dem Geldbeutel und Bildungsstand wird zunehmen

usw.

Es passiert genau das, was vor einem Jahr schon klar war: die Argumente, wir müssen sparen und die Wirtschaft im alten Stil ankurbeln, werden für die weitere Umverteilung des Reichtums von unten nach oben genutzt. Den Milliardenhilfen an Banken, vorgezogenen Investitionen, die Abwrackprämie folgen weitere Privatisierungswellen, soziale und ökologische Einschnitte, der Bankrott der öffentlichen Haushalte, damit weiterer Verlust an politischer Gestaltungsmöglichkeit.
Leider scheint das alles bisher nur wenige Menschen zu interessieren. Das Modell der Privatisierung, das des freien Marktes und der Wachstumslüge wird ohne wenn und aber fortgesetzt. Kapitalismuskritik? Selbstreflektion? Lernen ist luxus... alles bleibt wie es ist! Die Gesellschaft erstarrt in ihrer Entwicklung, sie bleibt in der Sackgasse und erhöht sogar noch das Tempo mit dem sie auf die Wand vor sich zu rast.

Wo ist die "KRAFT" (Anspielung auf CDU - Plakate)? Wo sind wir, die das verhindern und eigene Ideen entwickeln, jenseits von Arbeits- und Wachstumsidilogie? Die Kritik am Kapitalismus als Gelaber und Selbstbeweihräucherung ist immanenter Bestandteil des Kapitalismus. So lange keine Wege, Möglichkeiten entwickelt werden - wie zu entwerfenden Utopien zu gelangen sei sind wir nur Teil des Problems. Wir benötigen den Mut zum Bruch mit dem, gleichzeitig die Verbindung zu und eine Transformation im Bestehenden. Dieses fehlt uns theoretisch, wie praktisch.
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Ergänzungen

Titel: "Lernen ist Luxus"

Ulli1958 08.10.2009 - 17:30
Der Titel impliziert einen Zusammenhand mit dem deutschen Bildungssystem und sollte gegebenenfalls abgeändert werden. Oder hat der Autor nur vergessen, in dem Artikel Bezug auf die Bildungspolitik von Schwarz-Gelb zu nehmen?

Es gibt in diesem Bereich große Veränderungen, unter anderem bei der Grund-/Primarschule(Hamburg), der Studiengebühr und der Möglichkeit für schwarzlebende Migranten, ihre Kinder gefahrlos zur Schule gehen zu lassen.

Titel bezieht sich auf

Autorin 08.10.2009 - 19:36
das nicht Lernen wollen, aus den in den letzten Jahren für jede/n deutlich gewordenen Widersprüchen, die das kapitalistische Wirtschaftsystem und seine Wachstumsidiologie hervorbringt. So wird mit den Methoden der Vorkrisenzeit wieder einmal als Allheilmittel ein Wirtschaftswachstum angestrebt, dass angeblich Arbeitslosigkeit und Armut bekämpft. In 60 Jahren BRD ist die Sockelarbeitslosigkeit nach jeder Aufschwungphase höher, als zuvor. Davon können auch statistische Schönfärberei nicht ablenken. Auch hat die Verteilung des Reichtums in der letzten Wachstumsphase nur eine Richtung gekannt: nach oben, dort wo eh schon genug Kapital gebündelt ist. Global betrachtet sind es nicht weniger Arme geworden, sondern noch mehr abhängig arme Menschen, die nicht mal das Nötigste haben. Weil nun auch noch die Lebensmittelgrundlagen: Boden, Wasser, Pflanzen, Tiere - wohl auch die Luft, dem Gewinnstreben und einer völlig am Bedarf der Mehrheit der Menschen vorbei produzierenden Lebensmittelindustrie untergeordnet, ausgebeutet und zerstört werden, entwickelt sich sozial und ökolgisch eine Sackgasse, die die Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft meist nicht ernst nehmen. Ihr Weiterso ähnelt der sturen Haltung der sogenannten Betonfraktion in den ehmaligen Ostblockstaaten. Die schlicht nicht dazu lernen wollten, selbst als am 7. Oktober in Berlin und am 9. in Leipzig 1989 jedem klar werden musste, es geht nicht mehr so weiter, gab es einen Mielke und einen Teil der damaligen SED - Führung, die Ende Oktober immer noch den Harten machen wollten. Das Gefasel vom planmäßigen Aufbau des Sozialismus entspricht dem Gelaber von Wachstum für mehr Arbeitsplätze und Gerechtigkeit.... - lernen ist luxus heißt: lernen muss gelernt sein und gewollt, aber die kurzfristige Haltung des Status zählt eben mehr, als die echte Auseinandersetzung mit der wirklichkeit: 2 Billionen Euro Staatsverschuldung, Milliarden in Banken und altbackenden Industrien wie Atomkraft, Autoindustrie, weitere Privatisierung von Vor- und fürsorgeinstitutionen von gemeinschaftlichen Interesse, werden unter dieser Regierung weiterbetrieben, als hätte es die letzten Monate und Jahre nicht gegeben. Das Schlimme ist ja, dass auch im linken Parteienspektrum bis hinein in die Außerparlamentarische und radikale Linke wenig Auseinandersetzung und Ideen entstehen, die dieses Lernenwollen verdeutlichen. Das Basteln an Schulreformen etc. schön und manchmal gut, aber meist schlecht, war hier nicht gemeint.

@ Ulli1958

Zappa 08.10.2009 - 21:39
Die von Dir angesprochenen Punkte sind wohl größtenteils Ländersache.

Raus ist nur der, der mal drinnen war

keinname 09.10.2009 - 16:39
Kleine Korrektur:
Bei den geplanten steuerlichen Entlastungen für Unternehmen geht es um einen einstelligen Milliardenbetrag, nicht um 1 Milliarde. Und finanziert wird das aus heißer Luft, in diesem System wird schon lange mit Kredit gegenfinanziert.

Das was uns die nächsten vier Jahre von der Regierungskoalition erwartet, ist auch sehr von äußeren Entwicklungen abhängig. Besonders die Entwicklung bei Inflation vs. Deflation dürfte entscheidend für Ausgaben und Einsparungen sein.
Heute wurden die Verbraucherpreise bekannt gegeben. Sie sind mit -0,3% rückläufig, eine Rarität im Kapitalismus. Die befürchtete deflationäre Abwärtsspirale, scheint Realität zu werden. In einer ersten Welle an Artikeln, die zu diesem Sachverhalt erschienen, wurde in keinem der Artikel das Wort Deflation benutzt. Über sinkende Verbraucherpreise zu schreiben und das Wort Deflation nicht zu benutzen, ist angesichts der Rahmenbedingungen (besonders angesichts der Kreditklemme) eigentlich eine journalistische Unmöglichkeit. Wäre das bei einer Zeitung passiert, hätte das vielleicht an einem überfeierten Praktikanten liegen können. Aber das so etwas zufällig parallel bei Bild, Welt, tagesschau.de, Focus, Stock world, AFP usw. passiert, ist zumindest eigenartig. Und dann hatte die dpa ihren großen Auftritt, sie schrieb in einer Mitteilung zu den sinkendenVerbraucherpreisen folgendes:

“Die Gefahr einer Deflation, also einer Spirale aus dauerhaft sinkenden Preisen und konjunktureller Krise, bei der die Verbraucher auf noch billigere Produkte hoffen und ihre Einkäufe aufschieben, ist nach Ansicht von Ökonomen endgültig gebannt.”

Als Kinder haben wir das Spiel verkehrte Welt genannt. Nur leider ist das kein Spiel, das ist der Gipfel der Desinformation. Und nach und nach übernehmen gerade viele Zeitungen exakt diese dpa Formulierung. Die Krönung ist, am 28. September gab die dpa schon mal eine Mitteilung zu den sinkenden Verbraucherpreisen raus, damals hieß es:

“Die Gefahr einer Deflation, also einer Spirale aus dauerhaft sinkenden Preisen und konjunktureller Krise, bei der die Verbraucher auf noch billigere Produkte hoffen und ihre Einkäufe aufschieben, ist nach Ansicht von Ökonomen endgültig gebannt.”

Und in sehr vielen Zeitungen waren exakt diese Worte zu lesen. Realsatire ist das leider nicht, das ist Ausdruck ihrer panischen Angst vor einer Deflation und einer deflationären Stimmung. Sie werden sehr wahrscheinlich nach und nach die Geldhähne aufreißen und massenhaft “Geschenke” verteilen.

Zum Leben ohne Wachstum: In den 70er Jahren war eine Abkehr von dem Glauben an das unendliche Wachstum ein ernsthaftes Thema in der Linken. Da gab es wohl auch Kongresse und jede Menge Theorien zu diesem Thema. Ich weiß das von Leuten, die die 70er bewusst miterlebt haben. Mit dem Aufstieg der Grünen ist dieses Gedankengut wohl leider verschollen.

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