Nazifrequenzen abschalten

Rote Heide 26.09.2009 15:23
Ein Hintergrundbericht zu einem neonazistischen Radioprojekt, ihren Machern und dem peinlichen Moderatoren Christian von der Heide.

Auch nach dem Verbot der HDJ scheint deren Einfluss ungebrochen. Einer der ehemaligen Hauptfunktionäre aus Niedersachsen entpuppt sich als möglicher Drahtzieher des „Netzradios Germania“.
Offiziell sitzt der Macher vom „Netzradio Germania“ in einem winzigen Ein-Zimmer-Appartment im baden-württembergischen Donaueschingen.
Bis zur Razzia am 16. Juli, bei der mehrere PCs beschlagnahmt wurden, war Stefan Schreiber nur wenig in der überregionalen Szene bekannt. Anlass für die Hausdurchsuchung im Auftrag der Staatsanwaltschaft Heidelberg war ein beleidigender Text gegen Polizeibeamte, mit dem das Netzradio in Verbindung gebracht worden war.
Jetzt offenbart sich, dass es auch direkte Verbindungen des Neonazi-Mediums nach Niedersachsen gibt. Im Hintergrund könnte der ehemalige Spendenbeauftragte der im März verbotenen „Heimattreuen Deutschen Jugend“ (HDJ), der Lüneburger Unternehmer Christian Berisha, die Fäden bei „Netzradio Germania“ ziehen. So ist es kein Zufall, dass das niedersächsische NPD-Landesvorstandsmitglied eine Pressemitteilung „via Bild“ bei Youtube verbreitet, in der er den staatlichen „Anschlag“ gegen das „volkstreue deutsche Radio“ anprangert und sich als direkt zugehörig outet. Die engagierte politische Sache sowie angeblich über 5000 Hörer täglich seien ihnen „zum Verhängnis“ geworden, beklagt er.
Gefährliche Ideologie per Internet

Vermutlich verbirgt sich hinter dem Pseudonym des Moderators „Christian von der Heide“ kein geringerer als Christian Berisha aus der Lüneburger Heide. Auch fiel auf, dass in den nahezu zweistündigen Gesprächszeiten des „Netzradios Germania“ immer wieder Interviewpartner aus der Kerntruppe der heimattreuen Bewegung auftraten.
Bereits vor dem Aus der HDJ konnte der ehemalige Gauführer der „Wiking-Jugend“ Manfred Börm, auch aus Lüneburg, der Hörerschaft offen mitteilen, dass staatliche Verbote kaum etwas nützen würden. Kaum hatte das Bundesinnenministerium dem in Kiel ansässigen, bundesweiten Erzieherverein mit über 500 Anhängern das Existenzrecht entzogen, durfte sich der ehemalige Bundesführer Sebastian Räbiger der Hörerschaft erklären und andeuten, dass auch er sich nicht vom politischen Weg abbringen ließe. Auch der fanatische Liedermacher Frank Rennicke stand mit seiner Familie der HDJ nahe – und zählte zu den Gästen von „Netzradio Germania“.

Im Interview mit dem Lüneburger Ladenbetreiber Christian Sternberg offenbart Moderator „von der Heide“ detaillierte Orts- und Szene-Kenntnisse. Weder Behörden noch Medien sind bisher öffentlich davon ausgegangen, dass Berisha mit dem „Netzradio“ zu tun haben könnte. Dabei schrieb der offizielle Netzradiobetreiber aus Donaueschingen bereits im Frühjahr nach einem verpatzten Rechtsrock-Konzert in Brandenburg öffentlich in einem Neonazi-Forum über seinen direkten Draht zur HDJ, die er per Telefon um Hilfe ersuchte.
Macht durch Medienpräsenz

„Heimattreue“ Neonazis gelten als Gesinnungstäter, die aus ihrer Verehrung des Dritten Reiches kaum einen Hehl machen und die Szene mit völkisch-nationalem Brauchtum und Traditionen zu festigen suchen. Eine unauffällige Verbreitung ihrer gefährlichen Ideologie per Internet würde ins Konzept passen. So standen auch die Macher von „Volksfront Medien“ in Hessen und Niedersachsen der HDJ nahe. Ihre Filme zeigen junge Leute im Outfit der Heimattreuen, ihr Schwerpunkt liegt bei der „nationalen Familie“ sowie deutschen Traditionen und germanischer Kultur. Jürgen Rieger, ehemaliger Referent bei einer von der HDJ mitorganisierten Tagung und enger Weggefährte von Berisha, hatte bereits vor Jahren in einem Interview mit dem NDR beklagt, dass er nicht genügend Geld habe, um eine Fernsehstation zu kaufen. Macht durch Medienpräsenz – so könnte die Vision lauten.

Auf der Homepage der NPD-Fraktion in Mecklenburg-Vorpommern gibt es aktuell einen „Tonbeitrag“ von „Christian von der Heide“ mit dem Landeschef Stefan Köster – auch er zählte mit seiner Familie zum Umfeld der HDJ. Der Moderator begrüßt die Hörer mit einem norddeutschen „Moin“ aus „unserem NPD-Schloss in Schwerin“ und duzt Köster. Er nennt den CDU-Innnenminiser Lorenz Caffier „einen komischen Vogel“, lobt dagegen die Politik der NPD.

Berishas Unternehmen in der Lüneburger Innenstadt soll nach Recherchen regionaler Antifaschisten insolvent sein. Bereits im Zuge des HDJ-Verbotes wurden seine Computer beschlagnahmt. Aus Protest kettete sich der neonazistische Lokalpolitiker damals in der Fußgängerzone öffentlichkeitswirksam an. Bei Youtube verkündet er jetzt „wir von Netzradio Germania sind nicht auf Sendung“, aber man werde mit der „heimattreuen deutschen Sache“ weiter machen.

18. 09. 2009 - Andrea Röpke

Sorry für dieses Crossposting, aber der Bericht von Andrea ist einfach lesenswert und die Infos sollten weiterverbreitet werden.
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Warum...

D. aus B. 26.09.2009 - 19:48
habt ihr ihm nicht die Leiter weggetreten?
Oder ihm den Müll in seinen Säcken zu fressen gegeben!
Recherche-Antifa ist wirklich wichtig!
Aber für so einfache Sachen brauch mensch nicht mal ein "AKT" (Antifa Konflikt Team)!
DIY!

Ängstliche Nazis

Grobi 26.09.2009 - 21:21
Anscheinend lassen Nazis aus der Lüneburger Heide immer ihre Fotos von Indymedia löschen. Habt ihr etwa doch Schiss?!?

@ Grobi

NN 26.09.2009 - 21:45
"Anscheinend"? Baust dir deine Weltsicht auf Vermutungen auf? Supi.

Zu Thema nationale Feiglinge

Toni Taste 27.09.2009 - 14:43
@egal: Die Netzradiospachtel?
Ja, das mag man so sehen. Sich hinter bekloppten Pseudonymen zu verbergen kann durchaus als feige angesehen werden. Auf der anderen Seite muss es schon als mutig/verrückt bezeichnet werden so ein peinliches Gestammel wie das von Berisha/von der Heide überhaupt zu senden.