Brandanschlag und Demo in Schwarzenbek

schluss.mit.lustig 26.09.2009 00:22 Themen: Antifa Antirassismus Blogwire
In der Nacht von Sonntag auf Montag zerstörten „Unbekannte“ eine Scheibe des persischen Restaurants „Feuerschloss“ in Schwarzenbek (Kreis Herzogtum Lauenburg) und warfen 3 Brandsätze ins Innere.
Am gestrigen Freitag Abend folgte eine Spontandemo durch Schwarzenbek.
Dies ist kein offizieller Bericht der Organisatoren sondern eine persönliche Zusammenfassung der Ereignisse!


Zur Vorgeschichte:

In der Nacht von Sonntag auf Montag zerstörten „Unbekannte“ eine Scheibe des persischen Restaurants „Feuerschloss“ in Schwarzenbek (Kreis Herzogtum Lauenburg) und warfen 3 Brandsätze ins Innere. Diese erfüllten ihren eigentlichen Zweck jedoch glücklicherweise nicht, da die dickwandigen Flaschen nicht zebrrachen. In einem Bekenneranruf wurde erklärt, dass sich der Anschlag gegen die „Scheiß Kanaken“ richtete und weitere folgen würden. Tatsächlich gab es seitdem noch weitere Drohanrufe.

Nun gut, so viel ganz sachlich zur Ausgangslage. Erinnerungen kommen hoch an den 23. November 1992, als bei einem Brandanschlag im nur wenige Kilometer entfernten Mölln 3 Menschen ums Leben kamen und 9 weitere verletzt wurden. Damals wurden zwei Wohnhäuser von Familien mit Migrationshintergrund auf ähnliche Weise angegriffen.

Am gestrigen Freitag Abend, den 25. September, sollte nun also eine Spontandemonstration in Schwarzenbek stattfinden. Etwas Verwirrung herrschte im Vorfeld dadurch, dass eine Spontandemonstration zu diesem späten Zeitpunkt gar nicht durch das Versammlungsrecht geschützt wäre und so stellte sich mir die Frage, wieso mensch eine solche Demonstration nicht einfach rechtzeitig anmeldet um das volle Mobilisierungspotential auszuschöpfen. Doch da bereits im Vorfeld von Seiten der Antifa Herzogtum Lauenburg und der Antifaschistischen Linken Schwarzenbek öffentlich dazu mobilisiert wurde und der Termin auch schon in der örtlichen Presse Erwähnung fand, scheint die tatsächliche Rechtslage in Kleinstädten wie Schwarzenbek keine wirklich wichtige Rolle zu spielen.

Die Demo:

Gegen 18 Uhr und in den Minuten danach fanden sich dann enttäuschende 60 Menschen am Bahnhof ein, von denen ich gut 20 als bürgerliche Teilnehmer_innen bezeichnen würde. Auch Fahnen von solid und der SPD wurden mitgeführt, doch dazu später noch etwas.
Gerade bei einer derart öffentlichen Mobilisierung und einem großen bürgerlichen Zuspruch hätte ich allerdings deutlich mehr erwartet! Enttäuschend war auch, wie wenige trotz der räumlichen Nähe aus Hamburg anwesend waren. Zumindest die Uhrzeit lässt kaum Ausreden zu! Gerade für viele derer, deren eigener politischer Anspruch oft nicht über Mackertum und stumpfen Antifa-Hooliganismus hinaus geht, stellte dann wohl aber einfach die Zugfahrt von 20 Minuten ein zu großes Hindernis dar.

Etwas verspätet traf dann gegen 19 Uhr der Lauti ein. Der Start verzögerte sich aber noch, da es zu Unruhen gekommen war, nachdem eine angetrunkene Person, deren Abendgestaltung wohl nur durch den Bahnhofskiosk bestimmt wurde, die Demo mit einem lauten „Sieg Heil“ begrüßte, ehe er dann in eben jenen Kiosk flüchtete. Als dann noch eine weitere Person aufgrund fragwürdiger Parolen der Demonstration verwiesen wurde, ging es gegen 19:15 tatsächlich los. Begleitet wurde die Demonstration übrigens von ganzen 6 Streifenpolizisten und 3 Beamten in zivil – auf dem Land läuft also tatsächlich noch vieles anders. Positiv zu bemerken ist jedoch, dass viele Transparente mitgeführt wurden und die Demo trotz der Größe lautstark unterwegs war. Am Rand wurde viel geflyert und immer wieder gab es Zwischenkundgebungen.
Während die Demo zuerst durch ein Wohngebiet führte, meinte ein Anwohner wohl, auf Zustimmung der Demoteilnehmer_innen zu stoßen, indem er „alle Nazis“ laut als „schwul“ bezeichnet. Zumindest bei den Trägern der SPD-Fahne brach hier lauter Jubel aus. Ich hab selten so viel homophoben Mist gehört wie in der darauffolgenden Diskussion mit eben jenen SPD‘lern. Widerlich, geht gar nicht!
Der Demo hatten sich mittlerweile weitere Bürger_innen angeschlossen, sodass die Zahl auf wohl insgesamt 100 Menschen gewachsen war. Während sich die Demo dem Endpunkt im Zentrum Schwarzenbeks näherte, wurden aus der Demo heraus auch noch NPD-Plakate entfernt, was die anwesenden 6 Polizisten sichtlich überforderte. So gaben sie das Vorhaben, den „Täter“ zu stellen, schnell auf, da dieser nach Polizeiaussage sowieso schon „in der Menge untergetaucht“ war. Die Demo passierte nun das „Feuerschloss“, also jenes Restaurant, das Ziel des Anschlags war. In einem letzten Redebeitrag wurde sich hier mit dem Inhaber solidarisiert und die Demonstration erreichte eine Ecke weiter ihren Endpunkt auf einem zentralen Platz in Schwarzenbek und löste sich bald auf.

Fazit:

Nach dem Anschlag von Sonntag Nacht wurde ein absolut notwendiges Zeichen gesetzt, auch wenn dieses deutlicher hätte ausfallen können und müssen! Dafür können allerdings nur diejenigen etwas, die nicht anwesend waren.
Überrascht war ich auch von der geringen Polizeipräsenz. Außerdem waren trotz der durch die „Nationale Offensive Lauenburg“ recht aktiven Strukturen vor Ort nach meinen Erkenntnissen auch keine offensichtlichen Nazis am Rand der Demo zu sehen.
Weiter machen und rassistische Übergriffe nicht ignorieren! Nicht in Schwarzenbek, nicht im Herzogtum Lauenburg und auch sonst nirgends!

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Ergänzungen

Kommentar aus Hamburg

Hamburger 26.09.2009 - 08:52
Das Problem ist doch bei vielen Innenstadt-Antifas bekannt. Für größere Demonstrationen die auch mal Krawall versprechen reist man gerne durchs halbe Land, aber für kleiner Solidarisierungsveranstaltungen ist man sic häufig zu fein. Dabei ist es egal ob es raus nach Wedel, Glinde oder nach Bergedorf geht. Der Weg scheint einfach zu weit zu sein.

Ich selber bewege mich recht häufig in Schwarzenbek und habe am gestrigen Freitag auch mal wieder etliche komische Aufkleber der Nasen aus dem Stadtpark entfernt. Ich bin auch der Meinung das die Aufkleber dort nicht erst seit gerstern hingen, aber wie dem auch sei. Ich bin sehr erfreut, das es scheinbar immer noch antifaschistische Arbeit in Schwarzenbek gibt auch wenn ich mich manchmal frage ob Sinn und Zweck mit den gewählten Mitteln erreicht wird.

obwohl ich die gesamte letzte Woche meine tage in Schwarzenbek verbracht habe, habe ich von dem versuchten Brandanschlag leider erst jetzt erfahren. Als AN bekommt man halt doch recht wenig von dem was dort so passiert mit.


Keinen Fuß-Breit den Faschisten die Straße überlassen. Seit wachsam und pass auf euch und andere auf.

Solidarische Grüße aus Hamburg

Der Bewegungsmelder

Epic 26.09.2009 - 10:58
Das Problem war nicht die zeit oder die entfernung sondern einfach nur das der bewegungsmelder bockmist gebaut hat.

er hat die neumüsterdemo bis donnerstag abend auch am 25 angesetzt gehabt obwohl sie erst heute ist und ich kenne viele die nach neumünster gefahren sind bez heute fahren werden.

Offizielle Seiten

aus der Gegend 26.09.2009 - 14:07
Zwei Seiten aus der Gegend, die immer recht aktuell sind, sollten euch auch in Zukunft mit frischen Infos versorgen. Untergehen sollte das Thema auf jeden Fall nicht.

www.antifaherzogtumlauenburg.blogsport.de
www.als.blogsport.de

Ich persönlich fand die Demo sehr lautstark, die Leute an den Fenstern und auf den Balkonen waren positiv interessiert, schafften es jedoch oftmals nicht auf die Straße...schade. Dennoch wuchs die Demo im Verlauf deutlich an und die Stimmung war wirklich sehr motivierend.
Die Demo-Strecke wurde mit Antifa-Aufklebern verschönert und die Anwohner auf den Brandanschlag aufmerksam gemacht.

Schwarzenbecker

Torben C. 26.09.2009 - 15:13
Am Rande konnte Torben C. mehrfach in seinem PKW am Rande der Demonstration gesichtet werden.Also die Faschos sind bestimmt nicht unorganisiert hier.

mollis zündeten nicht?

xy 28.09.2009 - 20:23
Das mit den drei Mollis die nicht zündeten stand zwar so in der Zeitung,ist aber dennoch (auch laut der Zeitungsredaktionen) eine Fehlmeldung.
Ich selber habe mit dem Reporter gesprochen,welcher auch den anruf des Rechtsextremen entgegen nahm und dieser sagte mir das ein Molli gar nicht zündete die anderen beiden zerbrachen jedoch. Glücklicherweise verfehlten diese aber dennoch ihre Wirkung, gebrannt hat es defenitiv (diverse bilder kursieren auch im internet), gottseidank nicht doll und alle menschen leben noch!

Ja schade ist es das es immer die gleichen sind die auf die straße gehn, wie weit muss der ganze scheiß denn noch an die menschen rankommen, kann mensch die überhaupt noch erreichen?!

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

Verstecke die folgenden 5 Kommentare

Soli

kommunist 26.09.2009 - 03:19
Solidarität aus Niedersachsen!!!!

2 zusätze

schneekette 26.09.2009 - 07:08
1. nazis sind schwul, aber die witze kann man sich natürlich sparen

2.ist die korrekte bezeichnung nicht iranisches restaurant oder handelt
es sich um alte exilperser?

vorsichtin harburg nazis im anmarsch

antifa Hamburg 26.09.2009 - 12:06
auf den weg zum dkp infostand in heimfeld Kirche haben sich ca 20 nazis um zu stören
da der dkp kreisleiter und bekennende stallinist andre lenthe mit einem genossen alleine ist muss sofort unterstützung mobilisiert werden
die zeit drängt

Stalinisten sind Verbrecher!

flo 26.09.2009 - 12:30

Kein persisches Restaurant

exils-beker 07.10.2009 - 18:26
Der Feuerschloss-Besitzer Ali mag zwar aus Persien/Iran oder woher auch immer stammen (fand ich ehrlich gesagt nie wichtig - hauptsache, das Essen schmeckt), aber das Feuerschloss ist eine Pizzeria und kein persisches Restaurant. Aber das nur nebenbei.