Urbane Gärten in Barcelona: Gemeinschaftsgärten
Colonia Castells

Am 23. Juli 2009 wurde dieser besetzte Garten offiziell eröffnet, obwohl zu diesem Zeitpunkt um die 15 Personen schon seit acht Monaten dabei waren, Schutt zu entfernen, anzupflanzen, zu ernten und das Gemüse im Viertel zu verteilen.
Zwischen den letzten Mauern und Fliesen, die vom abgerissenen Haus geblieben sind, wird nach dem biodynamischen Kalender angebaut. Dies ist eine Art und Weise, einem ganzen Viertel Leben einzuhauchen, dass sich im Laufe des nächsten Jahres in Abrissgefahr befinden wird.
Die Entscheidung, dieses Grundstück der ersten Phase des Arbeiterviertels zu besetzen, wurde in der Versammlung ´Colonia Castells schützen` getroffen. Dort wird auch immer noch darüber gesprochen, was in dem als selbstbestimmter urbaner Garten rückgewonnenen Raum, der funktioniert, »ohne, dass er die Bürokratie der Institutionen durchlaufen müsse«, zu tun ist. Ebenso frei, wie die Personen, die helfen möchten, bewegen sich auch die Hühner, bis sie am Ende eines Arbeitstages zum Schlafen in den Stall gebracht werden und bis die Bagger kommen...
La Farga

Die Arbeitstage bedeuten in diesem Garten nicht nur säubern, Unkraut jäten oder pflanzen. Vor allem sticht die Belohnung hervor, die nach der Arbeit kommt. Alle, die am Tag der Fotos halfen, genossen die Ernte direkt in Form einer leckeren Paella.
Am Anfang wurde hinter dem Sozialzentrum La Farga im Viertel Sants angebaut, um den Pflanzen näher zu sein, aber »jetzt sehen wir, dass man von hier gut essen kann«. Um diesen Raum im September 2008 zurückzugewinnen, machten sich die drei festen NutzerInnen erstmal ans Aufräumen. Schrott wegschaffend, zogen sie sogar Reste von Bomben aus dem Boden. Jetzt haben sie schon neue Setzlinge aus der gleichen Erde, von dem einige zur Samentauschbank im Tal der Collserola zurückkehren. Die Ernten werden unter denen, die anbauen und dem anliegenden besetzten Haus aufgeteilt.
Genauso wie für Schnecken und Vögel ist der Garten allen offen, die mitmachen wollen, obwohl es keinen festen Arbeitstag gibt, da »ein Garten ständig behandelt werden muss, vor allem weil in diesem nach dem Mondkalender angebaut wird«. Außerdem wird probiert, Ökosysteme zu regenerieren, indem anderen Pflanzen, auf die natürlichste Art und Weise, Platz zum Wachsen gelassen wird. Man müsse immer das Gleichgewicht und die Harmonie der Natur vor Augen haben.
Can Masdeu

Hier befindet sich das Büro RurBana, dass unter anderem die Samentauschbank anbietet. Das besetzte Projekt leistet seit bereits sieben Jahren mit den Gemeinschaftlichen Gärten Widerstand, um eine traditionelle landwirtschaftliche Zone Barcelonas zu erhalten, die sich heute von der Stadt umringt sieht.
Für die 50 Parzellen von Can Masdeu – 10 werden von den 25 BewohnerInnen des Hauses bepflanzt, 40 wurden an junge und alte Menschen des Viertels Nou Barris, sowie zum Beispiel an eine Konsumkooperative verteilt – wurden Stück für Stück die alten Terassen wieder hergerichtet und in einen Ort der Produktion und Reproduktion von Lebensmitteln verwandelt. Autonomes Lernen und landwirtschaftliche Lehre werden über die Arbeitstage und die geführten Besuche für Gruppen vermittelt. Der politisch-strategische Ansatz liegt darin, einen Raum dafür zu öffnen, »anderen Menschen das zu geben, was ihnen in Wirklichkeit die Stadt zur Verfügung stellen müsste. Aber wir machen es auf eine günstigere und bessere Art, weil sie anders ist«.
Die Entscheidungen über das Wasser und die Verteilung von Land werden gemeinsam in der Versammlung getroffen. Man teilt sich auch die Werkzeuge, aber jede/r baut das an, was er/sie will. 75% der Setzlinge des letzten Jahres kommt aus dem eigenen Haus. Alle drei Monate wird ein Essen für alle an den Gemeinschaftsgärten Beteiligten organisiert und Salate, Mangold etc., die über sind, werden auch für die Sonntagsvolxküche in der RurBar genutzt, für die schnell mal zwischen 100 und 120 Portionen gekocht werden.
Garten der biologischen Fakultät

»Ist es nicht heftig, dass es in der biologischen Fakultät nur experimentelles Land gab und wir keine Ahnung hatten, wie eine Tomate wächst, wenn nicht über Powerpoint-Präsentationen?«
Mit dem Ziel diese Situation zu ändern, verwandelte eine Gruppe Studierender vor vier Jahren einen ungenutzten Parkplatz in einen Garten. Nach Verhandlungen mit dem Dekan, der keine Pflanzen neben einem Autowrack ohne Räder sehen wollte, wurde der zu dem Zeitpunkt noch Blumengarten an die heutige Stelle verlegt. Mit der Initiative der Umweltschützergruppe ´Skamot verd` nahmen sie sich noch ein weiteres Stück Land daneben, um mit dem ökologischen Anbau zu beginnen, zu lernen und Essen und Infoveranstaltungen zu organisieren.
Der Dekan will den selben Raum, der bereits von den Studierenden genutzt wird, in einen Rasencampus verwandeln. Der Vorschlag von den jetzigen NutzerInnen, den existierenden Garten in das neue Projekt der Fakultät mit einzubinden, wurde mit der Ausrede abgelehnt, dass das Design bereits entschieden sei.
Hierin sehen die Interviewten den behördlichen Zusammenhang ihres Gartens mit denen, die die Stadt verteilt. Anstatt die bestehenden Projekte zu fördern, eignen sie sich kollektive Systeme an, um danach das gleiche zu tun, aber mit viel mehr Schranken. »Hier ist es die Verwaltung der Biologiefakultät, die glaubt, dass wenn sie verwaltet, die ganze Welt mitmachen wird. Der aktuelle Garten steht bereits allen offen«, auch wenn sie nur mit ihrer Tupperschale kommen, um Luft zu schnappen.
Hort Autogestionat de l`UB Raval

»Wenn wir anpflanzen und so, gießen wir mit Wassereimern, die wir in der Küche der Unibar auffüllen, aber generell gießen wir nie, da Regen und Sprinkler ausreichen, um den Boden immer feucht zu halten. Komisch, nicht?«
Dank dieses Glücks und der Hilfe von etwa sechs Studierenden, wachsen jetzt sämtliche Arten von Gemüse und Früchten zwischen der Bar und der Bibliothek, im Selbstverwalteten Garten der Fakultät UB Raval. Dafür wurde ein Teil des ungenutzten Innenhofes, als Aktivität der Aktions- und Streikwoche im November 2008, besetzt. Der Garten ist ziemlich spontan organisiert, mit einem festen Arbeitstag, dem sich immer mehr Leute annähern, unter ihnen auch Ältere des Viertels, die Tipps zum Kultivieren zu geben wissen.
So hat ein Raum ohne Nutzen nicht nur Leben gewonnen, sondern sich in einen Ort selbstbestimmten Studierens verwandelt. Bis jetzt wurde noch nicht viel geerntet, aber wer vorbeikommt, um etwas mitzunehmen, wird ebenso essen, wie ein Teil für die vegane Volxküche genutzt werden wird, die vier Tage die Woche in der selben Fakultät stattfindet.
Hort Akí me planto und Hort Comunitari de Clot


Im besetzten Gemeinschaftsgarten von Clot werden die Essen, kleinen Konzerte und anderen Dinge, die die NutzerInnen organisieren, nicht groß angekündigt, da der Garten ein Versuch ist, Wurzeln im Viertel für die Leute aus dem Viertel zu schlagen. Einige NachbarInnen aus der Straße bepflanzen bereits ein Beet.
Die Samen und Setzlinge kommen zum Beispiel aus dem Garten Akí me planto (Hier pflanze ich mich) in Sant Andreu; die Hilfe wird in Form von praktischer Arbeit im anderen Garten zurückgegeben. So werden auch die Ernten verteilt, von denen auch Teile zur Volxküche des Sozialzentrums La Gordísima gebracht wurden.
Während der Garten in Clot seit Juli 2008 besteht, existiert sein befreundeter Garten schon seit fünf Jahren an gleicher Stelle. Aber seine aktuellen zwei festen NutzerInnen begannen erst vor einem Jahr mit der »hortikulturellen Offensive gegen die Diktatur des Zements«. Dass die Aktivitäten, die hier zuvor stattfanden, noch nicht wiedergekehrt sind, liegt an der noch geringen Anzahl von HelferInnen.
Hort Comunitari de Gràcia
25. Oktober 2008: nach einem Umzug durchs Viertel, traten die TeilnehmerInnen öffentlich in das seit fünf Jahren verwahrloste Grundstück ein. Die Spekulation im Viertel von Gràcia denunzierend und Räume für die soziale Nutzung fordernd, kreierten sie mit einem Garten einen integrativen Treffpunkt, der sich in ein Bildungs- und Informationszentrum verwandeln will.
Die tote Erde zu bepflanzen – und das ökologisch – war kein leichtes; sie wird mit Kompost von außerhalb vermischt und mit dem Wasser des ´besetzten Wasserhahns` gegossen. Statt Bewässerungsanlagen zu installieren, wurde das Gießen mit einem anliegenden Zentrum älterer Menschen organisiert. Viele der Samen, die hier angepflanzt werden, kommen aus Can Masdeu oder von der XAINGRA (Austauschnetz von Gràcia). Noch wurde nicht viel gegessen, aber die Idee ist, dass alles was geerntet wird, auch mit allen bei den Volxküchen im selben Garten zu verspeisen.
Da die rechtmäßigen Eigentümer des Grundstücks die Besetzung nach nur zwei Monaten angezeigt haben, gibt es am 1. Oktober 2009 einen Gerichtstermin gegen die ´verkannten BestzerInnen`. Die Zeit für die Pflanzen, Workshops, den Kinderbereich, die geführten Touren, die Teilnahme des Netzes für den Austausch von Wissen (XIC) und die zwei Gruppen gemeinschaftlicher Erziehung, scheint gezählt. Dennoch handelt es sich um eine Erfolgsgeschichte eines kultivierten, sozialen und kulturellen Raumes.
Kan Kadena

Von den letzten Jahren des Gartens dieses Hofes zu reden, bedeutet auch von einem bestimmten Mann zu sprechen. Er lebte sein ganzes Leben in Esplugues de Llobregat und bepflanzte die Ländereien des Landhauses Can Oliveres, aus dem er nach einem 23jährigen Kampf von einer Immobiliengesellschaft, unterstützt von der Stadt, geräumt wurde. Da sein altes zu Hause immer noch leer steht, schlägt er vor, dass hier urbane Gärten entstehen könnten.
Er selbst fand einen neuen Garten, in dem er sich dem widmen konnte, was er sein ganzes Leben getan hatte, in dem er sich ablenkte und seine Schmerzen vergaß, in Kan Kadena, wohin ihn die damaligen BesetzerInnen im Jahr 2005 einluden. »Für mich bedeutete das mehr als eine Familie zu finden, ich fand eine tiefe Freundschaft«. Bis zur Räumung des Hauses im März 2009, waren es um die 20 Personen, die aus dem Garten aßen, 11 Jahre eines Projekts und 10 Monate, die der ältere Herr in dem besetzten Haus lebte und in denen »ich aus dem Garten etwas Unglaubliches machte. Wo vorher 10 Salate wuchsen, pflanzte Pep 200«. Einige von ihnen wurden auf der Räumungsparty versteigert.
Durch einen Garten gewöhnte er sich an eine neue Form zu leben, die dafür sorgte, dass er ähnliche Projekte kennenlernte, wie zum Beispiel Can Masdeu. »Wenn wir dieses Jahr hätten da sein können, hätten wir sicher angefangen mehr Aktivitäten rund um den Garten zu starten«. Mit seiner Arbeit, seiner Leidenschaft und seiner Liebe gab er einem verlassenen Garten mit viel Potenzial sein Leben zurück, »um die Jungen und Mädchen glücklich zu sehen«. Das, was er ihnen hat beibringen können, führt er jetzt auf der Terasse seiner Wohnung weiter.
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Ergänzungen