Velbert bringt Protest in die Innenstadt

velberter 21.09.2009 00:27 Themen: Freiräume Kultur Repression
Velbert unterstrich am Samstag, 19. September seinen Ruf als kinder- und familienfreundliche Einkaufsstadt. An diesem Tag fand in der Velberter City das diesjährige Schlangenfest statt - ein Kinderfest zum Jahrestag der Sinnfrei-Statue
"Bunti". Diese Stadt selbstbeweihräuchert sich, stellt sich für die Öffentlichkeit als ungemein positive und schöne Stadt da, macht Aktionen für kleine Kinder und konsumorientierte Einwohner und die Alternativen für Jugendliche bleiben auf der Strecke. Noch immer werden wir von Polizei und Ordnungsamt bis aufs Schärfste verfolgt, nachts behelligt wenn wir uns ruhig und friedlich in der Stadt und den öffentlichen Anlagen aufzuhalten versuchen und mit sinnfreien Geldstrafen belegt. Gleichzeitig jubelt die Stadt sich selbst hoch, feiert eine 125.000 Euro teure Spielschlange oder die 25.000 Euro-Bronzestatuen, welche dem Verein „Velberter Kinder“ gewidmet sind. Noch dazu wurde in sämtlichen Ankündigungen auf das Schicksal des Kaufhauses Hertie drauf hingewiesen.
Das mit Hertie das größte Kaufhaus Velberts dicht gemacht hat, ist für Velbert, unsere „kinder- und familienfreundliche Einkaufsstadt“ natürlich ein großer Verlust, zumindest aus der Sicht des normalen, bürgerlichen Konsumenten aus betrachtet, der alle Lieblingswaren aus ein und dem selben Geschäft kaufen wollte – das war einst bei Karstadt schon so. Was ich jedoch unverständlich und unverantwortlich finde ist, wie sich die Stadt Velbert dermaßen den Arsch für dieses Kaufhaus, seine ehemaligen Mitarbeiter und das Warenangebot aufreißen kann. Dank Bürgermeister Stefan Freitag persönlich, bzw. zusätzlich der Stadtverwaltung im Hintergrund, wurde ohne vorherige Absprache, ohne vorherige interne Stellenausschreibung der ehemalige Hertie Manager Nils J. als neuer Geschäftsführer der Velberter Marketing Gesellschaft integriert – eine Stellenausschreibung ist auf dem Markt der normalen Wirtschaftsbetriebe absolute Pflicht und oberste Priorität bei der Einstellung neuer Mitarbeiter. Hier werden normale Arbeitsrechte mit Füßen getreten. Auch für die anderen Mitarbeiter dieses Kaufhauses hat die Stadt Velbert sich krumm gemacht und versucht, in neue Arbeitsverhältnisse zu hieven. Bei einem Stadtrundgang fielen uns auf Anhieb in der gesamten Velberter Innenstadt sowie den angrenzenden Seitenstraßen schon ca. 20 leer stehende Geschäftslokale auf – alles kleine, Velberter Einzelhändler, die aus den verschiedensten Gründen irgendwie zu machen mussten. Das geschlossene und verbarrikadierte HEKA-Center und seine einzelnen Geschäftsräume noch gar nicht mitgerechnet – wurde diesen Händlern von der Stadt Velbert mit so einer Intensivität Möglichkeit geboten, irgendwie weiter zu machen? Wurde denen dasselbe Sonderprogramm geboten wie Herrn J. von Hertie oder den anderen Mitarbeitern?
Aus diesem Anlass wurden die vergangenen Tage von unangepassten, unzufriedenen und kritischen Jugendlichen genutzt, Widerstand zu mobilisieren. Bereits unter der Woche wurden die erwähnten Bronzestatuen in Form eines Fisches, eines Bären und eines "Schlüsselmännchens", in blaue Mülltüten gepackt und verklebt, in einem Erklärungsschreiben wurde auf die Unrechtmäßigkeiten hingewiesen. In der Freitag nacht scheinbar wurde das ganze noch weiter intensiviert: ca. 20 Meter der Schlangenstatue wurden mit hunderten parolenverziehrten Din A4 Plakaten zugeklebt, die Slogans trugen wie "Grillplätze für Velbert", "Fuck that! Hier regiert bloß Kapital", "Velbert: nicht familien und nicht jugendfreundlich", "bezahlbarer Wohnraum, und zwar jetzt!", Freiräume, keine Verbote - Versammlungsfreiheit = Menschenrecht", "Eine Spielschlange: 125.000 Euro! Freiräume, Grillplätze und selbstverwaltete Alternativen: Unbezahlbar????", "Investiert für die Jugend – Nicht für Statuen", "No limits, No border - Fight Law and Order", "Kein Mensch ist illegal", Eine Stadt die
uns verachtet, hat unsere ganze Wut gepachtet!", "Freiräume statt Albträume" und vielen weiteren. Pünktlich zum Schlangenfest also präsentierte sich die Velberter Innenstadt mit zahlreichen Forderungen ihren Gästen aus der Stadt und dem Umland. Doch damit nicht genug, nur 100 Meter Luftlinie vom Velberter Forumsplatz, wo am Samstag die "SPD-Spitzenpolitiker" Peer Steinbrück und Franz Müntefering ihm Rahmen ihres Wahlkampfes auftraten, prangte an der Fassade eines Parkhauses ein Stofftransparent mit der Forderung "Bezahlbarer Wohn- und Freiraum für alle - Hermi Lebt" und machte auf die Situation im Velberter Herminghauspark aufmerksam, in dem noch immer, wie in zahlreichen anderen öffentlichen Plätzen und Grünanlagen auch, das nächtliche Aufenthaltsverbot sowie allgemein das Alkoholverbot für die ganze Velberter Innenstadt, gilt.
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Ergänzungen

das schlangenfest

velberter 21.09.2009 - 23:50
ist quasi der geburtstag unserer "schönsten velberterin" und jährlich verbunden mit einem kinder-aktionstagesfest in der innenstadt.

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

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ooOOoo — o