Schanzenfest, unpolitisch?
Nach diversen Beiträgen über das Schanzenfest, denke ich, dass auch mal ein Kommentar darüber nötig wird, wieso das Schanzenfest überhaupt pollitisch konnontiert ist. Das Breite Verständnis des Schanzenfestes in der Öffentlichkeit scheint mir nicht ganz der Realität angemessen beleuchtet, so hoffe ich mit meiner "Meinung" über einige Umstände und meine grobe Einordnung dieser Umstände, etwas Licht in die Sache bringen zu können. Als politisches Medium erfüllt das Schanzenfest für alle Seiten eine wichtige Aufgabe. Man muss aufpassen, dass die Nachricht den Drahtseilakt zwischen "Straßenschlacht" und "friedlichem multi-kulturellem Straßenfest" die Waage hält und nicht Medienpolitisch ausgebeutet wird - sei es für eine (schleichende) Legalisierung und Umstrukturierung, sei es für eine repräsentative Veranstaltung in der Schanze, jedoch nicht "aus der Schanze", "von der Schanze", repräsentativ für eine neue Form Schanze von Schanze, die so vom Groß derer, die die Schanze "groß" gemacht haben, nicht gewollt ist, sei es für einen Innensenator und seine repressiv wirkende Politik.
Ich mag mich irren.
Ich mag mich irren.
Ja, das gute alte Schanzenfest. Immer ein Erlebnis, doch irgendetwas war anders dieses Jahr.
Die Party ging bis 1:00 Uhr und alles vor eins war sehr nice, gute Laune, individuelle, alternative Stände, facettenreiches Schanzenfeeling, wie es dies nur einmal im Jahr gibt – mit Ausnahme von diesem Jahr, wo es ja nun schon das Zweite war; nicht ganz ohne Grund. An meinem schwer zu definierendem Gefühl zwischen Irritation, Freude und Ärger über die Geschehnisse ab 1:00 tragen dieser Grund und seine Konsequenzen etwas Mitschuld, wie auch an den sich scheidenden Geistern, bei der Berichterstattung über die folgenden Aktionen, die ich nun nicht weiter kommentieren möchte. Vielmehr liegt mir viel daran, etwas anderes zu beleuchten, das mir wichtiger erscheint und über dieser ganzen Debatte gleich einem Damoklesschwert schwebt.
Die Schanzenfestdebatte ist hoch politisch, da muss man sich gar nichts vormachen. Es geht vordergründig weder um Krawallmachen, um Chaoten oder blinden Vandalismus noch um Spaßrandalieren. Es geht um etwas anderes, dessen komplette Beschreibung den Rahmen dieses Beitrags sprengen würde. Ein schöner Anfang für diese Geschichte wäre zu erwähnen, dass aus dem Wasserturm im Schanzenpark ein 5 Sterne Hotel gegen den Protest vieler Anwohner gebaut wurde. Die Schanze verwandelte sich schon vor der Planung des Hotels von einem Viertel, dessen Ruf von Freiheit um die ganze Welt zu hören ist, einem Viertel, dass Individualisten aller Art anzog und eine freigeistige Szene pflegte, zu einem Viertel, von dem sich diejenigen angezogen fühlten, die gerne das „coole“ dieses speziellen Charmes für sich beanspruchen wollten - was natürlich nichts schlechtes ist. Im Laufe der Zeit stiegen die Mietpreise – nach Bau des Hotels, diesem Stadtteilchrome, ja auch irgendwie berechtigt – und so konnten diejenigen, die die Schanze zu dem Ort gemacht haben, dessen Schall weltweit Menschen anzieht vielmals die Umzugskartons packen, da sie sich ihre Gegend einfach nicht mehr leisten konnten. Dafür kamen immer mehr Yuppies, die sich die neuen Mieten leisten konnten und so änderte sich das Wohnbild der Schanze wiedermal radikal. Das Problem an der ganzen Sache, das, was sie tatsächlich ja auch zu einer so politischen Sache macht, ist, dass diese Stadtteilentwicklung politisch und zwar von der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (oder wie immer sie auch damals heißen mochte) befördert wurde. Gegen den Willen der in der Schanze lebenden Bevölkerung.
Wie auch immer. Es handelt sich also um eine politisch durchaus gewollte Entwicklung der Schanze, die gegen den Willen vieler von dieser Entwicklung Betroffener in die Wege geleitet wurde. Das Schanzenfest blieb jedoch seit eh und je repräsentativ für den Charakter und Charme der Schanze und trug einmal jährlich äußerst betont nach außen, was die Schanze und das Leben in ihr ausmacht.
Die Betonung hat sich über die letzten Jahre natürlich verändert, so wurde das Vorgehen der Polizei, wie auch das, der Feiernden progressiver, was aus diesen Gründen von beiden Seiten verständlicher wird. Sicherlich möchte die Polizei ihren Auftrag erfüllen, für Sicherheit und Ordnung sorgen, das Einhalten von Regeln und dergleichen befördern und so. Sicherlich hat sie jedoch auch als politisches Instrument der Exekutive zusätzlich subtilere Aufgaben, als lediglich das Sorgen für regelgetreues Verhalten der Hamburger – in diesem Fall auch ein abschreckendes, medienwirksames Szenario zu erzeugen. Die Angst derer, die feiern, aber auch aus politischen Gründen anwesend sind, ist durchaus berechtigt. Die Angst davor, dass ihr Stadtteil sich nun völlig in eine Richtung verändert, die sie nicht mehr gutheißen. Den Unmut darüber, dass das Schanzenfest nun, anstatt ein quasi-geduldetes illegales Straßenfest zu sein – das des Nachts nicht mehr geduldet wird – eine Metamorphose durchleben soll, hin zu einem legalen Straßenfest. Der Vorbote von legal heißt friedlich. Legal bedeutet aber nicht nur, dass es des Nachts auf Dauer gesehen nicht mehr so arg eskalieren wird. Legal bedeutet, dass das Gesicht des Schanzenfestes mit samt Charakter, Charme, Stand- und Musikkultur quasi-chirurgisch Verpfuscht wird. So wird es auf Dauer gesehen nicht mehr so extrem gut, wie es die letzten Jahre war und das politisch neu geschneiderte Outfit der Schanze erfährt auf tragische Weise seine letzte Naht. Das Fundament für ein neues, hippes Viertel in Hamburg wäre gelegt, eines, das so nie erbaut werden sollte, ginge es nach denen, die wirklich darüber entscheiden sollten – den Einwohnern ade.
Teufelsposaunen tröteten bereits den schaurigen Klang von aufkommender Veränderung, als Gespräche aufkamen, um die Bedingungen der Legalisierung des Schanzenfests zu debattieren. Aus eben diesem Grund wurde es dieses Jahr bereits gefeiert, aus diesem Grund (und den bevorstehenden Wahlen) auch sicherlich das späte Eingreifen Seitens der Polizei und das späte alljährliche Feuerlegen – diesmal an einem unüblichen Ort, im Florapark statt vor der Flora.
Alles in allem würde ich das Schanzenfest trotz den Gründen, für progressives Verhalten und gegen die Bilder, die in den diversen Medien gezeichnet wurden, als relativ friedlich bezeichnen. Ob ich das Vorgehen der Feiernden und auch das Vorgehen der Politisch-Motivierten, die ein wenig dem Vandalismus frönten, als positiv bezeichnen würde? In vielerlei Hinsicht sicherlich. Die Schanze ist und bleibt eines der besten Viertel Hamburgs - zumindest noch für eine gewisse Zeit. Dass diese Zeit lange dauern möge, dafür muss sicher auch das Schanzenfest seinen Tribut leisten. Andererseits war es gerade wegen der fürs Schanzenfest späten Räumung durch die Polizei eines der besten. Das Vorgehen derer, die das Fest mit allen Kräften beenden wollten, war klassisch. Daher erspare ich mir weitere Kommentare.
Soviel zu meiner Meinung über das 2. Schanzenfest 2009.
Entspannte und sanftmütige Grüße
Ham
Die Party ging bis 1:00 Uhr und alles vor eins war sehr nice, gute Laune, individuelle, alternative Stände, facettenreiches Schanzenfeeling, wie es dies nur einmal im Jahr gibt – mit Ausnahme von diesem Jahr, wo es ja nun schon das Zweite war; nicht ganz ohne Grund. An meinem schwer zu definierendem Gefühl zwischen Irritation, Freude und Ärger über die Geschehnisse ab 1:00 tragen dieser Grund und seine Konsequenzen etwas Mitschuld, wie auch an den sich scheidenden Geistern, bei der Berichterstattung über die folgenden Aktionen, die ich nun nicht weiter kommentieren möchte. Vielmehr liegt mir viel daran, etwas anderes zu beleuchten, das mir wichtiger erscheint und über dieser ganzen Debatte gleich einem Damoklesschwert schwebt.
Die Schanzenfestdebatte ist hoch politisch, da muss man sich gar nichts vormachen. Es geht vordergründig weder um Krawallmachen, um Chaoten oder blinden Vandalismus noch um Spaßrandalieren. Es geht um etwas anderes, dessen komplette Beschreibung den Rahmen dieses Beitrags sprengen würde. Ein schöner Anfang für diese Geschichte wäre zu erwähnen, dass aus dem Wasserturm im Schanzenpark ein 5 Sterne Hotel gegen den Protest vieler Anwohner gebaut wurde. Die Schanze verwandelte sich schon vor der Planung des Hotels von einem Viertel, dessen Ruf von Freiheit um die ganze Welt zu hören ist, einem Viertel, dass Individualisten aller Art anzog und eine freigeistige Szene pflegte, zu einem Viertel, von dem sich diejenigen angezogen fühlten, die gerne das „coole“ dieses speziellen Charmes für sich beanspruchen wollten - was natürlich nichts schlechtes ist. Im Laufe der Zeit stiegen die Mietpreise – nach Bau des Hotels, diesem Stadtteilchrome, ja auch irgendwie berechtigt – und so konnten diejenigen, die die Schanze zu dem Ort gemacht haben, dessen Schall weltweit Menschen anzieht vielmals die Umzugskartons packen, da sie sich ihre Gegend einfach nicht mehr leisten konnten. Dafür kamen immer mehr Yuppies, die sich die neuen Mieten leisten konnten und so änderte sich das Wohnbild der Schanze wiedermal radikal. Das Problem an der ganzen Sache, das, was sie tatsächlich ja auch zu einer so politischen Sache macht, ist, dass diese Stadtteilentwicklung politisch und zwar von der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (oder wie immer sie auch damals heißen mochte) befördert wurde. Gegen den Willen der in der Schanze lebenden Bevölkerung.
Wie auch immer. Es handelt sich also um eine politisch durchaus gewollte Entwicklung der Schanze, die gegen den Willen vieler von dieser Entwicklung Betroffener in die Wege geleitet wurde. Das Schanzenfest blieb jedoch seit eh und je repräsentativ für den Charakter und Charme der Schanze und trug einmal jährlich äußerst betont nach außen, was die Schanze und das Leben in ihr ausmacht.
Die Betonung hat sich über die letzten Jahre natürlich verändert, so wurde das Vorgehen der Polizei, wie auch das, der Feiernden progressiver, was aus diesen Gründen von beiden Seiten verständlicher wird. Sicherlich möchte die Polizei ihren Auftrag erfüllen, für Sicherheit und Ordnung sorgen, das Einhalten von Regeln und dergleichen befördern und so. Sicherlich hat sie jedoch auch als politisches Instrument der Exekutive zusätzlich subtilere Aufgaben, als lediglich das Sorgen für regelgetreues Verhalten der Hamburger – in diesem Fall auch ein abschreckendes, medienwirksames Szenario zu erzeugen. Die Angst derer, die feiern, aber auch aus politischen Gründen anwesend sind, ist durchaus berechtigt. Die Angst davor, dass ihr Stadtteil sich nun völlig in eine Richtung verändert, die sie nicht mehr gutheißen. Den Unmut darüber, dass das Schanzenfest nun, anstatt ein quasi-geduldetes illegales Straßenfest zu sein – das des Nachts nicht mehr geduldet wird – eine Metamorphose durchleben soll, hin zu einem legalen Straßenfest. Der Vorbote von legal heißt friedlich. Legal bedeutet aber nicht nur, dass es des Nachts auf Dauer gesehen nicht mehr so arg eskalieren wird. Legal bedeutet, dass das Gesicht des Schanzenfestes mit samt Charakter, Charme, Stand- und Musikkultur quasi-chirurgisch Verpfuscht wird. So wird es auf Dauer gesehen nicht mehr so extrem gut, wie es die letzten Jahre war und das politisch neu geschneiderte Outfit der Schanze erfährt auf tragische Weise seine letzte Naht. Das Fundament für ein neues, hippes Viertel in Hamburg wäre gelegt, eines, das so nie erbaut werden sollte, ginge es nach denen, die wirklich darüber entscheiden sollten – den Einwohnern ade.
Teufelsposaunen tröteten bereits den schaurigen Klang von aufkommender Veränderung, als Gespräche aufkamen, um die Bedingungen der Legalisierung des Schanzenfests zu debattieren. Aus eben diesem Grund wurde es dieses Jahr bereits gefeiert, aus diesem Grund (und den bevorstehenden Wahlen) auch sicherlich das späte Eingreifen Seitens der Polizei und das späte alljährliche Feuerlegen – diesmal an einem unüblichen Ort, im Florapark statt vor der Flora.
Alles in allem würde ich das Schanzenfest trotz den Gründen, für progressives Verhalten und gegen die Bilder, die in den diversen Medien gezeichnet wurden, als relativ friedlich bezeichnen. Ob ich das Vorgehen der Feiernden und auch das Vorgehen der Politisch-Motivierten, die ein wenig dem Vandalismus frönten, als positiv bezeichnen würde? In vielerlei Hinsicht sicherlich. Die Schanze ist und bleibt eines der besten Viertel Hamburgs - zumindest noch für eine gewisse Zeit. Dass diese Zeit lange dauern möge, dafür muss sicher auch das Schanzenfest seinen Tribut leisten. Andererseits war es gerade wegen der fürs Schanzenfest späten Räumung durch die Polizei eines der besten. Das Vorgehen derer, die das Fest mit allen Kräften beenden wollten, war klassisch. Daher erspare ich mir weitere Kommentare.
Soviel zu meiner Meinung über das 2. Schanzenfest 2009.
Entspannte und sanftmütige Grüße
Ham
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Ergänzungen
AktivistInnen klauen und verbrennen Spielzeug
Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen
tz — paulianer
spielzeug container — nero