Antigentech-Blockade am Forschungsministerium

berlin_entfilzen 14.09.2009 17:18 Themen: Biopolitik Ökologie
Aktivistinnen ketten sich am Haupteingang des BMBF in Berlin fest und protestieren gegen die Finanzierung der Gentechnik durch die öffentliche Hand.
14.09.2009. „Entfilzen“, steht auf einem Transparent am Haupteingang des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF). Zwei Personen haben sich an einem Zufahrtstor mit einem Stahlrohr fest gekettet, weitere GentechnikgegnerInnen klären PassantInnen über ihre Aktion und die Seilschaften in der Gentechnik auf.

Jährlich werden Millionen Euro in die vermeintliche Sicherheitsforschung gesteckt. Für den Zeitraum 2007-2010 sind es beispielsweise 10 Millionen Euro, die über das BMBF in die Kassen von Gentechnikfirmen und in Gentechnikprojekte fließen! „Der Hahn muss endlich zugedreht werden. Es darf nicht sein, dass eine Technologie, die von der Bevölkerung abgelehnt wird, weiter mit öffentlichen Geldern gefördert wird“, erläutert Cécile Lecomte, eine der AktivistInnen. „Aus diesem Grund haben wir heute das Ministerium – symbolisch – zugeschlossen. Freiwillig werden wir das Feld nicht räumen, damit zeigen wir unsere Entschlossenheit!“ Mit ihrer Forderung stehen die AktivistInnen nicht alleine da. Laut FORSA-Umfragen lehnen ca. 80% der Bevölkerung die Gentechnik ab. Trotz dieser Tatsache wird Gentechnik weiter angebaut. Dies erfolgt in den meisten Fällen unter dem Deckmantel der sogenannten Sicherheitsforschung.

Auch in diesem Jahr wurden in Deutschland zahlreiche Versuchsfelder angelegt und durch das BMBF kofinanziert. Die GentechnikgegnerInnen sind der Meinung, dass das Argument der Sicherheitsforschung nur ein Vorwand dafür ist, Akzeptanz für eine gefährliche und unbeliebte Technologie zu schaffen, sowie die Markteinführung vorzubereiten. Dies ließe sich am Beispiel des Versuchsfeldes in Bütow erläutern, so Lecomte. „Das BMBF hat dort Gelder für ein Feld mit transgenen Kartoffeln bewilligt. Das Feld ist 20 Hektar groß und wird dennoch als Forschung deklariert! Bei der Größe kann es sich aber nur um Saatgutproduktion handeln! Die Gentechniklobby will uns vor Tatsachen stellen. Je mehr Gentechnik, desto mehr Verseuchung und Skandale um verunreinigtes Saatgut. Irgendwann haben VerbraucherInnen keine Wahl mehr.“ Ein gutes Beispiel sind kontaminierte Leinsamen, die vor wenigen Tagen für Schlagzeilen sorgten.

Im Fokus der Kritik stehen zudem die Seilschaften in der Gentechnik. Dass eine Technologie, die von ca. 80% der Bevölkerung abgelehnt wird, durch die öffentliche Hand gefördert wird, lässt sich durch den hohen Grad an Verfilzung zwischen Behörden und Gentechniklobby erklären.

Die Professorin und Lobbyistin für Agrobiotechnologie Inge Broer ist ein Beispiel dieser Verfilzung: sie ist an der Rostocker agrar- und umweltwissenschaftlichen Fakultät als Professorin tätig. Die Universität führt Genversuche beim Agrobiotechnikum in Groß Lüsewitz durch. Dort spielt der private Firmenverbund BioOK eine große Rolle. Er wird im wesentlichen vom BMBF finanziert, und Inge Broer ist sowohl Gesellschafterin des BioOK als auch Mitglied eines Gremiums des BMBF, nämlich des Futur Fokusgruppe Agrarproduktion. Die Professorin ist weiterhin Mitglied sämtlicher Pro-Gentechnik Lobbyverbände wie FINAB, etc. Außerdem ist sie Mitglied in den wissenschaftlichen Beiräten von Umwelt- und Wirtschaftsministerium in MeckPomm.

Weitere Informationen: http://gentechfilz.blogsport.de
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Ergänzungen

Kommt alle, Aktion läuft noch!

blockadis 14.09.2009 - 17:29
Wenn genug Leute zusammen kommen, gibt's da heute Abend ne Reclaim the Streets Party. :o) Sieht aus, als wolle die Polizei nicht räumen.

Hannoversche Straße 30, Nähe Oranienburger Tor

(bringt Musik und Co mit)

aktion übernachtet

besetzi 14.09.2009 - 23:42
Die Aktion läuft noch immer, die Polizei ist ab und an sehr stressig, beschlagnahmt Schlafsachen, versuchst Platzverweise zu erteilen. Momentan ist die Versammlung dort aber geduldet- Unterstützung ist willkommen- die ganze Nacht durch und auch morgen früh.

Wegen der zwei indy-Artikel: Sorry, hatten uns gefreut, überhaupt Internet vor Ort zu haben und dann kamen eben leider zwei Artikel bei raus- chotische kommunikation.

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

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