Leipzig: Stadt erklärt der Subkultur den Kampf

egal 22.07.2009 04:49 Themen: Kultur
So eben erreicht mich diese Stellungnahme der Globle Space Odyssee.
In ihr werden gut die Probleme und die Bedrohung der Leipziger Subkulturen durch die Stadt beschrieben.

Kommt zur GSO am Samstag und zeigt, dass wir nicht zu lassen werden, dass die Stadt Leipzig die Subkulturen durch Repressionen und Einschüchterungen verteibt, verbietet und kriminalisiert.
Stadt Leipzig untersagt Global Space Odyssey alle Aftershows

"Freiräume nutzen, Visionen entwickeln, Selbstverwirklichung leben
[...]. Freiheit in Leipzig bedeutet, Freiräume für die Verwirklichung
von Lebensplänen an einem aufstrebenden vitalen Standort mit hoher
Lebensqualität". So wirbt die Stadt Leipzig für ihr Projekt "Leipziger
Freiheit". Für uns, die Global Space Odyssey, klingt das wie blanker
Hohn. Denn leider wird in der Praxis mit zweierlei Maß gemessen. Die
Stadt Leipzig fördert die Entwicklung der Wirtschaft und der sog.
Hochkultur. Zweifelsohne ist es ihr gelungen die Attraktivität der Stadt
und ihr ökonomisches Potential auszubauen. Was jedoch die Subkultur
betrifft, die einer Stadt wie Leipzig einen individuellen Charakter
verleihen kann, ist von Selbstverwirklichung und Freiraum leider nichts
zu spüren. Die aktuellen Ereignisse bestätigen dies einmal mehr.
Die Global Space Odyssey hat sich in den letzten Jahren von einer
Hanfparade in eine kulturpolitische Demonstration mit Musik verwandelt.
Sie macht sich stark für eine größere Akzeptanz und Unterstützung der
freien Kultur-Szene in Leipzig. Die genauen Inhalte der Global Space
Odyssey sind unter www.gso-le.de abrufbar.

Uns war es seit der Neuausrichtung der GSO 2008 wichtig, mit der Stadt
in Dialog zu treten, um gemeinsam Lösungen für bestehende Probleme zu
finden. Der Stadt ist bekannt, dass, in Ermangelung ausreichender und
zur Verfügung stehender Locations, illegale Veranstaltungen aus der
Kunst-, Kultur- und Musikszene in nicht genehmigten Gebäuden oder auf
Freiflächen stattfinden und geht auch rigoros dagegen vor. Alternativen
werden kaum oder gar nicht geboten. 2008 thematisierten wir dies auf der
Parade und setzten uns Anfang 2009 mit dem Ordnungsamt zusammen, um über
mögliche Lösungen für das Problem zu reden. Man versicherte uns, dass
das Problem verstanden wird und gelöst werden müsse, nur wie, blieb eben
offen. Es gibt rechtlich kaum Spielraum, um eine frei zugängliche, von
der Stadt verwaltete Freifläche für Veranstaltungen derlei Art nach 22
Uhr genehmigt zu bekommen. Die bürokratischen und rechtlichen Hürden
sind nahezu unüberwindbar und lassen keinen Raum für Diskussionen. Die
Wurzel des Problems ist nur politisch und verwaltungstechnisch lösbar,
doch hier haben wir so gut wie keinen Einfluss.
Man hat das Gefühl, dass die Freie Szene der Stadt ein Dorn im Auge ist.
Der aktuelle Kulturbürgermeister Faber soll z.B. vor seiner Wahl über
die Freie Szene in Leipzig geäußert haben: "Sie habe zumeist keine
überregionale Ausstrahlung, sei weniger ein kultureller als vielmehr ein
sozialer Raum. Sie habe vor allem die Funktion eines Kompensationsraumes
für Problemgruppen." Ein Dementi von ihm ist, zumindest im Internet,
nicht zu finden.
Andere politische Verantwortungsträger und deren Ämter, Ordnungs- und
Bauordnungsamt, ignorieren die soziokulturelle Bedeutung der Freien
Szene gänzlich und bringen einzig und allein harte Auflagen in Stellung.
Projekte, die ehrenamtlich, selbst verwaltet und nicht kommerziell sind,
scheinen nicht wichtig genug, um unterstützt zu werden. Fast der
komplette Kulturetat fließt in die sog. Hochkultur und die Freie
Kultur-Szene kämpft schon lange für 5% dieses Etats. Zahlreiche
Kulturräume, DJ-Crews und andere freie Kulturschaffende erheben nicht
einmal Anspruch auf Förderung, werden aber in ihrem Schaffen durch
unzählige Stolpersteine und Blockaden behindert. Man fragt sich, warum
das so ist? Denn auch die Freie Szene trägt erheblich zu einem guten Ruf
Leipzigs bei und ist für viele junge Leute von außerhalb ein Grund, nach
Leipzig zu ziehen. Leipzig wird oft als Alternative zu Berlin
wahrgenommen, da die Stadt zumindest auf den ersten Blick ein hohes
Potenzial für freie Entfaltung bietet. Mit ihrer städtebaulichen
Struktur, insbesondere der geschichtsträchtigen Industriearchitektur,
bietet die Stadt Leipzig einen attraktiven Platz für Künstler, Kreative
und Freigeister, deren Arbeit und Leistung einen Beitrag zur
Profilschärfung der Stadt leisten kann. Doch wird der Enthusiasmus
vieler Aktivisten nicht unterstützt, sondern ausgebremst und gestoppt
ohne Alternativen zu schaffen. Das ist auf Dauer frustrierend und führt
zu Resignation.

Auch dieses Jahr wird nun wieder die GSO am 25.07. mit viel Musik - aber
eben auch einer Botschaft - durch die Stadt ziehen, um eine Plattform
für all jene zu bieten, die sich zur Freien Szene in irgendeiner Art
zugehörig fühlen. Enden wird die Parade am Richard-Wagner-Hain und
traditionell sollte danach in diversen Locations der Abend mit noch mehr
Musik ausklingen. Ironie des Schicksals ist es, dass die Probleme, die
die GSO thematisiert, sie selbst am härtesten treffen. So wurden alle
drei Veranstaltungsstätten von der Stadt untersagt und dies teilweise
mit fadenscheinigen Begründungen. Wir haben das Gefühl, dass es weniger
um die Locations an sich geht, als vielmehr um die einmalige
Durchführung der GSO Aftershows an diesem Abend.

Locations, die jahrelang geduldet wurden oder die mit der Stadt
gemeinsam nötige Genehmigungen und Konzessionen erarbeitet haben,
bekommen unter Androhung des Verlustes ihrer bereits bestehenden
Genehmigungen untersagt am 25.07. Veranstaltungen durchzuführen. Eine
Begründung, warum dies nur an diesem Abend gilt, gibt es nicht. Zudem
wurde klar gemacht, dass diese Locations an diesem Abend alle auf einer
Sonderroute der Polizei liegen werden und diese notfalls dafür sorgt,
dass die Veranstaltungen aufgelöst werden. Somit werden
Locationbetreiber und Veranstalter zusätzlich eingeschüchtert.
Die Global Space Odyssey war immer eine friedliche und bunte
Demonstration - das soll sie auch bleiben! Ebenso die Aftershows in
diversen Locations sind traditionell ohne Probleme abgelaufen. Mit dem
unverständlichen Verhalten, welches derzeit von der Stadt und der
Polizei ausgeht, schürt man bewusst oder unbewusst Frustration. Dies
können wir nicht hinnehmen und bitten die Verantwortlichen, sich in der
Art und Weise ihres Handelns über diesen Punkt im Klaren zu sein. Wir
möchten verhindern, dass der friedliche Charakter der Veranstaltung
verloren geht und werden als Organisatoren in keinem Fall irgendeine
Form der Eskalation forcieren und sind jederzeit gesprächsbereit und
offen für Lösungsvorschläge.
Wir prüfen derzeit, ob es noch adäquate Ausweichmöglichkeiten für diesen
Tag gibt. In der Kürze der Zeit ist dies fast unmöglich, da auch hier
wieder ein Berg von Genehmigungen einzuholen ist. Sollte nichts gefunden
werden, wird die Parade, wie geplant, am Richard-Wagner-Hain enden und
dort ausklingen.

Die GSO 2009
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Ergänzungen

@ ob das legal ist...

Leipziger 23.07.2009 - 10:21
Selbstverständlich haben die Nazis schon mehrere Locations verboten bekommen, und zwar dauerhaft, du Nase. Ich denke da nur an den Klub in der Röntgenstraße ebenso wie an den in der Diezmannstraße.
Und nun hör auf zu flennen.

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

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...wollte schon hinfahren — tobender_tobi