B: Bildungsstreik am Sowi-Institut und der HU
Bericht über den Bildungsstreik am Institut für Sozialwissenschaften und an der HU. Erste Aus- bzw. Bewertung der Proteste und weiteres Vorgehen.
Der Bildungsstreik hat Studierende und Schüler_innen bewegt. Am Mittwoch den 17. Juni beteiligten sich bundesweit 270.000 Menschen an den Demos, davon allein 27.000 in Berlin. Die ganze Woche über gab es Besetzungen, Straßenblockaden, verschiedene Aktionen, Campus-Camps und natürlich Alternativveranstaltungen. Ein breites mediales Echo und eine gesellschaftliche Debatte über das Bachelor- und Mastersystem, die vorher nur in Ansätzen vorhanden war, wurde losgetreten. Die Banküberfall-Aktionen haben deutlich auf die bestehenden politischen Prioritäten der Verteilung von Haushaltsmitteln zuungunsten des Bildungssystems hingewiesen. Durch die Einbeziehung von Lehrenden, Unipersonal und Kita-Erzieher_innen wurden erste Ansätze unternommen den Bildungsstreik weg vom Schüler- und Studierendenstreik hin zu einem echten Bildungsstreik zu machen. RCDS, CDU und LHG haben sich mit der Diffamierung des Bildungsstreiks ins gesellschaftliche Abseits gestellt. Für viele Studierende war der Bildungsstreik die erste grössere politische Aktion und Aktionserfahrung – die Erfahrung, das wir viele sind und zusammen gegen die Vereinzelung im Uni-Alltag selber Politik machen können, statt das Opfer von Politik zu sein.
DIE KULTUSMINSTERKONFERENZ
Bewegt hat der Bildungsstreik auch die Kultusministerkonferenz. Diese fand nicht am ursprünglich geplanten Ort statt, der von Studierenden zum 10. Jahrestag der Bologna-Erklärung belagert wurde. Der Tagesspiegel titelte „Kultusminister fliehen vor Studenten“. Die Kultusministerkonferenz beeilte sich klarzustellen, das von vornherein ein anderer Ort geplant gewesen sei. Die Wahrheit wird wohl auf ewig im Dunkeln bleiben. Fest steht, das die Kultusministerkonferenz damit den Protesten ausgewichen ist, was in keinster Weise als selbstbewusstes Vertreten der eigenen Politik zu verstehen ist. Einer kleinen Gruppe Studierender wurde Gelegenheit gegeben die Forderungen des Bildungsstreik vorzustellen. Wie erwartet bestand die Reaktion lediglich aus schönen Worten und unverbindlichen Phrasen.
BILDUNGSSTREIK AM SOWI-INSTITUT
Auch am Institut für Sozialwissenschaften der HU Berlin fanden verschiedene Aktionen im Zuge des Bildungsstreiks statt. Seit Beginn der Aktionswoche waren alle Stühle in den Seminarräumen im Erdgeschoss verschwunden, auch die Tische traten in den Streik und türmten sich zu Bildungshürden auf. Die ganze Woche über fand, abgesehen von einzelnen Kolloqien und der Vorlesung von Herfried Münkler kein regulärer Lehrbetrieb statt. Ein Teil der Studierenden nutzte dies um eine Woche Pause zu machen. Was wir bei der Arbeitsbelastung im Bachelor durchaus verstehen können. Weitaus erfreulicher aber war das auch viele Menschen die Alternativ-veranstaltungen besuchten oder sich an Aktionen beteiligten. Auch gab es mehrere Teach-Ins im öffentlichen Raum, z,B, am S-Bahnhof Friedrichstrassse).
Die ganze Woche über war der Streikposten der Fachschaft im Instituts-Foyer ein möglicher Anlaufpunkt. Hier konnte mensch es sich auf Sofas gemütlich machen, aufgehängte Presseartikel studieren oder den Bildungsstreik-Ticker lesen bzw. sich mit den neuesten Informationen versorgen. Desweiteren hingen, wie an anderen Instituten auch, mehrere Transparente am Institut.
Am Montag morgen, zu Beginn der Bildungsstreikwoche, fand ebenfalls eine Vollversammlung der Studierenden des Sowi-Instituts statt zu der ca. 50 Menschen erschienen. Dort wurde der Bildungsstreik am Sowi-Institut nochmals beschlossen. Anschliessend sollten Transparente gemalt und Schilder gebastelt werden.
Spontan entschlossen sich die Anwesenden jedoch die Strasse vor dem Institut zu besetzten. Und so wurde der Streikposten kurzerhand auf die Strasse verlagert und die Transparente dort gemalt. Die Strasse selber wurden von Studierenden an den nächsten Strassenkreuzungen gesperrt. Nach kurzer Zeit sammelten sich immer mehr Menschen auf der Strasse. über hundert Menschen beteiligten sich fluktuierend an der Besetzung des Strasse. Nach einiger Zeit traf ein Vokü ein, die die Streikenden versorgte. Ebenfalls nach einiger Zeit trafen verschiedene Fernsehteams ein, die die Blockade filmten und über den Bildungsstreik berichten wollten (1). Der angeignete (Strasssen)Raum wurde für Aktionstrainings und für einen Spray-Workshop mit Writer_innen aus Kolumbien und Venezuela genutzt.
Die Polizei, die sich am anfang zurückhielt und sich darauf beschränkte den Verkehr zu regeln drohte im Verlauf des Tages damit die Strasse zu räumen. Nach Verhandlungen wurde schliesslich die Strassenblockade als Strassenfest angemeldet. Um 17 Uhr wurde die Blockade beendet um einer Spontandemo von Studierenden der TU Unter den Linden entgegenzugehen.
Am Mittwoch morgen sammelten sich Sowi-Studierende vor dem Institut in der Universitätsstr. um gemeinsam zur Demo zu gehen. Anschliessend demonstrierten wir zusammen mit Studierenden von anderen Instituten, die sich anschlossen, oder abgeholt wurden, wie z.B. die Studierenden der Theologie, gemeinsam und wieder in Begleitung eines Fernsehteams zum Roten Rathaus. Auf der Demo veranstalteten ein halbes Dutzend Studierende in weissen Anzügen die hektische Jagd nach Studienpunkten als kleine Agit-Prop Aktion. Den Rest der Woche über wurde sich an den berlinweiten Aktionen beteiligt.
Das von der Sowifachschaft und der Fachschaft Romanistik organisierte Soli-Konzert im HU-Ostflügel unter dem Motto „Zusammen kämpfen, Zusammen feiern“, welches zum Abschluss der Bildungsstreik-Aktionswoche stattfand, war mit ca. 1500 Besucher_innen sehr gut besucht. Die Einnahmen werden zur Unterstützung all jener, die im Zuge der Bildungsstreikwoche zu Opfern von (polizeilicher) Repression geworden sind, gespendet. Wir wollen deutlich machen, dass keiner allein gelassen wird und zur Organisation von praktischer Solidarität beitragen.
ETAPPENSIEG AN DER HU
Der Bildungsstreik hat aber nicht nur Studierende und Schüler_innen bewegt. Auch (Bildungs)politiker_innen sahen sich verschiedentlich zu Stellungnahmen oder zur Diskussion genötigt. So diskutierte HU-Präsident Markschies am Mittwoch den 17. Juni mit 500 Menschen vom Streik-Plenum im HU-Innenhof über die Forderungen der Studierenden.
An der HU trägt der Streik erste Früchte. Am Dienstag den 23. Juni diskutierte der Akademische Senat den Bildungsstreik. Ungefähr 100 Studierende und Bildungsstreikaktivist_innen besuchten die Sitzung. Es wurden mehrere Anträge von Studierenden eingebracht die diesmal, nachdem sich die Vertreter_innen der Studierenden jahrelang ohne nennenswerte Fortschritte zu erzielen „den Mund fusselig“ geredet hatte, offenbar unter Eindruck der Proteste angenommen wurden. So wurden Funktionsstörungsatteste abgeschafft, ebenfalls abgeschafft werden sollen Anwesenheitslisten bis zum Wintersemester 2010 und bis zum Wintersemester 2010/2011 sollen alle Bachelorstudiengänge überarbeitet werden (2) Ebenfalls beschlossen wurde eine Resolution zur Unterstützung der Bildungsproteste und ihrer Kritik am Bildungssystem (3).
Die nächste Sitzung des akademischen Senats ist am 07. Juli – ihr seid herzlich eingeladen die studentischen Vertreter_innen mit eurer Anwesenheit zu unterstützen. Es werden weitere Anträge eingebracht werden und auch der Beschluss zur Abschaffung der Anwesenheitslisten muss noch (auch von euch) umgesetzt werden.
HOCHSCHULHAUSHALTSVERHANDLUNGEN
In Berlin sind es aktuell weiter die Hochschulhaushaltsverhandlungen, im Zuge derer die Unis vor einer neuen Kürzungsrunde stehen, die konkreten Anlass zum Protest bieten. Die Berliner Universitäten benötigen in den nächsten vier Jahren 175Mio. Euro, nur um den derzeitigen status quo der Lehre halten zu können (4). Zwar scheint der Senat, die Finanzierung nun gesichert zu haben, allerdings unter prekären und politisch unmöglichen Bedingungen (5).
Am 07. Juli findet die nicht öffentliche Senatsklausur zum Haushaltsentwurf für 2010/2011 statt. Deswegen wird es ab 11 Uhr eine Kundgebung unter dem Motto "Wir hätten auch gern einen ausgeglichenen Haushalt" geben.
NACH DEM STREIK IST VOR DEM STREIK
Letztlich sollte aber auch klar sein, dass die Arbeit in (Uni-)Gremien nicht alle unsere Forderungen durchsetzen kann. Dies gilt im besonderen für all jene Forderungen, die an einer besseren Finanzierung des Bildungssystems hängen, wie bsw. die Forderung nach Master-Plätzen für alle. Schliessslich ist genau das das Konzept des Bildungsstreiks: Wenn über die „normalen“ Kanäle der repräsentativen Demokratie Veränderung nicht möglich ist, verschleppt oder blockiert wird, dann muss von unten, von der Strassse mehr Druck kommen um unsere Interessen und Bedürfnisse durchzusetzen. Wo eine Veränderung über den Gremienweg möglich ist nutzen und begrüssen wir dies. Wo nicht, organisieren wir ausserparlamentarischen Protest, um Veränderung möglich zu machen.
Deswegen müssen und werden die Proteste auch nach dem ersten bundesweiten Bildungsstreik weitergehen. Nach dem Streik ist vor dem Streik! Der nächste bundesweite Bildungsstreik kommt bestimmt!
(1) bsw. ZDF:
http://www.youtube.com/watch?v=ZhxQzjqgjXM
(2)
http://www.tagesspiegel.de/magazin/wissen/Bachelor-Hochschulen-Bildungsstreik;art304,2830751
(3) siehe Anhang
(4) Infos ua. hier:
https://www.sowifachschaft.de/index.php?menuid=52&reporeid=200
(5) Pressemitteilung des Refrat (siehe Anhang)
(6)
http://asta.tu-berlin.de/referate/hochschulpolitik/7-juli-bildungsstreik-kundgebung-vor-rotem-rathaus
TERMINE:
Akademischer Senat // Dienstag 7. Juli // 10 Uhr // HU-Hauptgebäude – Senatssaal (1. Etage)
Kundgebung zu den Hochschulhaushaltsverhandlungen // Dienstag 7. Juli // 11 Uhr // Rotes Rathaus
10 Jahre Bologna – Konferenz des Arbeitgeberverbandes – „wir feiern mit“ - Kundgebung // Mittwoch 8. Juli // 10:30 Uhr // Telekom-Sitz – Französische Strassse 33 AC //
FOTOS:
WEITERE FOTOS AUF UNSERER HOMEPAGE (Copyright bei Fachschaft Sozialwissenschaften bzw. den Fotograf_innen, bei Verwendung bitte fragen)
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HU-Berlin: Nach dem Bildungsstreik – 23. 06. 09
http://de.indymedia.org/2009/06/254503.shtml
Bildungsstreik an der HU – 17. 06. 09
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HU Berlin: VV beschliesst Bildungsstreik – 11. 06. 09
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Berlin: Merkel an der HU? Nicht ohne Protest – 05. 06. 09
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HU Berlin: Mobilisierung für den Bildungsstreik – 25. 05. 09
http://de.indymedia.org/2009/05/251622.shtml
DIE KULTUSMINSTERKONFERENZ
Bewegt hat der Bildungsstreik auch die Kultusministerkonferenz. Diese fand nicht am ursprünglich geplanten Ort statt, der von Studierenden zum 10. Jahrestag der Bologna-Erklärung belagert wurde. Der Tagesspiegel titelte „Kultusminister fliehen vor Studenten“. Die Kultusministerkonferenz beeilte sich klarzustellen, das von vornherein ein anderer Ort geplant gewesen sei. Die Wahrheit wird wohl auf ewig im Dunkeln bleiben. Fest steht, das die Kultusministerkonferenz damit den Protesten ausgewichen ist, was in keinster Weise als selbstbewusstes Vertreten der eigenen Politik zu verstehen ist. Einer kleinen Gruppe Studierender wurde Gelegenheit gegeben die Forderungen des Bildungsstreik vorzustellen. Wie erwartet bestand die Reaktion lediglich aus schönen Worten und unverbindlichen Phrasen.
BILDUNGSSTREIK AM SOWI-INSTITUT
Auch am Institut für Sozialwissenschaften der HU Berlin fanden verschiedene Aktionen im Zuge des Bildungsstreiks statt. Seit Beginn der Aktionswoche waren alle Stühle in den Seminarräumen im Erdgeschoss verschwunden, auch die Tische traten in den Streik und türmten sich zu Bildungshürden auf. Die ganze Woche über fand, abgesehen von einzelnen Kolloqien und der Vorlesung von Herfried Münkler kein regulärer Lehrbetrieb statt. Ein Teil der Studierenden nutzte dies um eine Woche Pause zu machen. Was wir bei der Arbeitsbelastung im Bachelor durchaus verstehen können. Weitaus erfreulicher aber war das auch viele Menschen die Alternativ-veranstaltungen besuchten oder sich an Aktionen beteiligten. Auch gab es mehrere Teach-Ins im öffentlichen Raum, z,B, am S-Bahnhof Friedrichstrassse).
Die ganze Woche über war der Streikposten der Fachschaft im Instituts-Foyer ein möglicher Anlaufpunkt. Hier konnte mensch es sich auf Sofas gemütlich machen, aufgehängte Presseartikel studieren oder den Bildungsstreik-Ticker lesen bzw. sich mit den neuesten Informationen versorgen. Desweiteren hingen, wie an anderen Instituten auch, mehrere Transparente am Institut.
Am Montag morgen, zu Beginn der Bildungsstreikwoche, fand ebenfalls eine Vollversammlung der Studierenden des Sowi-Instituts statt zu der ca. 50 Menschen erschienen. Dort wurde der Bildungsstreik am Sowi-Institut nochmals beschlossen. Anschliessend sollten Transparente gemalt und Schilder gebastelt werden.
Spontan entschlossen sich die Anwesenden jedoch die Strasse vor dem Institut zu besetzten. Und so wurde der Streikposten kurzerhand auf die Strasse verlagert und die Transparente dort gemalt. Die Strasse selber wurden von Studierenden an den nächsten Strassenkreuzungen gesperrt. Nach kurzer Zeit sammelten sich immer mehr Menschen auf der Strasse. über hundert Menschen beteiligten sich fluktuierend an der Besetzung des Strasse. Nach einiger Zeit traf ein Vokü ein, die die Streikenden versorgte. Ebenfalls nach einiger Zeit trafen verschiedene Fernsehteams ein, die die Blockade filmten und über den Bildungsstreik berichten wollten (1). Der angeignete (Strasssen)Raum wurde für Aktionstrainings und für einen Spray-Workshop mit Writer_innen aus Kolumbien und Venezuela genutzt.
Die Polizei, die sich am anfang zurückhielt und sich darauf beschränkte den Verkehr zu regeln drohte im Verlauf des Tages damit die Strasse zu räumen. Nach Verhandlungen wurde schliesslich die Strassenblockade als Strassenfest angemeldet. Um 17 Uhr wurde die Blockade beendet um einer Spontandemo von Studierenden der TU Unter den Linden entgegenzugehen.
Am Mittwoch morgen sammelten sich Sowi-Studierende vor dem Institut in der Universitätsstr. um gemeinsam zur Demo zu gehen. Anschliessend demonstrierten wir zusammen mit Studierenden von anderen Instituten, die sich anschlossen, oder abgeholt wurden, wie z.B. die Studierenden der Theologie, gemeinsam und wieder in Begleitung eines Fernsehteams zum Roten Rathaus. Auf der Demo veranstalteten ein halbes Dutzend Studierende in weissen Anzügen die hektische Jagd nach Studienpunkten als kleine Agit-Prop Aktion. Den Rest der Woche über wurde sich an den berlinweiten Aktionen beteiligt.
Das von der Sowifachschaft und der Fachschaft Romanistik organisierte Soli-Konzert im HU-Ostflügel unter dem Motto „Zusammen kämpfen, Zusammen feiern“, welches zum Abschluss der Bildungsstreik-Aktionswoche stattfand, war mit ca. 1500 Besucher_innen sehr gut besucht. Die Einnahmen werden zur Unterstützung all jener, die im Zuge der Bildungsstreikwoche zu Opfern von (polizeilicher) Repression geworden sind, gespendet. Wir wollen deutlich machen, dass keiner allein gelassen wird und zur Organisation von praktischer Solidarität beitragen.
ETAPPENSIEG AN DER HU
Der Bildungsstreik hat aber nicht nur Studierende und Schüler_innen bewegt. Auch (Bildungs)politiker_innen sahen sich verschiedentlich zu Stellungnahmen oder zur Diskussion genötigt. So diskutierte HU-Präsident Markschies am Mittwoch den 17. Juni mit 500 Menschen vom Streik-Plenum im HU-Innenhof über die Forderungen der Studierenden.
An der HU trägt der Streik erste Früchte. Am Dienstag den 23. Juni diskutierte der Akademische Senat den Bildungsstreik. Ungefähr 100 Studierende und Bildungsstreikaktivist_innen besuchten die Sitzung. Es wurden mehrere Anträge von Studierenden eingebracht die diesmal, nachdem sich die Vertreter_innen der Studierenden jahrelang ohne nennenswerte Fortschritte zu erzielen „den Mund fusselig“ geredet hatte, offenbar unter Eindruck der Proteste angenommen wurden. So wurden Funktionsstörungsatteste abgeschafft, ebenfalls abgeschafft werden sollen Anwesenheitslisten bis zum Wintersemester 2010 und bis zum Wintersemester 2010/2011 sollen alle Bachelorstudiengänge überarbeitet werden (2) Ebenfalls beschlossen wurde eine Resolution zur Unterstützung der Bildungsproteste und ihrer Kritik am Bildungssystem (3).
Die nächste Sitzung des akademischen Senats ist am 07. Juli – ihr seid herzlich eingeladen die studentischen Vertreter_innen mit eurer Anwesenheit zu unterstützen. Es werden weitere Anträge eingebracht werden und auch der Beschluss zur Abschaffung der Anwesenheitslisten muss noch (auch von euch) umgesetzt werden.
HOCHSCHULHAUSHALTSVERHANDLUNGEN
In Berlin sind es aktuell weiter die Hochschulhaushaltsverhandlungen, im Zuge derer die Unis vor einer neuen Kürzungsrunde stehen, die konkreten Anlass zum Protest bieten. Die Berliner Universitäten benötigen in den nächsten vier Jahren 175Mio. Euro, nur um den derzeitigen status quo der Lehre halten zu können (4). Zwar scheint der Senat, die Finanzierung nun gesichert zu haben, allerdings unter prekären und politisch unmöglichen Bedingungen (5).
Am 07. Juli findet die nicht öffentliche Senatsklausur zum Haushaltsentwurf für 2010/2011 statt. Deswegen wird es ab 11 Uhr eine Kundgebung unter dem Motto "Wir hätten auch gern einen ausgeglichenen Haushalt" geben.
NACH DEM STREIK IST VOR DEM STREIK
Letztlich sollte aber auch klar sein, dass die Arbeit in (Uni-)Gremien nicht alle unsere Forderungen durchsetzen kann. Dies gilt im besonderen für all jene Forderungen, die an einer besseren Finanzierung des Bildungssystems hängen, wie bsw. die Forderung nach Master-Plätzen für alle. Schliessslich ist genau das das Konzept des Bildungsstreiks: Wenn über die „normalen“ Kanäle der repräsentativen Demokratie Veränderung nicht möglich ist, verschleppt oder blockiert wird, dann muss von unten, von der Strassse mehr Druck kommen um unsere Interessen und Bedürfnisse durchzusetzen. Wo eine Veränderung über den Gremienweg möglich ist nutzen und begrüssen wir dies. Wo nicht, organisieren wir ausserparlamentarischen Protest, um Veränderung möglich zu machen.
Deswegen müssen und werden die Proteste auch nach dem ersten bundesweiten Bildungsstreik weitergehen. Nach dem Streik ist vor dem Streik! Der nächste bundesweite Bildungsstreik kommt bestimmt!
(1) bsw. ZDF:
http://www.youtube.com/watch?v=ZhxQzjqgjXM (2)
http://www.tagesspiegel.de/magazin/wissen/Bachelor-Hochschulen-Bildungsstreik;art304,2830751 (3) siehe Anhang
(4) Infos ua. hier:
https://www.sowifachschaft.de/index.php?menuid=52&reporeid=200 (5) Pressemitteilung des Refrat (siehe Anhang)
(6)
http://asta.tu-berlin.de/referate/hochschulpolitik/7-juli-bildungsstreik-kundgebung-vor-rotem-rathaus TERMINE:
Akademischer Senat // Dienstag 7. Juli // 10 Uhr // HU-Hauptgebäude – Senatssaal (1. Etage)
Kundgebung zu den Hochschulhaushaltsverhandlungen // Dienstag 7. Juli // 11 Uhr // Rotes Rathaus
10 Jahre Bologna – Konferenz des Arbeitgeberverbandes – „wir feiern mit“ - Kundgebung // Mittwoch 8. Juli // 10:30 Uhr // Telekom-Sitz – Französische Strassse 33 AC //
FOTOS:
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HU-Berlin: Nach dem Bildungsstreik – 23. 06. 09
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http://de.indymedia.org/2009/06/252535.shtml HU Berlin: Mobilisierung für den Bildungsstreik – 25. 05. 09
http://de.indymedia.org/2009/05/251622.shtml
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(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)
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Ergänzungen
PM Hochschulfinanzierung
Im heutigen Akademischen Senat lagen mehrere Anträge der Studierenden vor,
die kurz zuvor von der Vollversammlung (VV) im Rahmen des Bildungsstreiks
beschlossen wurden. Der Einladung der studentischen Vertreter_innen
folgten heute mehr als einhundert Studierende. Nicht ganz unbeeindruckt
vom zahlreichen Erscheinen der Studierenden beschloss der AS einige
weitreichende Änderungen.
HU-weite Abschaffung der Funktionstörungsatteste
Ein einstimmiges Votum gab es bei der Abschaffung der
Funktionsstörungsatteste. In diesen mussten Studierende in der
Vergangenheit den Arzt von der Schweigepflicht entbinden, sobald sie sich
zu einer Prüfung krank meldeten. Viele Studierende hatten sich in den
vergangenen Monaten mit Diskussionen, Unterschriftenlisten und zuletzt in
der Vollversammlung vehement gegen eine derartige Praxis ausgesprochen.
Tobias Roßmann, Referent für Lehre und Studium des ReferentInnenrates:
„Zum Glück ist diesem datenschutzrechtlich bedenklichen Vorgang nun ein
Riegel vorgeschoben. Die HU scheint damit die erste Universität zu sein,
die diesen Humbug wieder abschafft. Dies ist ein großer Erfolg für die
Studierenden und hat hoffentlich bundesweite Signalwirkung!“
Überarbeitung der Studienordnungen
Weiterhin hat der akademische Senat in der heutigen Sitzung positiv
darüber entschieden, alle Bachelor- und Masterstudiengänge zu
überarbeiten. Ziele sind die Reduktion des Workloads, die Verbesserung der
Studierbarkeit sowie die Anpassung der Prüfungsmodalitäten an die realen
Lebensumstände der Studierenden. Dies soll bis zum Wintersemester
2010/2011 beendet sein.
Darüber hinaus ist es den Studierenden gelungen die Einführung eines
Wahlfreimoduls im Umfang von mindestens 10 Studienpunkten durchzusetzen.
Dieses Modul wird aus dem kompletten Angebot der HU frei wählbar sein.
Auch selbstorganisierte Seminare und Projekttutorien fallen darunter, ohne
dass eine Modulabschlussprüfung erforderlich ist. "Mit der Überarbeitung
der Studiengänge und der Einführung des „Wahlfrei-Moduls“ können wir die
Studiensituation kostenneutral erheblich verbessern", sagt Lena Müller.
"Endlich wurde das Recht der Studierenden wieder anerkannt, ihr Studium
zumindest in einem kleinen Teil selbst zu gestalten. Es gibt jetzt endlich
wieder Zeit für eigene Schwerpunktsetzung. Die Studienbedingungen in den
neuen Studiengängen sind bisher oft entmündigend und gehen an der
Lebensrealität der Studierenden vorbei. Wir erwarten gespannt die
Ergebnisse."
Abschaffung der Anwesenheitskontrolle eingeleitet
Weiterhin leitete der AS ein Verfahren zur Abschaffung der
Anwesenheitskontrollen an der HU ein. In der nächsten Sitzung steht damit
die Änderung der Allgemeinen Satzung für Studien- und
Prüfungsangelegenheiten auf dem Plan. Ziel ist es, die sozial selektiv
wirkenden Anwesenheitskontrollen (z. B. Anwesenheitslisten usw.)
abzuschaffen.
Tobias Roßmann dazu: „Es ist eines der großen Mißverständnisse des
Bologna-Prozesses, dass die Anwesenheit per Liste nachgewiesen werden
muss. Die Modulabschlussprüfung ist das einzige Kriterium für den
erfolgreichen Abschluss. Das gilt es in der nächsten Sitzung
durchzusetzen.“
Unterstützung der allgemeinen Streikforderungen
Keine Unterstützung fanden hingegen die allgemeinen Forderungen aus dem
bundesweiten Bildungsstreik 2009 (www.bildungsstreik2009.de) sowie der
Forderungskatalog der HU Studierenden (www.refrat.de), welcher in der
Vollversammlung vom 10. Juni 2009 verabschiedet wurde. Vieles davon könne
man unterstützen, so eine Mehrheit im AS. Unter anderem fand die Forderung
"Einheit von Forschung und Lehre statt der Exzellenzinitiative" auch auf
Professor_innenseite breite Zustimmung. Da die Anträge allerdings erst
sehr kurzfristig eingereicht wurden, sei eine abschließende Diskussion
über die Forderung nicht möglich gewesen, so der einhellige Tenor.
Es wird zur kommenden Sitzung des Akademischen Senats in zwei Wochen eine
neue Vorlage aller Statusgruppen erarbeitet, welche dann Unterstützung
finden soll. "An dieser Stelle zeigt sich, dass eine aktive
Auseinandersetzung mit dem Bildungsstreik 2009 nicht stattgefunden hat",
sagt Silvia Gruß, Vertreterin im Akademischen Senat der HU und
Mitorganisatorin des Streiks. Sie ergänzt: "Wer sich mit uns und unseren
Forderungen für ein demokratisches und soziales Bildungssystem
auseinandersetzen will, braucht nur einen Blick auf unsere Homepage zu
werfen."
Master-Zulassung für alle
Ein weiterer Punkt war der inner-universitäre Übergang vom BA zum MA. In
dieser Forderung der Vollversammlung drückte sich vor allem die Angst der
Studierenden aus, keinen Master-Platz zu bekommen. Lena Müller, Mitglied
im Akademischen Senat: „In der Lehramtsausbildung herrscht ein Verhältnis
von drei BA-Studienplätzen zu einem Masterplatz, HU weit gibt es nur etwa
halb so viele Masterplätze wie Bachelorplätze. Folglich wird nicht jedeR
einen Studienplatz bekommen. Das ist hochproblematisch, weil der BA in den
meisten Fällen nicht berufsqualifizierend ist.
Leider fand sich im akademischen Senat keine Mehrheit für dieses Anliegen.
Lena Müller: „Es ist schade, dass eine der Kernforderungen nicht erfüllt
wurde. Das heißt wir werden weiter Druck machen müssen!“
Das Ergebnis der heutigen Sitzung ist ein wichtiges Signal für unsere
Studierenden. Es macht deutlich, dass es sich lohnt für politische
Veränderung zu kämpfen. Silvia Gruß: „Natürlich sind damit nicht all
unsere (Bildungs-)politischen Forderungen erfüllt. Aber dieser Erfolg
motiviert uns weiter zu kämpfen!“
Spiegel TV zum Bildungsstreik
RCDS
mit gewohnt humoristischen Einlagen schaffte es der RCDS auch in Jena die Stimmung zu heben. Auf Flyern wurden Ideen statt Randale gefordert, denn wie wir alle wissen, verstecken sich hinter dem Bildungsstreik in Wirklichkeit steineschmeißende, stalinistische Steinzeitkommunisten. Dank dem RCDS konnten die Extremisten aber abgewehrt und das wunderbar demokratische System erhalten bleiben. Dafür ein dreifaches Hoch auf die CDU/CSU und ihre Sprösslinge. Selber denken is eh blöd, ich lass mir lieber alles vorkauen und kotz es dann wieder aus.
In diesem Sinn: RCDS und Burschis raus aus der Uni! Christdemokraten die Unterwäsche klauen!
Pinkwart nie ohne Protest
Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen
hihi — Jurist