Afghanistan und die Medien

Dschugan Rosenberg 05.07.2009 21:38
Die etablierten westlichen Medien, gerade die deutschen Medien, sonnen sich gerne im Nimbus ihrer angeblichen Objektivität, Seriosität und journalistischen Qualität. Natürlich fühlt man sich völlig anders als zur Zeit der Deutschen Wochenschau. Unsere Presse feierte sich sogar als vierte Säule der Demokratie. Doch wenn man genau hinschaut, findet man heute ausgelutschte, dumpfe Kriegsrhetorik des US-Militärs völlig kritiklos abgedruckt in den deutschen Zeitungen.
Hochwirksame Kriegspropaganda der bösen Art kommt nett und rhetorisch gut aufgemacht daher und nutzt allgemein verbreitete positive moralische Werte, die zur Legitimation der Militäreinsätze dienen.
Dazu kommt meist eine moralische Entwertung des Gegners, für den keine (Menschen) Rechte gelten sollen. Nach drei Millionen Ziviltoten in Vietnam, für die das US-Militär verantwortlich ist zelebriert man immer noch das Image von Freiheit und Demokratie für „unsere“, die westliche Seite.
Die neue militärische Offensive der USA des neuen US Präsidenten Obama wird von einer weltweiten Medienkampagne begleitet, welche den Krieg gegen die Bevölkerung rechtfertigen soll.
Krieg gegen die Bevölkerung: Dies ist beispielsweise der Einsatz von Bomben mit dem zynischen Namen „Daisy Cutter“ (Gänseblümchen-Schneider) in Afghanistan belegt. Es handelt sich um einer der größten konventionellen Bomben (Foto 1), die alles menschliche Leben im Umkreis von mehreren Quadratkilometern vernichtet (Foto 2 und Foto3) und bereits in Vietnam zur Massenvernichtung in dicht besiedelten Gebieten vom US-Militär eingesetzt wurde.

Rechtfertigung

Der Krieg des Westens in Afghanistan wurde und wird mit einer Argumentationssuppe unterschiedlicher Rechtfertigungen legitimiert, in der jeder irgendetwas finden soll und findet, um diesen Einsätzen etwas positives abzugewinnen:

Kampf gegen den Terrorismus
Zerschlagung der Terror-Ausbildungslager
Schutz der humanitären Helfer und Hilfsorganisationen
Militärische Absicherung des Wiederaufbaus
Militärische Absicherung des Baus von neuen Schulen
Militärische Absicherung von Mädchen und Frauenprojekten
Bundeswehreinsätze als humanitäres Gegenbeispiel zur US-Kriegsführung
Kampf gegen Drogenanbau

Ganze Abteilungen des US-Militärs und der deutschen Hilfstruppen sind heute damit beschäftigt, diese Argumente aufzufinden, in leicht verdauliche Häppchen für die Medien mit entsprechendem Bild- und Tonmaterial bereitzustellen. Auf der Medienschiene gibt es dann sowohl direkt vom CIA bezahlte Journalisten in Schlüsselpositionen, eingebundene „embedded“ Journalisten die als Gegenleistung für exklusive, vermarktungsfähige Exklusivinformationen eine Pro-Kriegshaltung einnehmen und schließlich eine kleine Armee von Journalisten, die schon damals beim Vietnamkrieg angesichts von mehreren Millionen Toten niemals zu einer ätzenden Kritik am Vorgehen des US-Militärs fähig waren sondern dies kleingeredet haben zum „humanitären Elend auf beiden Seiten“.
Schauen wir uns einmal kurz die Argumente an:

Die Taliban und ihre Truppen wurden von den USA selbst mit 4,5 Milliarden US-Dollar unterstützt. Die im Fernsehen oft gezeigten s.g. Terror-Ausbildungslager, bei denen sich vermummte Soldaten von Stange zu Stange hangeln oder Hindernisse überwinden wurden größtenteils von den USA finanziert. Es handelt sich um übliche Einrichtungen, um Soldaten auszubilden.
Eine Terrorausbildung im wahren Sinne des Wortes erhielten bestimmte islamistische Gruppen in den USA selbst. Denn die US-Regierung förderte Terrorgruppen, welche gegen die sowjetische Besatzung in Afghanistan kämpfte. Der Westen und die USA hat mit Terrorismus keine Probleme, sofern er den eigenen Interessen nützt.

Die militärische Absicherung von humanitären Helfern wurde von den internationalen Hilfsorganisationen anfangs selbst weitgehend abgelehnt, da diese den Anspruch hatten unabhängig von den Konfliktparteien überall Hilfe zu leisten, also auch auf Taliban-Gebiet.

Das US- und deutsche Militär konnte mit der gezielten finanziellen Förderung natürlich auch Hilfsorganisationen finden, welche dann in ihr militärisches Konzept passte.
Zusammen mit dem Militär wird eine Hilfslogistik mit Nahrung, Wohnung und medizinischer Hilfe exklusiv für die Gebiete aufgebaut, die sie unter Kontrolle hat. In den gegnerischen Gebieten wird dagegen den Einsatz von humanitärer und medizinischer Hilfe untersagt bzw. durch militärische Absicherung aller Zufahrtswege verhindert mit dem zynischen Argument, dass diese Helfer nicht geschützt sind.

Comprehensive Approach

Damit wird ein ungeheurer ziviler Leidensdruck in den bombardierten gegnerischen Gebieten aufgebaut, um dort die Bevölkerung in die Knie zu zwingen. Perfiderweise wird bei dieser engen Arbeitsteilung zwischen Militär und eingebetteter Hilfsorganisation diese dann letztlich zum verlängerten Arm des Militärs und wird von der Bevölkerung mit Recht nicht als unabhängig angesehen.
Dieses Eindringen militärischer Operationen in das Zivilleben ist als „comprehensive approach“, d.h. umfassender Ansatz in der westlichen Kriegsführung bekannt und beinhaltet auch die Umgestaltung der bäuerlichen Lebensweise. Diese Strategie ist nicht neu, sondern aus Vietnam bekannt. Dort sollten die Bauern nach den US-Vorstellungen in mit Mauern oder Zäunen abgegrenzten Parzellen arbeiten, so dass jedes Verlassen der eigenen Parzelle registriert und kontrolliert werden kann.

Hinsichtlich der militärischen Absicherung des Wiederaufbaus ist zu sagen: Es ist absurd, zuerst ein Land zu zerstören, um dies dann noch als Rechtfertigung einer darauf folgenden militärischen Besatzung unter der Fahne des Wiederaufbaus zu nutzen.

ARD und ZDF

Am Freitag dem 3. Juli wurde im Frühstücksfernsehen von ARD und ZDF ein Potpourri von bildunterlegten Argumenten für und gegen den Afghanistaneinsatz ausgestrahlt. Hierbei wurden die Frauen- und Mädchenprojekte, insbesondere Mädchenschulen genannt, die bei der „Rückkehr der Taliban“ keine Chance hätten.
„Vom deutschen Wesen soll die Welt genesen“, nach zwei Weltkriegen – beide von Deutschland ausgehend – ist man nicht zu blöd, dies nochmals im deutschen Fernsehen zu senden. Mit dem gleichen Argument könnte man in viele Länder einmarschieren um dort den Mädchen zu helfen, z.B. in Indien um dort die Mädchen von der Kinderarbeit in den Webereien zu befreien, in der die Jeans für unsere Angebote gewebt werden.

Kampf gegen den Drogenanbau

Wer sich mit dem Drogenanbau in Afghanistan beschäftigt stellt fest, dass der Drogenanbau untere den Taliban weitgehend verboten war und seit der Besetzung Afghanistans durch das westliche Bündnis Rekordernten an Heroin eingefahren werden. ( http://www.tagesschau.de/ausland/meldung18846.html). Über 90 Prozent des zur Heroinherstellung verwendeten Opiums stammen aus Afghanistan, stündlich starten dort mit Opium vollgepackte Flugzeuge in die Abnehmerländer. Es ist ein offenes Geheimnis, dass die vom Westen eingesetzte Marionettenregierung Karzai und die CIA tief in die Opiumproduktion verstrickt ist. Die Drogenbosse sitzen in der Regierung, für die die Bundeswehrsoldaten notfalls verrecken dürfen.
(  http://info.kopp-verlag.de/news/die-nato-mission-in-afghanistan-den-karzai-heroin-clan-schuetzen.html,  http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,423134,00.html).
Die Verstrickung der CIA in den Opium und Heroinhandel ist öffentlich vielfach nachgewiesen worden. Eine zusammenfassende Betrachtung findet sich z.B. in dem Buch „Die CIA und das Heroin: Weltpolitik durch Drogenhandel“ von Prof. McCoy, Historiker an der Universität Wisconsin, das unter diesem Titel auch in deutscher Sprache erhältlich ist und ausführlich auf Afghanistan eingeht.
Im Zusammenhang mit der Aufrechterhaltung der Heroinproduktion unter westlicher Herrschaft machen Jungs Worte vom Stabilisierungseinsatz Sinn.

Ausgelutschte Kriegspropaganda von vorgestern

In der Rhein Main Presse (Mainzer Allgemeine, Wiesbadener Kurier und weitere Zeitungen) findet sich in der Ausgabe vom 3.Juli unter dem Titel „Blickpunkt“ eine ganze Seite, die nur eine Botschaft kennt: ja zum Krieg des Westens in Afghanistan, ja zur neuen Militäroffensive. Autor dumpfer Propaganda ist u.a. der Journalist Can Merey, der mit den kriegsführenden Geheimdiensten zusammenarbeitet. Unter anderem wurde ihm vom afghanischen Geheimdienst gestattet, Gefangene zu verhören ( http://www.lob.de/cgi-bin/work/outputexpert?id=aMY34mpMAqqT&frame=yes&flag=new&menupic=no&mode=viewone&titnr=249700721).
Was hat uns dieser Mann zu sagen: „Nirgendwo in Afghanistan haben die Taliban mehr Macht als in Helmland, und nirgendwo in der Welt werden mehr Drogen angebaut als in der südlichen Provinz – mit dem Rauschgifthandel füllen die Aufständischen ihre Kriegskasse. Gestern strömten Tausende amerikanische Soldaten in die Taliban-Hochburg, um die Gegend am Helmand-Fluß unter ihre Kontrolle zu bringen …“.
Dies suggeriert, die USA würden gegen den Drogenanbau vorgehen. Tatsächlich ist es aber so, dass unter der Herrschaft der Taliban der Opiumanbau faktisch zum Erliegen kam ( http://blog.hintergrund.de/tag/drogenanbau/). Abbildung 3 zeigt dazu einen Auszug aus dem Bericht der Vereinten Nationen über Drogenanbau und Kriminalität aus dem Jahre 2004. Den Bericht können Sie von der Seite der Vereinten Nationen herunterladen unter www.unodc.org/pdf/WDR_2004/Executive_Summary.pdf.
Wie Sie sehen weist die Grafik einen Absturz der Opiumproduktion im Jahr 2001 aus. Dies liegt daran, dass im Jahr 2000 der Opiumanbau in Afghanistan von den Taliban verboten wurde und dieses Verbot offensichtlich auch umgesetzt wurde.

Damit wird deutlich, dass sich die Redaktion der Rhein Main Presse mit einer Umkehr der Faktenlage und Manipulation der Leser hinter PR-Maschine der deutschen Kriegsführung gestellt hat: politisch korrekt staatstreudoof mit einer erbärmlichen inhaltlichen Substanz.
Creative Commons-Lizenzvertrag Dieser Inhalt ist unter einer
Creative Commons-Lizenz lizenziert.
Indymedia ist eine Veröffentlichungsplattform, auf der jede und jeder selbstverfasste Berichte publizieren kann. Eine Überprüfung der Inhalte und eine redaktionelle Bearbeitung der Beiträge finden nicht statt. Bei Anregungen und Fragen zu diesem Artikel wenden sie sich bitte direkt an die Verfasserin oder den Verfasser.
(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)

Ergänzungen

"Dschugan Rosenberg"

!?! 05.07.2009 - 23:53
Viel vermeintlich belegtes Gelaber, ein Bild von einem Haus (wo denn?), dazu eine Explosion, die sich vermeintlich auf dieses beziehen soll, aber bei näherem Hinsehen ganz woanders stattgefunden haben muss. Aufgepeppt mit irgeneiner UN-Statistik, die zur Zeit je nach Prämisse beliebig interpretierbar ist. Taliban hätten Drogenanbau verboten, hä?
Medienkultur in Reinstform macht wohl auch hier nicht mehr halt.
Einfach mal Fakten hinzuziehen, z.B. die UN-Resolutionen, die u.a. dazu Stellung beziehen. Bissel mühselig vielleicht, aber fertige Antworten haben wir hier zuviele...!

das gibts doch nicht...

Charly-Billy-Bob 06.07.2009 - 00:31
Propaganda von kriegführenden Parteien ist man ja gewohnt. Aber Propaganda von Kriegsgegnern ist neu genug um befremdlich zu wirken.
Hier steht ja wirklich nur Stuss. Nicht ein einziger Beweis, dass die Taliban den Opiumanbau verboten hätten, sondern nur kühne Behauptungen und Verlinkungen auf Verschwörungsseiten. Gut, der Bruder mag in Drogengeschäfte verwickelt sein... First of all: So what? Das hat nichts mit Systematik zu tun, sondern mit einer Eigendynamik, die daraus resultiert, dass dieses Land wirtschaftlich dermaßen am Boden liegt, dass die Gehälter der Regierungsbeamten mit denen eines ostdeutschen Friseurs zu vergleichen sind (Dramatisierung - muss nicht exakt stimmen). Zudem beweist der Fall ja dann auch nur eins: Nämlich dass der Bruder in krumme Geschäfte verwickelt war. Mehr aber auch nicht. Und jetzt noch zu der Unterstützung der Taliban durch die USA... Ja, beziehst du denn all deine Informationen aus Zeitungen, die in den 80igern gedruckt wurden?? Das weiß doch längst jeder Depp, dass sich die CIA ziemlich unrühmlich in diese Angelegenheiten verstrickt hat. Aber das ist doch auch einer der Kriegsgründe: Die Fehler der Vergangenheit beseitigen. Dabei sind die finanziellen Mittel der "Gotteskrieger" aus der damaligen Zeit schon lääängst aufgebraucht. Das hat ja grad mal gereicht, um den Russen ausm Land zu werfen. Bis zuletzt wurden Trainigslager, Waffen, Fahrzeuge und Didlmaus-Radiowecker vom Anbau durch Opium finanziert. Deswegen können ja so viele Bauern nicht einfach auf Getreide umstellen: Opium war jahrzehntelang die Haupteinnahmequelle und ist heute preislich unschlagbar, zumal den Bauern auch oft von Taliban-Milizen gedroht wird, ihre Produktion umzustellen.
Bei dem Artikel drängt sich mir das Bild eines kläffenden Chihuahuas auf. Viel Lärm um nichts. Wirklich schlimm finde ich aber, dass hier Wahrheiten generiert werden, die mit der Realität nicht übereinstimmen, nur um die eigene politische Linie zu bestätigen. Das ist nicht links... das ist erbärmlich!

(Nebenbei: Was hat WW1 mit OEF zu tun? Der "Grande Guerre" war die logische Konsequenz eines überkochenden Nationalismus ALLER europäischen Staaten. Dass letztendlich der dt. Kaiser der Idiot war, das bereitete Pulverfass auch noch anzuzünden, ist ein hist. Detail.)

Wer kontrolliert die Einnahmen des Mohn

(muss ausgefüllt werden) 06.07.2009 - 16:24
und Heroingeschäfts?




AFG ein Land, welches in allen Produktionssektoren völlig von den Monopolstrukturen des kapitalistischen Weltmarkts ausgeschlossen ist, und auch ausgeschlossen bleiben wird. Das einzige Exportprodukt Mohn ist zugleich Konkurrenzprodukt für die westlichen chemischen Konzerne und deren synthetische und halbsynthetische Produktionskapazitäten für Drogen-,Chemie-, und Pharmaprodukte, solange dieser Anbau des Mohns nicht von diesen Konzernen kontrolliert wird und die Marktanteile und Einnahmen in diese Taschen fliessen.

Der Marionettenregierung um Karsai wird der Anbau von Mohn im gewissen Umfang erlaubt, und den paschtunischen Clans, die gegen die Besatzung durch die Vereinigten Staaten kämpfen, wird dieser verboten. Der Krieg in AFG ist vor allem ein geostrategischer Krieg gegen Rußland und China, wobei AFG nur die Rolle eines terrestrischen Flugzeugsträgers an den Energierouten zugewiesen ist. Bagram wird aktuell als riesiger Luftwaffenstützpunkt ausgebaut.

Was in AFG läuft ist originärer und direkter Imperialismus, und nichts anderes, auch wenn die antideutschen Kinder mit ihren US- und Israelflaggen anderes verkaufen wollen.


Technische Details

Techniker 07.07.2009 - 09:09
"Dies ist beispielsweise der Einsatz von Bomben mit dem zynischen Namen ,,Daisy Cutter" (Gänseblümchen-Schneider) in Afghanistan belegt. Es handelt sich um einer der größten konventionellen Bomben (Foto 1), die alles menschliche Leben im Umkreis von mehreren Quadratkilometern vernichtet"

Wenn du damit die BLU-82B meinst, frage ich mich wie du auf "mehrere Quadratkilometer" kommst.

Aus  http://de.wikipedia.org/wiki/Daisy_Cutter
Am Nullpunkt der Explosion erzeugt die Bombe einen Druck von ungefähr 1000 psi (entsprechend 70.000 hPa). Auf flachem Boden hat die resultierende Druckwelle eine wirksame Reichweite von 100-200 m (Druckstoß größer als 150 bis 350 hPa), natürliche oder künstliche Hindernisse können sie jedoch stark senken. Neben der Druckwelle hat die Bombe jedoch kaum eine Wirkung; auch gegen gepanzerte oder eingegrabene Ziele ist sie nur bedingt effektiv.



Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

Zeige die folgenden 5 Kommentare an

Jaja — harris

kann mal jemand dummharris — rosa anmalen

Hach ja — Ausgelutscht

Wir... — ...