Libanon: Film zur Belagerung Nahr al-Bareds

a-films 24.06.2009 22:12 Themen: Militarismus Repression Soziale Kämpfe Weltweit
Das anarchistische Medienkollektiv „a-films“ hat soeben einen neuen Kurzfilm („Zwei Jahre Belagerung“/10min) aus dem zerstörten Nahr al-Bared Camp im Nordlibanon veröffentlicht.
Zwei Jahre nach Ausbruch des Krieges in Nahr al-Bared bleibt die Zukunft des Camps ungewiss. Der Wiederaufbau des offiziellen Teils des Flüchtlingslagers wird wohl bald beginnen, aber nach wie vor ist er unter Kontrolle der libanesischen Armee. Mehrere Checkpoints, Stacheldraht und Militärposten schneiden Nahr al-Bared von seiner Umgebung ab.

Nahr al-Bared Camp war einst ein lebendiger Marktplatz in der nordlibanesischen Akkar-Region. Rund die Hälfte seiner Kunden waren LibanesInnen. Während dem Krieg vernichtete die libanesische Armee nicht nur die militante Gruppe Fatah al-Islam, sondern zerstörte das palästinensische Flüchtlingslager auch komplett. Seine Geschäfte wurden geplündert, zertrümmert und abgebrannt, teilweise als der Krieg bereits beendet war. Die einst blühende Wirtschaft des Camps wurde komplett zerstört.

Zwei Jahre später ist etwa die Hälfte der Bevölkerung des Flüchtlingslagers zurückgekehrt. Hunderte Geschäfte haben wiedereröffnet, aber die wirtschaftliche Erholung wird durch die Belagerung des Camps seitens der libanesischen Armee ernsthaft behindert. Der Verdacht liegt nahe, dass das eigentliche Kriegsziel nicht Fatah al-Islam, sondern Nahr al-Bareds Wirtschaft war.

In diesem 10-minütigen Film diskutieren ein Mitbesitzer einer Eisfabrik, der Präsident des lokalen Händlerkomitees und der Imam der al-Quds-Moschee die Belagerung und ihre ökonomischen Konsequenzen.

Der Film kann hier angeschaut und/oder heruntergeladen werden.

Auf unserer Website finden sich Hintergrundberichte und weitere Videos zu Nahr al-Bared.

Bisherige Artikel auf indymedia zu Nahr al-Bared Camp:

Die vergessenen 'Primaat' Nahr al-Bareds - Juni 2009
Nahr al-Bareds isolierte Ökonomie - Juni 2009
Wachsender Unmut in Nahr al-Bared - Mai 2009
Wiederaufbau ohne die Betroffenen - März 2009
Die Zerstörung des Flüchtlingslagers Nahr al-Bared und ihre Folgen - Februar 2009
Hintergründe zur Zerstörung von Nahr al-Bared - Mai 2008
Armee plündert und brandschatzt - November 2007
Rückkehr nach Nahr al-Bared - November 2007
Ein Bericht aus Beddawi Camp - November 2007
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natural born Flüchtlinge

Dr. Seltsam 25.06.2009 - 00:38
eine noch ein wenig radikalere Kritik könnte sich ja vielleicht mal fragen, wieso Menschen, deren Eltern schon im Libanon geboren wurden und ihr gesamtes Leben dort verbracht haben, als angebliche "Flüchtlinge" in "Flüchtlingslagern" leben und irgendwie zwanghaft dort siedeln müssen?

Danke Dr. Seltsam

bin beruhigt 25.06.2009 - 12:34
ich stimme dir vollkommen zu.

@ natural born Flüchtlinge

schonmahiergewesen 25.06.2009 - 15:55
radikale Kritik klingt schön und gut, nicht desto trotz ist es so dass diese Menschen, deren Eltern auch schon im Libanon geboren wurden, keine libanesischen Papiere haben sondern palästinensische Flüchtlingsausweise. Dadurch haben sie weniger Rechte im Libanon als Libanes_innen. (nicht nur im Libanon sondern auf der ganzen Welt, versuch mal mit so nem Pass zu verreisen)
Im Libanon gibt es eine doch sehr starke Trennung der unterschiedlichen Gruppen die dort leben, nach Religionen aber auch nach territorialer Herkunft. Und tausende von Vorurteilen über jede dieser Gruppen, so dass die Ausgrenzung auch stark ist.
Palästinenser_innen dürfen bestimmte Berufe nicht ausüben und werden von eingen dieser Gruppen diskriminiert, sind unerwünscht. Daraus ergeben sich auch finanzielle Nachteile.
Damit sind einige der Gründe genannt, warum diese Leute in Flüchtlingslagern leben. Und ihr Status als Flüchtlinge noch immer fortbesteht.

eben!

Dr. Seltsam 25.06.2009 - 17:54
Genau darauf wollte ich hinaus. Ist das nicht ziemlich eigenartig, wie sich selbst als "anarchistisch" verstehende Leute sich mit diesem Film ganz überwiegend an den von "palästinensischen" Geschäftsleuten bzw. durch den Shejk geltend gemachten Beeinträchtigungen des Wirtschaftslebens abarbeiten und dabei ausblenden, wie die libanesische Gesellschaft da seit Generationen Menschen ausgrenzt, stigmatisiert und niederhält, deren Anwesenheit sie durch ihren verbrecherischen Überfall auf den in Gründung befindlichen israelischen Staat im Mai 1948 selbst herbeigeführt hat? Normalerweise ist dieses politische Spektrum doch überaus einfallsreich und mit Eifer bei der Sache, wenn es darum geht, Forderungen zu formulieren, wie denn die Palästinaflüchtlinge und ihre Nachfahren zu entschädigen und materiell sowie von ihrem Rechtsstatus her zu stellen seien - warum denn hier nicht?

Im übrigen hat die Verweigerung der Staatsbürgerschaft für diese Menschen und ihre Unterdrückung und Pauperisierung durch diskrimierende Gesetze rein gar nichts mit "tausenden von Vorurteilen" gegen "jede" der verschiedenen so definierten "Gruppen" im Libanon zu tun - Pässe und Berufsverbote verteilt der Staat, und das macht er hier eben in einer ganz bestimmten Art und Weise. Seltsamerweise habe ich in diesem Fall aber noch nie gehört, dass jemand das als "Apartheid" bezeichnet hätte.

eigenartig...

Dr. Seltsam 25.06.2009 - 23:48
... da wollte ich also auf die rassistische Ausgrenzung noch der Kinder und Enkelkinder der PalästinenserInnen im Libanon aufmerksam machen, und wie "Linke" oder auch "AnarchistInnen" sich demgegenüber merkwürdig blind und stumm geben, sogleich bin ich selbst der Rassist. Wohl auch noch "mit dem Davidstern" - wie immer ich das nun verstehen soll. Schön, dass immerhin mal klargestellt ist, dass es hier nicht um die Menschen geht, sondern gegen Israel...

eigenartiger...

Dr. Seltsam 26.06.2009 - 00:45
... ist nur noch, wie die Moderation sich ein ums andere mal die Ergänzungen zurechtschneidet, wenn die Auseinandersetzung nicht zu dem gewünschten Ergebnis führt ...

ahoi

ahoi 02.07.2009 - 03:47
danke

lange nicht mehr soviel mist gelesen!

zum film:lang nicht mehr sowas einseitges gesehen!