Indigenas:Recht auf Selbstverteidigung

XXV Indigena Versammlung 22.06.2009 13:03 Themen: Globalisierung Repression Soziale Kämpfe
Angesichts der 100te von Toten und Verschwundenen Indigenas im Verlauf der letzten Jahre proklamiert die XXV Versammlung des Indigenen Nationalkongresses Mexikos das Recht der Urvölker auf Verteidigung ihrer Rechte, Existenz und angestammten Gebiete...
HINTERGRUND

Mitte diesen Monats hat in der Nahua-Gemeinde Santa María Ostula, Michoacán, DIE XXV Versammlung von männlichen und weiblichen Delegierten aus insgesamt 9 Staaten Mexikos stattgefunden. Nicht genug, dass der Anlass, die Eskalation des „neoliberalen Vernichtungskriegs gegen die Indigenas“, die Stämme und Gemeinschaften zur Ausrufung ihres Rechts auf Selbstverteidigung zwingt, war das Treffen auch noch von lokalem Druck beschattet, den zahlreiche kleine, sogenannte Grundbesitzer durch ihre Präsenz ausübten. Angestachelt von den kommunalen Kaziken Ostulas und unter dem (freiwilligen oder unfreiwilligen) Schutz lokaler Autoritäten repräsentierten sie die zersetzende Korruption und Vetternwirtschaft bis in die Regierungsspitze Mexikos, welche nicht zuletzt die Basis ist, für die nicht endenwollende Vernichtung der indigenen Kulturen.
Doch es gibt auch Anlass für Optimismus, denn diese Reaktion der Invasoren wurde dahingehend interpretiert, dass sie ihre latifundistischen Ambitionen angesichts der Entschlossenheit der Nahuas, nicht einen Meter von ihrem Land zu weichen, als aussichtslos betrachten...

Die Nahuas an der Küste Michoacáns sehen sich zwei zerstörerischen Megaprojekten gegenüber, zu deren Realisierung und Auswirkungen sie nie konsultiert worden sind: der Integrative Touristische Entwicklungsplan für die Küste von Michoacán und die neue Strasse Coahuayana-Lázaro Cárdenas. Nach dem immergleichen Muster versprechen beide Pläne (vage) ökonomische Vorteile für die Region, während sie in Wirklichkeit die rasante Zerstörung der Kommunen und Ejidos (gemeindebewirtschaftetes Land) bedeuten und die Agrarprokuratur zu einer schlecht getarnten Immobilienagentur werden lassen. Beide Projekte, mit welchen die Regierung/en transnationalen Unternehmen die Region andient/en, schliessen die indigenen und bäuerlichen Gemeinden und Ejidos aus.

Die Küste Michoacáns ist jedoch beileibe nicht der einzige Raum indem ein brutaler und zusehends ausufernder Vernichtungskrieg gegen die Urvölker geführt wird. VersammlungsteilnehmerInnen aus Jalisco, Durango, Oaxaca, México, Chihuahua, Colima und Mexiko D.F. liessen diesen Ausrottungskrieg, der sich hauptsächlich der zunehmend illegalen Landnahme indigener Territorien seitens Unternehmen jeder Art bedient, sichtbar werden. Die teilnehmenden Delegierten der Nahuas, Cocas und Wixáritari wiesen etwa Jalisco
aufgrund von Strassenbau(Santa Catarina Cuexcomatitlán)und,- Tourismusprojekten (Mezcala), Bergbau und Minen (Ayotitlán) oder aggressiven Gewächshauskulturen (Tuxpan) als „Modell der Verletzung der Rechte und fundamentalen Freiheiten der indigenen Gemeinschaften“ aus.


ERKLÄRUNG/VERLAUTBARUNG ZUM RECHT INDIGENER SELBSTVERTEIDIGUNG
Verfasser:VERSAMMLUNG DES INDIGENENEN NATIONALKONGRESSES
19 Juni 2009
www.aporrea.org/actualidad/n136866.html

Die zur Abhaltung der XXV ASAMBLEA NACIONAL AMPLIADA DEL CONGRESO NACIONAL INDÍGENA (XXV erweiterten Versammlung des Indigenen Nationalkongresses) aufgerufenen und in der Nahua Gemeinde Santa María Ostula, Bezirk Aquila, Michoacán (Mexico ), versammelten (männlichen und weiblichen) Delegierten der Indigenen Völker, Stämme und Nationen der Zentralpazifikregion SEHEN ES FÜR GEGEBEN AN:

1. dass der neoliberale Vernichtungskrieg mit dem unsere Völker überzogen werden, einen niegesehenen Grad der Zerstörung, Vertreibung und Ausbeutung erreicht hat, der die Exsistenz, Sicherheit und die den Urvölkern entsprechenden Territorien aufś Äusserste gefährdet;

2. dass im selben Rahmen die gegen uns gerichtete Repression von Regierung und Para-Regierung in der Ermordung und Inhaftierung von Hunderten von indigenen Führungspersonen sichtbar wurde sowie in der militärischen Besetzung unserer Territorien, der Kriminalisierung des sozialen Kampfes und jedem Versuch von Organisierung, die in ihrer unabhängigen und autonomen Weise ihren Ursprung in unseren Völkern/Gemeinschaften hat;

3. dass genau wie während der letzten Phase des von Diktator Porfirio Díaz angeführten Regimes geschehen, die aktuellen Gesetze und Regierungspolitiken eine massive Entvölkerung unserer Gemeinden verursachen sowie die illegale Invasion in deren angestammte Gebiete seitens transnationaler Unternehmen, Regierenden und Politikern, die von einer bestechlichen Justiz geschützt werden, die über Jahre hinweg unfähig gewesen ist, eine effiziente Lösung für die gravierenden Probleme, zu vorderst der territorialen unter welchen unsere Völker/Gemeinschaften leiden, zu schaffen;

4. dass zu allen Zeiten unserer Geschichte wir Urvölker legale und legitime Organisationsformen zu unserer Selbstverteidigung geschaffen haben, die auch die Formation indigener Armeen beinhalten, die das Leben in diesem Land geprägt haben, wie es die von General Emiliano Zapata angeführte Ejército Libertador del Sur y Centro gewesen war, oder wie in der Aktualität die Nationale Zapatistische Befreiungsarmee/ Ejército Zapatista de Liberación Nacional;


WIR PROKLAMIEREN.

ERSTENS: Dass angesichts des neoliberalen Ausrottungskriegs UNSERE GEMEINSCHAFTEN, STÄMME UND NATIONEN sowie die Gemeinden welchen sie zugehören, DAS DURCH DEN ARTIKEL 39 DER VERFASSUNG FESTGESCHRIEBENE, UNVERÄUSSERLICHE RECHT BESITZEN, SICH ZU ORGANISIEREN UND DIE SELBSTVERTEIDIGUNG IHRES LEBENS, IHRER SICHERHEIT, IHRER FREIHEITEN UND FUNDAMENTALEN RECHTE SOWIE IHRER KULTUR UND TERRITORIEN AUSZUÜBEN.

ZWEITENS. Das gemäss der Verfügung der Konvention 169 der Internationalen Organisation für Arbeit ? zu indigenen Völkern/Gemeinschaften und Stämmen in unabhängigen ? Ländern, unsere Völker/Gemeinschaften IM RAHMEN IHRER RECHTE AUF SELBSTBESTIMMUNG UND AUTONOMIE DAS RECHT BESITZEN, IHRE SELBSTVERTEIDIGUNG IN DER ART UND WEISE DIE SIE FÜR ANGEBRACHT HALTEN ZU ORGANISIEREN, INSOFERN DIESE NICHT GEGEN DIE RESPEKTIERUNG DER MENSCHENRECHTE VERSTÖSST..., weshalb im Rahmen unserer Kultur und traditionellen Organisationsweise die Bildung von kommunitären Polizeien, kommunalen Schutzwachen und anderen kommunalen Organisationsformen zur indigenen Selbstverteidigung LEGAL, LEGITIM UND VOR ALLEM GEGENÜBER DER PROFUNDEN KORRUPTION UND ZERSETZUNG DER MIT DER AUSÜBUNG DER JUSTIZ BEAUFTRAGTEN INSTANZEN NOTWENDIG IST.

DRITTENS:In Konsequenz davon klagen wir an und lehnen ab, jede Art von Regierungshandlung zur Diskreditierung und Unterdrückung UNSERES LEGITIMEN RECHTS AUF DIE VERTEIDIGUNG UNSERER EXISTENZ, UNSERER SICHERHEIT, UNSERER FREIHEITEN UND FUNDAMENTALEN RECHTE SOWIE UNSERER KULTUR UND TERRITORIEN. Ebenso manifestieren wir, dass jede Regierungshandlung, die dazu dient unsere ORGANISATION ZUR SELBSTVERTEIDGUNG zu kriminalisieren, kein anderes Ziel hat, als die gegen unsere Völker/Gemeinschaften gerichtete Repression und Zerstörung zu begünstigen.

VIERTENS. Wir rufen die indigenen Gemeinschaften, Stämme und Nationen des Landes, die nationale und internationale Zivilgesellschaft und die Organismen zur Verteidigung der Menschenrechte dazu auf, Wachsamkeit walten zu lassen gegenüber jeder Handlungsweise der Regierung in Form von REPRESSION UND ZERSCHLAGUNG unserer Organisationsformen zu unserer Verteidigung.

Wir rufen die indigenen Gemeinschaften, Stämme und Nationen des Landes, die nationale und internationale Zivilgesellschaft und die Organismen zur Verteidigung der Menschenrechte dazu auf, die physische und kulturelle Vernichtung unserer Völker/Gemeinschaften und den neoliberalen Ausrottungskrieg zu stoppen.


SANTA MARIA OSTULA, MICHOACAN, 14.JUNI 2009.

HOCHACHTUNGSVOLL

NIEMALS MEHR EIN MEXIKO OHNE UNSERE VÖLKER
FüR DIE INTEGRATIVE REKONSTRUIERUNG UNSERER VÖLKER


MÄNNLICHE UND WEIBLICHE DELEGIERTE DER AN DER XXV ASAMBLEA DEL CONGRESO NACIONAL INDÍGENA TEILGENOMMEN HABENDEN GEMEINSCHAFTEN STÄMME UND NATIONEN

freie Übersetzung:tierra@

Verlinkt mit zahlreichen, relevanten Hintergrundinformationen zu besagtem „neoliberalen Vernichtungskrieg“, Zapatismus ec.:

Plan Puebla Panama, Phase 2
 http://de.indymedia.org/2008/07/221771.shtml

 http://enlacezapatista.ezln.org.mx/
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Ergänzungen

Ergänzung

Nunca Olvidar 22.06.2009 - 13:20
Der Krieg Perus gegen die Indígenas
 http://de.indymedia.org/2009/06/252770.shtml

intergalaktische Antwort 2009

tierr@ 22.06.2009 - 18:41
Vielleicht kann realisiert werden, dass der Kampf von Indigenas schlicht und einfach ein Kampf um Autonomie und "Ökologie" bzw. Naturerhalt/Respektierung ist.
Wieso wird den ANDEREN immer vorgeworfen ANDERS zu sein und ihnen verweigert eine Idendität zu besitzen?
Du erregst Dich hoffentlich auch über "grüne Kollateralschäden" und Wein,-und Hostienromantik oder die Rolle der BRD als Zerstörung subventionierendes EU-Land, das mitverschuldet, dass die ANDEREN darauf bestehen MÜSSEN, ANDERS zu sein, ganz abgesehen davon, dass sie das wohl auch genauso gerne sind wie meine Katze Katze ist.
Ist ein Autonomes Zentrum in der BRD vielleicht Blut und Boden Romantik? und geht es da nicht einfach auch um Selbstverwirklichung und Territorium; wie hoch ist im Schnitt der AusländerInnenanteil in einem solchen oder in einer Wagenburg... Wieso willst du ANDEREN verbieten global zu denken und lokal zu handeln
Der Rassismus in den Köpfen ist inzwischen in diesem Land offenbar schon zu einem pathologischen Bestandteil der Körpermasse geworden (SIC!!!)

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

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@tierr@ — caravan