"Endlager und kein Ende?"

Wolfgang Ehmke 19.06.2009 22:45 Themen: Atom Militarismus Weltweit Ökologie
Vom 17. - 19. Juni hatte die Evangelische Akademie Loccum zu einer Tagung zur
Atommüllproblematik eingeladen, trotz des problematischen Termins mitten in
der Woche konnte die Studienleiterin Dr. Monika Müller 8o Teilnehmer aus
Behörden, Verbänden, Wirtschaft und Politik begrüßen. Vor allem die
Vorkommnisse in der Asse II hätten den Anstoß gegeben, die unterschiedlichen
Akteure an einen Tisch zu bekommen, um politische Lösungen in der
Atommüllendlagerung auszuloten.
Doch die Chancen der Verständigung scheinen gering. Die Suche nach Wegen zu
einer Endlagerung hochradioaktiver Abfälle in Deutschland seien aus
unterschiedlichen Gründen verstellt, unterstrich Wolfgang Ehmke für die BI
Umweltschutz Lüchow-Dannenberg auf der Tagung: In den Kreisen der Industrie
würde auf die bereits getätigten Investitionen in Gorleben verwiesen, über
eine vergleichende und ergebnisoffene Endlagersuche seien die
Koalitionspartner in Berlin zerstritten und die Umweltverbände sowie Anti-
AKW-Initiativen pochten auf die Prämisse des Atomausstiegs, bevor zum
Reizthema Atommüll konstruktiv Stellung bezogen würde.

Heike Wiegel von der Asse-Begleitgruppe hatte zuvor noch einmal die
Skandalgeschichte des absaufenden Endlagers skizziert, das nur zu einem
geringen Teil als Forschungseinrichtung, zum überwiegenden Teil jedoch als
billige Atommülldeponie genutzt wurde. Politische Vorgaben und nicht
geologische Erwägungen hätten dort den Ausschlag gegeben, räumte Wolfram
König, Präsident des Bundesamtes für Strahlenschutz, in der Debatte ein.

König machte sich stark für die Empfehlungen der Arbeitskreises Endlagerung
(AK End), der sich unter der Rot-Grünen Bundesregierung auf ein transparentes
und vergleichendes Suchverfahren verständigt hatte. Ohne ein solches
Verfahren würden am Ende Klagen gegen Gorleben das Projekt über Jahre
blockieren können. "Auf diesem Wege ließen sich auch die Verfahrensfehler in
Gorleben heilen", hofft König und spielte auf die undurchsichtige Gründe für
die Standortbenennung an. "Ein Weiter-So in Gorleben kann es nicht geben,"
räumte er ein. Seit Beginn des Moratoriums im Jahr 2000 hätten sich die
Rahmenbedingungen verändert. Es würde kein Ein-Endlagerkonzept mehr
verfolgt, weil mit dem Schacht Konrad ein Endlager für die schwach- und
mittelaktiven Abfälle genehmigt sei, der Stand von Wissenschaft und Technik
habe sich weiterentwickelt und die mögliche Rückholbarkeit der Abfälle werde
als Option diskutiert.

Dissens herrschte in der Diskussion über die Folgerungen, die aus dem Asse II-
Debakel hinsichtlich des prospektiven Endlagers im Salzstock Gorleben zu
ziehen seien. Die Vorfestlegung auf Gorleben allen geologischen Bedenken zum
Trotz manifestiere sich in dem Eingeständnis, dass erhebliche Mittel schon in
den Ausbau zum Endlager geflossen seien, derartige Fehler der Standortsuche
ließen sich nicht heilen, unterstrich Wolfgang Ehmke in seinem Referat. Vor
kurzen hatte die BI vorgerechnet, dass von den 1,51 Mrd. Euro, die in Gorleben
versenkt wurden, rund 50% bereits für den Ausbau eines Endlagers verwandt
wurden: "Das Vertrauen in die Redlichkeit der Politik ist grundlegend zerstört,
in der Asse II wie in Gorleben."

Wolfgang Ehmke 01709 510 56 06
Creative Commons-Lizenzvertrag Dieser Inhalt ist unter einer
Creative Commons-Lizenz lizenziert.
Indymedia ist eine Veröffentlichungsplattform, auf der jede und jeder selbstverfasste Berichte publizieren kann. Eine Überprüfung der Inhalte und eine redaktionelle Bearbeitung der Beiträge finden nicht statt. Bei Anregungen und Fragen zu diesem Artikel wenden sie sich bitte direkt an die Verfasserin oder den Verfasser.
(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)

Ergänzungen

Krümmel gehört vom Netz – für immer!

Dirk Seifert 19.06.2009 - 23:21
+ + + ROBIN WOOD-Pressemitteilung + + +

Hamburg, den 19.6.09

* Krümmel gehört vom Netz – für immer!

Zur Genehmigung für die Wiederinbetriebnahme des Atomkraftwerks Krümmel
erklärt Dirk Seifert, Energiereferent der Umweltorganisation ROBIN WOOD:

„Mit dem AKW Krümmel geht einer der marodesten Reaktoren Deutschlands
wieder ans Netz. Über 300 Störfälle seit seiner Inbetriebnahme und eine
erhöhte Leukämierate in seiner Umgebung lassen nur einen Schluss zu: Der
Weiterbetrieb dieses Schrottreaktors ist nicht zu verantworten.

Die hohen Risiken werden der Bevölkerung obendrein ohne Not zugemutet.
Die vergangenen zwei Jahre, in denen das Kraftwerk nicht am Netz war,
haben gezeigt, dass sich die Stromversorgung problemlos auch ohne
Krümmel sicherstellen ließe. Der Vattenfall-Konzern hat im gleichen
Zeitraum sogar noch dicke Gewinne eingefahren.

Die Zukunft gehört den erneuerbaren Energien, nicht den Uralt-AKWs.“

ROBIN WOOD fordert: Krümmel abschalten – für immer!

Am morgigen Samstag wird um 18 Uhr eine Mahnwache vor dem AKW Krümmel
stattfinden.


Kontakt:
Dirk Seifert, ROBIN WOOD-Energiereferent, Tel. 0176 / 48 11 84 42,
 energie@robinwood.de
Ute Bertrand, ROBIN WOOD-Pressesprecherin, Tel. 040 / 380 892-22,
 presse@robinwood.de

 http://www.robinwood.de/energie