Berlin: Villa BEL auf TU-Gelände besetzt

unverdächtig 17.06.2009 17:13 Themen: Bildung
Heute haben die "Üblichen Verdächtigen" die Villa BEL an der TU Berlin besetzt. Mit dieser Aktion wollen sie auf die katastrophalen Lernbedingungen aufmerksam machen. Die Villa BEL war bis September 2007 Sitz des AStA an der TU. Mit Hilfe der konservativen Studentenvereinigung RCDS hat die Leitung der Technischen Universität die Villa der studentischen Selbstverwaltung abgenommen. Heute wurde sie durch die Besetzung wieder dem selbstbestimmten Lernen zugeführt.
Bildung an Kitas, Schulen und Universitäten richtet sich immer weniger nach unseren Bedürfnissen oder den Erfordernissen einer demokratischen Gesellschaft, sondern immer mehr und immer ausschließlicher nach dem ökonomischen Nutzen. Sowohl an Schulen als auch an Universitäten geht es mehr als jemals zu vor darum, Ressourcen für den Arbeitsmarkt zu produzieren, anstatt jedem Menschen die Chance auf Bildung zu geben. Eine der Besetzerinnen dazu: „Es ist für unsere Gesellschaft wichtig, dass jede und jeder das Potenzial, was in ihm oder ihr steckt, entfalten kann. Diese Chance wird zunichte gemacht durch die Einschränkungen des Zugangs an die Uni und durch das gegliederte Schulsystem, in welchem der Erfolg von der Herkunft abhängt.“

Orientiert an betriebswirtschaftlichen Kriterien wird auch von Schülerinnen, Schülern und Studierenden verlangt, in kürzerer Zeit mehr Ergebnisse zu produzieren. Und wie in anderen Arbeitsverhältnissen auch, macht diese Entwicklung die Menschen kaputt. Ihnen wird die Zeit geraubt, die sie für soziales und politisches Engagement, für Reflexion und Selbstentfaltung brauchen.

Die Ziele der Besetzung beschreibt einer der Besetzer so: „Ich empfinde den erhöhten Druck als Enteignung von Lebenszeit und mein Studium kommt häufig einer Freiheitsberaubung gleich. Dieser Enteignung von Lebenszeit setzen wir die bewusste Aneignung eines Raumes entgegen, in dem unsere eigene Zeit und unser eigener Rhythmus gilt. Dem gesellschaftlichen Zwang zur Konkurrenz setzen wir einen Raum entgegen, in dem erfahrbar wird, dass solidarisches Miteinander und kooperatives Lernen attraktiver ist, als das schöne, vorgezeichnete Leben, das uns nur für eine ungewisse Zukunft versprochen wird, und das nur unter der Bedingung grenzenloser Selbstausbeutung zu haben ist.“

Solange die Dynamik anhält und solange die Villa BEL von vielen Studierenden mitgestaltet wird, wird es hier jeden Tag Seminare und Abendveranstaltungen geben. Es gibt offene Diskussionsforen, einen Computerpool und gemütliche Räume. Alle sind herzlich eingeladen mitzumachen beim Clownstraining, bei der Diskussion über alternative Formen des Wirtschaftens oder bei der Kritik der derzeitigen Pädagogik. Alle sind eingeladen, abends mitzufeiern!

Seit Ende 2007 steht die Villa leer. Mal sind Arbeitsräume für einen Sonderforschungsbereich geplant, mal heißt es, dass ein exklusive Club für TU-Angehörige entstehen soll. Während im Bildungsstreik die TU-Leitung jammert, das Geld würde knapp, stehen so schöne Gebäude wie die Villa BEL ungenutzt leer. Heute ist damit Schluss!
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Ergänzungen

freiraum behalten! und nutzen

unbekannt 19.06.2009 - 01:41
dieses zuletzt leerstehende gebäude zentral auf dem tu campus zwischen ernst reuter platz und s bahnhof tiergarten ist bis auf weiteres besetzt
es gibt vokü und getränke, filme sowie workshops!
es liegt an euch zu kommen und die besetzung über die erste woche hinaus zu tragen ;)

zum aktuellen Stand

Die üblichen Verdächtigen 19.06.2009 - 07:42

Krawall und Remmidemmi beim Bildungsstreik

:;: 20.06.2009 - 03:15
Bildungsstreik in Berlin: Dachaktion, Uni-Stürmung, Toiliettenpapier, Feueralarm, Studis, Schüler und der graue Block. Spiegel TV versucht einen Einblick in die Proteste - wie gewohnt ideologisch gekonnt zurecht geschnitten.

Video:  http://www.youtube.com/watch?v=yu_WlUHA34w

 http://strassenauszucker.blogsport.de/ &  http://www.bildungsstreik2009.de/ &  http://de.indymedia.org/2009/06/253380.shtml