[Iran] Unruhen nehmen zu
Massendemonstration in Teheran – Laut Polizeiaussage sind derweil 2 Millionen Aufständische (darunter Mir Hussein Mussawi selbst) trotz Verbot des Innenministeriums auf den Straßen der Hauptstadt unterwegs. Die Polizei hält sich wegen der friedlichen Protestform derweil zurück. Die Demonstrationswelle weitet sich auf das ganze Land aus.
Bürgerkrieg - Wochenende in Teheran
Nachdem am Samstag offiziell bekannt gegeben wurde, dass Mahmud Ahmadinedschad die Präsidentschaftswahlen mit einer überwältigenden Mehrheit gewonnen hat, herrschen im Iran bürgerkriegsähnliche Verhältnisse. Aufgebrachte Oppositionelle, meist StudentInnen und Jugendliche, strömten spontan zu Hunderttausenden auf die Straßen Teherans und verliehen ihrer Wut über den angeblichen Wahlbetrug Ausdruck. Teils vermummte DemonstrantInnen lieferten sich heftigen Auseinandersetzungen mit Polizei und paramilitärischen Milizen. Autos, Mülltonnen und Bänke wurden angegriffen, teils in Brand gesetzt. Bis zum gestrigen Sonntagabend wehrte sich die Staatsmacht mit größtenteils willkürlicher Brutalität; Resultat: ca. 180 Festnahmen und unbestätigte Berichte über tote ProtestlerInnen. Des Weiteren stört die Regierung nahezu das gesamte Kommunikationsnetz über Teheran und geht gewaltsam gegen nationale sowie internationale MedienvertrerInnen vor. Mussawi selbst wurde auf den Straßen nicht gesichtet. Es kursierten Gerüchte über eine Verhaftung, diese erwiesen sich allerdings als unwahr.
Das alltägliche Zivilleben ist am Wochenende zumindest in der Hauptstadt völlig unmöglich geworden. In jedem Stadtteil – besonders im Zentrum – patrouillieren teils schwer bewaffnete Einheiten. Doch der Kampf wird nicht ausschließlich zwischen Staatsapparat und Oppositionelle ausgetragen. Seit Ahmadinedschads gestrigen Propaganda-Rede und der anschließenden Siegesdemonstration durch die Brennpunkte der Innenstadt, bewaffnen sich zivile AnhängerInnen des Alt- und Neupräsidenten mit Schlagstöcken und gehen ganz im Zeichen der Prügelperser von ´68 höchstpersönlich gegen die DemonstrantInnen vor. Nahezu alle Wohnhäuser im Zentrum werden von Mussawi-AnhängerInnen als Rückzugsorte genutzt. Die solidarisierenden BewohnerInnen, welche massenweise auf Dächern Parolen gegen Ahmadinedschaf rufen, werden gewaltsam angegangen und teilweise festgenommen.
Illegale Massendemonstration der Oppositionellen
Der auf die Unruhen folgende Montag versprach eine zusätzliche Portion Brisanz ins Geschehen zu bringen. Für heute hatte der angeblich unterlegene Präsidentschaftskandidat nämlich eine Massendemonstration durch Teherans heiß umkämpfte Wali-Asr-Straße angemeldet und die Genehmigung durch den Wächterrat nicht erhalten. Nichtsdestotrotz sammelten sich heute Nachmittag um 16:00 Uhr Ortszeit mehrere Hunderttausende Oppositionelle auf der breiten Hauptstraße zwischen Universität und Parlament. Auf der gesamten Fläche stand wegen des Verbots kein Lautsprecherwagen, dennoch skandierten die ProtestteilnehmerInnen lautstark Parolen gegen Ahmadinedschad. Als sich später zwei stark bewachte Autos zur Menschenmasse bewegten, jubelten die Mussawi-Anhänger ihrem Wunschpräsidenten entgegen. "Wir sind bereit, wieder an einer Präsidentschaftswahl teilzunehmen. Die Wahl des Volkes ist wichtiger als die Person Mussawi oder irgendjemand anders“, verkündete der Ex-Minister.
Noch Stunden nach geplantem Demobeginn strömen ununterbrochen Kleingruppen durch Seitenstraßen zu der Masse. Ein Polizeisprecher nennt die Zahl von 2 Millionen ProtestlerInnen, Augenzeugen vor Ort sowie internationale KorrespodentInnen bestätigen diese Dimension. Momentan hält sich die Polizei, die erneut mit sämtlichen Hundertschaften, Sondereinheiten und Milizen vor Ort vertreten ist, zurück. Der Demonstrationszug begrüßt dies mit den Worten „Danke, Polizei. Danke“. Auch heute schwappt die Proteswelle aus Teheran aufs gesamte Land über. In allen Regionen finden oppositionelle Demonstrationen statt. Das Verhalten der Oppositionellen sowie der Polziei entspricht dem Muster Teherans.
Organisierter Protest soll weitergehen: Generalstreik
Am heutigen Montag setzte der erste organisierte Protest ein. Kräftige Massendemonstrationen im ganzen Land beschäftigen die internationale Presse und verdienen sich auf der Internetseite der britischen BBC den Anhängsel „Top News Story“. Unbestätigten Berichten aus Teheran zufolge ist der nächste Schritt ein nationaler Generalstreik, eventuell schon am morgigen Dienstag. Sowohl im als auch außerhalb des Iran fällt gelegentlich ein Wort, welches das Mullah-Regime mehr als alles andere fürchtet: Enghelab. Revolution.
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Ergänzungen
UPDATE
spiegel online (mit korrespondentin vor ort):
"Eskalation bei der Oppositionsdemonstration in Teheran: Iranische Sicherheitskräfte haben nach Angaben eines AP-Fotografen auf demonstrierende Anhänger des Reformkandidaten Hossein Mussawi geschossen - und mindestens einen Menschen getötet. Auch das iranische Staatsfernsehen berichtete: "Es gab vereinzelt Schüsse da draußen. Ich kann sehen, wie Menschen davonlaufen", sagte ein Reporter des englischsprachigen Senders Press TV."
BBC UK:
"Shots have been fired at a rally in Iran where hundreds of thousands of people were demonstrating against the result of last week's election.
Unconfirmed reports said one protester was killed when security forces opened fire."
Nieder mit der fatalistisch-klerikalen Regierung!
BBC videos
zum anhören: das wesen des iranischen regimes
die audiodatei als mp3 ist auf der homepage der jungen linken zu finden.
follow this link:
Fotos
Revolution
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7 point statement distributed among the protesters in Tehran today:
1. Dismissal of Khamenei for not being a fair leader
2. Dismissal of Ahmadinejad for his illegal acts
3. Temporary appointment of Ayatollah Montazeri as the Supreme Leader
4. Recognition of Mousavi as the President
5. Forming the Cabinet by Mousavi to prepare for revising the Constitution
6. unconditional and immediate release of all political prisoners
7. Dissolution of all organs of repression, public or secret
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mindestens 7 wahrscheinlich mehr Tote
mindestens 7 tote
Tote in der Provinz und Zustand in Knästen
"After fixing the election result demonstration wide spread in the minorities’ area in Iran.
In respond Iranian security service arrested many people on 13th and 14th of June.
Police opened responded by live ammunition in Ahwaz, Kurdistan, Baluchistan and Azerbaijan. In Ahwaz area in Susa city at least 2 people killed and many injured. In Mariwan city in Kurdistan reported that young 2 men shot, in Baluchistan in Zahedan 3 people killed and in Azerbaijan and Ardabil at least 3 people killed during demonstration.
Revolutionary guards and Militia forces like Basij, Ansar Hezb Allah and Ashura Brigade Equipped by chain, knife and guns attacked people.
A.J form Ahwaz told IMHRO that “slogans soon changed toward supreme leader in Iran”,
H. K from Kurdistan said they arrested many people in mid night, they took them from bed”
Reza Washahi IMHRO researcher said “Many minorities did not take apart in election. They just took the opportunity to express their opposition against the system. How ever election in Iran is not meeting international standards of election”."
Human Rights Activists in Iran -
"Sources estimate that at least one thousand demonstrators have been detained in the past few days. Given the space limitations of the Evin prison, these detainees have been brought in through the visitation hall instead of the normal front entrance. The have been taken through the long corridor that leads to Section 240 of Evin prison.
Human Rights Activists News Agency reports that hundreds of protestors detained in the recent riots have been transferred to Evin and Kahrizak prisons. Reliable sources have reported the number of detainees to be in the hundreds and some have estimated over one thousand. Given the space limitations of the Evin prison, the detainees have been brought in from a side entrance that normally leads to the visitation hall and taken through a long corridor to Section 240 of the prison.
Eyewitnesses report that most detainees had the name "Moussavi" written on their shirts using red or green ink and many have multiple signs of bodily injury from clashes with the authorities. Due to limitations in space, multiple detainees are kept in each small cell in Section 240 and some in Section 209. They are denied visitation and telephone rights, access to healthcare, and meals on a regular basis.
Several other detainees are also being held in the notorious Kahrizak prison. This remote location has the unfortunate history of prisoner mistreatment and harassment and dire conditions during a previous operation to eradicate "street thugs" that led to the loss of lives of several prisoners. There is grave concern regarding the condition of the recent detainees in the Kahrizak facility because of its dark history and the lack of information and transparency"
Bilder von den Protesten
Das Ereignis in den israelischen Medien
Schlagzeilen zwischen Hoffnung und Skepsis
Die Massenkundgebungen im Iran schlagen auch in Israel hohe Wellen. Die Einschätzung der Medien im Land liegen zwischen Anerkennung für die Demonstranten und Skepsis darüber, ob das israelfeindliche Regime unter Präsident Ahmadinedschad durch die Kundgebungen zu Fall gebracht werden kann.
Weiterlesen auf:
Iran und der Wahlkampf in Dtl.
Ausserdem: "Im Iran gehen die Proteste weiter. Unterdessen macht Barack Obama deutlich, dass er Mussawi für ebenso gefährlich hält wie Ahmadinedschad ... Es sei wichtig zu verstehen, "dass der Unterschied zwischen Ahmadinedschad und Mussawi in Fragen ihrer tatsächlichen Politik nicht so groß sein dürfte wie dargestellt", so Obama weiter."
@Hans
die meisten nachrichten kommen aus tehran, weil es dort kommunikationswege nach aussen gibt. im moment ist eine strikte nachrichten- und kommunikationsblockade verhängt. daher sind nachrichten aus anderen regionen sehr vage, z.b. proteste aus qom und esfahan. zudem lief auch kurz vorher eine repressionswelle gegen die belutschen (grenze zu Pakistan) und in den konservativen hochburgen mashad und yazd gegen "unmoralische handlungen" oder "beleidigung des islams" an (in der brd nennt man dies beleidigung des staates und seiner organe oder wahlweise bildung einer terroristischen vereinigung, in der türkei beleidigung des türkentums und in england schlicht hochverrat -- alles eben gummiparagraphen für die repression).
deutsche nachrichten findest du hier, z.b. zu Tabriz
weitere infos noch hier
deutsch:
englisch
weitere nachrichtenkanäle siehe meine nachricht oben
Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen
Etwas Bewegung tut Not... — riotqueer
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von wegen scheiss drauf, revolution! — dan
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junge Welt vom 15.06.2009 — Kosi
Revolutionen als Pflanze der Reflektion — Buchhalterinnen
Nachfrage — Hans
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Heute Demonstration in Berlin — Name
Quellen zur Demo? — -
SOLI-DEMO in KÖLN — Sayid Jarrah