Nichts Neues beim Umweltfestival in Berlin

buju-freak 08.06.2009 01:41 Themen: Ökologie
Das diesjährige Umweltfestival mit Fahrradsternfahrt am 7. Juni fiel wegen schlechtem Wetter deutlich kleiner aus. Aber weder der Regen noch das Sponsoring durch Erdgas- und Tetrapak-Lobby war das Hauptproblem dieser Großveranstaltung zwischen Ökokommerz und Umweltinitiativen. Es war das Fehlen von offenen, öffentlichen Debatten.
Am Sonntag fand in Berlin die traditionelle Fahrrad-Sternfahrt und das Umweltfestival statt, wo sich Umweltverbände und -firmen der Bevölkerung präsentieren. Allerdings fuhren dieses Jahr statt 250'000 Radler_innen weniger als 100'000 zum Brandenburger Tor, wahrscheinlich vor allem wegen dem Regen am Vormittag.

Das Umweltfestival war in den letzten Jahren immer größer, aber auch immer kommerzieller geworden. Der Gipfel war das Festival vor 4 Jahren, das von dem Energiekonzern EnBW gesponsert wurde. Zwar wurde das nach Protesten gestoppt ...
 http://de.indymedia.org/2006/05/147931.shtml

Dafür wurde das Logo des Veranstalters Grüne Liga diesmal eingerahmt von der Werbung des regionalen Erdgas-Unternehmens Gasag und des Tetrapak-Lobbyvereins FKN (www.getraenkekarton.de). Damit nicht genug, durften sich die Sponsoren auch noch auf der Bühne vor dem Brandenburger Tor präsentieren, einschließlich des Bundesumweltministers Gabriel. Während der FKN-Chef Prof. Vogtmann (nebenbei Vizepräsident beim Umweltdachverband DNR) die Vorzüge von Tetrapacks gegenüber Mehrwegflaschen lobte, sagte Gabriel immerhin, dass Klimaschutz nicht funktioniert, wenn Arme und Reiche dasselbe dafür bezahlen sollen.

Das konnten die Besucher_innen dann gleich an den zahlreichen Ständen testen, wo alle möglichen und unmöglichen Öko- und Pseudo-Ökowaren im Angebot waren. Erdgasautos und Carsharing waren mit großen Ständen vertreten, so dass man gleich am Anfang über mehrere ausgestellte Autos fiel. Teure Fahrräder und nutzloser Esoterikkram waren ebenso im Angebot wie Infos von fitten Initiativen gegen Gentechnik und für Saatgutvielfalt oder für autofreies Leben. Allerdings fehlte auch die mit einer rechten Psychosekte verbandelte "Initiative zur Abschaffung der Jagd" nicht.

Die in Berlin überwiegend linksliberale Presse schrieb wie immer nette Gefälligkeitsartikel, nur die Springer-Morgenpost titelte ungewollt treffend: "Öko-Wurst statt Umweltpolitik".

Fazit: Wie jedes Jahr bekamen viele Menschen an diesem Tag zum ersten Mal mit, dass bestimmte Umweltprobleme überhaupt existieren und dass man dagegen etwas tun kann und muss. Gegenüber dem vermittelten Eindruck, dass es bei der Weltrettung vor allem auf richtiges Kauf- und Wahl-Verhalten ankommt, blieb das Publikum zwar skeptisch. Sicher gab es an einzelnen Ständen auch mal spannende Diskussionen. Letztlich nahmen die meisten aber keine Anregungen zum Selberdenken und -handeln mit, sondern wieder nur bunte Prospekte, die bald in der Tonne landen. Natürlich in der richtigen.
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Ergänzungen

Vogtmann ist nicht mehr FKN-Chef

abfallgut 16.09.2009 - 21:38
... schon seit dem Sommer nicht mehr:
 http://www.getraenkekarton.de/01_seiten/page.php?nid=29

Angeblich soll er versucht haben, der Tetrapaklobby die nachhaltige Holzwirtschaft schmackhaft zu machen (ja, Tetrapacks werden aus Bäumen gemacht!), aber ohne Erfolg.

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