Der Schulsstreik rückt näher

Uli der Fehlerteufel 31.05.2009 18:03 Themen: Bildung Soziale Kämpfe
Während verschiedene Bündnisse für den 15. bis 19. Juni 2009 zu einem bundesweiten Bildungsstreik aufrufen, warnt die CDU- und CSU-nahe Schülerorganisation „Schüler Union“ vor sinnloser Gewalt und Zuständen wie 1968. Dabei ist die „Schüler Union“ gerade als Gegenopposition zur damaligen Studentenbewegung entstanden, so schreib die FAZ am 16. Dezember 1974: "Die stürmischen Erfolge der Schüler-Union bei den Pennälern landauf, landab haben die Linke in Angst und Wut versetzt."
„Dienstleister für Schüler und insbesondere Schülervertretungen“

Mit strahlend weißen Zähnen - wie für eine Zahnpastafirma, frisch gekämmten Frisuren und sauberen Klamotten stellen sich die Mitglieder der „Schüler Union“ auf ihrer Internetpräsenz vor. Die Organisation agiert als bundesweite politische Interessenvertretung der Schülerinnen und Schüler. Sie wurde 1972 gegründet, um dem Links-Ruck unter Schülern und Lehrern entgegenzutreten, wie sie selbst angibt. Heute versteht sich die Union als „Dienstleister für Schüler und insbesondere Schülervertretungen“. Die Schüler Union ist die einzige politische Schülerorganisation, die sich ausdrücklich zum gegliederten Schulsystem bestehend aus Haupt- und Realschule sowie dem Gymnasium bekennt. Der Bundesvorsitzende Younes Ouaqasse - selbst mit Migrationshintergrund und bekennender Muslim, lehnt islamischen Religionsunterricht an deutschen Schulen jedoch strikt ab.


Von pseudo-demokratischen Organisationen und offener Ignoranz

In einer Presserklärung der „Schüler Union“ heißt es: „Verschiedene linke Gremien rufen gemeinsam mit pseudo-demokratischen Organisationen Schüler und Studenten dazu auf, den Unterricht bzw. die Vorlesung zu schwänzen, um Banken zu blockieren und Straßen zu besetzen.“ Der Bundesvorsitzende geht sogar noch weiter und fordert ein „hartes Einschreiten der Polizei!“ Die demokratischen Parteien müssten die Schüler aufklären und ihnen zeigen, dass man mit Gewalt die Probleme unseres Landes nicht lösen kann. In der Presseerklärung bezieht sich die „Schüler Union“ vor allem auf die Verwüstung der Humbold Universität in Berlin. Doch weder das Schulaction Bündnis, noch irgend eine andere Organisation hatte damals zu solch einer Aktion aufgerufen. Im restlichen Bundsgebiet blieb der Schulstreik mit vielen tausend Teilnehmern friedlich. Die „Schüler Union“ sieht sich jedoch als einzige Schülerorganisation, die den Streik entschieden ablehnt. Auf Bundesebene gliedert sich die Schüler Union als Arbeitskreis in die Junge Union Deutschland ein. Die einzelnen Landesverbände sind teils Arbeitsgemeinschaften der Jungen Union, teils eigenständige Vereinigungen.


Die Beschwörung von Chaos und Zerstörung

Der „Schüler Union“ nach sollen Banken besetzt werden, es sei nur eine Frage der Zeit, bis Autos „wie in Frankreich“ brennen. Tatsächlich ruft das Schulstreik Bündnis unter dem Motto „Geld für freie Bildung statt für Banken” zu einem sogenannten „Banküberfall“ auf. Weiter heißt es in deren Presserklärung: „Um unserer Forderung Nachdruck zu verleihen, werden wir an vielen Orten und Städten einen symbolischen Banküberfall veranstalten. Bundesweit und dezentral rücken wir den Profiteuren auf die Pelle, diesmal bleibt es aber noch niedrigschwellig und symbolisch.“ Die „Schüler Union“ setzt die Aktion jedoch umgehend mit einer Randale Aktion und sinnloser Zerstörung gleich. Das Schulstreik Bündnis erklärt weiter: “Wir klauen nichts, werden aber das Bankgeschäft real blockieren(...) Geld für Bildung statt für Banken“. In der „Schüler Union waren übriges am Anfang ihrer Karriere auch schon Köpfe wie Roland Koch, Christian Wulff, oder Ronald Pofalla.


Für ein Leben weitab der derzeitigen Verwertungslogik

Schüler sollen angeblich wichtig sein für die Zukunft eines Landes. Der Arbeitskreis Schulstreik ist allerdings der Ansicht, dass die Landesregierung nicht genug tut. Sie errichte stattdessen Bildungsblockaden, so die Sprecher des Bündnisses. Das Bündnis fordert unter anderem die Abschaffung jeglicher Bildungsgebühren. „Wir werden in ganz Deutschland mit scharfen Protesten auf die Missstände und katastrophalen Veränderungen im Bildungssystem aufmerksam machen”, heißt es von Tobias Schumann vom Presseteam des Bildungsstreiks. Das Unterstützernetzwerk wächst, im Internet gibt es Foren, auf Unigeländen werden Faltblätter verteilt. Die „Schüler Union“ ist im Gegensatz zu dem Bündnis für den Schulstreik marktwirtschaftlich orientiert, für sie heißt das laut einer Presserklärung vom 06.12.2008: (...)„dass das Unternehmertum und unternehmerisches Denken Einzug in den Unterricht und die Schulbücher erhalten. Zudem muss ein positives Bild von der Sozialen Marktwirtschaft vermittelt werden.“


Kein politisches Streikrecht

Das Bündnis Bildungsblockaden spricht sich explizit gegen einen alleinigen Nutzen von Bildung im Sinne der Wirtschaft aus. Von Beginn an werde versucht die Bildung darauf auszurichten später für die Wirtschaft verwertbar zu sein. Bildung werde kommerzialisiert und Wissen nur zur Verwertung und zur Herstellung von Reichtum von anderen angeboten, das zeige sich nicht zuletzt an der faktischen Abschaffung von geisteswissenschaftlichen Fakultäten oder an der Fächerauswahl in Schulen ( http://de.indymedia.org/2009/05/251944.shtml). Der Sprecher des NRW-Schulministerium Thomas Breuer sagte dazu: „Seine Meinung kund zu tun ist begrüßenswert, aber nicht in dieser Form, die angekündigt wird. Schüler haben sowieso kein politisches Streikrecht, und wenn sie vom Unterricht fernbleiben, gilt dies als unentschuldigte Fehlstunde.” Allerdings kann für Arbetnehmer die Beteiligung an einem nicht von einer Gewerkschaft durchgeführten Streik Schadensersatzforderungen auslösen und/oder als Kündigungsgrund dienen. Letzteres dürfte für die Schüler jedoch unrealistisch sein.
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Ergänzungen

Apropos Wut

Hotte 31.05.2009 - 21:53

Internationale Aktionswoche für Bildung

unautorisierter Schreiberling 31.05.2009 - 22:27

Bildungsstreik Clip

Video 01.06.2009 - 12:08
Bildungsstreik Mobilisierungsclip:

normale Qualität:  http://www.youtube.com/watch?v=L1RIFbTAct0

hohe Qualität:  http://www.youtube.com/watch?v=L1RIFbTAct0&fmt=18

HD-Qualität:  http://www.youtube.com/watch?v=L1RIFbTAct0=22

breite Akzeptanz: Unterstützung durch Grüne

x 01.06.2009 - 15:52
aus der neuen Osnabrücker zeitung entnehme ich dass die lokale Bundestagskandidatin der Grünen, Dorothea Steiner den Schulstreik untersützt. Von Beruf lehrerin erklärte sie in einer Podiumsdiskussion in einer Schule, es dürfe nicht mit unentschuldigt Fehlen usw gegen die Schüler vorgegangen werden.

Der Streik sei ein legitimes Mittel, "wie anders sollten Schüler ihr Anliegen deutlih machen, um auch ghrört zu werden".

Bundesweiter Bildungsstreik 2009:ver.diCampus

Verdi Campus 01.06.2009 - 19:02

Weltweite Bildungsproteste 2009

Mo 02.06.2009 - 11:16

Radiobeitrag

Radio Corax 02.06.2009 - 11:18

Hannover: Proteste am Landtag

Observer 02.06.2009 - 16:59
Rund 500 Schüler, Eltern und Lehrer haben am Dienstag in Hannover rund um den Landtag gegen das von der Koalition geplante Schulgesetz demonstriert. Die Gegner der Reformpläne zogen unter Berücksichtigung der Bannmeile um das Parlamentsgebäude, wo zeitgleich der Kultusausschuss über den umstrittenen Gesetzentwurf von CDU und FDP beriet. An der Marktkirche fand eine Abschlusskundgebung statt.

Die Regierungsfraktionen wollen das Schulgesetz in zwei Wochen im Landtag verabschieden. Ziel ist die Sicherstellung der Unterrichtsversorgung, die vor allem wegen Lehrermangels gefährdet ist. Zu den Kernpunkten der Gesetzesnovelle gehört die umstrittene Einführung des «Turbo-Abiturs» nach zwölf Jahren auch an Gesamtschulen.

Diese stößt bei Bildungsverbänden sowie Lehrern und Schülern größtenteils auf Ablehnung. Kritisiert wird zudem die formale Vorgehensweise der Regierungsfraktionen. Aus Sicht der Reformgegner wurde die Novelle überstürzt in den Landtag eingebracht und Kritikern kaum Zeit zur Bewertung und Stellungnahme gegeben. CDU und FDP sehen Verbände, Opposition und Bevölkerung ausreichend über ihre Pläne informiert.

Rettungspaket für Studierende gefordert

Radio Corax 02.06.2009 - 22:13
Am letzten Wochenende tagte Die Linke SDS in Potsdam. Die Linke SDS gibt es seit zwei jahren und heiißt soviel wie Sozialistisch-Demokratischer Studierendenverband. An knapp 50 Hochschulen in der Republik kann man Gruppen dieser Studierendenvereinigung finden.

Interview:  http://www.freie-radios.net/portal/content.php?id=28298

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

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Wenn Dummheit weh täte...

REDAKTION STATTZEITUNG 31.05.2009 - 21:45
...höbe sich aus dem zu erwartenden Schmerzgeheul an allen Orten der Bundesrepublik noch immer die Stimme der Führung von Schüler-Union schrill ab vom Rest.

Man stelle sich eine beliebige Vereinigung vor, die bei bloßer Streikankündigung schon erschüttert in Tränen ausbricht und vor Teilnahme warnt. Ebenso eine beliebige Arbeiterorganisation, wie rechts sie auch sein mag, die Streik-Inbegriff des Kampfes ohne Zugriff auf den Leib des anderen- von vornherein als Gewalt-Tat hinstellt.

Beides gelingt der Schüler-Union mühelos. Winzige Miss-Stände erkennt sie im Bildungssystem ja durchaus an- aber die regelt sie vertraulich im Gespräch mit den Schulämtern.

Man möchte gern wissen, was die angeblichen Tausende Mitglieder von solchem Geblöke der Führung halten. Und wie dankbar sie sich zeigen werden, wenn die Polizei der Aufforderung: -FESTE HAUEN- wie üblich ohne Ansehen der Person nachkommt.

Wenn man mal ehrlich ist

Lehrer 01.06.2009 - 12:09

...dann ist doch beim letzten Schulstreik außer Unterrichtsausfall und Randale (außer Potsdam z.B. noch in Hannover) nicht viel bei rumgekommen. Warum?
Weil es den Schulen und Lehrern im Gegensatz zu Arbeitgebern relativ schnuppe ist, wenn mal ein-zwei Tage lang kein Unterricht ist. Die Leidtragenden sind in dem Fall doch nur die Schüler.

Kern des Problems dürfte doch sein, dass die paar Bilder, die jeden Tag in der Tagesschau von irgendeiner Demo zur irgendeinem Thema in Berlin berichten man doch auch nach zwei Minuten wieder vergessen hat. Also erregen nur noch extrem große Demos am besten an vielen Orten und aufsehenerregende Aktionsformen Aufsehen.

Das legt den Verdacht nahe, dass die (z.T sehr jungen) Schüler als "Demovieh" missbraucht werden um diese Ziele zu erreichen und erlaubt schon die kritische Frage inwiefern die Kinder und Jugendliche da wirklich hinter stehen oder ob sie bloß froh über Freistunde und Action sind. Die Inhalte kommen werden ihnen von den (sehr links orientierten) Studenten vorgelegt und es wird ihnen suggeriert ihr Protest hätte irgendeine Wirkung.
Außerdem kann mir keiner Erzählen, dass auf diesem Wege nicht auch eine gewisse Militanz erzeugt wird. Auch wenn davon nichts in der Pressemitteilung steht, ist es doch bei vielen Demos einfach bei vielen Teilnehmern Konsens, dass es auch "ordentlich krachen" muss.

SchülerInnen stehen hinter dem Bildungsstreik

SchülerIn 01.06.2009 - 15:02
Seit mehreren Jahren streiken SchülerInnen schon für bessere Bildung, so gab es in Berlin bereits seit 2006 regelmäßige Schulstreiks mit tausenden TeilnehmernInnen. Die Streiks, die in gewisser Weise die Vorläufer zum Bildungsstreik (sogar das schwarz-gelbe Layout wurde übernommen) sind, zumindest in Berlin, völlig ohne StudentenInnen aus den Schulen heraus entstanden. Von einer Manipulation durch StudentInnen zu sprechen ist also absolut absurd.

Auch wenn manche SchülerInnen nur Schule verpassen wollen, sind die Demos absolut legitim und notwendig. Man sollte sich lieber fragen, warum so viele SchülerInnen keine Lust haben in die Schule zu gehen. Aber am schlechten Schulsystem liegt das bestimmt nicht...

Das "Krachen" auf den Demonstrationen liegt meistens eher am äußerst aggressiven Verhalten der Polizei und der Schulleitungen (es wurden schon Notausgänge versperrt und SchülerInnen zusammengeschlagen um ihre Teilnahme am Streik zu verhindern). Man sollte sich nicht immer gleich auf das Niveau von Schülerunion und Spiegel-TV begeben.

@ Lehrer

Zedi 01.06.2009 - 22:21
Das mit dem "krachen muss" ist totaler Käse, wieso sollten sich Menschen, die im übrige nicht nur "linke Studenten" sind, überhaupt sonst Gedanken machen. Da Randale in keiner Presemitteilung steht und es auch keinen Bekennerbrief von irgend welchen Splitterorganisationen gibt, kannst du der Organisation nicht einfach "Randalelust" unterstellen. Wir haben letztes Jahr sehr selbstbewusste SchülerInnen gesehen, auch in den Medien und die Debatte war für mindestens eine Woche in Gesellschaft und Politik.

@ Lehrer

Autonom 02.06.2009 - 21:40
Meiner Erfahrung nach ist das Bild vom "linken Studenten" deutlich weniger zutreffend als das des linken Schülers. Im Allgemeinen scheinen mir die SchülerInnenvertretungen deutlich links(radikaler) als die meisten Asten.
Und über die Wirksamkeit von Demos lässt sich streiten, denn sie wirkt eben nicht nur über Medienberichte. Tatsächlich sind die mir meist eher viert- bis fünftrangig. Wichtiger ist die direkte Wirkung in der Umgebung und die Politisierungswirkung auf die Beteiligten, denn auf der Demo kann auch den Teilnehmern Wissen vermittelt werden bzw. Debatten geführt werden oder Erfahrungen durch den/die EinzelneN gesammelt werden. Und wenn das "krachen" von den Teilnehmern schon eingeplant wird dann ist das durchaus legitim in meinen Augen, denn es ist ja nunmal so dass in einer Marktwirtschaft vor allem dann Druck aufgebaut wird, wenn es ordentlich Geld kostet die Menschen zu ignorieren - und den meisten "Chaoten" ist genau dies sehr gut bewusst, weswegen auch sehr genau hingesehen wird, was kaputt geht (nicht der Dönerladen sondern die MacD-Filiale, nicht der Kiosk sondern die Bank oder das Staatseigentum) Mir ist irgedein Ding weit weniger wert als Gerechtigkeit (in diesem Fall gerechte und selbstbestimmte Bildung für alle). Das würde sich auch aus ihrer eigenen Argumentation, werter Lehrer, ergeben, wenn sie denn so weit denken würden.