Anti-Islam-Kongress als peinliches Desaster

Antifaschistische Organisation Wipperfürth 09.05.2009 21:14 Themen: Antifa
150 Teilnehmer nahmen an der heutigen Hauptkundgebung des Anti-Islam-Kongresses auf dem Barmer Platz teil - und damit über satte tausend Personen weniger, als sich "pro Köln" erhofft hatte. Auf der Gegenseite protestierten neben den etwa 100 Antifaschisten, die es auf den Barmer Platz geschafft hatten und lautstark die rassistischen Propagandaversuche der pro-Bewegung eindämmten, zeitweise bis zu 3.000 Gegendemonstranten gegen den rechtsextremen Kongress. Der Polizeieinsatz war dazu zu jeder Zeit und an allen Orten übertrieben strikt und stand in keinem Verhältnis zum friedlichen Verlauf der Gegenaktionen.
Um kurz vor 9 Uhr geht es an den Bahnhöfen in der Kölner Umgebung los: pro-Köln-Mitglieder und deren Anhänger trudeln unter starkem Polizeischutz ein, um sich mit dem Nahverkehr auf den Weg nach Köln-Deutz zu machen. Schwerpunkte sind Leverkusen als Treffpunkt für die Funktionäre und offiziellen Gäste der pro-Bewegung sowie Siegburg als öffentlicher Sammelpunkt für die "zahlreichen" Teilnehmer an der Hauptkundgebung. Währenddessen sind die beiden Schleusen, die zum Barmer Platz führen, stark frequentiert - Gegendemonstranten werden mal mit mehr, mal mit weniger Kontrollen durchgelassen, so dass sich gegen 9.30 Uhr etwa 150 Antifaschisten auf dem Platz befinden.

Um 10 Uhr beginnt die "offizielle" Gegendemonstration der Initiative "Köln stellt sich quer" auf dem Heumarkt. Unter anderem sprechen dort der Kölner OB Fritz Schramma, der Grünen-Politiker Reinhard Bütikofer sowie der Kabarettist Jürgen Becker. Anschließend zieht der Demonstrationszug vom Heumarkt über die Deutzer Brücke zur Kreuzung vor dem Deutzer Bahnhof, wo sich bereits die DGB-Gewerkschaftsjugend postiert hat. Unterdessen haben es Antifaschisten am Bahnhof Ehrenfeld geschafft, die Gleise zu blockieren und so einen Zug aus Aachen, in dem mehrere Rechte sitzen, aufzuhalten. Auf dem Barmer Platz selbst hat inzwischen die Kundgebung begonnen. Die Stimmung ist aggressiv; immer wieder kommt es zu Angriffen von zumeist jugendlichen pro-Köln-Ordnern auf Gegendemonstranten. Gegen 10.30 Uhr kommt der Zug aus Aachen am Deutzer Bahnhof an, jedoch hat sich dort eine Sitzblockade gebildet, die die 30 Rechten zunächst am Zugang auf den Barmer Platz hindert.

So dümpelt die Anti-Islam-Kundgebung bedeutungslos vor sich hin, ohne dass auch nur ein einziger "interessierter Bürger" etwas von den dort geäußerten Verbalattacken auf Muslime und Immigranten mitbekommen haben dürfte. Die tatsächlichen Kölner befinden sich nicht - wie von "pro Köln" erhofft - auf dem Barmer Platz, sondern auf der Gegendemonstration zwischen dem Deutzer Bahnhof und dem Kölnturm, wo bei Livemusik getanzt und gelacht wird. Nicht ganz so friedlich ist die Situation dagegen bei der pro-Bewegung: Die Gemüter sind erhitzt und so lässt es sich der pro-Deutschland-Vorsitzende und frühere NPD-Aktivist Manfred Rouhs es sich nach unbestätigten Berichten nicht nehmen, eine junge Antifaschistin tätlich anzugreifen. Das Mädchen hat mittlerweile Anzeige erstattet; Fotomaterial von der Tat ist vorhanden. In Folge der höchst blamablen Vorstellung, von der die Hauptkundgebung gezeichnet ist, wird die Versammlung von "pro Köln" bereits um 12.30 Uhr aufgelöst. Deren Anhänger und Mitglieder fahren daraufhin unmittelbar nach Ende der Veranstaltung um kurz nach 13 Uhr mit der Bahn nach Leverkusen, um dort den Heimweg anzutreten.

Wie nicht anders zu erwarten, beschreibt die pro-Bewegung die vollkommen gescheiterte Veranstaltung als "phänomenalen Erfolg" sowie als "historische Stunde". Es seien 1.000 Besucher auf dem Barmer Platz gewesen; die Kundgebung sei wie geplant um 13.30 Uhr (!) beendet worden. Wieder einmal ein Zeichen dafür, dass "pro Köln" noch nicht einmal ansatzweise als "Partei" als solches gesehen werden sollte, sondern einfach als nicht ernstzunehmende rechtsextreme Gruppierung, vor der die Öffentlichkeit beschützt werden muss. Die pro-Bewegung stand heute im Schatten ihrer selbst - das sollte spätestens seit dem Mittag auch dem letzten pro-Köln-Anhänger unter der Voraussetzung eines zumindest einigermaßen uneingeschränkten Denkvermögens klar geworden sein.

Alles in allem war - wie auch schon im letzten Jahr - der antifaschistische Gegenprotest überragend und "pro Köln" konnte dementsprechend gebührend in die Schranken verwiesen werden. Das erbärmliche Häufchen Elend, das sich am Vormittag auf dem Barmer Platz versammelte, ist ein deutliches Indiz dafür, dass die rassistischen Ideologien des Rechtspopulismus in der Bevölkerung noch immer nicht mehrheitsfähig sind und Rechtsextremisten wie "pro Köln" noch immer öffentlich geächtet werden. Damit dies auch in Zukunft so bleibt, erfordert es die Anstrengung aller antifaschistisch eingestellten Menschen, sich gegen perverse Subjekte dieser Art zu wehren und seine Mitmenschen dazu aufzufordern, es ihnen gleich zu tun. Denn nichts ist ein katastrophaleres Horror-Szenario als ein Déjà-Vu, welches das Deutschland in den 30er Jahren beinhaltet. Heute wurde ein weiterer Schritt getan, um dies zu verhindern. Eine weitere Gelegenheit dazu bietet sich bereits am morgigen Sonntag, wenn um in Bergheim um 12 Uhr die Abschlusskundgebung von "pro NRW" auf dem Hubert-Rheinfeld-Platz stattfinden soll.
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Ergänzungen

Bilder...

Zedi 09.05.2009 - 22:27
...von der peinlichen Naziveranstaltung

Kein Grund zum Abfeiern!

Anarcho 09.05.2009 - 22:47
Wäre das vernünftige Konzept  http://www.hingegangen.mobi heute umgesetzt worden, wäre es tatsächlich möglich gewesen diese Veranstaltung zu be-, wenn nicht sogar zu verhindern.

Als es etwas ernster wurde auf dem Platz, zeigten sich die zumeist jugendlichen Pro-Köln OrdernInnen recht unerfahren und überfordert. (Leider auch die eigenen Leute)

Da kam doch schnell, bei den wenigen Leuten von uns auf den Platz eine ziemliche Unruhe auf. Die Polizei musst dann auch schnell Amtshilfe leisten. Interessanterweise wurden sie von Pro Köln zur Hilfe gerufen, mit den Worten "Dies ist eine Saalveranstaltung. Wir machen von unserem Hausrecht Gebrauch" Spätestens da war dann Schluss mit dem angeblichen Recht auf freie Meinungskundgebung bei einer öffentlichen Veranstaltung. (siehe hierzu den Anhang)

Bei geschickterem Vorgehen (entsprechende Kleidung, echtes Bemühnen auf den Kundgebungsplatz zu kommen, sich zunächst zurückzuhalten, Stören, dann wieder Ruhephasen, bei genug Leuten entsprechend Radau) könnnten wir jetzt gemeinsam unsere erfolgreichen Gegenproteste hier abfeiern.

Es wäre sehr schwer geworden, wenn sich mehr von uns auf den Platz verteilt hätten und dann gemeinsam unser Missfallen bekundet hätten. Die Ordner Hansels und die gerade mal 200 SympathisantInnen von Pro - Köln hätten wenig Freude gehabt!



So bleibt ein gewisser Frust!

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Ach ja, wieder hat die Polizei eklatant gegen demokratisches Recht verstoßen, aber das ist auch nichts Neues. Sie betätigte sich die meiste Zeit als professionellerer Ordnungsdienst von Pro Köln.


Zitat auf der Webseite der Polizei:

Darf man an den Veranstaltungen der pro-Bewegungen unmittelbar teilnehmen und dort seinen Protest artikulieren?

Das Bundesverfassungsgericht hat klargestellt: „Das Grundrecht der Versammlungsfreiheit schützt auch nicht nur solche Teilnehmer, die die Ziele der Versammlung oder die dort vertretenen Meinungen billigen, sondern kommt auch ebenso denjenigen zugute, die ihnen kritisch oder ablehnend gegenüberstehen und dies in der Versammlung zum Ausdruck bringen wollen. Beteiligung erlaubt auch Widerspruch und Protest.(...)



Cosmo TV im WDR am Sonntag

Teilnehmer an den Gegenaktionen 10.05.2009 - 03:49

Zu den OrdnerInnen, zum Wap Ticker usw.

Anarcho 10.05.2009 - 05:22
Die jugendlichen OrdnerInnen war älter als 14, eher so 16 bis 17 Jahre alt. Furchteinflößend waren sie jedenfalls nicht, dennoch sind sie recht gewaltätig aufgetreten, kamen aber auch an Grenzen.

Zu schreiben die Polizei wäre entspannt gewesen, kann ich nicht nachvollziehen, weil sie tatsächlich als Hilftrupp der Pro-Kölner agierten. Vorher großspurig auf eine Entscheidung des Bundesverfassungsgereichts "Meinungsäußerung gegen die Veranstaltung wären vom Grundgesetzt gedeckt" und dann bei jedem Hilferuf der OrdnerInnen sich einzumischen, auf Pro Köln Seite verstößt dann wohl tatsächlich gegen demokratische Grundregelen. Meistens ging es gegen Menschen die nur ihren Willen lautstark bekundeten ein Zwischenruf reicht da schon aus.

Wer sich geschickt anstellte, brauchte keinen Ticker, in Einzelgruppen oder Einzelperson wäre ein Durchkommen möglich. Rechtzeitig kommen und sich unter Pro Köln zu mischen und sich entsprechend tarnen wäre wohl für mehr Menschen möglich gewesen. Nun ist es aber so, dass nicht alle Antifas das Konzept "hingehen, abbrechen" unterstützt haben und die Umsetzung auf den Platz sehr zu wünschen übrig lässt. Dort waren dann recht unerfahrene Leute, die sich aber sehr engangiert eingesetzt haben.

Bei mehr Selbstdisziplin und engangierten Auftreten wäre viel möglich gewesen, ich bleib dabei!

Köln News

antifa.sozialbetrug 10.05.2009 - 11:41

Veräppelt ohne Ende

Lillifee 10.05.2009 - 11:44
an der Stelle, an der ich war (irgendwo am Bahnhof Deutz, genaueres weiß ich leider nicht, da ich nicht aus Köln komme und das sehr verwirrend fand, vielleicht kann das jemand ergänzen), hieß es erst von Seiten der Polizei, wir sollten uns anstellen, dann kämen wir rein. Das war aber leider pure Verarschung. Als dann alle standen, stellten sich neben uns Bullen auf und es wurden Faschos durchgeschleust. Wir kamen aber nicht rein. Wundert aber auch nicht, da gegen die Faschos angeschrien wurde. Das verstehe ich ja einerseits, andererseits muss man doch nicht annehmen, dass man dann noch auf die Veranstaltung reingelassen wird. Aber wahrscheinlich wären wir eh nicht reingekommen.
Dann hieß es irgendwann mal, wir seien eine Versammlung, diese müsse jetzt aufgelöst werden. Ich persönlich fand das echt komplett daneben, erst muss ich mich anstellen, dann bin ich plötzlich in einer Versammlung. Kann mir das demnächst auch vor dem Kino passieren, oder wie???
Der Aufforderung, den Platz zu verlassen, sind leider sehr viele Menschen gefolgt, ziemlich bald waren alle hinter uns weg. Rückblickend muss ich sagen, dass wir uns viel zu sehr auf das verlassen haben, was die Polizei im Vorfeld und während der Veranstaltung gesagt hat. Immer wieder wurden Leute vertröstet, bis fast zum Schluss hieß es, bitte warten, gleich werden wieder Leute eingeschleust, dann könne man mit.
Wohler würde ich mich heute fühlen, wenn wir als Gruppe den Zugang für die Faschos schon viel früher blockiert hätten. Oder wenn wir es wenigstens energischer, als ganze Gruppe, versucht hätten, durch zu kommen. Eigentlich hätte uns schon früher klar sein müssen, dass wir da nicht reinkommen und dass wir von den Bullen verarscht werden.
Ich habe mich ziemlich machtlos gefühlt, besser ging es mir aber nachdem ich mal auf die Treppe gestiegen war und gesehen hatte, dass die Faschos echt ein kümmerlicher Haufen waren! Von der Treppe mussten wir aber leider dann auch weg und wir wurden ja auch immer wieder aus dem Bahnhof vertrieben. Auch wieder Taktik der Bullen, damit die Faschos abreisen konnten.
Konstruktive Kritik: von Seiten der Organisatoren der Gegenbewegung hätten mehr Leute an den Schleusen präsent sein müssen.
Ein so zusammen gewürfelter Haufen wie wir es waren, hätte Organisation gebraucht. Das lief im September eindeutig besser.
Zumal man irgendwie auch nie wissen konnte, wer da so um einen rum stand. Manche hatten sich ja ganz gut als Faschos verkleidet :) Zwischen uns stand sogar ein ganz echter Fascho, der sich dann schnell den durchgeschleusten angeschlossen hat. Mit dicker Deutschlandfahne im Rucksack. Pfui Teufel!

Video

Ichbins 10.05.2009 - 13:02
Hier mal ein Video, auf dem man mal etwas davon sieht, wie die Ordner vorgehen...

 http://express.motionet.de/index.yum?activeVideoID=2652

Allein gegen "Pro Köln"

Antifaschist 10.05.2009 - 14:58
Ca. 100 bis 200 Antirassisten schafften es auf den Barmer Platz und protestierten dort lautstark. Sie wurden schließlich von der Polizei abgedrängt, konnten aber abgetrennt durch die Polizei auf dem Barmer Platz bleiben und weiter protestieren.

Als danach der Vertreter von Vlaams Belang anfing zu reden, protestierte eine einzelne Antirassistin direkt vor der Bühne - zuerst mit einem Anti-Pro-NRW-T-Shirt und dann mit einer Antifa-Fahne - gegen die rassistische Propaganda. Eine ältere Demonstrantin oder Ordnerin von ProNRW versuchte ihr erfolglos die Fahne zu entreissen.

Die mutige Gegendemonstrantin wurde schliesslich von den pro-NRW-Ordern und der Polizei abgedrängt und zu der lautstark an der anderen Seite der Polizeikette gegen ProNRW protestierenenden Gruppe geleitet, wo sie mit lautstarkem Jubel bergrüßt wurde.

Auch wenn das große Ziel nicht erreicht wurde, machen auch solche kleinen Erfolge Mut weiterzumachen.




AW: Cosmo TV im WDR am Sonntag :

fuckin' WDR-Lokalpatriotismus 10.05.2009 - 16:24
Gerade habe ich den CosmoTV-Beitrag gesehen, sehr erschreckend wie undifferenziert einige der Beiträge waren.

In einem Beitrag wurden "deutsche" Ehrenfelder KneipengängerInnen interviewt die toll ihre Stammtischparolen weiterverbeiten können ("Ehrenfeld wird das hier nicht mehr lange heißen", "es wird immer nur gesagt wir müssen uns anpassen aber die wollen doch unter sich bleiben, da bleiben wir auch unter uns" "wenn ich in Urlaub fahre passe ich mich doch auch an" und so weiter und so fort). Diese wurden dann unkommentiert stehengelassen und noch von dem Satz der Sprecherin getoppt, der beinhaltete, dass viele der MoscheegängerInnen trotz jahrelangem Aufenthalt in Deutschland kein Deutsch könnten weil sie unter sich bleiben wollen. *hahaha* Tolle Analyse der Verhältnisse, solch eine Einseitigkeit hätte ich beim WDR nicht in der Offensichtlichkeit erwartet.

In einem anderen Beitrag wurde gelobt wie dolle es doch war dass fast nur Leute aus politischen Motiven gestern auf der Straße waren, bis auf ein paar Ausnahmen --> an dieser Stelle wurde dann Filmmaterial eingeblendet auf dem zu sehen ist wie die Polizei mit einer größeren Gruppe Gegendemonstrierenden rangelt. Na diese Demonstrierenden sind natürlich nur wegen der Randale da! Politische Motive haben die nicht! alles klar.

Weiterer Bericht mit zahlreichen Links

Antifaschist 10.05.2009 - 16:58
 http://klarmann.blogsport.de/2009/05/09/gegenrechtsrechts-quietschbunte-zeigen-kackbraunen-die-rote-karte/

Bei den Kommentaren gibt es auch zahlreiche Links zu Videos, u.a. zu dem Geschehen auf dem Barmer Platz.

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

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*hüstel* — ulex

Polizeiarbeit — Der herr k aus l

Ergänzung — Demoteilnehmer

Lehren aus Köln ziehen — Antifa aus dem Ruhrpott

Bilder — Blaubarschmädel