Nach Strasbourg: Aus der Niederlage lernen
Die Erfahrungen aus den Protesten gegen den NATO-Gipfel zwingen die Bewegung, grundsätzlich über die aktuellen Protestformen nachzudenken. Waren die Protesttage nicht mehr als ein Schlag ins Wasser? Wenn ja, warum war dies so? Und welche Schlüsse sind daraus zu ziehen?
Proteste waren enttäuschend
Zu den Protesten in Baden-Baden, Kehl und Strasbourg kamen weit weniger Menschen als angenommen. Der Menge nach konnten die Erwartungen daher nicht erfüllt werden – und das trotz Weltwirtschaftskrise und breite Ablehnung der kriegerischen Einsätze in Afghanistan und anderswo. Aber auch qualitiativ fielen die Proteste weit hinter das Angestrebte zurück: Der Gipfel konnte zu keinem Zeitpunkt gestört werden, größere Menschenansammlungen im Zentrum von Strasbourg und Kehl waren nahezu unmöglich und es gelang noch nicht einmal, bei der Großdemonstration am Samstag gemeinsam zu protestieren. Insofern ist jede Schönfärbung der Ereignisse nichts anderes als eine destruktive Umkehr des Erlebten. Aber in der Erkenntnis einer Niederlage wohnt immer eine Chance inne. Dazu muss jedoch erkannt werden, warum verloren wurde.
Weniger hilfreich ist das Gerede um rufschädigende Gewalt. Wie bereits lange vor dem 4.4. zu erwarten war, beherrscht die Gewaltfrage alle Diskussionen über die Art und Weise der Proteste. Dabei wird wieder ordnungsgemäß fleißig gestritten, diskutiert und distanziert. Aber was heißt denn eigentlich Gewalt? Das tollste am Gewaltmonopol des Staates ist die Hegemonie über den Begriff. Dabei erscheint eine abgeschossene Rakete als beinahe identisch mit einem geworfenen Farbbeutel oder dem bloßen Willen, an bestimmten Orten demonstrieren zu wollen. Alles ist Gewalt.
Es bedarf keiner weiteren Diskussion, dass sich unter den Menschen bei den Blockaden und insbesondere bei der Demo wie immer einige Provokateure und unkontrolliert Wütende befanden. Besonders letztere Gruppe ist nicht die Ursache des Problems, sondern die Auswirkung einer diesmal glänzend funktionierenden Taktik der Staatsmacht. Erst an diesem Punkt angelangt, kann die Diskussion wieder ergiebig werden.
Inszenierte Eskalation
Wahrscheinlich sahen wir in Strasbourg - und abgewandelt in Kehl - erstmals deutlich die neue Strategie der Herrschenden. Der demokratische und rechtsstaatliche Schein wird gewahrt: Alle hatten „theoretisch“ die Möglichkeit, sich gegen Ausreiseverbote juristisch zur Wehr zu setzen, nach langem Hin und Her gibt es ein Camp, Demonstrationen dürfen – irgendwo – stattfinden. Trotz diesen letzten demokratischen Restbeständen wird eifrig provoziert und kriminalisiert.
Es wird zwar immer noch zwischen guten und bösen Demonstranten unterschieden, aber mit Tränengas werden nun beide Gruppen beschossen - und es werden nicht nur „Mitglieder des Schwarzen Blocks“ an der Teilnahme von Aktionen gehindert, sondern einfach alle. Die Herrschenden verstehen es allmählich besser, die Oberfläche des Rechtsstaats zu polieren, während sie seinen Inhalt beseitigen. Im zugestandenen Camp befanden sich Friedensbewegte, Autonome und Gewerkschaftler gleichermaßen in der Mausefalle. Ein rein und raus in größeren Gruppen war beinahe unmöglich. Die örtlichen Gegebenheiten und die Maschinerie der Staatsgewalt erwiesen sich als optimal, um den Raum ständig zu beobachten und einzukesseln. Schlimmer wurde es bei der Großdemo und der genehmigten Route. Nach wenigen strategischen Schachzügen, ein Abschotten hier, ein Einkesseln da, schnappte die Bärenfalle zu. Schon vor der Demo war den verantwortlichen Polizeikräften klar, dass die Strasbourger-Demo nicht auf den Ostermarsch treffen sollte, völlig absurd war die Hoffnung, gemeinsam auch nur in die Nähe des Stadtzentrums zu kommen.
Handlungsperspektive: Dezentrale Aktionen
Die Lehre aus dem NATO-Gipfel muss daher heißen: umdenken! Wollen wir zukünftig nicht mehr in durchschaubare Fallen tappen, müssen wir Konsequenzen ziehen. Das Hoffen auf den Rechtsstaat und die Meinungsfreiheit ist nicht nur naiv, sondern führt zur Lähmung. Wir sollten uns künftig länger und durchdachter überlegen, inwieweit wir uns auf vermeintliche rechtsstaatliche Institutionen und „Kompromisse“ einlassen.
Auch klar ist, dass die Mobilisierung bei Protesten, die sich nicht nur gegen einen direkten Teilaspekt richten, sondern das Bestehende grundsätzlich infrage stellen, nur vergleichsweise wenig Menschen auf die Straße treibt. So kann eine direkte Konfrontation mit dem Gegner nur schwerlich von Erfolg gekrönt sein. Daher sollte mittelfristig vermehrt auf dezentrale Aktionen - fern vom eigentlichen Gipfel-Treffen - gesetzt werden.
Wie schön wäre es gewesen, wenn sich am 4.4. die Allianz der Unwilligen unangemeldet auf den Marktplätzen vieler Städte versammelt hätten? Ob nun eine Fahrrad-Besetzung des verhassten Verkehrs-Kreisels in der Kleinstadt oder ein Impro-Theater beim wöchentlichen Dorfmarkt - diese Überaschungsangriffe - vielleicht auch ohne schwarzen Pulli - wären vermutlich effektiver gewesen.
Diese Strategie bringt zudem fern von der Lösung der aufgetauchten Probleme Vorteile mit sich: Die Polizei könnte diese überraschend hervorbrechende kritische Masse viel schwerer abblocken, wer weiß schon, wo diese auftaucht - und der direkte Kontakt zu den Menschen vor Ort wäre vorhanden. Aufmerksamkeit (auch mediale) bringen solche Aktionen obendrein fern von der quantitativen Menge der Teilnehmenden. Gar nicht zu sprechen von den unendlich vielen Möglichkeiten kreativer Abwandlungen:
Dieses Konzept der „Augenblicksguerilla“ verspricht positives Feedback, stärkt die Qualität des Ausdrucks des Widerstands, spart Kräfte und baut das Fundament für kommende Kämpfe.
Dieser Vorschlag stellt also keinen Rückzug dar, kein Zurückweichen, sondern eröffnet neue Perspektiven. Wenn wir das aus den Protesten gegen die NATO mitnehmen, dann könnte die Niederlage heute die Voraussetzung für die Siege morgen sein.
Quelle: Editotal der in Kürze erscheinenden Stattzeitung für Südbaden Nr. 74; vom Autor für Indymedia zur Verfügung gestellt
http://www.stattweb.de/baseportal/ArchivDetail&db=Archiv&Id=1132
Zu den Protesten in Baden-Baden, Kehl und Strasbourg kamen weit weniger Menschen als angenommen. Der Menge nach konnten die Erwartungen daher nicht erfüllt werden – und das trotz Weltwirtschaftskrise und breite Ablehnung der kriegerischen Einsätze in Afghanistan und anderswo. Aber auch qualitiativ fielen die Proteste weit hinter das Angestrebte zurück: Der Gipfel konnte zu keinem Zeitpunkt gestört werden, größere Menschenansammlungen im Zentrum von Strasbourg und Kehl waren nahezu unmöglich und es gelang noch nicht einmal, bei der Großdemonstration am Samstag gemeinsam zu protestieren. Insofern ist jede Schönfärbung der Ereignisse nichts anderes als eine destruktive Umkehr des Erlebten. Aber in der Erkenntnis einer Niederlage wohnt immer eine Chance inne. Dazu muss jedoch erkannt werden, warum verloren wurde.
Weniger hilfreich ist das Gerede um rufschädigende Gewalt. Wie bereits lange vor dem 4.4. zu erwarten war, beherrscht die Gewaltfrage alle Diskussionen über die Art und Weise der Proteste. Dabei wird wieder ordnungsgemäß fleißig gestritten, diskutiert und distanziert. Aber was heißt denn eigentlich Gewalt? Das tollste am Gewaltmonopol des Staates ist die Hegemonie über den Begriff. Dabei erscheint eine abgeschossene Rakete als beinahe identisch mit einem geworfenen Farbbeutel oder dem bloßen Willen, an bestimmten Orten demonstrieren zu wollen. Alles ist Gewalt.
Es bedarf keiner weiteren Diskussion, dass sich unter den Menschen bei den Blockaden und insbesondere bei der Demo wie immer einige Provokateure und unkontrolliert Wütende befanden. Besonders letztere Gruppe ist nicht die Ursache des Problems, sondern die Auswirkung einer diesmal glänzend funktionierenden Taktik der Staatsmacht. Erst an diesem Punkt angelangt, kann die Diskussion wieder ergiebig werden.
Inszenierte Eskalation
Wahrscheinlich sahen wir in Strasbourg - und abgewandelt in Kehl - erstmals deutlich die neue Strategie der Herrschenden. Der demokratische und rechtsstaatliche Schein wird gewahrt: Alle hatten „theoretisch“ die Möglichkeit, sich gegen Ausreiseverbote juristisch zur Wehr zu setzen, nach langem Hin und Her gibt es ein Camp, Demonstrationen dürfen – irgendwo – stattfinden. Trotz diesen letzten demokratischen Restbeständen wird eifrig provoziert und kriminalisiert.
Es wird zwar immer noch zwischen guten und bösen Demonstranten unterschieden, aber mit Tränengas werden nun beide Gruppen beschossen - und es werden nicht nur „Mitglieder des Schwarzen Blocks“ an der Teilnahme von Aktionen gehindert, sondern einfach alle. Die Herrschenden verstehen es allmählich besser, die Oberfläche des Rechtsstaats zu polieren, während sie seinen Inhalt beseitigen. Im zugestandenen Camp befanden sich Friedensbewegte, Autonome und Gewerkschaftler gleichermaßen in der Mausefalle. Ein rein und raus in größeren Gruppen war beinahe unmöglich. Die örtlichen Gegebenheiten und die Maschinerie der Staatsgewalt erwiesen sich als optimal, um den Raum ständig zu beobachten und einzukesseln. Schlimmer wurde es bei der Großdemo und der genehmigten Route. Nach wenigen strategischen Schachzügen, ein Abschotten hier, ein Einkesseln da, schnappte die Bärenfalle zu. Schon vor der Demo war den verantwortlichen Polizeikräften klar, dass die Strasbourger-Demo nicht auf den Ostermarsch treffen sollte, völlig absurd war die Hoffnung, gemeinsam auch nur in die Nähe des Stadtzentrums zu kommen.
Handlungsperspektive: Dezentrale Aktionen
Die Lehre aus dem NATO-Gipfel muss daher heißen: umdenken! Wollen wir zukünftig nicht mehr in durchschaubare Fallen tappen, müssen wir Konsequenzen ziehen. Das Hoffen auf den Rechtsstaat und die Meinungsfreiheit ist nicht nur naiv, sondern führt zur Lähmung. Wir sollten uns künftig länger und durchdachter überlegen, inwieweit wir uns auf vermeintliche rechtsstaatliche Institutionen und „Kompromisse“ einlassen.
Auch klar ist, dass die Mobilisierung bei Protesten, die sich nicht nur gegen einen direkten Teilaspekt richten, sondern das Bestehende grundsätzlich infrage stellen, nur vergleichsweise wenig Menschen auf die Straße treibt. So kann eine direkte Konfrontation mit dem Gegner nur schwerlich von Erfolg gekrönt sein. Daher sollte mittelfristig vermehrt auf dezentrale Aktionen - fern vom eigentlichen Gipfel-Treffen - gesetzt werden.
Wie schön wäre es gewesen, wenn sich am 4.4. die Allianz der Unwilligen unangemeldet auf den Marktplätzen vieler Städte versammelt hätten? Ob nun eine Fahrrad-Besetzung des verhassten Verkehrs-Kreisels in der Kleinstadt oder ein Impro-Theater beim wöchentlichen Dorfmarkt - diese Überaschungsangriffe - vielleicht auch ohne schwarzen Pulli - wären vermutlich effektiver gewesen.
Diese Strategie bringt zudem fern von der Lösung der aufgetauchten Probleme Vorteile mit sich: Die Polizei könnte diese überraschend hervorbrechende kritische Masse viel schwerer abblocken, wer weiß schon, wo diese auftaucht - und der direkte Kontakt zu den Menschen vor Ort wäre vorhanden. Aufmerksamkeit (auch mediale) bringen solche Aktionen obendrein fern von der quantitativen Menge der Teilnehmenden. Gar nicht zu sprechen von den unendlich vielen Möglichkeiten kreativer Abwandlungen:
Dieses Konzept der „Augenblicksguerilla“ verspricht positives Feedback, stärkt die Qualität des Ausdrucks des Widerstands, spart Kräfte und baut das Fundament für kommende Kämpfe.
Dieser Vorschlag stellt also keinen Rückzug dar, kein Zurückweichen, sondern eröffnet neue Perspektiven. Wenn wir das aus den Protesten gegen die NATO mitnehmen, dann könnte die Niederlage heute die Voraussetzung für die Siege morgen sein.
Quelle: Editotal der in Kürze erscheinenden Stattzeitung für Südbaden Nr. 74; vom Autor für Indymedia zur Verfügung gestellt
http://www.stattweb.de/baseportal/ArchivDetail&db=Archiv&Id=1132
Indymedia ist eine Veröffentlichungsplattform, auf der jede und jeder selbstverfasste Berichte publizieren kann. Eine Überprüfung der Inhalte und eine redaktionelle Bearbeitung der Beiträge finden nicht statt. Bei Anregungen und Fragen zu diesem Artikel wenden sie sich bitte direkt an die Verfasserin oder den Verfasser.
(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)
(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)

Ergänzungen
Zur Kritik am Aktionskonzept "Demo"
durchaus richtig
Demonstrationen sollten auch weiterhin ein Mittel sein, aber es ist Fakt, dass der Widerstand durch (angemeldete) Demonstrationen berechenbar wird und eine Linke, die sich zunehmend darauf beschränkt, wird scheitern.
Schwarze Blöcke können angebracht sein, um sich gegen staatliche Angriffe zu schützen, aber wo sie zur Selbstinszenierung werden, um allen zu zeigen, wie schick militant man ist, werden sie kontraproduktiv. Man gewinnt vielleicht mal die ein oder andere Auseinandersetzung mit der Staatsmacht und sicherlich ist das ein schönes Gefühl, aber es täuscht auch über das reale Ergebnis hinweg und das Ziel, die linke Bewegung verstärkt in der Bevölkerung zu verankern, wird sicherlich nicht erreicht.
Wir müssen endlich weg von Mackergehabe und Selbstinszenierung und hin zu kreativen Aktionsformen und gezielten direkten Aktionen.
Das wären dann wirklich neue Perspektiven, die uns aus der Erstarrung holen und dann schafft es die radikale Linke in Zukunft vielleicht auch wieder, in den Angriff zu gehen, anstatt auf der Stelle zu stehen.
Meine Wertung: 0:0
dezentrale Aktionen...
Dezentrale Aktionen würden erfordern dass sich mehr oder weniger alle Teilnehmer, und das sind mehrere tausend, irgendwie untereinander kennen, desweiteren müsste man Kommunikation zwischen den Gruppen ermöglichen UND dafüŕ sorgen, dass die Taktik und das Besprochene auch von allen durchgezogen wird
Die Rechten kriegen es durch ihre strenge, totalitäre Organisation auf die Reihe, eine Sache, die von der Gegenseite -zurecht- strikt abgelehnt wird. Außerdem erhöht das Einrichten eines zentralen Kommunikationsnetzwerks auch die Gefahr, dass die Bullen sich einklinken, und dann haben kleine Gruppen wesentlich weniger Chancen gegen eine Hundertschaft prügelsüchtiger Staatsgewaltler....
(Es nützt zB nichts, wenn man aus gutem Grund vor dem Camp eine Blockade baut, und dann zündet jemand in einem völlig ruhigen Moment selbige an, um sich Würstchen zu grillen)
Und noch etwas....
Es ist illusionär zu glauben, dass die Protestbewegung es jemals schaffen wird, ein militärisch abgesichertes Supermachtstreffen zu verhindern, es sei denn man geht selbst militärisch vor.
Was wir aber können und in Strasbourg wunderbar gezeigt haben, ist das Sicherheitskonzept baden gehen zu lassen und die Kapitalisten da zu treffen wo es wehtut: beim GELD, die Einsatzkosten und Sachschäden so weit in die Höhe treiben, dass zukünftige Treffen dieser Art auf alle Fälle erschwert werden. Auch mit diesem "Aktionskonzept" kann man viel erreichen.
Mit der G8 hat es funktioniert, sie wurden nun schon auf einsame Inseln vertrieben.
Desweiteren warne ich davor, die Fackeleien in Strasbourg zu "deutsch" zu betrachten. Die deutsche Linke ist, bei allem Antinationalismus, sowas von peinlich "deutsch" und zwar in der Hinsicht, immer alles ganz vorsichtig und ausdifferenziert zu betrachten, und zwar so weit, bis es in völliger Intoleranz endet.
Dann hassen sich die Künstler, die Hippies und die Black Blocks untereinander weil jede Seite glaubt, die einzig wahre Weise der Weltverbesserung zu kennen. Sei es nun bei der Frage "brennende Häuser" oder "PLO-Schal".
In Frankreich ist das kein Thema, die Franzosen würden über sowas nur lachen. Da hat man, bis auf EInzelfälle, einfach begriffen, dass die Clownarmee genauso eine Daseinsberechtigung hat wie der schwarze Block. Jeder nach dem, was er kann eben...und ich möchte alle Teilnehmer ermutigen, genau so weiterzumachen wie bisher, nur eben aufeinander abgestimmter und überlegter vorzugehen...
Thema Selbstdarstellung: natürlich soll das Ganze auch Spaß machen, und ein umgeschmissener Bullenbus wie in Dresden ist nunmal auch etwas, was man erreicht hat, da kann man sich auch gerne drüber freuen und sich davor ablichten lassen, nur vergesst dabei nie -und wenn ihr Idealisten seid, tut ihr das auch nicht- dass man sich mit so etwas einfach nicht zufrieden geben darf. Positiv sehen ja, aber nie aufhören....
@AntiCitizen One
Ganz im Gegenteil. Dezentrale Aktionen zeichnen sich ja gerade dadurch aus, dass es eben nichts gibt, das "auch von allen durchgezogen wird". Dezentrale Aktionen würden viel mehr die Eigenverantwortlichkeit der Leute stärken; das Bewusstsein, sich selbst einen Kopf über Beweggründe und Aktionsformen zu machen anstatt eben "nur" dem fertigen Demoaufruf zu folgen.
Resultat wäre eine Bewegung, die eher in Kleingruppen organisiert, die dafür aber regelmäßig zusammenarbeiten und Aktionen planen. Das ist mit Sicherheit konstruktiver als der oftmals recht lose Zusammenschluss "Demonstration".
"Außerdem erhöht das Einrichten eines zentralen Kommunikationsnetzwerks auch die Gefahr"
Aber es geht doch gerade um dezentrale Aktionen, die du kritisch zu betrachten scheinst. Warum sollten dezentrale AktivistInnen auf ein zentrales Kommunikationsnetzwerk zurückgreifen? Ganz im Gegenteil; es fiele dem Staat viel schwieriger, den Widerstand zu berechnen, weil er auf viel mehr Ebenen und an viel mehr Fronten geleistet werden würde und das vor allem überraschend.
"und die Kapitalisten da zu treffen wo es wehtut: beim GELD, die Einsatzkosten und Sachschäden so weit in die Höhe treiben, dass zukünftige Treffen dieser Art auf alle Fälle erschwert werden."
Die Frage ist, was man damit erreicht. Gut, sagen wir, der G8-Gipfel findet auf einer einsamen Insel statt. Was bringt uns das außer dem tollen Gefühl, "sie" gewissermaßen verjagt zu haben? Sie werden weiterhin ihre Treffen abhalten und solange die gesellschaftliche Bewusstlosigkeit bestehen bleibt, wird es uns auch nicht gelingen, Alternativen zum Bestehenden durchzusetzen. Und gerade da scheitert momentan linke Politik leider viel zu oft. Es gibt genug Dinge, gegen die wir eintreten müssen und das ist verdammt wichtig, aber dabei darf es auch nicht bleiben. Solange wir nicht in den Angriff kommen, bringt uns das gar nichts und der finanzielle Schaden, der bei solchen Treffen verursacht wird, ist für die mächtigsten Industriestaaten ohnehin mehr als lächerlich. Ein Treffen zu verhindern, ist toll, aber letztendlich bleibt auch das nur ein Akt der reinen Selbstbestätigung, wenn wir es nicht schaffen, darüber hinauszugehen und breite gesellschaftliche Schichten auf unsere Seite zu ziehen und das gelingt uns bisher noch viel zu wenig. Es geht schließlich nicht nur darum, dass wir das Gefühl bekommen, endlich mal was "gerockt" zu haben, sondern darum, eine gesamtgesellschaftliche Veränderung zu erreichen und davon dürfen wir uns nicht ablenken lassen, in dem wir solche kleinen Teilerfolge letztendlich wichtiger nehmen als sie es für die reale politische Situation tatsächlich sind.
Was wollt Ihr - was wollen wir ?
Wir stehen hier als maximal unorganisierter "Haufen" einem maximal organisierten, militärisch hochgerüsteten "Feind" gegenüber. Was kann man hier erwarten - außer einem Wanderkessel bzw. wenns dumm läuft, nicht mal das ! (siehe Kehl Europabrücke)
Es wäre eine Form der direkten Militanz notwendig, vor der-aus nachvollziehbaren Gründen-der überwiegende Teil zurückschreckt; wobei sich die Frage stellt, ob es überhaupt klug wäre, ins fallende Messer zu fassen.
D.h. Großereignisse mit Tagesprogramm und angeschlossener Demo sind was für die Softies ( Opa und Oma mit Blume im Haar, den Stammhalter im Kinderwagen schiebend...- also der medienkonforme Vorzeigedemonstrant, der stolz auf den Schulterklaps eines zufällig anwesenden Provinzpolitikers ist).
Die Zukunft liegt eindeutig in der klassischen Guerillataktik. D.h. kleine "einheiten", spontane?-aber straff organisierte "flash-mobs" und ein Abwenden von der herkömmlichen Denkweise, die mit allen Mitteln auf eine Konfrontation mit der falschen Zielgruppe hinauslaufen.
( meine Festplatte rödelt wie blöd-seit ein paar Minuten)
Über die neuen Ziele kann man sich durchaus unterhalten: Die Vertreter der mainstream-medien, Leute aus der zweiten Reihe, Bankster&Co. also die, die unter den Begriff der Eliten-Anarchisten fallen....
LOB & LINK
Hier mein Bericht:
@ WW
beispielsweise es wären 20 Gruppen unterwegs gewesen, die in Strasbourg versucht hätten, zum Regierungsviertel durchzukommen weil eben alle unabhängig voneinander gedacht hätten dass sich da einfach das meiste machen lässt. Und so ist das meistens, es gibt irgendeinen Ort, der für die Teilnehmer einfach die Mutter aller Ziele ist.....
Das war dann mit Dezentral, da kommen dann 20 Gruppen an ein und demselben Ort an, die ersten 5 haben da Radau geschoben und die restlichen 15 laufen, ohne zu wissen was da nun los war, voll in die Bullenabsicherung, die nach den Aktionen der "Vorhut" da aufgebaut wurde. Abgesehen davon dass sich da dann wieder eine Art "Großdemo" bilden wird.
das ist der Denkfehler dahinter...ohne Absprache untereinander ist
man da aufgeschmissen, und noch etwas: mit 20 Leuten vor einer Bullenblockade zu stehen, ist viel sinnloser, als mit 200.
Was das verjagen des G8-Gipfels angeht, wiederhole ich noch einmal dass man sich eben mit nichts zufrieden geben darf, wobei ich dir aber nun wieder die Frage stelle wie irgendeine Protestbewegung ein militärisch abgesichertes Treffen -dann eben auf einer Insel- verhindern will! Auch ein Problem was auf den Demos besteht, da schafft man es irgendwie vllt wirklich wo hinzukommen, und dann stehen die allermeisten nach einem erfolgreichen Durchbruch einfach da und gaffen blöd in der Gegend rum weil man nix machen kann.
Dezentrale Aktion zur Siko
Mensch stelle sich nur mal vor: anstatt im Kreis durch München zu latschen, bleibt die Hälfte der >Leute zuhause, und macht da so krasse Aktion!
Wie geil wär das!
Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen
die Bewegung — bigbrother
pfff — berliner afa