Massenabschiebung mit Air Berlin nach Vietnam

Flüchtlingsini No borders no nations, Berlin 25.04.2009 12:33 Themen: Antirassismus Repression
In den Tagen vor dem 8. Juni heisst es aufpassen für und auf abschiebebedrohte Flüchtlinge aus Vietnam. Am 8. Juni will die Bundespolizei mehr als 100 Menschen von Berlin nach Hanoi in Vietnam abschieben. Erfahrungemäß werden bei geplanten Abschiebungen die Betroffenen häufig kurz vorher zu einem Termin einbestellt und dann unerwartet zur Abschiebung in Haft genommen. Die Maschine für die Abschiebungen stellt Air Berlin, gechartet wird sie im Auftrag der Bundespolizei von der Firma Air Partner im nordrhein-westfälischen Bergisch Gladbach. Während die abgeschobenen Menschen auf dem Hinflug mit kalten Snacks abgespeist werden, dürfen sich die 60 begleitenden Bundespolizisten auf dem Rückflug den Bauch mit Business Class Catering vollschlagen, sich während ihrer Dienstzeit auf Kosten unserer Steuergelder mit Alk zudröhnen und ihr Bildungsniveau mittels Bild-Zeitung aufpeppen.
Der Abschiebeflug soll am 8. Juni um 15.00 Uhr UTC in Berlin-Schönefeld starten und in Hanoi um 01.25 UTC landen. Der Flug trägt die Flugnummer AB1130. Zuvor gibt es einen Zubringer mit der Flugnummer AB113F um 13.15 Uhr UTC ab Tegel nach Schönefeld. Der Rückflug soll am 10. Juni 2009 von Hanoi kommend um 15.30 Uhr UTC in Berlin-Schönefeld eintreffen.

Durchgeführt wird der Flug von der Fluglinie Air Berlin mit Sitz in Berlin (Telefon 030-3434 1500, Telefax 030-3434 1509, E-Mail  abpresse@airberlin.com). Auftraggeber ist die Bundespolizei bzw. die EU, abgewickelt wird der Abschiebeflug von der Charter-Firma Air Partner, TechnologiePark Haus 56, Friedrich-Ebert-Straße, 51429 Bergisch-Gladbach (Telefon 02204 95050, Telefax 02204 95051, E-Mail  germany@airpartner.com).

Mit dem Flug sollen mehr als 100 vietnamesische Menschen abgeschoben werden. Es sollen auch ganze Familien, also auch Frauen und Kinder abgeschoben werden. Um die zwangsabgeschobenen Menschen unter Kontrolle zu halten, befinden sich 60 Bundespolizisten mit in der Maschine. Während die Abgeschobenen auf dem mehr als zehnstündigen Flug mit ein paar kalten Snacks und Softdrinks abgespeist werden, dürfen es die Bundespolizisten nach getaner "Arbeit" auf dem Rückflug so richtig krachen lassen. Sie werden mir Business-Class-Spezialitäten gecatered, und bekommen unbegrenzt Alkohol. Ein wenig muss sich so ein Drecksjob über die Zulagen hinaus ja schließlich lohnen. In der Vergangenheit hat es immer wieder Aktionen gegen Abschiebeflüge gegeben, manchmal konnten auch die Abgeschobenen selbst die Flüge durch ihren Widerstand verhindern.

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Ergänzungen

Alk?

meinereiner 25.04.2009 - 22:52
"..... dürfen sich die 60 begleitenden Bundespolizisten auf dem Rückflug den Bauch mit Business Class Catering vollschlagen, sich während ihrer Dienstzeit auf Kosten unserer Steuergelder mit Alk zudröhnen und ihr Bildungsniveau mittels Bild-Zeitung aufpeppen."

Hast du dafuer Belege oder sind das mal wieder nur gehaessige Unterstellungen? Gerade das mit dem Alk halte ich fuer sehr unwahrscheinlich.

@alle

hallo 26.04.2009 - 02:41
zu erst an den piloten oder die pilotin: du hättest den start auch verweigern können. das haben schon einige leute gemacht, die z.b. an der rechtmäßigkeit von abschiebungen gezweifelt haben. ok, in vietnam herrscht eine politisch stabile situation, aber an das gewissen der leute kann immer mal appeliert werden. wenn pilotinnen und piloten ihre teilnahme verweigern, dann wird es viel schwieriger eine abschiebung zustande kommen zu lassen. aber ich will nun auch nicht auf deine persönlichkeit eingehen oä., sondern wollte das nur mal loswerden und zu bedenken geben.

bezüglich des alkohols: das stimmt! es ist nämlich so, dass auf längeren flügen (unter anderem aber auch von der airline abhängig) so viele getränke von den fluggästen konsumiert werden können wie der vorrat reicht. als ich z.b. von london nach marrakesch geflogen bin, gab es auch freie auswahl an wein, bier und sekt in unbegrenzter menge. zwar werden stewardess kaum an sichtlich alkoholiserte personen ausschenken, aber die würden auch nach der zwanzigsten cola nicht nein sagen. diese handhabung ist auf langstreckenflügen so üblich und nicht ungewöhnlich. viel mehr die frage: wenn es sich hier um einen linienflug handelt, warum auf dem "hinweg" die abgeschobenen dies nicht dürfen. das geht meiner meinung nach NICHT in ordnung. sie gelten ja immerhin als ganz normale fluggäste und müssen entsprechend so behandelt werden (auch wenn sie zwangsweise in das flugzeug gesteckt werden und den flug nicht aus eigener tasche bezahlen)


gibt es eigentlich eine gewerkschaftliche organisationsform der pilotinnen und piloten? ich denke, dass eine thematische arbeit über diesen bereich vergleichsweise wirksam und erfolgreich sein könnte, denn mit pilotinnen und piloten erreicht man genau die menschen, die letzten endes eine abschiebung überhaupt möglich machen!


als letzten tipp: solltet ihr euch in linienflügen befinden, in dem einmal menschen sind, die abgeschoben werden sollen, dann redet mit anderen fluggästen und VERHINDERT den maschinenstart. das geht, indem ihr euch nicht anschnallt und hinstellt, bzw. im flugzeug bleibt aber dem personal explizit sagt, dass ihr nicht wollt, dass die maschine startet. dann können und dürfen die auch nicht starten und werden es auch nicht!


widerstand gegen abschiebeflüge macht auf jeden fall sinn. ihr könnt zwar nicht davon ausgehen, dass ihr damit zwangsweise den leuten, die abgeschoben werden sollen, eine bleibe (in deutschland) beschert, aber sie haben dann erstmal länger zeit z.b. ihre rechtsmittel auszuschöpfen usw. ebenfalls lässt sich festhalten, dass es für die schreibtischtäter gar nicht so leicht ist abschiebeflüge zu organisieren. und je schwerer und teurer die organisation davon wird, desto eher wird es auch unterlassen.

Mehr davon!

Münchener Kindl 26.04.2009 - 09:40
Vielen Dank für die Info und wenn es geht in Zukunft mehr davon! Ich bin selbst in einer Flüchtlingsgruppe in Süddeutschland aktiv und ich weiß aus anderen Fällen, daß die Communities der Migrant_innen solche Infos sehr genau wahrnehmen. Sie wissen dann nämlich, wann es Zeit ist, für einige Tage den Kopf einzuziehen, um den Häschern der Ausländerämter zu entkommen. Das mit Firstclass oder Businessclass Essen für die mitfliegenden Bullen und mit freien Alkoholkontingenten für sie ist übrigens bei fast allen Abschiebeflügen so.

@ mein name

nix 28.04.2009 - 21:18
nun... die flüchtlinge, welche 'geduldet' hier im asyl leben, haben arbeitsverbot. kein wunder also, dass sie steuerlich nichts beitragen können.

Bundespolizei und Innensenator bestätigen

Flüchtlingsrat Berlin 06.05.2009 - 16:01
Der Tagesspiegel 6.5.09
Massenabschiebung nach Vietnam geplant
 http://www.tagesspiegel.de/berlin/Brandenburg-Fluechtlinge-Massenabschiebung-Schoenefeld;art128,2790214
Im Juni soll in Schönefeld erstmals nach langer Zeit wieder ein Charterflugzeug mit Flüchtlingen nach Hanoi fliegen. Verbände kritisieren Massenabschiebung.

Schönefeld - Zum ersten Mal seit über zehn Jahren ist eine Sammelabschiebung von Vietnamesen aus der Region geplant. Anfang Juni sollen ausreisepflichtige vietnamesische Staatsangehörige in einer Massenabschiebung von Schönefeld nach Hanoi geflogen werden, bestätigte am Dienstag ein Sprecher der Bundespolizei. Sie koordiniert den Charterflug in einer Air-Berlin-Maschine, in der Vietnamesen aus mehreren Bundesländern sitzen werden. Ihre genaue Zahl sei bisher noch nicht absehbar, sagte die Polizei. (...)

***

Berliner Zeitung 6.5.09
 http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2009/0505/berlin/0027/index.html
Sonderflug nach Hanoi ohne Rückkehrticket
Anfang Juni werden mehr als 100 Vietnamesen abgeschoben

Nach vielen Jahren wird es von Berlin aus wieder eine Massenabschiebung nach Vietnam geben. Die Bundespolizei hat dafür eine Maschine der Berliner Fluggesellschaft Air Berlin gechartert. Das Flugzeug soll am 8. Juni vom Flughafen Schönefeld nach Hanoi fliegen. Das bestätigte die Innenverwaltung auf Nachfrage der Berliner Zeitung. Mit der Maschine werden mehr als hundert Vietnamesen in Begleitung von Bundespolizisten vom Flughafen Schönefeld nach Hanoi abgeschoben. Um wie viele Vietnamesen es sich genau handelt und warum sie ausgewiesen werden sollen, darüber gibt die Innenverwaltung nichts bekannt.

Dass die Polizei ein Passagierflugzeug chartert, um Flüchtlinge in ihre Heimatländer zurückzuführen, das hat es in Berlin viele Jahre nicht gegeben. "Das wird der erste Flug nach einer längeren Zeit sein", sagte ein Sprecher des Bundespolizeipräsidiums in Potsdam zum bevorstehenden Transport. Die Behörde koordiniert den Charterflug nach Hanoi. (...)

Mo 8.6.09 15 Uhr Berlin-SXF Kundgebung

Flüchtlingsrat Berlin 30.05.2009 - 20:44
Flüchtlingsrat Berlin und Flüchtlingsrat Brandenburg
 http://www.fluechtlingsrat-berlin.de
 http://www.fluechtlingsrat-brandenburg.de


Aufruf zur Kundgebung
Mo 08.06.2009, 15 - 17 Uhr
Gegen die Massenabschiebung von Vietnamesen
Flughafen Berlin - Schönefeld, Terminal A

Weitere Infos zur Abschiebung:
 http://www.fluechtlingsrat-berlin.de/print_neue_meldungen.php?sid=437


Im Berliner Abgeordnetenhauses informierte Innensenator Körting über die Massenabschiebung nach Hanoi :
- Die Abschiebung wird organisiert und durchgeführt von der Bundespolizei (nach Veranlassung der Abschiebungen durch die Länder) und finanziert von der europäischen Grenzschutzagentur FRONTEX. Berlin wird sich beteiligen.
- Voraussichtlich 100 Personen werden abgeschoben, 80 aus Deutschland und 20 aus Polen.
- In Berliner Abschiebehaft befänden sich 42 Vietnamesen, 34 Männer, 8 Frauen. Bei 27 werde versucht, bei den vietnamesischen Behörden nioch die Voraussetzungen für die Abschiebung zu schaffen, es lägen noch nicht bei allen die erforderlichen Papiere vor.
- Informationen über betroffene Kinder lägen nicht vor. Unbegleitete Minderjährige seien nach Auskunft der Bundespolizei nicht darunter.

weitere Bestätigung des Verhaltens v. Beamten

D. 08.06.2009 - 23:15
Auch ich kann das Verhalten von manchen Bundepolizei-Personal leider bestätigen. War bei einer Abschiebung HAJ-BRU mit Weiterflug nach Sierra Leone dabei, bei der ein Afrikaner äußerst rabiat von mehreren Beamten an Bord des Flugzeuges festgehalten wurde. Drei Tage später kamen dieselben Beamten nach getaner "Arbeit" wieder zurück, und zwar in der Business-Class und einer hat auch noch anstößige Bemerkungen gegenüber der Flugbegleiterin gemacht. Und wir zahlen deren teure Tickets auch noch mit unseren Steuergeldern!

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

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Abschiebeflüge — Gerechtus

Warum? Warum nicht? — Onkel Hotte

jede Abschiebung verhindern — kein_Mensch_ist_illegal

an alle helden! — geht dich nichts an

ihr träumer — mein name

Reinste Polemik — Dr. Volker Helms