Stundenlanger Kessel am Hauptbahnhof Stolberg

felix 04.04.2009 16:41 Themen: Antifa Antirassismus Repression
Beschreibung und Augenzeugenbericht über den Polizeilichen Kessel am Hauptbahnhof in Stolberg am 4.April 2009, am Rande der Blockadeaktionen gegen den "Trauermarsch" der Nazis.
Nachdem wir am Hauptbahnhof angekommen waren und erfolgreich den Ankunftsort der Nazis blockieren konnten, setzte die Polizei nach und nach immer brutalere Gewalt gegen friedliche Demonstranten ein.
Über Zahlen der Teilnehmer auf unserer Seite weiss ich nichts.
Die Polizei fing an einzelne Demonstranten aus der Menge zu holen und löste die Blockade auf.
Mit Hundestaffeln wurden die Demonstranten eingeschüchtert.
Der Vorfall von Freitagabend, als Demonstranten von Polizeihunden gebissen wurden, zeigt, dass auf Menschlichkeit der Polizei kein Verlass ist.
Nur wenige mutlose und keineswegs lobenswerte entfernten sich sofort von der Menge und blieben so verschont. - Diese sollten mal über ihre Moral und den Einsatzwillen nachdenken.
Alle verbliebenen Demonstranten wurden 100 Meter getrieben und dort von der Polizei eingekesselt.
Nach mehr als einer Stunde kam eine Durchsage der Polizei, dass Kinder, Jugendliche, Behinderte und Schwangere sich melden sollten, um aus dem Kessel heraus zukommen.
Alle die sich meldeten wurden allerdings in einen anderen Kessel gesteckt und dort erstmal von allen Informationen und Rechten abgeschnitten.
Vom angekündigten trat nichts in Kraft.
Aufregung gab es nur hin und wieder, als Nazis aus Zügen ausstiegen und 100 Meter entfernt ihr hässlichen Fahnen schwenkten.
Nach etwa 2einhalb Stunden begann die Polizei dann damit Namen der Teilnehmer aufzurufen, diese wurden dann ohne Hemmungen kontrolliert und teilweise fotografiert und gefilmt.
Dieser Vorgang stoppte allerdings wieder nach wenigen Minuten und begann dann erst nach etlichen Minuten wieder.
Die Personen im "Erwachsenenkessel" wurden, meiner Kenntnis nach, nicht behandelt und mussten noch Stunden länger warten.
Nachdem die Prozedur der Polizei beendet war, bekam mensch einen Platzverweis für die Innenstadt aus gesprochen - bzw. alle, die ausserhalb Stolbergs wohnhaft sind, einen für ganz Stolberg.
Mit dem Zug ging es dann in die jeweiligen Wohnorte zurück.
Über den Erwachsenenkessel ist soviel zu sagen, dass sich immer noch die meisten Personen im Kessel befinden und erst nach nach und nach aufgerufen werden um die Prozedur der Kontrolle und allem dazugehörigen der Polizeilichen Schikane über sich ergehen zu lassen.
Ob ein Platzverweis ausgesprochen wird oder eine Ingewahrsamnahme stattfindet ist zu diesem Zeitpunnkt noch ungewiss.
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Ergänzungen

Erwachsenenkessel wieder frei?

felix 04.04.2009 - 17:06
Es wird gemeldet, dass zumindest ein Teil der Gekesselten über 18 wieder entlassen wurden und auf dem Heimweg sind.
Über Zahlen wird spekuliert, allerdings sollen immer noch einige im Kessel befindlich sein.

Insgesamt sollen laut "Aachener Nachrichten" 200 Personen im Kessel gewesen sein.
Der Grund der Kesselung sollen unerlaubte Gegenstände gewesen sein.
Dieses entspricht bekanntlich nicht der Wahrheit, zumal die Veranstaltung frühzeitig vom Anmelder aufgelöst wurde.
Der wahre Grund für den Kessel war, dass Polizeiboss Oelze den Bahnsteig für die Faschisten frei haben wollte.

Eschweiler im Vorfeld

IloS 04.04.2009 - 18:03
Ein Zug mit anreisenden Nazis ist von der Polizei in Eschweiler gestoppt worden. Dort gab es dann eine sehr aggressive Spontandemo der Nazis. Es ist wohl zu erheblichen GEwalttaten der Nazis gegen Beamte gekommen, Stein- und Flaschenwürfe. Die Reaktion der Polzei? Die Nazis einfach mal weiterfahren lassen - man kann ja immer noch die in Stolberg anwesenden AntifaschistInnen stundenlang einkesseln. Tja, irgendwie reagiert die aachener Polizei auf Gewalt der Nazis anderes als auf friedlichen Protest gegen diese gewaltbereiten Nazis.

Kessel

K 04.04.2009 - 20:11
Die Kontrolle bei den über 18 jährigen ging wesentlich schneller und nach (meiner Schätzung) 45-60 Minuten waren auch alle kontrolliert und zu den Bahngleisen eskortiert/gebracht worden...anscheinend gings am Ende so schnell, weil die Nasen aufm Weg waren (ka obs ein Gerücht war oder net). 10 Minuten, nachdem der Zug in Aachen ankam, kamen auch 5-6 Bullis mit Blaulicht auf den Bahnhofsplatz gefahren (was danach passiert ist kann ich nichtmehr sagen).

Habe mitbekommen, dass ein Mädel (U18) festgenommen worden ist, weil sie Tränengas dabei hatte. Auch wurde ein älterer Mann, der mit einer Kamera die Polizisten fotografierte, bei auflösen der Blockade recht früh mitgenommen (hab ihn im Kessel nicht mehr gesehen).


Festnahmen

mensch 04.04.2009 - 23:15
Es gab auch noch 9 festnahmen, unter anderem widerstand und verstöße gegen das versammlungs gesetzt ( lederjacke springerstiefel schal) hier wurde meines erachtens äusserst mutwillig vorgegangen und nur vereinzelte rausgefischt, mir ist zu ohren gekommen das den festgenommenen auch mit u-haft gedroht wurde ...

Mal einige Ergänzungen

Kesselopfer 04.04.2009 - 23:17
Irgendwie scheine ich mich in einem anderen Kessel befunden zu haben, als er Berichterstatter, obgleich ich ebenfalls am Hauptbahnhof war.

Auf unserer Seite waren Anfangs vielleicht 200 Leute, später weniger.

Die Blockade wurde aufgelöst, wobei die Blockierenden eher geschleift als getrieben wurden. Dabei schien die Polizei auf Deeskalation zu setzen, indem sie die Räumung bevorzugt von Polizistinnen machen ließ. Die Polizisten wurden offenbar hauptsächlich für gröbere Arbeiten wie Schläge eingesetzt. Ob es verletzte gab, habe ich nicht mitbekommen, es gab jedenfalls einen Blutfleck auf dem Platz auf dem man "eingelagert" wurde. Eine Demonstrantin wurde mit dem Krankenwagen abtransportiert, wobei es aus der Entfernung eher nach einem Schwächeanfall oder Schock aussah.

Zunächst wurde der Kessel konventionell mit runterherumstehenden Beamt_innen durchgeführt, später wurde einfach mit Wannen blockiert.

Wohin die Leute, die gingen, verschwanden, kann ich nicht einschätzen. Die beschriebenen Schickanen klingen allerdings eher übertrieben.

Wer den Kessel verlassen wollte, musste die Personalien abgeben und wurde abgetastet. Nachdem allerdings klar wurde, dass die Nazis auf dem Rückweg waren, wurden die Platzverweise nicht mehr auf Formulare, sondern nur noch auf Zettel geschrieben und auch niemand mehr durchsucht. Ausgenommen hiervon sind diejenigen, welche wegen schlimmen Straftaten wie "Vermummen" gesucht wurden. Diese wurden abtransportiert und erst später entlassen.

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freund und helfer? — afanonym

VOLLIDIOT! — Krümel

Ergänzung — Calavera

Mutlose? — Spawn