gefälschte Ausgabe der ZEIT wird verteilt

Nico Wehnemann 21.03.2009 09:45 Themen: Medien Soziale Kämpfe
Heute wird eine gefälschte Sonderausgabe der Wochenzeitung "DIE ZEIT" in über 90 Städten in Deutschland, mit einer Auflage von 150.000 Stk. verteilt. Die Ausgabe ist täuschend echt und auf dem ersten Blick nicht vom original zu unterscheiden.
Aktivistinnen und Aktivisten des globalisierungskritischen Netzwerkes Attac verteilen am heutigen Samstag in mehr als 90 Städten eine
gefälschte Ausgabe der bekannten Wochenzeitung DIE ZEIT.
Der Clou:
Statt der Meldungen von gestern verkündet das täuschend echt gestaltete Plagiat die Nachrichten der Zukunft. "Am Ende des Tunnels"
lautet die Schlagzeile auf dem Titelblatt, als Erscheinungsdatum ist der 1. Mai 2010 angeben. "Die Berichte über die globale Wirtschafts-, Finanz- Hunger- und Klimakrise lassen viele Menschen hilflos zurück.

Wir haben deshalb die Zeit weitergedreht und die Nachrichten verfasst, die wir morgen lesen wollen - nicht über ein fernes Paradies, sondern über konkrete Verbesserungen, die denkbar und erstreitbar sind", sagte die Attac-Aktivistin und ZEIT-Redakteurin Jutta Sundermann. "Auf diese Weise wollen wir die Vorstellungskraft der Leserinnen und Leser erweitern und ihnen Mut machen, sich politisch zu engagieren." Etwa 150.000 Exemplare der gefälschten Zeitung wollen die Attac-Aktivisten bundesweit unter die Menschen bringen.

Weitere Artikel haben das Ende der NATO zum Thema, berichten von Schuldenerlassen für arme Länder, einer dezentralen Konferenz der
Weltgesellschaft gegen Hunger und den positiven Auswirkungen der Bildungsproteste. Die letzte Seite blickt zurück auf die Demonstrationen am 28. März 2009 in Berlin und Frankfurt am Main: Die Proteste unter dem Motto "Wir zahlen nicht für eure Krise" markierten bundesweit den Aufbruch der Zivilgesellschaft. ZEIT-Redakteur Fabian Scheidler: "Kurzum: In unserer Ausgabe der ZEIT zeichnen wir das Bild einer Welt, wie sie denkbar wäre, wenn die Vorschläge der globalisierungskritischen Bewegung umgesetzt werden würden."


ONLINE AUSGABE: www.die-zeit.net
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Ergänzungen

Da braut sich was zusammen

noName 21.03.2009 - 12:42
 http://www.spiegel.de/video/video-57084.html

 http://www.youtube.com/watch?v=sxvrzMHVpfU

 http://www.youtube.com/watch?v=NKmuaFi3eOY

 http://www.youtube.com/watch?v=MC2oX3yrvUU

Berlin:
Aufruf zum Antikapitalistischen Block:
 http://www.kapitalismuskrise.org/floating-block/

Alternativer Aufruf:
 http://top-berlin.net/?p=104

Frankfurt:
Antikapitalistischen/Antimilitaristischen Block: 12 Uhr Hauptbahnhof - Kaiserstr./Elbestr.
 http://linksunten.indymedia.org/node/900

Alternative:
sozialrevolutionären und antinationalen Block: 12 Uhr in Bockenheim (Senckenberganlage und Beethoven-Platz)
 http://media.de.indymedia.org/media/2009/03//243277.pdf

www.die-zeit.net nicht mehr erreichbar

zeitlos 21.03.2009 - 15:26
Seit heute Nachmittag ist die Seite www.die-zeit.net nicht mehr erreichbar. Was ist da los? Wer hat da die Hände im Spiel?

Server down

scheint interesse zu finden 21.03.2009 - 15:50
Tja, dumm gelaufen. Schöne Idee, weit gestreut und schwupps ist der Server down. Das heißt die server laufen vermutlich noch, aber können keine Anfragen mehr beantworten, weil sie überlastet sind. www.attac.de meldet sich bei mir auch nicht mehr. Scheint also eher ein Infrastrukturproblem als ein böser Hack zu sein.

Die Seiten gibts noch im google cache. der lädt sie komischerweise aber auch nur als textversion. Leider habe ich noch kein pdf von der Zeitung gefunden, sonst könnte das hier ja mal abgelegt werden.


google cache:
 http://209.85.129.132/search?q=cache:http%3A//www.die-zeit.net/

google cache text only:
 http://209.85.129.132/search?q=cache:http://www.die-zeit.net/&hl=de&strip=1

pdf links:
 http://www.die-zeit.net/pdf/seite1.pdf usw.

Das wird teuer....

Egal 21.03.2009 - 19:06
Sehr gute Aktion.
Habe heute in Duisburg eine gekriegt und mein erster Gedanke war: Das wird teuer werden.
Ich denke, da kommen massig juristische Konsequenzen!

Die Tagesschau berichtet:

Tagesschau 21.03.2009 - 19:08
(...)Zu den Autoren der sogenannten Zukunftsausgabe zählt etwa der Journalist und Buchautor Harald Schumann, der unter der Überschrift "Zeit der Abrechnung" von einem imaginären G20-Treffen in Brasilia berichtet, bei dem sich die Industrie- und Schwellenländer auf eine weitreichende Besteuerung großer Privatvermögen und internationaler Konzerne geeinigt haben.

Der Wirtschaftsjournalist Lucas Zeise beschreibt in "Ende einer Ära" die Veränderung der deutschen Bankenlandschaft nach einem Untergang zahlreicher Privatinstitute, der Kabarettist Matthias Deutschmann ein von der Bevölkerung herbeigeführtes Ende des "Kasinokapitalismus". Weitere Artikel berichten über das imaginäre Ende der NATO, von Schuldenerlassen für arme Länder und einer dezentralen Konferenz der Weltgesellschaft gegen Hunger. Unter die-zeit.net ist zudem eine Attac-Website online, die der Originalseite zeit.de bis ins Detail nachempfunden ist.(...)

Ganzen Artikel lesen:  http://www.tagesschau.de/inland/attac102.html

Nicht unbedingt aus den USA geklaut...

Hotte 21.03.2009 - 19:12
...auch in Deutschland wurden schon mal falsche Nachrichten verbreitet, siehe hier:

 http://de.indymedia.org/2005/02/105679.shtml

Das ganze nennt sich Kommunikationsguerilla und wird auf Wikipedia ausführlich beschrieben:

 http://de.wikipedia.org/wiki/Kommunikationsguerilla

Keine Strafe

Ich 21.03.2009 - 20:15
[...] Eine Verlagssprecherin ergänzte, man sei von der Aktion überrascht worden, schließe aber rechtliche Schritte gegen Attac aus. [...]

Auch die Zeit äußert sich...

Lesen bildet 21.03.2009 - 20:20

Auch in Deutschland nicht einzigartig

Yellow Submarine 22.03.2009 - 00:58
Vom 7. bis zum 9. Mai 1992 treffen sich die Wirtschafts- und Handelsminister der sieben mächtigsten Industriestaaten (G 7) und der GUS in Münster. Anlässlich dieses Treffens wird eine „Extraausgabe“ der Westfä­lischen Nachrichten (WN), die der Tageszeitung gleichen Namens in Format und Layout täuschend ähnlich sieht, publiziert. In dem Fake wird eine „Sensationelle Wende auf dem Münsteraner Wirtschaftsgipfel“ verkündet: „Die sieben führenden Wirtschaftsnationen beschließen heute in Münster, den armen Ländern ihre Schulden zu erlassen. Geplant ist darüber hinaus der größte finanzielle Transfer der Weltgeschichte. Mit einem Billionen-Dollar-Programm und einem 'Weltsolidarfond' wollen die Wirtschaftsminister die Wirtschaft der armen Länder auf selbständige Füße stellen.“ Der Aschendorff Verlag, in dem die Westfälischen Nachrichten erscheinen, erstattet Strafanzeige gegen die unbekannten Herausgeber des WN-Fakes.

Auch in Deutschland nicht unbekannt

Yellow Submarine 22.03.2009 - 01:14
In Münster verteilten im Jahr 1992 AktivistInnen eine gefälschte Ausgabe der Zeitung "Westfälische Nachrichten" anlässlich eines G7-Treffens. Auch damals war die Utopie Thema der Ausgabe „Sensationelle Wende auf dem Münsteraner Wirtschaftsgipfel“ - „Die sieben führenden Wirtschaftsnationen beschließen heute in Münster, den armen Ländern ihre Schulden zu erlassen."
Die Verfasser der Fake-Ausgabe blieben unentdeckt.

siehe UWZ-Archiv:
 http://www.uwz-archiv.de/Westfaelischen-Nachrichten-WN.142.0.html?&L=http%3A%2F%2Fwww.intel.com%3F

Darin auch eine eingescannte Seite der Ausgabe.

falsche Adressaten

Peter H. 22.03.2009 - 10:35
Plagiate haben, bezogen auf Medien durchaus ihren Reiz, sind von ihrer "Natur" her, als pfiffig zu bezeichnen, auch wenn da gewisse Wiederholungen bereits vorliegen. So weit, so richtig. Dennoch ist die zurückliegende Aktion mit einem Unbehagen zu quittieren. Man muß sich nämlich schon mal die Frage stellen, Wer denn eigentlich mit diesem Plagiat erreicht wurde. Wer genau liest denn die Zeit? Sind es etwa sogenannte "einfache" Arbeitende, oder sind es vielmehr kleinbürgerliche Intellektuelle, die gemeinhin auch als liberales Bildungsbürgertum bezeichnet werden? So gefragt, dürfte die Antwort garnicht mal so schwer ausfallen. Die Zeit-Leserschaft, das sind Jene, die auch als Wikipedianer, Freigeister und was weiß ich nicht noch alles, unterwegs sind. Kann man denn von diesem Personenkreis einen gesellschaftlichen Umbruch, grundsätzlichen Wandel erwarten? Mitnichten. Bestenfalls können sogenannte "kritische Kritiker" ("heilige Familie", Marx) herangebildet werden, die allenthalben dann als bloße Kritikaster nörgelnd und besserwisserisch unterwegs sind! Solche Leute brauchen wir im Grunde genommen aber nicht wirklich, sie sind grade mal als eine "durchblickerische" Zierde anzusehen, mehr nicht. Wo also genau ist daher der Hebel anzusetzen? Nun, weiter Unten, dort wo die Hauptopfer des kapitalistischen Systems ein gedeckeltes Dasein fristen und zudem an der Hauptkampflinie, Hauptnahtstelle zwischen Kapital und Arbeit befinden.
Die Devise lautet: "Macht aus bloßen Proleten Proletarier"!
Teils müssen dies die Lohnabhängigen selbst tun, teils aber sollte aber auch von Außen nachgeholfen werden. Und nun ganz konkret: Welches Plagiat käme da in Betracht? Es ist dies die BLÖD-Zeitung. Diese wird nun mal von den Hauptausgebeuteten gelesen, daher sollte diese auf spezielle Weise genutzt werden. Ziel muß es schließlich sein, Jene zu erreichen, die objektiv gesehen, ein Hauptinteresse an der Überwindung dieses Systems haben, was bei Intellektuellen, die z.T. wenigstens, mehr oder minder vom real existierenden Kapitalismus profitieren, nun mal nicht der Fall ist. Wer also schwer ausgebeutet wird, viel schuftet und wenig verdient, dem sind entsprechende Plagiate daher zugänglich zu machen. Hinzu kommt noch das Gesetz der großen Zahl. Werden gefälschte BILD-Z. in Umlauf gebracht, dann werden diese an Kollegen nach beendetem Lesen weitergereicht, was als zusätzliches Plus hinzukommt.(Massenverbreitung)
Dass nun attac, selbst aus der intellektuellen kleinbürgerlichen "Zunft" kommend, die Werktätigen gewissermaßen übersah, wundert mich nicht. Tauben fliegen nun mal hin zu Tauben!
Doch diesen Schuh muß man sich ja nicht unbedingt anziehen. (Irbis)

Gabs auch schon in der Schweiz

Name 22.03.2009 - 10:58
Eine solche Aktion gabs dieses Jahr auch schon in der Schweiz. Da wurde die Gratiszeitung 20 Minuten von WEF-GegenerInnen verändert.

 http://www.aufbau.org/index.php?option=com_content&task=view&id=514&Itemid=3

Attac zu sich selbst: Ideen "nicht umsetzbar"

egal 23.03.2009 - 15:28

Eigentlich eine schöne Aktion der Kommunikationsguerilla, Marke "Fake". Leider allerdings nicht vollständig, denn so eine Label-Organisation kann einfach nicht handeln, ohne für sich selbst Werbung zu machen. Schließlich geht es immer auch um Spenden und Mitglieder. Das aber war nicht anders zu erwarten - die echte Kommunikationsguerilla kann offenbar nur von denen gelingen, die eine eigene Kollektividentität verstecken können, weil wie die nicht brauchen oder, besser, auch gar nicht haben.
Aber immerhin, ließe sich sagen, wenn da nicht der Inhalt wäre. Der nämlich ist eine Mischung aus Staatsglauben und Neokeynesianismus. "Wir haben kein Paradies an die Wand gemalt", wird Attac-Funktionärin Jutta Sundermann zwei Tage später verkünden (Interview in: Junge Welt, 23.3.2009, S. 2) - aber das ist noch harmlos. Obwohl die Aktionsform dafür geradezu prädestiniert wäre, findet sich kaum etwas Utopisches im Blatt. Das meiste könnten auch SPDlerInnen im Wahlkampf so formulieren - oder steht ohnehin in der TAZ, die den größten Teil der Auflage verteilt. Doch noch absurder: Im besagten Interview bezeichnet das Attac-Koordinierungskreismitglied die ohnehin schwächlichen Entwürfe als "nicht umsetzbar". Zitat: "Es wäre sicher auch vermessen zu glauben, daß eine solche Politik bis zum 1. Mai 2010 umsetzbar ist."
Da passt, die Junge Welt weiterzublättern und auf Seite 8 auf den Kommentar von Daniel Behruzi zu stoßen. Der schreibt zur Lage beim Autokonzern Opel (den die Linke ja unbedingt retten will): "Wie anders als durchstaatliche Lenkung kann die Umstellung bei Opel und anderen Autokonzernen auf gesellschaftlich sinnvolle Produkte bewerkstelligt werden?" Etwas anderes als den Retter Staat können sich Linken offenbar gar nicht vorstellen. Wer gibt nochmal die Aufträge für Polizeiautos, Panzer und anderes Bundeswehrgerät an solche Konzerne?

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

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Jeep — Icke

aus den USA geklaut. — ideenklau

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@---- — internet

@internet — ----

arrgg — arrgg

@m — SchallundRauch

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