Kiel:Internationaler Frauenkampftag-Demo 8. 3

Emma Kortilis 09.03.2009 19:43 Themen: Antirassismus Freiräume Gender Militarismus Weltweit
In Kiel demonstrierten am Sonntag, den 8. März 2009 ca. 180 Personen anlässlich des Internationalen Frauenkampftages.
Am Sonntag, den 8. März 2009 fand in Kiel eine Demonstration anlässlich des Internationalen Frauenkampftages statt. Es beteiligten sich ca. 180 Menschen, davon ungefähr die Hälfte in Form eines Frauenblocks, der den Zug anführte. Das Motto der Demo „Macker zum Mond schießen“ hatte vielleicht dafür gesorgt, dass kaum GewerkschafterInnen oder andere bürgerlich organisierten Gruppen vertreten waren.
Es war dies die erste Frauendemo in Kiel seit 1993. Das gute Wetter sorgte zusammen mit guter Musik für eine gute Stimmung. Treffpunkt war der Hauptbahnhof Kiel, von dort aus ging es nach einer kurzen thematischen Einführung Richtung Innenstadt. Hier wurde am Asmus-Bremer-Platz eine Zwischenkundgebung zum Thema Militarisierung und Frauen im Krieg abgehalten. Dieser am Sonntag eher verschlafene Platz wurde als Ort für eine Kundgebung gewählt, weil hier in letzter Zeit Nazis ständig Flugblätter verteilen und den Platz in einem ihrer Texte schon zur „National befreiten Zone“ erklärten. Um diesen Kotzklumpen zu zeigen, dass der Platz keineswegs ihnen gehört, wurden dort zwei Redebeiträge gehalten, und zur Anti-Nato-Warm-Up-Demo diesen Samstag in Kiel aufgerufen. Danach ging es weiter, wieder zum Bahnhof und zur Endkundgebung. Danach lief der Zug zur Alten Meierei, wo es was zu Essen und zu trinken gab, bevor alle nach Hause gingen.
Insgesamt kam es in der gesamten Zeit zu keinem bedeutenden Zwischenfall. Die BullInnen versuchten hier und da zu nerven, doch schenkte ihnen niemand große Beachtung - bis auf die Clowns, die um die Demo und in der Demo gute Laune und Lippenstiftmünder verteilten. Insgesamt war die Demo laut und gut gelaunt, Parolen, Musik und Texte wechselten sich ab.
Zentral waren die Themen Krieg und Frauen und Frauenkampf als Bewegung. Es wurde auf die Wichtigkeit von Frauen- bzw. FrauenLesbenTransgender-Räumen eingegangen und betont, das weibliche Selbstorganisation männerfreie Räume braucht. Die Wichtigkeit weiblicher Solidarität, unter anderem im Zusammenhang mit Migration und Kriegstraumata wurde dargestellt. Am Ende erfolgte ein Appell an alle DemoteilnehmerInnen, das Thema Sexismus in ihrem Umfeld und in ihren Strukturen anzugehen und nicht so zu tun, als sei dies immer nur ein Problem „der anderen“ .
Klare Ansage war: Ohne die Befreiung der Frau gibt es keine Befreiung! Sexismus im Alltag angreifen!
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Ergänzungen

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(muss ausgefüllt werden) 11.03.2009 - 15:40
der Demo...

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(muss ausgefüllt werden) 11.03.2009 - 15:52
der Demo...

der Text

Emma 11.03.2009 - 22:56
Begrüßung

Ich werde im Folgenden die Begriffe Frau bzw. weiblich und Mann bzw. männlich verwenden. Ich verwende sie in dem Bewusstsein, dass sie als Einteilung zur Reproduktion von Geschlechterrollen beitragen. Dieser Missstand liegt in der Sprache selbst, in einer männlich dominierten Gesellschaft ist die Sprache Werkzeug des Sexismus. Dem kann mensch sich kaum entziehen. Ich möchte versuchen, diesen Umstand erträglicher zu machen, indem ich eines voraus schicke: ich möchte mit dem Begriff Frau alle die Menschen ansprechen, die sich als Frau fühlen. Beim Begriff Mann läuft das analog. Mir ist klar, dass das Problem durch diese Vorgehensweise nicht gelöst werden kann. Eine Auflösung der Geschlechterrollen macht eine neue Sprache nötig und möglich. Ich möchte nur klarmachen: ich schließe niemanden aus, und wer keinen Bock hat, sich einzuordnen, hat total Recht.

In diesem Text soll es um Frauenfreiräume an sich gehen und um das FrauenLesbenTransgenderCafé im Besonderen. Es wird der Frage nachgegangen, welchen Sinn und welche Aufgabe Frauenfreiräume bei der Überwindung von Geschlechtshierarchien haben.

Es wird immer wieder der Vorwurf laut, ein männerfreier Raum sei „doch auch“ sexistisch. Unser Ziel ist es nicht, eine Welt ohne Männer zu erschaffen. Unser Ziel ist es allerdings auch nicht, uns vor Männern ständig zu rechtfertigen. Wie erleben in unserem politischen Alltag oft eine mangelnde Bereitschaft, sich mit dem Thema Sexismus auseinander zu setzen. Sexismus wird in der sog. Radikalen Linken immer noch häufig als Problem der „Restgesellschaft“ abgetan. Der Sinn und die Notwendigkeit von Frauenräumen wird sehr oft falsch verstanden und stößt auf Unwillen und Widerstand. Besonders Männer sehen nicht ein, dass Frauen die Möglichkeit haben müssen, eigene Räume und Strukturen jenseits des männlich dominierten Alltags zu schaffen. Es wird vollkommen übersehen, dass im Patriarchat jeder Raum zuerst ein Männerraum ist, indem männliche Strukturen herrschen. Hier haben Frauen es schwer, Selbstbewusstsein zu entwickeln und sich der Unterdrückung durch Sexismus zu entziehen. Das ist vollkommen unabhängig davon, für wie „fit“ sich das männliche Umfeld hält. Ein Mensch, der die herrschenden Unterdrückungsmechanismen erkannt hat, wird sich mit Frauen solidarisieren, die einen Freiraum brauchen und verwirklichen. Der Mann, der Frauenräume mit der Begründung ablehnt, er ließe sich nicht als Sexist abstempeln, hat seine Rolle im Kampf gegen Sexismus nicht begriffen. Es ist ein Trugschluss, zu glauben, dass eine irgendwie geartetes Bewusstsein der Umstände ausreicht, um diese zu verändern. Es ist Arbeit nötig, um Geschlechterrollen aufzubrechen.
Geschlechterrollen sind ihrem Wesen nach hierarchisch. Das bedeutet, ein Mann kann einen Frauenraum nicht nutzen, weil er die Hierarchie nicht abstellen kann, die an sein Geschlecht gekoppelt ist. Wir versuchen, die Verbindung von Geschlecht und Machtpositionen zu lösen. Doch dafür müssen Frauen sich zuerst ihrer Potenziale und Ziele bewusst werden. Indem Männer uns vorschreiben, wie wir Räume nutzen sollen, um antisexistisch zu arbeiten, beweisen sie, dass Frauenräume umso nötiger sind, um eigene Strategien zu entwickeln und Vertrauen in die eigenen Möglichkeiten zu gewinnen.
Das Kieler FLTCafé (FrauenLesbenTransgender) existiert seit über drei Jahren. Seit einem halben Jahr hat die Crew gewechselt, wir haben den Namen des Cafés beibehalten. Am ersten Donnerstag im Monat veranstalten wir ein Café exklusiv für FLT. Uns ist es wichtig, diesen Raum auch explizit für Lesben und Transgender zu öffnen. Wir möchten dadurch zeigen, dass die antisexistische Arbeit ganz unterschiedliche Ansätze und Lebensziele vereinen kann. Außerdem grenzen wir uns gerade durch den Transgender-Ansatz vom bürgerlichen Feminismus ab, der häufig auf der Annahme fußt, es gäbe zwei Geschlechter mit ihnen typischen festen Attributen. Wir setzen uns für eine Dekonstruktion von Geschlechterrollen ein.
Als wir das Café übernommen haben, hatten wir das Ziel, politische Arbeit an weiblichen Themen in den Vordergrund zu stellen. Wir haben diese Demo unter anderem deshalb organisiert, weil wir uns zu wenig wahrgenommen fühlen. Wir wünschen uns eine regere Teilnahme und mehr Feedback von unseren Besucherinnen. Mit den FLT, die das Café besuchen, haben wir durchweg schöne Abende erlebt, und wir möchten jede nochmals herzlich einladen, vorbei zu kommen und teilzunehmen. Wir als Gruppe haben uns immer wieder über die gute Stimmung und die tollen Gespräche gefreut. An dieser Stelle all denen, die uns unterstützt haben einen herzlichen Dank und einen fetten Applaus! Ihr seid spitze!
Sehr störend ist die Tatsache, dass so gut wie kein Monat vergeht, indem nicht Männer den Frauenraum, den das Café darstellt, missachten. Es ist ermüdend und nervtötend, jedes mal wieder festzustellen, dass das Thema Frauenraum weder wirklich ernst genommen wird, noch die Tragweite des eigenen Handels erkannt wird. Das Café wird als Provokation verstanden, als unbequemes Zugeständnis an die Frauen. Die Tatsache, das das Café eine Notwendigkeit in der politischen Landschaft darstellt, wird übersehen oder bestritten. Ohne Befreiung der Frau gibt es keine Befreiung! Wir weigern uns, Zugeständnisse an Männer zu machen, ihr habt mehr als genug Platz! Euer Verhalten zeigt nur umso mehr, dass das FLTCafé dringend nötig ist. Wir nehmen uns Raum, einen Tag im Monat, einmal im Jahr am 8. März. Immer wieder und jedes Mal hoffentlich ein bisschen mehr!
Für die Zukunft ist es wichtig, das FLTCafé als Raum zu erhalten und auszubauen. Dafür benötigen wir eure Unterstützung. Wir möchten eine Perspektive entwickeln. Dazu laden wir alle interessierten FLT ein, im nächsten Café dabei zu sein. Am 3. April ab 19:30 am altbekannten Ort wollen wir diskutieren und herausfinden, wies weitergehen soll. Wir fordern darüber hinaus alle Personen auf, in ihren Zusammenhängen das Thema Sexismus auf den Tisch zu bringen. Unabhängig von Geschlecht oder sexueller Orientierung ist dies ein Thema, was uns alle angeht. Es wäre ein guter Ansatz, eine geschlechterübergreifende Arbeitsgruppe zum Thema Sexismus zu gründen. Von kontinuierlicher Arbeit zu dem Thema können alle profitieren. Ein Anfang ist gemacht, und dies war nicht das letzte Mal, dass ihr von uns hört!

Abschied

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

Zeige die folgenden 2 Kommentare an

hurra — deconstruct gender

Es war — echt gut