Gera: Nach dem Skandal ist vor dem Skandal

Antifa Aktion Gera 26.02.2009 11:24 Themen: Antifa
Kampfsportverein aus Neonazikreisen findet in Ronneburg willige Unterstützer – unter ihnen die Stadtratsfraktion der Linken

"Nichts gewusst oder alltägliche Normalität?" fragte vor zwei Jahren die Antifaschistische Aktion Gera [AAG], als ein Kampfsportverein aus Neonazikreisen die Bogenbinderhalle in Ronneburg für einen "Fight Club" mietete. Nun kann der Eastfight e.V. aus Gera am nächsten Samstag wieder das städtische Gebäude nutzen. Dazu verhalfen ihm nicht zuletzt der Bürgermeister und die dortige Stadtratsfraktion der Linken. Erst im November letzten Jahres wurde dem Verein der Austragungsort in Gera gekündigt und die Veranstaltung verhindert.
Von Neonazis wollen sie nichts wissen oder es ist ihnen gleich, wem sie am 28. Februar die Bogenbinderhalle überlassen. Entgegen aller Widerstände versuchen Bürgermeister Manfred Böhme (CDU) und die Stadtratsfraktion der Linken die Kampfsportveranstaltung am 28. Februar durchzusetzen. Die Bitte nach einer Stellungnahme ignoriert die Stadt bis zum jetzigen Zeitpunkt beharrlich. Gegenüber der SPD-Jugend (JUSOS) äußerte ein Stadtratsmitglied der Linken indirekt, dass auch Neonazis unter den Gästen wären. Außerdem wurde bekannt, dass der Antrag zur Gebäudenutzung auf Betreiben des Stadtratsabgeordneten der Linken Jürgen Bäumler zustande kam, der gleichzeitig Mitglied des Jugendausschusses ist. Dies ist umso fragwürdiger, da dessen Sohn Peter Bäumler das "Aushängeschild" des Eastfight e.V. ist und als Hauptkämpfer für kommenden Samstag angekündigt wird.
Nach AAG Informationen sind mittlerweile alle Gesprächsversuche von Seiten anderer VertreterInnen der Linken gescheitert nachdem die Stadtratsfraktion in Ronneburg jegliche Einwände zurückgewiesen hat und von einem reinen Sportevent spricht.

Doch es liegen genug Belege über Neonaziverstrickungen des "Eastfight e.V." und des angekündigten "Fight Club" vor. Mitglieder des Vereins tragen die Neonazikleidung "Thor Steinar" und "Consdaple" oder stellen im Internet einen tätowierten Wehrmachtssoldaten zur schau. Der Initiator des "Eastfight e.V." und Ansprechpartner für kommenden Samstag Lars Weber war in den neunziger Jahren als rechter Schläger in Gera bekannt. Selbst die Polizei bestätigt dessen Nähe zur Neonaziszene. Einem Bericht der Ostthüringer Zeitung vom Dezember letzten Jahres, interessiert sich auch der Verfassungsschutz für den Verein. Webers Sicherheitsfirma "Alpha DSD" beschäftigt Mitglieder des Eastfight e.V., die als Türsteher mit antisemitischen Sprüchen und der Tätowierung "Braune Teufel Gera" auffielen.
Zu den Kampfsportveranstaltungen 2005 in Gera und 2007 in Ronneburg waren Neonazis aus Thüringen und Sachsen anwesend. Als Sponsoren bzw. Vorverkaufsstellen traten die Geschäfte "Youngland" in Gera, "Objekt 90" in Ronneburg und "The Last Resort Shop" in Zwickau in Erscheinung.
Der Betreiber von "Objekt 90" Ingo Hänel aus Reichsstädt war in den letzten Jahren Besteller beim Neonazishop „Aufruhr-Versand“. "The Last Resort Shop" ist seit Jahren ein Anlaufpunkt für Neonazis. Im Dezember 2007 versammelten sich über 100 von Anhänger vor dem Laden, nachdem antifaschistische Proteste angekündigt wurden.
Beide Geschäfte werben aktuell für den "Fight Club". Zudem verkaufen sie Vereinskleidung des "Eastfight" und Neonazimarken. Neben "Thor Steinar" auch das Konkurrenzlabel "Erik and Sons", das auf Werbeplakaten für die kommende Veranstaltung als präsentierender Sponsor angeführt wird.
Unter den Kämpfern befindet sich auch Max Schlegel, der durch eindeutige Äußerungen der Neonaziszene zuzuordnen ist. Er ist Mitglied im Fightsport Gera e.V., der im Oktober letzten Jahres ebenfalls wegen Verbindungen zur Neonaziszene in die Schlagzeilen geriet.

Der Stadt sind die Hintergründe der Veranstaltung seit letzter Woche bekannt. "Wer trotz alledem von einem reinen Sportevent spricht, nimmt die Unterstützung von Neonazis billigend in Kauf", kommentiert dies die Pressesprecherin der [AAG] Anna Schneider und führt fort: "Das zivilgesellschaftliche Defizit in Dörfern und Kleinstädten wie Ronneburg ist tiefgreifend. Bei vielen muss erst ein Bewusstsein geschaffen werden, dass eines klarstellt: keine Toleranz für Neonazis! Wir fordern daher die sofortige Kündigung des Mietvertrages und rufen die regionalen VertreterInnen der Linken auf, das unverantwortliche Handeln der Stadtratsfraktion deutlich zu kritisieren und Konsequenzen für die Zukunft zu ziehen."

Antifaschistische Aktion Gera [AAG], 25. Februar 2009
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Ergänzungen

Hintergrundinfos

`-´ 26.02.2009 - 13:02
Eastfight/Alpha DSD/Objekt 90 (und SUP/Fightsport Gera)
2005/2006  http://aag.antifa.net/aag/archiv2005.html
2005/2006  http://aag.antifa.net/aag/archiv2006.html ("Fight Club mit Nazis
findet trotz Stadtratsresolution statt", 10.01.2006)
2007  http://de.indymedia.org/2007/02/167933.shtml
2008  http://aag.antifa.net/aag/archiv2008.html

Max Schlegel
 http://media.de.indymedia.org/media/2008/11//233466.pdf

"Erik and Sons" und "Thor Steinar"
 http://investigatethorsteinar.blogsport.de/images/investigate_thor_steinar_2_web.pdf

"The Last Resort Shop" Zwickau
 http://artz.blogsport.de/who-is-who/5

Ostthüringer Zeitung (OTZ) von heute:

Schlagabtausch abseits des Boxrings
Kampfabend in Ronneburg nicht abgesagt
Von Katja Schmidtke Ronneburg. Eine Nacht der Gladiatoren versprechen Box-Veranstalter für Sonnabend in Ronneburg. Doch der Wettkampf sorgt außerhalb des Ringes für Auseinandersetzungen. Gelten solche Kämpfe doch als Anziehungspunkte für Rechtsextreme.

Hintergrund sind ähnliche Veranstaltungen, die im Oktober und November in Gera abgesagt wurden. Der Verein Eastfight kündigte damals an, den Kampf zu verschieben. Nach der Auflösung des Vertrages mit der Stadt Gera über die Anmietung des Kultur- und Kongresszentrums wurde nun eine andere städtische Immobilie gefunden - die Ronneburger Bogenbinderhalle.

Laut dortiger Stadtverwaltung wurde der Termin über eine Veranstaltungsagentur gebucht. Als einzige Kontaktmöglichkeit auf der Internetseite des Boxkampfes wird nur die Handynummer des Vereinsvorsitzenden von Eastfight e.V. genannt. Ebenso fehlt auf der Homepage ein Impressum. Angemeldet ist die WWW-Seite auf eine Privatperson. Derselbe Name taucht auch als Inhaber von www.eastfight.de auf. Dort wirbt der Verein für das Box-Event.

Beim Verfassungsschutz ist Eastfight seit Dezember 2005 bekannt, als ein rechter Szeneladen für eine Eastfight-Veranstaltung warb. Als rechtsextrem stuft Mobit e.V., die mobile Beratung gegen Rechtsextremismus, den Verein ein. "Natürlich ist nicht jeder Boxverein rechts, aber das Martialische, Männliche, Gewalttätige lässt sich mit der Ideologie vereinbaren und zieht ein bestimmtes Publikum an", so Nicole Schneider von Mobit.

Teile der Ronneburger Kommunalpolitik halten eine Rechtslastigkeit des Vereins für Spekulation. Bürgermeister Manfred Böhme (CDU) sagt, Mutmaßungen seien kein Grund, die Veranstaltung abzusagen. Dieter Steinhäuser (Linke) berichtet aus einem Gespräch zwischen Kommunalpolitikern und Veranstaltungsfirma, dass "die uns hoch und heilig geschworen hat, dass es keine rechtsextremen Hinweise" gebe. Steinhäuser habe eine ähnliche Veranstaltung vor zwei Jahren besucht. "Alles war sauber", erinnert er sich. Er sehe keine Chance, den Kampf abzusagen, ohne dass die Stadt für Verluste aufzukommen habe.

Für eine Absage hatten sich Mobit, die Landrätin sowie die Ronneburger SPD stark gemacht. SPD-Landtagsmitglied Heike Taubert reichte als Reaktion drei kleine Anfragen in den Landtag ein. Auch der Kreisverband der Linken hat sich gegen die Veranstaltung positioniert. "Ich denke, dass man versucht hat, die Hintergründe abzuklopfen", stellte sich die Kreisvorsitzende Diana Skibbe jedoch vor die Ronneburger Linke, die im Kulturausschuss für den Kampf geworben haben soll. Die Entscheidung liege letztlich bei der Stadt, so Skibbe. Das ist auch das Fazit des Landratsamts. Landrätin Martina Schweinsburg (CDU) teilte mit, sie habe aber "überhaupt kein Verständnis für derartige Belustigungen".

Bürgermeister Böhme räumte ein, ein Boxkampf sei nicht jedermanns Geschmack. "Ich hätte lieber ein Konzert in der Halle." Musik und Tanzen - auch das soll am Sonnabend geboten werden. Offiziell ist eine Tanzveranstaltung angemeldet. Tatsächlich verbergen sich dahinter "Lesbenshow" und "Oben ohne Boxen".

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