Naziläden in Ludwigshafen

S. Chlau 12.01.2009 23:29 Themen: Antifa
Seit Mitte 2008 betreiben Nazis in Ludwigshafen zwei Läden. Der erste Laden, „Streetwear Company”, wird von Malte Redeker, einem international aktiven Hammerskin und Mitglied im Kameradschaftsnetzwerk „Aktionsbüro Rhein-Neckar” betrieben. Der Besitzer des zweiten Ladens „Thugs” ist eher der Hooligan-Szene zuzuordnen. In dessen Sortiment finden sich zahlreiche Thor Steinar Artikel.
Ludwigshafen ist nicht nur ein regionaler Knotenpunkt zahlreicher rechtsextremer Aktivitäten. Die rechte Szene der Stadt hält bundesweit und international Kontakte. Vor Ort sind Kameradschaften und NPD-Kreisverbände aktiv. Nazi-Kader, wie Matthias Hermann oder Christian Hehl, sehen die Stadt als Rückzugsort.
Die Republikaner waren bei der letzten Kommunalwahl drittstärkste Partei und sind mit 8% in den Gemeinderat eingezogen. Der Alltag in der Stadt ist geprägt von Übergriffen und Bedrohungen von NazigegnerInnen und zahlreichen Schlägereien zwischen Nazis und MigrantInnen. Rechte Musikveranstaltungen und Partys finden regelmäßig statt. Das Stadtbild ist übersät von Nazipropaganda.
Im Herbst 2008 hat sich das Bündnis Ladenschluss gegründet, um gegen diese Zustände vorzugehen. Von Antifa-Gruppen initiiert, haben sich mittlerweile mehr als 30 Gruppen dem Bündnis angeschlossen. Mit dabei sind Gewerkschaften, Bürgerinitiativen, Jugendverbände, linke Parteien und deren Jugendorganisationen sowie zahlreiche Antifa-Gruppen. Nicht dabei sind solche Organisationen, deren Antifaschismus sich in Lippenbekenntnissen erschöpft und die lieber Links und Rechts gleichsetzen, als gegen Nazis vorzugehen (z.B. CDU, Kriminalrat der Polizei...).
Die antifaschistische Kampagne des Bündnis Ladenschluss begann mit einer Veranstaltungsreihe in der Fachhochschule, um zuerst einmal die Bevölkerung zu informieren. Prompt griffen am ersten Abend 30 Nazis die Veranstaltung an. Der Angriff konnte erfolgreich abgewehrt werden. Die Folge waren eine aufmerksame Presse und ein starker Zusammenhalt im Bündnis. Alle Veranstaltungen waren sehr gut besucht. Die Presse berichtete in Tageszeitungen, Radio und Fernsehen durchweg positiv von unserem Engagement – auch im weiteren Verlauf der Reihe. Fast alle relevanten politischen AkteurInnen in der Stadt sahen sich gezwungen, Stellung zu beziehen. Das reichte von "kein Handlungsbedarf" (CDU) über eindeutige Positionierungen gegen Rechts (z.B. FH) bis zu Forderungen nach einer Koordinationsstelle zur Ausarbeitung von Strategien gegen Rechts (Grüne). Um den Betreiber des „Thugs” davon zu überzeugen, die Nazi-Artikel aus seinem Sortiment zu nehmen, schrieb das Bündnis Ladenschluss einen offenen Brief, jedoch ohne Erfolg. Der Betreiber outete sich als rechts-offen. Weitere öffentlichkeitswirksame Aktionen waren das Verteilen von Flugblättern und Spaziergänge, bei denen u.a. Nazi-Propaganda entfernt wurde. Die Polizei zeigte sich repressiv und behinderte die Arbeit des Bündnisses. Für die Zukunft sind weitere Veranstaltungen und eine Demonstration geplant.
Erste Erfolge sind bereits zu verzeichnen. Die Berichterstattung in der Presse und der öffentliche Druck haben die politische Situation in Ludwigshafen verändert. In einem Gespräch mit dem Vermieter des "Streetwear Company" zeigte sich dieser verärgert über den Nazi, der sich durch Angabe falscher Tatsachen eingeschlichen hatte. Eine Kündigung wurde bereits ausgesprochen. Wir sind guter Dinge, dass es für die Nazis schon bald heißt: "Ladenschluss!". Ein erster Höhepunkt der antifaschistischen Kampagne wird eine Bündnis-Demonstration am 17. Januar sein. Lediglich über das Verhalten der Offiziellen gibt es Unmut. Schon im Vorfeld behindert das Ordnungsamt in Zusammenarbeit mit der Polizei den reibungslosen Ablauf der Demo. Skandalöse Auflagen sollen die Versammlungsfreiheit einschränken. Beispielsweise wird die Kundgebung vor den Naziläden verboten, ebenso wie das Tragen von Sonnenbrillen oder Seitentransparenten. Die VeranstalterInnen erwarten massive Angriffe auf die Demonstration. Das Bündnis hat angekündigt, sich auf verschiedenen Ebenen dagegen zu wehren.
Creative Commons-Lizenzvertrag Dieser Inhalt ist unter einer
Creative Commons-Lizenz lizenziert.
Indymedia ist eine Veröffentlichungsplattform, auf der jede und jeder selbstverfasste Berichte publizieren kann. Eine Überprüfung der Inhalte und eine redaktionelle Bearbeitung der Beiträge finden nicht statt. Bei Anregungen und Fragen zu diesem Artikel wenden sie sich bitte direkt an die Verfasserin oder den Verfasser.
(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)

Ergänzungen

Demonstration

P. F. Lasterstein 13.01.2009 - 10:21
Zur Demo:
"Ladenschluss ... kein Shopping für Nazis!"
Samstag, 17. Januar 2009
Beginn: 13.00 Uhr
Treffpunkt: Rathauscenter Ludwigshafen (Lichthof)
Aufruf:  http://buendnisladenschlussludwigshafen.blogsport.de/aufruf/

Die Behörden versuchen die Demonstration mit einem vollkommen willkürlichen und skandalösen Auflagenkatalog zu behindern. Der AK Antifa Mannheim hat hierzu eine Pressemitteilung veröffentlicht:
 http://buendnisladenschlussludwigshafen.blogsport.de/images/PEAKAntifa8.1.09Demoauflagen.pdf

Das organisierende Bündnis Ladenschluss Ludwigshafen wird sich die Schikanen nicht gefallen lassen und auf verschiedenen Wegen gegen die massive Beschränkung des Demonstrationsrechts vorgehen.


4. Veranstaltung im Vorfeld der Demo:
"Die NPD" mit Robert Andreasch
Mittwoch, 14. Januar 2009
Beginn: 20.00 Uhr
Ort: ver.di-Haus, Kaiser-Wilhelm-Straße, Ludwigshafen

Weitere Infos unter:
 http://buendnisladenschlussludwigshafen.blogsport.de/
 http://akantifa-mannheim.de/


Ladenschluss - Kein Shopping für Nazis

antifa.sozialbetrug 13.01.2009 - 12:42
Demonstration gegen Nazis und ihre Läden am 17. Januar 2009, 13Uhr, Ludwigshafen, Rathauscenter (Lichttor)

Ob Aufmärsche, rechte Kundgebungen oder Übergriffe gegen MigrantInnen. Die Liste von Naziaktivitäten in Ludwigshafen und Umgebung in den vergangenen Jahren ist lang und sie spiegelt wider, wie sich die rechte Szene in der Stadt etabliert hat. Es gibt rechte Treffpunkte wie Kneipen oder Parties und inzwischen wohnen auch einige bundesweit aktive Nazigrössen in der Stadt. Seit kurzem kommen zwei weitere Punkte in diese Auflistung hinzu. Im Sommer 2008 wurden zwei Geschäfte gegründet, in denen Neonazis Kleidung, Musik und andere Gegenstände für ihre Szene verkaufen.

Einer der beiden Läden “Streetwear company” befindet sich im Stadtteil Süd in der Halbergstr. 56, im Hinterhof. Die Angebotspalette reicht hier von Szenekleidung (z.B. der Marken Thor Steinar und MaxH8), über CDs mit rechtsextremer Musik bis hin zum Pfefferspray. Der Betreiber des Geschäfts, Malte Redeker, ist in der Naziszene kein unbeschriebenes Blatt. Er wohnt in LU-Süd und ist eine zentrale Figur in regionalen und bundesweiten Nazi-Netzwerken. Organisiert ist er im Aktionsbüro Rhein-Neckar und bei den Hammerskins. Da der Betreiber das Licht der Öffentlichkeit meidet, hat er bisher kein Schild am Gebäude angebracht und nur innerhalb der rechten Szene Werbung gemacht (mit dem Slogan „Von der Bewegung – Für die Bewegung“). Der Laden hat an drei Tagen in der Woche mittags, bzw. nachmittags geöffnet.

Das zweite Geschäft trägt den Namen “Thugs” und befindet sich in Friesenheim in der Ernst-Lehmann-Straße. „Thugs“ heißt übersetzt aus dem Englischen „Schläger, Gewalttäter“. Hier ist der Name Programm. Die Kundschaft besteht zu einem großen Teil aus rechten Hooligans des SV Waldhof Mannheim, die sich hier mit Kleidung der Nazi-Marke Thor Steinar versorgen können. Inzwischen dient der Laden der Hooliganszene auch als Treffpunkt, wo man sich am Wochenende zum Biertrinken trifft.

Es stellt sich unwillkürlich die Frage, warum die Nazis Ladengeschäfte anmieten, wo doch der Vertrieb der braunen Ware übers Internet deutlich weniger Kosten und Risiken bedeuten würde. Ihnen geht es dabei jedoch nicht nur um den Verkauf. Ihre Läden sind für sie von strategischer Bedeutung, da sie hier in direkten persönlichen Kontakt mit ihrer Zielgruppe treten können. Unpolitische oder unentschlossene junge Menschen sollen zunächst über Musik und Kleidung an den rechten Lifestyle und die rechte Subkultur herangeführt und später in die Szene eingebunden werden. Ein Ladengeschäft dient jedoch nicht nur als Rekrutierungsfeld und Geldquelle, sondern stärkt auch die vorhandenen Strukturen der Rechtsextremen. Es kann als Treffpunkt, als Kommunikationsort an dem Informationen ausgetauscht werden können, sowie als legaler Logistikstützpunkt genutzt werden.
Wenn sich ein solcher Laden etabliert, erhöht dies die Attraktivität des Stadtteils für Mitglieder der rechtsextremen Szene und führt automatisch zu erhöhter Präsenz und einem Zuzug von weiteren Personen aus diesem Spektrum. Was dies für einen Stadtteil und insbesondere für die BewohnerInnen, die nicht in das beschränkte Menschenbild der Nazis passen, bedeutet, kann sich jedeR vorstellen.

Rückenwind erhalten die Nazis durch ein gesellschaftliches Klima von Sozialabbau, Krieg und Ausgrenzung, wodurch sich der politische Mainstream in den vergangenen Jahren immer weiter nach rechts verschoben hat. Schon seit Jahren gehen verschiedene Parteien mit rechten Parolen auf Stimmenfang und machen so rechtes Gedankengut salonfähig. Gleichzeitig versuchen Politiker und Teile der Medien die Rolle Deutschlands in der Zeit des zweiten Weltkriegs umzudeuten – aus Tätern sollen Opfer werden. Rechtes Gedankengut ist verstärkt in der Mitte der Gesellschaft anzutreffen. Auch diese Entwicklungen bieten den Nazis einen fruchtbaren Nährboden, auf dem sie ihr Gedankengut weiter verbreiten können. Dem muss entschlossenes antifaschistisches Handeln entgegengesetzt werden.

Gemeinsam und konsequent wollen wir gegen die Nazi-Läden und gegen Nazi-Strukturen vorgehen. Es ist nicht das erste Mal, dass die Neonazis versuchen, in Ludwigshafen ein Geschäft zu etablieren. 1997 eröffnete der Nazi-Multifunktionär und Waldhof-Hooligan Christian Hehl in LU-Süd seinen Laden “Hehl´s World”. Die Zielsetzung der Nazis war vor elf Jahren die gleiche wie heute. Damals gelang es, durch massiven und breiten antifaschistischen Widerstand, eine Schließung des Ladens zu erreichen. Das ist auch jetzt unser Bestreben, denn es gilt für uns heute noch der Schwur der Überlebenden des Konzentrationslagers Buchenwald: “Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel.”

Deshalb:

Nazi-Läden dichtmachen, Nazi-Strukturen zerschlagen!

Für die Freiheit, für das Leben!

Gehen wir zusammen auf die Straße gegen die Nazis, ihre Läden und ihre Strukturen am 17. Januar 2009, 13Uhr, Ludwigshafen, Rathauscenter (Lichttor)

 http://buendnisladenschlussludwigshafen.blogsport.de/aufruf/

 http://antifasozialbetrug.siteboard.de/antifasozialbetrug-post-5576.html#5576

NAZILÄDEN SCHLIESSEN!
 http://antifasozialbetrug.siteboard.de/antifasozialbetrug-post-4552.html#4552

----------------------

MIT EURER STIMME UNTERSTÜTZT IHR UNSERE ANTIFASCHISTISCHE ARBEIT!

UNSER FORUM  http://antifasozialbetrug.siteboard.de/ IST FÜR DEN BESUCHER-AWARD NOMINIERT.
WIR BITTEN UM EURER UNTERSTÜTZUNG! IHR KÖNNT ALLE 3 STUNDEN FÜR UNS VOTEN

 http://www.besucher-award.de/index.php?cid=13

 http://antifasozialbetrug.siteboard.de/antifasozialbetrug-about1429.html

Zugtreffpunkt

A 13.01.2009 - 16:50
Zur Demo gegen die Naziläden in Ludwigshafen wird es einen Zugtreffpunkt aus Richtung Germersheim geben.

Nähere Infos:  http://antifaspeyer.blogsport.de/2009/01/04/zugtreffpunkt-fuer-demo-gegen-nazis-und-ihre-laeden/

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

Verstecke die folgenden 2 Kommentare

Wann wo .... Keilerei ?

Der Dicke 13.01.2009 - 00:27
Wann gehts los ? vor 12 ?

schade eigentlich

begge peter 19.01.2009 - 18:11
leider müsst auch ihr euch damit abfinden, dass wir in einer demokratie leben. im eigentlichen sinne müsste man euch strafrechtlich verfolgen, denn jemanden als nazi zu beschimpfen ist schon ziemlich derbe. dazu müsstet ihr die person schon gut kennen, wovon ich nicht ausgehe. und das von seiten der politik kein handlungsbedarf besteht, lässt nochmals darauf schließen, dass sich alles rahmen der legalität befindet.
trotzdem einen gruß von meiner seite, aber manchmal dürfte die wortwahl etwas gepflegter sein
gruß de begge peter