Kirche macht gegen spanische Regierung mobil

Ralf Streck 07.01.2009 19:16 Themen: Gender
Katholischen Parlamentariern wird mit Exkommunion gedroht, wenn sie dem neuen Abtreibungsrecht zustimmen. Die Sozialisten (PSOE) wollen das alte Gesetz aktualisieren und es Frauen freistellen, bis zur 14 Schwangerschaftswoche abzutreiben. Es ist aber nicht auszuschließen, dass sie erneut vor der starken Rechten einknicken.
Die Katholiken in Spanien laufen erneut Sturm gegen ein Gesetz der sozialistischen Regierung. Die Sozialisten (PSOE) wollen das veraltete Abtreibungsgesetz von 1985 reformieren, wogegen die konservativen Bischöfe mit aller Macht und der Unterstützung des Vatikans mobilisieren. Der Sprecher der Bischofskonferenz Juan Antonio Martínez Camino erklärte, “man darf keine noch breiter angelegte Lizenz zum Töten ausstellen". Die Abtreibung stehe im Gegensatz zu Recht und Gesetz, meint Bischof Camino. "Es ist ein Widerspruch zum humanistischen und christlichen Weltbild, Gesetze zu beschließen, die eine Lizenz zum Töten ausstellen". Zu den Tätern zählte Camino nicht nur die Frauen, die ihre Schwangerschaft abbrechen, sondern auch die Unterstützer. Dazu gehörten auch die Abgeordneten und Gesetzgeber, welche derlei Gesetze beschließen. Die Exkommunion drohe deshalb nicht nur den Frauen, "sondern allen, deren direkte Unterstützung notwendig ist, um die Abtreibung durchzuführen".

Die Kirche will die Diskussion um ein modernes Abtreibungsrecht beeinflussen. Vorgesehen ist, dass Frauen über die Abtreibung bis zur 14 Woche frei entscheiden können. Bisher gehört Spanien eher zu den restriktiven Ländern in Europa. Allerdings wird das Gesetz, bis auf wenige sehr konservative Regionen, meist liberal ausgelegt. Grundlage dafür war, dass die PSOE 1985 einen Passus eingefügt hat, der eine legale Abtreibung ermöglichte. Seither ist eine Abtreibung nach einer Beratung auch dann möglich, wenn die "körperliche oder geistige Gesundheit" der Mutter gefährdet ist. Diesen Passus hatte auch die ultrakonservative Volkspartei (PP) in acht Regierungsjahren bis 2004 nicht beseitigt, die in der Öffentlichkeit gegen Abtreibungen wettert und das konservative Familienbild der Kirche verteidigt. ( http://de.indymedia.org/2008/06/220832.shtml)

Die Bischöfe kündigten neue Proteste an. Man müsse alles tun, damit den Gesetzgebern klar werde, dass die Katholiken die Abtreibung nicht wollen, fügte Camino an. Die Bischöfe wollen an die erfolgreiche Massenversammlung anknüpfen, welche sie zum Jahreswechsel in der Hauptstadt Madrid organisiert hatten. Mehrere hunderttausend Katholiken nahmen an einem Gottesdienst zur Verteidigung ihres Familienbilds teil. Auch hier standen die Abtreibungen im Mittelpunkt, die der Madrider Erzbischof Antonio Maria Rouco Varela brandmarkte. Der Vorsitzende Bischofskonferenz bezeichnete Abtreibungen dabei als "Kultur des Todes".

Unterstützung erhielten sie dafür auch aus dem Vatikan. Papst Benedikt XVI. war direkt zugeschaltet und wandte sich über Großbildleinwände an die Gläubigen und rief sie zur Verteidigung der christlichen Familienwerte auf. Damit richtete er sich, wie schon im Vorjahr, gegen die Regierung unter Jose Luis Rodriguez Zapatero. Die hatte die Kirche mit Erleichterungen bei der Ehescheidung und der Legalisierung der gleichgeschlechtlichen Ehe aufgebracht. Vor starkem Druck der Kirche sind die Sozialisten bei Vorhaben auch immer wieder eingeknickt. Statt deren Finanzierung aus dem Staatsäckel einzuschränken, wurde sie sogar ausgeweitet. Der Einfluss der meist kirchlichen Privatschulen blieb nach starken Protesten auch unangetastet. Sie dürfen die Inhalte weiter selbst bestimmen und der Staat finanziert sie mit mehr als vier Milliarden Euro im Jahr. Noch deutlich schlimmer war aber der Umfaller beim Gesetz, mit dem die Franco-Opfer rehabilitiert werden sollten ( http://de.indymedia.org/2007/11/198288.shtml).

© Ralf Streck den 07.01.2009
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Ergänzungen

exkommunizieren

stephan 08.01.2009 - 12:19
Es erzeugt einen falschen Eindruck, wenn im Artikel ausgeführt wird, die Bischöfe würden mit Exkommunion drohen. In Wirklichkeit ist es nach katholischer Lehre so, daß Taten existieren, die dirket durch ihre Ausführung oder aktive Unterstützung zum Ausschluß führen, ohne daß es eines kirchenrechtlichen Verfahrens (also eines Beschlusses der Kurie) bedürfte. Und zu solchen Taten gehören neben Angriffen auf Priester eben auch die Abtreibung.

mehr dazu:

Entdinglichung 08.01.2009 - 15:05
die katholische Kirche in Spanien führt derzeit auf mehreren Ebenen eine Art "Kulturkampf" gegen die PSOE-Regierung, so auch bezüglich der relativ vorsichtigen Gedenkpolitik der Regierung, siehe  http://bataillesocialiste.wordpress.com/2007/10/29/leglise-catholique-soutien-du-franquisme/

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

Verstecke die folgenden 4 Kommentare

Was tun bei Arbeitsrechtlichen Repression?

Brigitte Heinisch 07.01.2009 - 23:57
Emmely wurde nach 31 Jahren Arbeit bei Kaisers fristlos
unter dem Vorwand des Verdachts gekündigt, Pfandbons für 1,30 € falsch
abgerechnet zu haben. Emmely sagt, an dem Vorwurf ist nichts dran.
Tatsächlich hatte sie den Einzelhandelsstreik in ihrer Filiale organisiert.
Davon ließ sie sich auch durch Vieraugengespräche mit Vorgesetzten
nicht abbringen, sie blieb beim Streik. Sie verlor die Kündigungsschutzklage in der ersten Instanz. Der Berufungsprozess findet am 27. Januar statt.
Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand das Konstrukt 'Verdachtskündigung'. Die Anwältin Sandra Kunze stellte die juristischen Aspekte dieses Konstrukts im Vergleich zur 'Tatkündigung' dar. Bei einer 'Tatkündigung' muss die Tat bewiesen werden, der bloße Verdacht reicht nicht aus. Die Verdachtskündigung hebelt die sogenannte Unschuldsvermutung aus. Der Gekündigte muss beweisen, dass er etwas nicht getan hat. Die Wurzeln der 'Verdachtskündigung' liegen in der Weimarer Republik und zogen sich über den Faschismus bis hinein in die Gegenwart.
Die Altenpflegerin Brigitte Heinisch schilderte im Anschluss ihren Fall. Sie hatte die menschenverachtenden Zustände in ihrem von Vivantis geführten Pflegeheim angeprangert. Daraufhin erhielt sie drei Kündigungen, unter anderem weil ihr der Vorwurf gemacht wurde, ein Flugblatt verteilt zu haben. Der Verdacht reichte aus. Sehr bewegend erzählte sie, wie sie durch die jahrelangen Auseinandersetzungen mit Arbeitgeber und Gerichten krank wurde, aber sich gleichzeitig politisierte.
Gregor Zattler vom Komitee „Solidarität mit Emmely“ erörterte daraufhin weitere Fälle in denen Beschäftigte vom Arbeitgeber mit dem Mittel der Verdachtskündigung aus dem Unternehmen gekickt wurden. Es wurde deutlich, dass Emmely kein Einzelfall ist.
Was tun bei Arbeitsrechtlichen Repression? Unterschiedliche Positionen kamen in der Diskussion zur Sprache: Druck von unten, auf der Straße und Druck auf bez. von Institutionen und Gewerkschaften. Der Berufungsprozess steht an. Das Solidaitätskomitee organisiert eine Kundgebung vor dem Landesarbeitsgericht Berlin (Magdeburger Platz 1) am 27.01.09 um 9:30Uhr. Danach geht’s zum Prozess. Gerade hier ist es wichtig präsent zu sein. Wir sehen uns dort!

abtreibung

mussausgefülltwerden 08.01.2009 - 12:46
Es gab einmal einen jungen Mann der hatte lange Haare und viele Ideen. Gemeint ist nicht Rainer Langhans sondern Jesus. Der Sprach wohl in 9 von 10 Fällen über Geld und manchmal aber nur manchmal vom Sex und seinen Folgen. Heute berufen sich viele auf das, was er gesagt hat, reden aber nur vom Sex und seinen Folgen.

titel

name 08.01.2009 - 16:33
Das zeigt nur wieder wie rückständig und menschenverachtend die Kirche immer noch ist. Die Christen haben sich in 2000 Jahren kein bisschen weiterentwickelt. Deswegen haben sie auch - zum Glück - bald gar nichts mehr zu sagen.

Mal abgesehn davon sollten die ganzen Priester und Pfarrer und wie sie alle heissen mal aufhören ihre Chorknaben durchzuvögeln, dann können sie vielleicht auch den Moralapostel spielen.

Die Kirche hat in den USA übrigens schon Ärzte ermorden lassen, die Abtreibungen durchgeführt haben. ( http://en.wikipedia.org/wiki/Barnett_Slepian)

Was anderes können sich halt nicht: Mord, Folter und Unterdrückung.

Kirchenausstieg jetzt !

Tara 09.01.2009 - 22:05
Jeder kann etwas zur Veränderung beitragen !