Spontandemonstration gegen Nazigewalt in Limb

nono 04.01.2009 00:40 Themen: Antifa Freiräume
Spontandemonstration gegen Nazigewalt in Limbach-OberfrohnaIn Limbach-Oberfrohna versammelten sich heute gegen 20 Uhr etwa 50 GenossInnen, um ihren Protest gegen die anhaltende Nazigewalt in der sächsischen Provinz zum Ausdruck zu bringen.Anlass dafür war der nunmehr 13. Angriff auf den Infoladen "SchwarzerPeter", sowie ein Übergriff auf einen alternativen Jugendlichen seitens der Neonazis.
Die Demonstration startete pünktlich und zog lautstark Richtung Zentrum. Drei Transparente, Böller, laute Sprechchöre und ein Megafon sorgten für Aufmerksamkeit bei der Bevölkerung. Vom Marktplatz ging es danach in Richtung Limbacher Ghetto. Hier stieß ein Naziauto zur Demo. Der schöne Fahrer wollte sich einen Weg zwischen den Teilnehmern bahnen, stieß aber leider auf nicht allzu viel Gegenliebe, was ihn zum aussteigen veranlasste. Unter Polizeischutz prollte er rum, wie schön er sei, stieg in sein Auto und fuhr eiligst davon. Nun sah sich die Polizei genötigt, einen Ansprechpartner zu suchen, welcher schnell gefunden wurde und die Sponti konnte ohne Probleme, dafür mit Blaulicht, um die Aufmerksamkeit zu erhöhen, weiter Richtung Ausgangspunkt laufen. Dort angekommen zerstreute man sich und ging seiner Wege.Die Demonstration verlief friedlich und ist als Erfolg zu werten. Doch ist sie nur ein sehr kleiner Anfang im Kampf gegen den Naziterror in der Stadt. Während der ganzen Demonstration wurde Flyer an Passanten verteilt, welcher die Ereignisse in der vergangenen Zeit zusammenfasste und durchweg positiv aufgenommen wurde.HINTERGRUNDAnstoß der Demonstration ist die nicht abreißende Nazigewalt in der Kleinstadt nahe Chemnitz.Am 22.08.2008 eröffnete das Vereinsbüro/Infoladen „SchwarzerPeter“ auf der Helenenstr. 43 in Limbach-Oberfrohna. Aufgaben des zugehörigen Vereins ist es, sich gegen Gewalt und Rassismus zu engagieren und für soziale und politische Aufklärung einzusetzen. Einen Monat nach der Eröffnung ging der gezielte Terror gegen Andersdenkende los. Es gab seitdem kaum ein Wochenende, in dem das Büro nicht Angriffsziel durch feige Naziüberfälle wurde.Diese gehen von Scheiben einwerfen, Einritzen von Hakenkreuzen, Einbruch in den Laden mit Diebstahl hin bis zu Einschüchterungsversuchen und Körperverletzungen gegen Vereinsmitglieder und deren Bekannte. Bei diesen 13 gezählten Angriffen auf das Vereinsbüro handelt es sich nur um direkte Angriffe auf das Vereinsbüro/den Infoladen. Angriffe und Einschüchterungsversuche, die außerhalb des Büros auf Vereinsmitglieder und deren Angehörige verübt wurden, sind nicht mit eingeschlossen. Wenn man diese mit in die Statistik nehmen würde, so würde die Liste seit der Eröffnung schon über 30 Fälle zählen.Hier ein paar Auszüge:August 2008Ein Jugendlicher, der sich in der Öffentlichkeit gegen Rechts ausgesprochen hat, wird in der Nähe des Kändler Dorffestes erst von mehreren Nazis bepöbelt und körperlich angegriffen. Bei diesem Übergriff verliert er seine beiden Schneidezähne. Die Täter werden nie gefasst.September 2008 1) Ca. 20 Nazis versammeln sich vor dem Vereinsbüro und bedrohen die Vereinsmitglieder mit einem herausgerissenen Straßenschild. Sie machen Anstalten, die Schaufenster einzuschlagen.2) Etwa 40 Nazis treiben sich in der Umgebung des Vereinsbüros/Infoladens herum, nur das vorzeitige Verständigen der Polizei lässt diese Personengruppen sich auflösen. Wovon sich dennoch einige nicht nehmen lassen, am späten Abend die Vereinsmitglieder zu beschimpfen und einzuschüchtern.Oktober 20081) Die großen Frontscheiben des Vereinsbüros/Infoladens werden mit vier Steinen eingeworfen. Die Schäden werden am nächsten Tag provisorisch versorgt. Am gleichen Abend fallen die Scheiben erneut zum Opfer. Auch diese Schäden werden versucht zu reparieren. Am darauf folgenden Wochenende werden die Scheiben endgültig eingeschlagen. Es wird Holz davor gesetzt.2) Zwei Hakenkreuze werden in die Holzverkleidung eingeritztNovember 20081) Zum ersten Mal wird die Tür des Vereinsbüros/Infoladens eingeschlagen. Der Schaden wird erneut provisorisch verarztet.2) Ca. 20 Nazis ziehen während einer Vereinssitzung Parolen grölend durch die Straßen. Die Mitglieder gehen in das Innere des Büros, um Ärger zu vermeiden. Fünf Minuten später wird die Tür, Ziel dreier Tritte und Schläge. Als die Mitglieder sich vor die Tür wagen, um die Täter auszumachen, wird eine Flasche nach ihnen geworfen und mehrere Nazis versuchen, einige der Mitglieder zu attackieren. Die Tür wird später komplett mit Holz verkleidet.Dezember 20081) Die Tür wird versucht aufzuhebeln, der Versuch scheitert.2) Ein Teil der Holzverkleidung wird ausgehebelt. Die Täter dringen jedoch nicht ein. Die Verkleidung wird repariert.3) Nazis schlagen die erneuerte Vernagelung ein, verschaffen sich Zutritt zum Inneren, stehlen Gegenstände im Wert von ca. 300€ und ritzen ein Hakenkreuz in eine Wand. Gestohlene Gegenstände: Musikanlage; CDs; Getränke. Tür wird erneut mit neuem Holz versehen.4) Zehn Nazis würgen einen alternativen Jugendlichen bewusstlos, indem sie seinen Kehlkopf nach innen drücken. Während der Fahrt ins Krankenhaus schwebte er in Lebensgefahr. Er wurde in zwei Krankenhäuser gebracht, um ihn zu behandeln. Er ist auf dem Wege der Besserung.Januar 20091) Die Nazis verschaffen sich erneut Zutritt. Sie sägen die Tür mit schwerem Gerät ein und verschmieren Farbe im Inneren des Ladens. Sie stehlen einen TFT-Monitor und den letzten Getränke Kasten.Kleine Auseinandersetzungen, bei denen es sich nur um Attacken gegen die Verkleidung oder Einschüchterungsversuche handelt, gehören zum Alltag und sind nicht mit aufgelistet.Weitere Indy-Artikel dazuhttp://de.indymedia.org/2008/12/237366.shtmlhttp://de.indymedia.org/2008/12/236633.shtmlhttp://de.indymedia.org/2008/11/233977.shtmlhttp://de.indymedia.org/2008/10/229997.shtmlhttp://de.indymedia.org/2008/06/221008.shtmlhttp://de.indymedia.org/2007/06/180397.shtml
Creative Commons-Lizenzvertrag Dieser Inhalt ist unter einer
Creative Commons-Lizenz lizenziert.
Indymedia ist eine Veröffentlichungsplattform, auf der jede und jeder selbstverfasste Berichte publizieren kann. Eine Überprüfung der Inhalte und eine redaktionelle Bearbeitung der Beiträge finden nicht statt. Bei Anregungen und Fragen zu diesem Artikel wenden sie sich bitte direkt an die Verfasserin oder den Verfasser.
(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)

Ergänzungen

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

Verstecke die folgenden 7 Kommentare

Limbacher Ghetto

fragender 04.01.2009 - 14:41
werden im "limbacher ghetto" menschen eingesperrt und verfolgt?

wenn nicht (und davon geh ich aus) sollte man vllt. die begriffswahl überdenken.

Situation in der sächsischen Provinz

AntifaChemnitz 04.01.2009 - 16:11
Ich würde die Moderatoren mal darum bitten die Nazikommentare zu löschen.

Die Anschuldigung die Situation wäre "übertrieben dargestellt" damit sich die Betreiber des Infoladens "profilieren" kann doch nur von lokalen Neonazis kommen.

Die Situation in Limbach-Oberfrohna ist bezeichnend für die Probleme der Antifa.

Während man in Großstädten gute Bündniss- und Pressearbeit leisten kann um Naziaufmärsche zu verhindern, Naziläden zu schließen oder eben sonstigen braunen Lifestyle isolieren und zerlegen kann, sieht die Situation im ländlichen Raum ganz anders aus.

Dort wird der öffentliche Raum viel zu oft von Nazis besetzt.
In diesen Gebieten ist Naziterror an der Tagesordnung!
Das ist ein Fakt.

Die Städte/Gemeinden versuchen dieses Problem totzuschweigen, zu ignorieren oder zu verharmlosen.
Die Leute dort bekommen keinen Schutz von Staat und Polizei.

Da bleibt nur antifaschistischer Selbstschutz und Organisation.

Von daher ist es großartig und wichtig, dass es im ländlichen Raum diese Zusammenschlüsse von linksdenkenden Jugendlichen gibt, die auchnoch einen Infoladen mit Außenwirkung versuchen aufzubauen.

Deshalb würde ich mir mehr Unterstützung von den Antifacheckern (um die gängigen Klischés zu bedienen) aus den umgebenden Großstädten wünschen.

Nur Zusammen können wir den Nazis effektiv entgegentreten.
Also unterstützt diese ländlichen Gruppen, Leute!
Fahrt auch mal aus eurem Szene-Kiez in die kleineren Dörfer und Städte und helft den Leuten dort der Nazipest mal physisch ihre Grenzen aufzuzeigen. ;)

In Erfurt fast das geleich mit der Gewalt

Emanzipatorische Jugend Erfurt 04.01.2009 - 16:22
In Erfurt ist es das gleiche mit der gewalt von Rechts regelmäßig werden Redroxx und Linke, Punks, afas angegriffen. Erst gestern gab es ein Übergriff am Wiesenhügel auf 2 Antifas.

@AntifaChemnitz

Callenberger 04.01.2009 - 16:54
Sorry aber ich kann deinen Ausführungen im Bezug auf die Region L-O absolut nicht teilen.
Besonders bei uns in Callenberg ist es den rechten nie gelungen Fuß zu fassen.
Im Gegenteil, die Herren ohne Haare machen einen großen Bogen um unsere Gemeine.
Darum bin ich mir sicher, dass es in Limbach keine 10 aktiven rechten gibt.
Vor llem halte ich die behauptung von einem Mob aus 40 rechten für absolut aus der Luft gegriffen.
Ich will die Angriffe auf euer Zentrum nicht in abrede stellen aber ich denke da wird bewußt übertrieben.

@Callenberger

AntifaChemnitz 04.01.2009 - 17:17
Nein, in dem Artikel wird nicht übertrieben.

Wieviele aktive Nazis es in Limbach-Oberfrohna selbst gibt, ist auch absolut unwesentlich.
Mit ca. 10 aktiven Personen könntest du absolut Recht haben.

Aber um ein Klima der Angst zu erzeugen und regelmäßig Übergriffe zu begehen bzw. den Laden anzugreifen braucht man keine große Masse an Leuten.

Es reicht eine Gemeinde die wegschaut und eine Polizei die stattgefundene Übergriffe leugnet sowie eine Gesellschaft die Augen, Ohren und Mund zu hält.

Im Übrigen ist es nicht übertrieben wenn von massiven Naziangriffen von bis zu 40 Personen die Rede ist.

Limbach-Oberfrohna liegt unmittelbar neben Chemnitz.
Bei Übergriffen wurden bereits Personen aus dem Sturm-34-Umfeld festgenommen.

Dort ist eine Mischung aus dem sächischen "Freien Netz", Sturm-34 und eben lokalen Nazis am Start, die den Nazis als Ziel auserkoren hat, weil er eben in ihrer "national befreiten Zone" stört.

Die 40 Nazis sind absolut kein Unding, wenn man die gute Organisation der Nazis des Freien Netzes bedenkt.
Das liegt absolut in ihrer kurzfristigen Mobilisierungsfähigkeit.

Es freut mich wenn ihr das ein eurem Ort einigermaßen im Griff habt, aber dann supportet doch die Limbach, anstatt im Internet Aussagen anzuzweifeln.



@ callenberger

maffai 04.01.2009 - 17:17
es gibt in limbach bestimmt mehr als 10 Rechte, wie kann man sonst diese vorfälle erklären. Weiterhin kommen die Nasen nicht nur aus L.-O. sondern auch aus der Umgebung. Auch mitglieder des ehemaligen "Sturm 34" waren an den Übergriffen beteiligt.

absätze

onur 05.01.2009 - 23:23
Nächstes Mal mit Absätzen... das Textbild sieht ja traurig aus :(