Bericht aus Griechenland (IMC Athens)
Übersetzung eines Berichts vom 24.12. in Griechenland
Grosse Solidaritätsdemo für die Festgenommenen durch die Einkaufszone. Die Besetzungen der Universitäten werden beendet und weitere Aktionen sind geplant.
Zur Solidemo für die Verhafteten am 24.12. war von anarchistischen Gruppen aufgerufen worden. Aber noch mehr Leute nahmen teil bzw. schlossen sich dem Protest an. Etwa 2000 Leute nahmen teil, die Demo war kraftvoll, aber friedlich. Sie ging durch die Einkaufszone Ermou und erreichte den Sintagmaplatz, drehte um und ging eine andere Strecke zurück. Es gab ein bischen Stress als sie an der Kathedrale von Athen vorbeikamen, aber da beschlossen worden war eine friedliche Demo durchzuführen, wurden nur Parolen auf das Gebäude gesprüht und Slogans gegen Staat und Priester gerufen. Die Aufstandsbekämpfungseinheiten der Poliezi waren hinter der Demo, treuten sich aber nicht näher zu kommen oder anzugreifen. Die Sprechchöre waren sehr einfallsreich und nicht nur gegen den Staat oder die Polizei sondern auch gegen den Konsumwahn und gegen diejenigen, die ihre Augen vor den Ereignissen weiter verschliessn und ihre Weihnachtseinkäufe machen als ob nichts geschehen wäre.
Photos:
http://athens.indymedia.org/front.php3?lang=el&article_id=955388
Die Festgenommenen warten in Gefängnissen auf ihre Prozesse (das kann Monate dauern) und veröffentlichten eine Erklärung, die zusammenfasst: "Unsere Körper mögen eingesperrt sein, aber unser Verstand und unser Geist ist mit denen, die draussen immernoch kämpfen."
In der Poytechnischen Hochschule gab es heute (24.12.) eine neue Versammlung, die beschloss um Mitternacht die Besetzung zu beenden (aber nicht den Kampf). Die Besetzer/innen der Wirtcshaftsuniversität (ASOEE) haben ebenfalls beschlossen die Besetzung vorerst zu beenden und verlassen das Gebäude heute nachmittag, um sich an der Demo zu beteiligen.
Beide Besetzungen (zusammen mit der in der Jurafakultät) waren 18 Tage lang gehalten worden und hatten trotz regelmässiger Angriffe der Polizei eine sehr grosse Rolle in der Revolte gespielt. Der Kampf ist jedoch nicht vorbei und beide Versammlungen riefen alle dazu auf an der Demonstration am 27.12. teilzunehmen, zu der die Besetzer/innen der Gewerkschaftszentrale GSEE vor einigen Tagen aufgerufen haben (
http://www.ainfos.ca/de/ainfos02825.html).
In Alimos (Athen) haben Bürger/innen eine Bühne übernommen, auf der Weihnachtslieder gespielt werden sollten, und sie verlasen eine Stunde lang Erklärungen und ihre Forderungen betreffend der jüngsten Ereignisse, wie die sofortige Freilassung der während der Revolte Verhafteten, die Entwaffnung der Polizei, Auflösung der Aufstandsbekämpfungseinheiten und die Rücknahme der Anti-Terror-Gesetze.
In Volos wurde die städtische Radiostation besetzt, um über die Eregnisse und die Forderungen zu sprechen. In Lesvos haben Demonstrant/innen eine Bühne im Stadtzentrum aufgebaut, und übermitteln Nachrichten. In Ptolemaida wurde ein Weihnachtsbaum mit Bildern von Alexis, mit Protesten und Forderungen dekoriert, wie in Ioannina.
Photos:
http://athens.indymedia.org/front.php3?lang=el&article_id=955106
An der Brücke von Gorgopotamos (berühmt wegen ihrer Sprengung durch Partisant/innen im 2. Weltkrieg, um die Versorgung der Nazis abzuschneiden) wurde ein grosses Banner aufgehängt, auf dem steht: "Eure Toleranz auf eurer Couch ist Mittäterschaft"
Photos:
http://athens.indymedia.org/front.php3?lang=el&article_id=955036
Bezüglich des Vorfalls der Schüsse auf ein Polizeiauto wurde nun durch weitere Infos deutlich, dass es sich um eine Provokation handelt. Die Polizei stellte nach ballistischen Test fest, dass es sich um Schüsse aus zwei AK-47 handelte, nicht nur um eine Waffe! Sie sagen auch, dass der Angriff aus einem alten Pumpenraum auf dem Campus handelt, der vor einigen Monaten von Studierenden besetzt worden war. Dort wuren Projekte und Workshops durchgeführt zum Bau von Windgeneratoren, zur Wiederverwendung gebrauchter Materialien, Nutzung von OpenSource Software usw. Angesichts der Ereignisse der letzten Woche waren alle geplanten Veranstaltungen abgesagt worden und das Gebäude war seit Wochen nicht mehr benutzt worden. Diese beiden Tatsachen lassen alle noch misstrauischer werden, was die Motive dieses Angriffs angeht.
http://athens.indymedia.org/front.php3?lang=en&article_id=955535
Zur Solidemo für die Verhafteten am 24.12. war von anarchistischen Gruppen aufgerufen worden. Aber noch mehr Leute nahmen teil bzw. schlossen sich dem Protest an. Etwa 2000 Leute nahmen teil, die Demo war kraftvoll, aber friedlich. Sie ging durch die Einkaufszone Ermou und erreichte den Sintagmaplatz, drehte um und ging eine andere Strecke zurück. Es gab ein bischen Stress als sie an der Kathedrale von Athen vorbeikamen, aber da beschlossen worden war eine friedliche Demo durchzuführen, wurden nur Parolen auf das Gebäude gesprüht und Slogans gegen Staat und Priester gerufen. Die Aufstandsbekämpfungseinheiten der Poliezi waren hinter der Demo, treuten sich aber nicht näher zu kommen oder anzugreifen. Die Sprechchöre waren sehr einfallsreich und nicht nur gegen den Staat oder die Polizei sondern auch gegen den Konsumwahn und gegen diejenigen, die ihre Augen vor den Ereignissen weiter verschliessn und ihre Weihnachtseinkäufe machen als ob nichts geschehen wäre.
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http://athens.indymedia.org/front.php3?lang=el&article_id=955388 Die Festgenommenen warten in Gefängnissen auf ihre Prozesse (das kann Monate dauern) und veröffentlichten eine Erklärung, die zusammenfasst: "Unsere Körper mögen eingesperrt sein, aber unser Verstand und unser Geist ist mit denen, die draussen immernoch kämpfen."
In der Poytechnischen Hochschule gab es heute (24.12.) eine neue Versammlung, die beschloss um Mitternacht die Besetzung zu beenden (aber nicht den Kampf). Die Besetzer/innen der Wirtcshaftsuniversität (ASOEE) haben ebenfalls beschlossen die Besetzung vorerst zu beenden und verlassen das Gebäude heute nachmittag, um sich an der Demo zu beteiligen.
Beide Besetzungen (zusammen mit der in der Jurafakultät) waren 18 Tage lang gehalten worden und hatten trotz regelmässiger Angriffe der Polizei eine sehr grosse Rolle in der Revolte gespielt. Der Kampf ist jedoch nicht vorbei und beide Versammlungen riefen alle dazu auf an der Demonstration am 27.12. teilzunehmen, zu der die Besetzer/innen der Gewerkschaftszentrale GSEE vor einigen Tagen aufgerufen haben (
http://www.ainfos.ca/de/ainfos02825.html). In Alimos (Athen) haben Bürger/innen eine Bühne übernommen, auf der Weihnachtslieder gespielt werden sollten, und sie verlasen eine Stunde lang Erklärungen und ihre Forderungen betreffend der jüngsten Ereignisse, wie die sofortige Freilassung der während der Revolte Verhafteten, die Entwaffnung der Polizei, Auflösung der Aufstandsbekämpfungseinheiten und die Rücknahme der Anti-Terror-Gesetze.
In Volos wurde die städtische Radiostation besetzt, um über die Eregnisse und die Forderungen zu sprechen. In Lesvos haben Demonstrant/innen eine Bühne im Stadtzentrum aufgebaut, und übermitteln Nachrichten. In Ptolemaida wurde ein Weihnachtsbaum mit Bildern von Alexis, mit Protesten und Forderungen dekoriert, wie in Ioannina.
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http://athens.indymedia.org/front.php3?lang=el&article_id=955106 An der Brücke von Gorgopotamos (berühmt wegen ihrer Sprengung durch Partisant/innen im 2. Weltkrieg, um die Versorgung der Nazis abzuschneiden) wurde ein grosses Banner aufgehängt, auf dem steht: "Eure Toleranz auf eurer Couch ist Mittäterschaft"
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http://athens.indymedia.org/front.php3?lang=el&article_id=955036 Bezüglich des Vorfalls der Schüsse auf ein Polizeiauto wurde nun durch weitere Infos deutlich, dass es sich um eine Provokation handelt. Die Polizei stellte nach ballistischen Test fest, dass es sich um Schüsse aus zwei AK-47 handelte, nicht nur um eine Waffe! Sie sagen auch, dass der Angriff aus einem alten Pumpenraum auf dem Campus handelt, der vor einigen Monaten von Studierenden besetzt worden war. Dort wuren Projekte und Workshops durchgeführt zum Bau von Windgeneratoren, zur Wiederverwendung gebrauchter Materialien, Nutzung von OpenSource Software usw. Angesichts der Ereignisse der letzten Woche waren alle geplanten Veranstaltungen abgesagt worden und das Gebäude war seit Wochen nicht mehr benutzt worden. Diese beiden Tatsachen lassen alle noch misstrauischer werden, was die Motive dieses Angriffs angeht.
http://athens.indymedia.org/front.php3?lang=en&article_id=955535
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Ergänzungen
weitere nützliche links
"Bis die Regierung stürzt"
Erklärung der BesetzerInnen des Polytechnikon
Immediately after the murder of Alexandros Grigoropoulos by the special police guard Ep. Korkoneas and the first clashes in the streets of Exarchia, the Polytechnic university gets occupied and is turned into a focus for the expression of social rage. Being a space historically and symbolically connected in the living memory of the rebels and of a big part of society with the struggle against Authority -from the period of dictatorship until today’s modern totalitarian democracy-, the Polytechnic becomes the place where hundreds of people gather spontaneously: comrades, youth and workers, jobless, pupils, immigrants, students…
The fights with the forces of repression and the flaming barricades in the surrounding streets become the spark of a revolt that spreads with spontaneous demonstrations in the city, the occupation of the Economics University and the Law School, with attacks against state and capitalist targets in the centre and neighborhoods of Athens and in most cities of the country.
The following days, with demonstrations of thousands of people ending up in riots and attacks against banks, ministries and big department stores, with occupations of schools and public buildings, with young children besieging and assaulting police stations, the riot police guarding Koridallos prison and the Parliament, the revolt becomes generalized; this revolt that was triggered by the murder of A. Grigoropoulos and exploded by the immediate reaction of hundreds of comrades to that event of the widespread state violence, inspiring actions of rage and solidarity beyond the borders, all over the world.
This revolt that was simmering in the conditions of a generalized attack by the state and the bosses against society, growing in the reality of the everyday death of freedom and dignity that is reserved for the oppressed people by the increasing exclusion, poverty, exploitation, repression and control. This revolt that was persistently being “prepared”, even in the darkest times of state and fascist terrorism, through every small or big gesture of resistance against submission and surrender, keeping open the way for many more people to meet in the streets of revolt, just like it happened these days.
In this explosive social reality, the occupied Polytechnic became a point of reference for a direct confrontation with the state, in all forms and with all possible means, through consecutive insurrectionary events that burned down the order and security of the bosses, smashing the fake image of social consent to their murderous intentions. It became a place where rebellious social and political subjects met and influenced each other, through the general assemblies and the daily presence in the occupation. It functioned as a base for counter-information, through communiqués and posters, its blog and radio station, and with the PA system sending the messages and the news of the ongoing revolt. And it also gave life to political initiatives of resistance, like the call made by the Polytechnic occupation assembly for a global day of action in the 20th of December –which resulted in coordinated mobilizations in more than 50 cities in different countries, and in which the Polytechnic occupiers participated by calling for a gathering in the place where A. Grigoropoulos was murdered-, like the concert held in the 22nd of December for solidarity and financial support to the hostages of the revolt, and the call for participation in the prisoner solidarity demonstration that was organized by comrades who took part in the open assembly of the occupied GSEE (General Workers’ Confederation).
As a stable, for 18 days, point of the revolt that expanded, the occupied Polytechnic was a continuous call of insubordination to the people resisting all over the world, and a permanent sign of solidarity to the hostages taken by the state from within this struggle.
It became the territory we used in order to diffuse the message of solidarity between the oppressed, of self-organisation and of a social and class counter-attack against the world of Authority, its mechanisms and its symbols. These elements and values of the struggle created the ground for the oppressed to meet in rebellion, armed our consciences and, for the first time maybe, became so widely impropriated by so many people of different age and different nationalities; people with whom anarchists and anti-authoritarians shared the same slogans against the police, the same words, the same practices of struggle, the same rage against those who are looting our lives, and, many times, the same vision for a world of freedom, equality and solidarity.
For this reason, repression was not only expressed in the form of police brutality, arrests and imprisonment of demonstrators, but also with an intense ideological attack launched by all sides of the political system which saw its foundations trembling when repression, in which it is based, not only was unable to restrain the waves of revolt, but, contrary, it was the one that caused them in the first place.
This ideological attack selectively targeted anarchists, as a political and not mediated part of the revolted, exactly because of the impact their words and actions had, and because of the danger that is presented for the state when they communicate and coordinate with the thousands of the oppressed.
In this context, there was an hysterical effort to divide the revolted in “good pupils” on one hand, “evil hooded anarchists – ‘koukouloforoi’” or “immigrant-looters” on the other, as well as the good old myth about provocateurs, in order to manipulate the anger for the assassination, to exhaust the social explosion, to criminalize, isolate and crush the steady points of reference of this revolt.
[This is, by the way, the same rhetoric of repression that led to the murder of A. Grigoropoulos, as it is responsible for recognizing specific political-social milieus, spaces and people as the “internal enemy” on which state violence should be “legitimately” enforced.]
In this effort made by the state, the continuous targeting of the Polytechnic was included on a daily basis, with statements made by politicians and a slandering campaign by the mass media. After the hours of clashes in Exarchia and around the Polytechnic during the night of December 20, the state, in the face of the public prosecutor, threatened to proceed to a police raid, after suspending the academic asylum in the campus, despite the disagreement of the university authorities, in order to suppress the revolt by attacking one of the first places where it had started.
Their intentions were defeated because of the refusal of the occupiers to obey to any ultimatum, their decisiveness to defend this political and social territory as a part of the revolt, their open call to people to come and support the occupation with their presence and by proceeding to the planned prisoner solidarity gig in the 22th of December which gathered hundreds of people in the Polytechnic.
The threats for an immediate eviction returned stronger the following day, December 23, when, while the assembly was discussing the end of the occupation, we were informed by political and academic figures that the ministry of Interior and the police are demanding our immediate exit from the campus otherwise the cops would invade. The reply of the occupiers was that the Polytechnic does not belong either to the ministry either to police for us to surrender to them; it belongs to the people of the struggle who decide on what to do based exclusively on criteria of the movement and do not accept blackmails and ultimatums by the assassins. This way the Polytechnic occupation was prolonged for one more day, and called to the demo which was realized in the center of Athens for solidarity with the arrested.
No repressive project and no ideological attack managed or will manage to blackmail the return to normality and to impose social and class pacification. Nothing is the same any more! The surpassing of fear, of isolation and of the dominant social divisions, led thousands of young people, together with women and men of every age, refugees and migrants, workers and jobless to stand together in the streets and behind barricades fighting the tyrants of our life, our dignity and freedom. And this is a reality lighting with its flames the future of revolt, both its intensification and deepening, until the absolute subversion of the world of the bosses.
Because we shouted in all ways that those days belong to Alexis, to Michalis Kaltezas, to Carlo Giuliani, to Christoforos Marinos, to Michalis Prekas, to Maria Koulouri and to all comrades murdered by the uniformed assassins of the state; they aren’t though days that belong to death, but to LIFE! To life that blossoms in the struggles, in the barricades, in the revolt that continues.
Ending the Polytechnic occupation after 18 days, we send our warmest solidarity to all people who became part of this revolt in their many ways, not only in Greece but also in numerous countries of Europe, of South and North America, Asia and Australia-N.Zealand. To all those with whom we met and we will stay together, fighting for the liberation of the prisoners of this revolt, but also for its continuing until global social liberation. For a world without masters and slaves, without police and armies, without borders and prisons.
DEATH TO THE STATE – LONG LIVE ANARCHY!
IMMEDIATE RELEASE OF ALL THE ARRESTED IN THE REVOLT!
THE STRUGGLE CONTINUES!
- We call to the open assembly that will take place in the Polytechnic, on Saturday, December 27 at 16.00, concerning the organization of solidarity to the arrested, which was called by comrades in the assembly of the occupied GSEE.
The Polytechnic Occupation
12/24/08
Nachtrag
Ein paar Übersetzungen zu Griechenland, die in Spanien zu lesen sind:
„Von der Revolte zur Revolution“
Interview mit dem internationalen Sekretär der anarchosindikalistischen Gewerkschaft ESE
SELBSTORGANISATION IN DEN STADTTEILEN
Aus den griechischen Stadtteilen ausserhalb vom Zentrum...
22.12.08
Was nicht im Fernsehen erscheint, sind die Besetzungen der Rathäuser der Stadtteile; die Organisation nach den Gewaltausbrüchen – worüber sie nichts sagen, ist die Selbstorganisation, wie sie in der Alten Stadt, dem historischen Teil Salonikis vonstatten geht und wo nach einer offenen Volksversammlung (Asamblea) eine spontane Demonstration stattgefunden hat. Dazu sagt “Juanito“: „Pass' auf, klar hat es konservative Meinungen gegeben, aber im Rahmen einer anarchistischen Struktur und das Wichtigste ist, dass eine alte Frau freundlich mit einem Anarchisten diskutierte, von Du zu Du und dass später alle gemeinsam auf die Strasse gegangen sind.“
Danach läufst du in aller Ruhe herum und siehst ein organisiertes Konzert auf einem öffentlichen Platz, Projektionen von Bildern der Revolte... Du gehst zur Hauptstrasse und kommst an einem besetzten Theater vorbei, das jetzt der Organisierung der Bevölkerung dient. Was die Medien nicht sagen, ist dass nach der letzten massiven Aneignung in einem Supermarkt und der Verteilung der Lebensmittel in einem Arbeiterviertel von Saloniki, die Älteren sagten dass sie, die täglich stehlen, nicht gekommen waren, weil sie wussten, dass wir hineingehen würden und dass sie wissen, wo ihre Leute stehen.
Worüber sie nichts berichten, ist dass während wir als eine kleinere Demonstration durch ein ArbeiterInnenviertel weitab vom Zentrum zogen, die Leute auf die Balkone traten und die Faust erhoben. Dass die Demonstration anwuchs, weil sie aus ihren Häusern kamen und sich ihr anschlossen und dass die Alten applaudierten, die Alten... Verdammt, die Alten sangen Hymnen und ich habe nicht das Mindeste davon verstanden, aber es ist so unvorstellbar, dass ihr euch das nicht ausmalen könnt; das ist, wovon die Medien nichts sagen, aber wir sagen es.
Was die Medien nicht sagen, was aber die Leute längst wissen ist, dass das hier von der Revolte zur Revolution übergegangen ist.“
Quelle: www.klinamen.org/article5567.html
Wenn auch schon eine kleine Weile her, trotzdem wichtig um diverse „Verzerrungen“ auszuräumen
INTERVIEW MIT DEM INTERNATIONALEN SEKRETÄR DER GRIECHISCHEN (ANARCHOSYNDIKALISTISCHEN)GEWERKSCHAFT ESE, YANNIS ANDROULIDAKIS
(von Kaos en la Red; 16.12.08)
1. In Welchen anderen Städten ausser Athen, haben noch Protestdemonstrationen stattgefunden?
Die Revolten sind in allen Teilen Griechenlands ausgebrochen. Einschliesslich der kleinen Städte, in allen Kreisen des Landes gab es Manifestationen; stattdessen aber werden nur die Aufstände gegen die Polizei vor Augen geführt. Ich war in Saloniki, den 3 grossen Städten Kretas (Heraklion, Hania, Rezymno), in Yannena, Agrinio, Patras und Komotini (zwei Städte wo gemeinsame Operationen von Polizei und Nazi-Gruppen stattgefunden haben) sowie in Larissa (wo ein 14 jähriger Junge im Rahmen des Anti-Terrorgesetzes angeklagt worden ist), Trikala, Kerkyra, Lesvos, etc. ()Anmerkg. Die Namen sind in Spanisch übernommen()
2. Wo waren die Demonstrationen am grössten?
In Athen haben an sämtlichen Tagen Demos stattgefunden, zu welchen verschiedene Kollektive aufriefen oder die auch per Internet oder SMS angekündigt wurde. Die SchülerInnen der „secundaria“ blockierten tagtäglich die Ausfahrtswege der Polizei in der gesamten Stadt. Im Zentrum sind drei Universitäten von Militanten besetzt (das Polytechnikum, die Wirtschaftsschule und die Rechtsfakultät). Man könnte sagen, dass die Koordination der Bewegung was die SchülerInnen/StudentInnen anbetriffet, aus diesen drei Besetzungen besteht. Hinsichtlich der StudentInnen/SchülerInnen im mittleren Bildungsbereich lassen sich deshalb völlig neue Organisationsformen, horizontale und breitgefächerte, beobachten. Momentan sind ca. 800 Institute in Griechenland besetzt.
3.Kann von einer Volksbewegung gesprochen werden oder ist diese Bezeichnung übertrieben?
Man kann nicht nur von einer Volksbewegung sprechen sondern es handelt sich um die grösste Rebellion in Griechenland seit, mindestens, Ende 1965, möglicherweise um eine der grössten Rebellionen in der westlichen Welt seit dem Mai.68 in Paris. Es muss betont werden, dass es sich nicht um eine Rebellion von „Militanten“ handelt, obgleich die Bewegung der Linken, der Extremen Linken und vor allem der AnarchistInnen eine ziemliche Kraft im Land darstellen; ebensowenig handelt es sich um eine Bewegung der Marginalisierten (wie 1992 in Los Angeles oder 2005 in Paris) und auch nicht um eine Rebellion der Jugend. Leute jeden Alters und verschiedener sozialer Schichten sind auf die Strasse gegangen und konfrontieren sich mit der Polizei. Was den Blck-Block anbelangt (der in Griechenland sehr stark ist), dieser tritt als mässigende Kraft in den Strassen auf. Es ist der soziale Zorn vieler Jahre, wahrscheinlich der ganzen 34 Jahre der griechischen Republik, der auf die Strasse gegangen ist.
4. Welche Rolle spielen die SchülerInnen/StudentInnen bei den Ursachen des Protests?
Es ist schwer, die verschiedenen sozialen Gruppen auseinanderzuhalten. Die SchülerInnen von 14-16 Jahre stechen vielleicht am meisten hervor, sie sind täglich auf der Strasse, machen zwei oder drei Demonstrationen, greifen jeden Tag mehrere Polizeistationen an. Manchmal begleiten wir sie in der Angst, keine Kinder vor Bewaffnete zu lassen. Das ist bereits eine Art neuer Politisierung, die manchmal nicht den Ängsten entspricht was die Gewalt des Volks anbetrifft.Das was wir in Griechenland „Ignoranz der Gefahr“ zu nennen pflegen. Die SchülerInnen/StudentInnen ihrerseits versuchen diese Rebellion mit ihren eigenen Vorhaben zu verbinden und werden die nächste „Fahne“ sein, vielleicht die der Bewegung.
5. Sind die Jungen/jungen Männer der Kern der Proteste? Wie sieht die Gewichtung der verschiedenen Komponenten des Anti-Kapitalismus (Anarchisten, Kommunisten, etc.) unter ihnen aus?
Wer behauptet, diese zu Bewegung zu „führen“, ist ein Lügner. Auch wenn diese Rebellion eines Schlags gegen den Staat von den Anarchisten Athens entfacht wurde, sind ihr spontan sämtliche politische Idenditäten gefolgt. Die anti-kapitalistischen Ideen,-und Kollektive wurden im Verlauf dieser Tage erheblich gestärkt. Wir können die drei Besetzungen in Athen hervorheben und darauf verweisen, dass das Polytechnikum in den Händen der „puristischen“ Anarchisten geblieben ist (was derzeit keine grosse Sache bedeutet); die Wirtschaftsschule ist ein Ort, an dem der Anarchismus-Klassenkamf, sehr präsent ist (im Schoss der Arbeitskomitees dieser Besetzung,entstand die Initiative, zu den Arbeitsplätzen zu gehen und mit den ArbeiterInnen zu diskutieren) und die Schule für Rechtswissenschaften versammelt den grössten Teil der Extremen Linken.
Bleibt zu erwähnen, dass was die parlamentarische Linke anbelangt, die Kommunistische Partei (stets stalinistisch) die Rebellion als die „der Provokateure“ beklagt hat, während gleichzeitig die Europäische Linke („Synaspismos“) an der Manifestation Teil nahm, ohne Teil irgendeines Prozesses der Bewegung zu sein.
6. Wie schätzen Sie die Beteiligung am letzten Generalstreik ein ?
Die einzige offizielle Gewerkschaft des Landes, die GSEE (eine Art griechisch-republikanische CNS) hat sich aufgrund ihres Fehlens in dieser Bewegung historisch verschuldet. Die Nichtbeteilung an der grössten Rebellion seit 50 Jahren bezeichnet das Debakel und den Fall des staatlichen und bürokratischen Syndikalismus. Der Streik vom 10. Dezember war vor dem Mord an Alexandros ausgerufen worden, um Massnahmen gegen die Krise zu fordern. Dann war die GSEE (auf Verlangen des Premierministers) gezwungen, zu entscheiden, ob sie die Demonstration annulliert, um nicht am Aufstand beteiligt zu sein! Dieses Verhalten steht im Gegensatz zum öffentlichen Interesse und dem der ArbeiterInnen, und kommt der Kollaboration der Klasse gegen den Klassenkampf gleich. Wir denunzieren diese Politik des Verrats der GSEE und wiederholen erneut die dringende Notwendigkeit einer neuen syndikalistischen Konföderation in Griechenland. Dem füge ich hinzu, dass trotz GSEE mehrere Tausend in Athen und anderen Orten dem Aufruf der ArbeiterInnenkollektive, Besetzungen und bestimmter Versammlungen folgend, demonstrierten. Gerade in Anbetracht der Tatsache, dass ein grosser Teil des Produktionsprozesses im Land bereits eingeschränckt war, war die Beteiligung an dem Streik ziemlich gross.
7. Welche Rolle spielen die griechischen Kommunikationsmedien? Die Medien uf internationaler Ebene sprechen von „Vandalismus“.
Die Rolle der Medien ist die eines „Verdunklungsschleiers“. Sie haben mehrere Male einen „Vandalismus“ publiziert, der so nie vorgekommen ist (Nationalbibliothek „angezündet“; Akademie „verwüstet“; möglich, dass sie morgen von der „Zerstörung“ des Partenón sprechen) oder sie haben Gerüchte gestreut, „ein Passant sei von einem Stein getötet worden.“
Am nächsten Tag sagen sie „Also, ja, das ist nicht passiert, also... Es war so, dass in... Wir haben diese Informationen erst am Abend erhalten.“ Die Realität (und das kann ich als professioneller Journalist versichern) ist, dass diese „Informationen jeden Tag von der Polizei ausströmen und dann von den Medien ohne jede Kontrolle wiedergegeben werden. Andere Male sprechen die Medien von einem „geheimen Anarchismus in Frankreich, Spanien und Italien, dessen Mitglieder schon auf dem Weg seien, um den griechischen Anarchisten zu helfen (sic). Aber was Anderes kann man von den offiziellen Medien auch nicht erwarten, da ihre Eigentümer dieselben Kapitalisten sind, die genau eben diese Wirtschaftspolitik fordern, die das Motiv für diese Rebellion gewesen ist. Dem füge ich ergänzend hinzu, dass die Aggression der Polizei während diesen Tagen (Schüsse in die Luft, Folterungen, etc.)ständig auf unseren alternativen Webseiten, wie die unsere (athens.indymedia.org; indy.gr.;etc) stehen und die Kommuniukationsmedien erst über sie berichten, wenn sie bereits bekannt sind. So war es auch im Fall des ermordeten Genossen/Gefährten Alexandros.
8. Ist das Verhalten der griechischen Polizei die Norm? (In Spaniensagt man, es sei sehr permissiv).
Permissiv? Der Komissar Europarats, T. Hamarberg (von dem ich annehme, dass er kein Anarchist ist), hat die exzessive und permanente Gewalt der griechischen Polizei und die Straffreiheit, die sie vor den Gerichten geniesst, verurteilt. Letzlich wurde der Vorschlag erhoben,die griechischen Polizei aus Sicherheitsgründen zu entwaffnen. Seit der Ermordung des Kameraden Alexandros (am Abend des 06. Dezember) ist diese Forderung wegen täglicher „Blindschüssen“ und Dutzenden von verletzten Demonstraten 400 Mal erhoben worden. Ich kann mir nicht vorstellen, was sie machen würden, wenn das „permissiv“ wäre...
9. Was sollen wir von dem Mord an diesem 15 jährigen Jungen halten? Ist er vielleicht der Beginn einer kommenden verstärkten, Repression?
Der Genosse/Gefährte Alexandros war nicht das erste Opfer der Polizeigewalt in Griechenland. Seit der politischen Übergangsperiode (1974) haben wir hier an die 100 Tote durch Schüsse der griechichen Polizei..., Aktivisten, Immigranten, Gitanos (Sinti und Roma), Jugendliche, Behinderte und nun sogar ein Kind! Vor drei Jahren hat die Polizei in Exarheia einen Angriff in diesem Stadtteil von Athen mit einer langen Kampfesgeschichte gestartet. Aber es darf nicht vergessen werden, dass die polizeiliche Repression jedesmal mit der ökonomischen Repression, Armut, Arbeitslosigkeit, etc., zunimmt. In einem Europa das die 70-Stundenwoche von den ArbeiterInnen fordert, ist die Repression das einzige „Argument“ der Arbeitgeber und der Staaten. Deshalb befinden wir uns in der Phase einer gewaltigen Repression überall auf der Welt.
10. Die Gewerkschaft zu der Sie gehören fordert die Auflösung der griechischen Regierung?
An erster Stelle muss gesagt werden, dass die Gerwekschaft SEA Athen keine Initialprozesse unternimmt, die ausserhalb des Geschehens liegen. Wir nehmen Alle an den (Volks-)Versammlungen Teil und haben die gesamte „organische Aktivität“ suspendiert. Wir sind nicht ein Teil, der separatistisch eine Revolte organisieren wird. Wir sind ein Teil der Revolte und unser Leben ist der Aktivismus bei den Besetzungen und Asambleas (Versammlungen).Was deine Frage anbelangt, die ESE glaubt allgemein nicht, dass ein Regierungswechsel unser Leben verändern kann. Wir brauchen einen Wandel des Wirtschaftssystems. Die Versammlung der besetzten Wirtschaftsschule hat zur Entwaffnung der Polizei und zur Abschaffung der Sondereinheiten aufgerufen.
Wenn nach alledem die Regierung fallen wird, wird es aufgrund einer Revolte sein, die zeigt, dass die Menschen die Fähigkeit haben, die Macht zu gewinnen.
11.Wie ist die anarchistische Bewegung mit ihren diversen Strömungen bei den Kämpfen und Protesten in Aktion getreten?
Die Anarchisten waren die Ersten die, in der Nacht von Alexandros'Ermordung, die Revolte entfacht haben. Sie haben an allen Aktionen auf der Strasse Teil genommen und dafür gesorgt, dass die Wut der Leute sich gegen Banken, die Multinationalen und Polizeikomissariate und nicht gegen die Kleinhändler und Autos richtet. Wir dürfen nicht vergessen dass die Geheimpolizei Versuche unternommen hat, die Aufstände als „blinde Wut“ erscheinen zu lassen. Aber sie hatte keinen Erfolg damit.
Andererseits operieren die Anarchisten bei allen Besetzungen. Ich persönlich bin Teil eines Kerns, der fordert dass sich die ArbeiterInnen offen in die Besetzungen involvieren, so wie es im Fall der Besetzung der Wirtschaftsschule sichtbar ist.
12. Auf welche Weise ist Griechenland von der Wirtschaftskrise betroffen?
Die Situation in Griechenland war auch schon vor der Krise ziemlich schwierig. So sprachen die PolitikerInnen ab 1996 vom „gefährlichen Griechenland“ in Bezugnahme auf die Hauptstadt im Bereich der griechischen Geschäfte,-und Wirtschftsverhandlungen auf dem Balkan und die Olympischen Spiele.
Während, insbesondere unter den Jugendlichen, eine grosse Prekarität existiert, geht der Minimallohn nicht über 650 Euro hinaus. Die Mehrheit der Leute und Familien sind aufgrund des Angriffs der Banken auf die griechische Wirtschaft hoch verschuldet. Nach dem Crash begannen die Arbeitgeber mit Entlassungen, um „die Kosten zu senken“ und haben so die Unsicherheit, aber auch die Wut der Leute anwachsen lassen.
13. Glauben Sie, dass auch die jetzigen Geschehnisse mit der internationalen Finanzkrise in Zusammenhang stehen?
Wie ich bereits sagte, ja. Die Krise hat die Angst und den Zorn der Leute verstärkt. Ebenso wie das Gefühl, dass wir den Herrschenden dieser Welt nicht vertrauen können und dass unsere Emanzipation nur durch uns selbst enstehen wird.
14. Was erwarten Sie von diesen Demonstrationen?
Die Demonstrationen bringen immer unerwartete Ergebnisse mit sich. Die Realität geht bereits über viele Pläne und Projekte der Organisationen und AktivistInnen hinaus. Aber auf der anderen Seite hat diese Bewegung bis dato noch keine konkreten Forderungen in den Raum gestellt. Ich persönlich erwarte von dieser neuen Bewegung, mit Strukturen der ArbeiterInnen, Gewerkschaften und im sozialen,-und öffentlichen Bereich hervorzugehen, die organisierter und konkreter sind im Kampf. Aber angesichts dessen was sich in Griechenland vollzieht, erwarte ich auch, dass die Realität weiter unsere Erwartungen übertreffen wird. Wir haben das hier schon fertiggebracht und können es nocheinmal machen. Es darf nicht vergessen werden, dass es eine Intelligenz gibt, welche die jeden Genius übersteigt..., nämlich die kollektive Intelligenz der Welt/Menschheit; die Intelligenz der Leute, die auf die Strasse gehen, um das Leben neu aufzubauen.
Quelle:www.barcelona.indymedia.org/newswire/display/359724/index.php
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Making Sense of the Greek Uprising — riotqueer