Dortmund: Neonazis trainieren Straßenkampf

Leffty 20.12.2008 11:47 Themen: Antifa
Die rechtsextreme Szene wird immer gewaltbereiter. Das zeigen nicht nur das große Aggressionspotenzial beim letzten Dortmunder Neonazi-Aufmarsch und der Angriff auf den Passauer Polizeichef.
In Dortmund rüstet und vernetzt sich die autonome Szene weiter. Der neue Höhepunkt: Sie betreiben Kampfsport in einer städtischen Turnhalle. Dem hat jetzt die Stadt einen Riegel vorgeschoben. Nach Anfrage unserer Zeitung bei verschiedenen Stellen haben die Sport- und Freizeitbetriebe sofort reagiert und dem Sportverein Tremonia e.V. den Nutzungsvertrag gekündigt. „Wir diskutieren da gar nicht, sondern haben sofort den Vertrag beendet“, betonte der zuständige Dezernent Jörg Stüdemann. Seit kurzem konnten sie die Turnhalle der Friedensschule, einer städtischen Grundschule in Lütgendortmund, nutzen. Der Verein wurde vor rund einem Jahr gegründet und betreibt Kampfsport.

"Verpiss dich du Judenschwein"

Das allein wäre noch nichts Ungewöhnliches. Allerdings sind die Aktiven des Vereins keine Unbekannten: Zwei Mal pro Woche nutzten Mitglieder der Autonomen Nationalisten, der Fußball-Hooligangruppe „Northside“ und der „Desperados“, fanatischen Fußballfans aus der Ultra-Szene (siehe Infobox), die Turnhalle der Friedenschule. Dort trainieren sie Straßenkampftaktiken („Luta Livre“), die sie dann auch auf der Straße einsetzen. Der Redaktion liegen ältere Videos vor, die Mitglieder der „Northside“ beim Kampf mit anderen Hooligans auf einem Waldweg zeigen. Dort sind auch Hitlergrüße zu sehen und Kampfrufe wie „Verpiss dich du Jude“, „Hau ab du Judenschwein“ und „Lass den verrecken“ zu hören.

Hohes Aggressionspotenzial

Beim letzten Neonazi-Aufmarsch in Dortmund am 6. September stellten nach Polizeiangaben die Autonomen Nationalisten rund ein Drittel der 1180 Demoteilnehmer. Aus ihren Reihen wurde auch ein Großteil der 172 angezeigten Straftaten begangen und 18 Polizeibeamte verletzt. Zum Hintergrund: In Passau werden Autonome Nationalisten aus München für den Angriff auf den Polizeichef verantwortlich gemacht, da dieser engagiert gegen Neonazis vorgegangen war.

In Szenekreisen wird schon länger über die Verbindungen von Neonazis und fanatischen Fußball-Fans gemutmaßt. Auch ist von gemeinsamen Wehrsportübungen im In- und Ausland die Rede. In Dortmund war vor rund einem Jahr eine solche Aktion im Schulte-Witten-Park aufgeflogen. Mit dem Verein Tremonia und der Nutzung einer städtischen Sporthalle hat das Ganze jedoch eine neue Dimension erreicht. Der Übungsleiter des Kampfsportvereins ist übrigens bei der Justiz aktenkundig: Gegen ihn wurde wegen Körperverletzung und Verwendung verfassungsfeindlicher Symbole ermittelt – die Verfahren mussten jedoch seinerzeit wegen Mangels an Beweisen eingestellt werden.

Stadtbezirk ist alarmiert

Bei den zuständigen Stellen ist man nun alarmiert: „Wir haben schon länger vermutet, dass sich bei uns einiges abspielt“, berichtet Erika Wehde, SPD-Ortsvereins-Vorsitzende in Lütgendortmund und Mitglied der Bezirksvertretung. Auch der stellvertretende Bezirksbürgermeister Dr. Frank Gillmeister (Grüne) fühlt sich bestätigt. „Das passt zu unserer Wahrnehmung.“ Denn rechtsextreme Schmierereien und Aufkleber hätten im Stadtbezirk stark zugenommen.

Dazu passt auch, dass der Staatsschutz eine Kneipe in Marten im Visier hat: Im Hinterzimmer der Gaststätte „Zum Güterbahnhof“ tagen mittwochs die Autonomen Nationalisten und sonntags die Kameradschaft Tremonia. SPD und Grüne wollen nun Druck auf die neuen Betreiber ausüben. Denn diese müssten sehr wohl wissen, wen sie beherbergen: Sie öffnen nämlich auf besonderen Wunsch der beiden Gruppen – normalerweise hat die Kneipe an den besagten beiden Tagen geschlossen. Die Wirte waren nicht für eine Stellungnahme erreichbar.

Dieser Text wurde auch auf DerWesten veröffentlicht. Ist aber von einem Antifaschisten aus Dortmund geschrieben. Darum muss er auch hier veröffentlicht werden.
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Ergänzungen

Nazis üben mit handbuch straßenschlachen!

antifa 20.12.2008 - 12:40
das vor ca. 4 monaten erschienene "handbuch für autonome nationalisten" namens "an.schlag" beinhaltet angriffs- und verteidigungstaktiken, sowie taktiken für direkte aktionen. dort werden ebenfalls abbildungen von saalschlachten abgedruckt.

verfasser sollen laut impressum nazis aus mittelhessen sein, weiß mensch genaueres darüber?

Nazis immer gewaltbereiter?

totalegal 20.12.2008 - 14:17
Diese Haltung ist absolut geschichtslos. Die Nazis waren Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre mit Sicherheit gewaltätiger (und nicht nur "gewaltbereiter") als heute. Vielleicht hast du ja schon einmal etwas von der Wehrsportgruppe Hoffmann gehört? Deren Mitglieder verprügelten linke DemonstrantInnen so, dass die Leute anschließend im Krankenhaus lagen. Mehrere Mitglieder der Gruppe ermordeten den Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde von Nürnberg Levin und seine Frau. Und der Anschlag auf das Oktoberfest 1980 war auch die Tat eines WSG Hoffmann Mitgliedes.
Der Ordnerdienst der NPD ging in der 60er und 70er Jahren exterm gewalttätig vor. In Frankfurt schlugen am 25.7.1969 achtzig mit Eisenstangen, Hämmern und Helmen ausgerüstete Männer GegendemonstrantInnen brutal zusammen.
Die Zahl der von Nazis ermordeten Flüchtlinge und MigrantInnen seit der Einheit liegt weit über hundert. Und weil die Nazis jetzt wieder mit der Polizei in Konflikt geraten, schwallst du hier von zunehmender Gewaltbereitschaft. Die Ziele der Nazi-Gewalt haben sich ausgeweitet.

Aufkleberflut

R h Z 20.12.2008 - 14:21
In der Nähe der besagten Turnhalle kleben auch immer sehr viele Aufkleber von verschiedenen "Aktionsgruppen".

Der Anmieter

Erika 20.12.2008 - 14:30
Angemietet wurd die Halle übrigens von einen gewissen Dennis Ahrent,falls Infos über den Typen vorhanden sind ,bitte posten.

Trainer

Wirt 20.12.2008 - 15:37
Die Anführer (Trainer) stammen fast ausschliesslich aus Altkadern der Borussenfront

Spontandemonstration der Nazis

insider 20.12.2008 - 16:15
Was in dem Artikel nicht erwähnt wurde:
Gestern gab es eine Nazi-Demo durch die Dortmunder Innenstadt!!!
Etwa 40-50 Nazis marschierten hinter einem Transparent mit Parolen über den Westenhellweg, wo die Bürger und vereinzelte Antifaschisten tatenlos zusehen mussten.
Die Polizei unternahm - wie immer - nix.

@insider

tut nichts zur sache 20.12.2008 - 17:45
Diese Spontis der Faschos sind leider in Dorstfeld und in der Innenstadt an der Tagesordnung,sie werden meist noch nicht mal im Polizeibericht erwähnt ,weil sie sich zu schnell auflösen,wenn die Grünen akommen.

Treffpunkte

Mein Name 21.12.2008 - 21:57
Vor und nach Heimspielen des BVB treffen sich einige Mitglieder der genannten Gruppierungen in der Gaststätte Treff (Uhlandstr. 10) in der Nordstadt. Ein Großteil der "erlebnisorientierten Fußballfans" trägt dort Szenekleidung a la Steinar oder andere eindeutige Marken. Nach den Autokennzeichen zu urteilen, stammen die meisten der Mitglieder aus Hagen/Ennepetal.

Luta Livre

Holger 22.12.2008 - 14:24
Das NeoNazis sich trainieren um auf der Strasse effektiver gewaltaetig zu sein ist schlimm aber leider nichts neues.
Was aber definitiv an diesem Artikel falsch ist, ist das diese Gruppiereungen Luta Livre trainieren.
In Dortmund gibt es nur eine Luta Livre Schule und die ist nicht in einer Turnhalle sondern ine einem angesehenen Sportstudio. Ich bin der einzige lizensierte Luta Livre Lehrer im Raum Dortmund und unterrichte auch nur die rein sportliche Variante dieses brasilianischen Sports das Luta Livre Esportiva. Weder ich, stellvertretend fuer die Luta Livre Akademie Dortmund, noch der Uebergeordnete Verband die European Luta Livre Organization (ELLO) verfolgt irgendwelche politischen Interessen.
Wer sich davon uebereugen moechte kann mich gern kontaktieren und unser Training gern besuchen.
Desweiteren wuerde es mich interessieren woher der Bericht-Verfasser den Zusammenhang zum Luta Livre sieht.

Bei Fragen oder der Gleichen bin ich unter  info@luta-livre-dortmund.de zu erreichen.

MfG Holger Deimann
LLA Dortmund

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