Solidaritäts-Demonstration in Detmold

Anna Ski 19.12.2008 22:44 Themen: Antirassismus Repression Soziale Kämpfe Weltweit
In Detmold fanden sich heute circa 25 Menschen zusammen, um sich mit den Kämpfen in Griechenland solidarisch zu erklären und gegen den erneuten Polizeiskandal von Minden zu protestieren.
Heute, am Nachmittag des 19.12., fand im ostwestfälischen Detmold eine bewusst unangemeldete Demonstration statt.
Thema war die Ermordung von Alexdrandos sowie Polizei- und Staatsgewalt im Allgemeinen, im besonderen Bezug auf den erneuten Polizeiskandal in Minden.
( http://de.indymedia.org/2008/12/235755.shtml)

Etwa 25 Menschen zogen lautstark durch die Innenstadt. Sie trugen ein Transparent mit der Aufschrift "Aufhänger Griechenland - Polizisten morden überall" und verteilten Flyer mit Hintergrundinformationen an die PassantInnen. Diese reagierten teils mit Interesse, teils mit ablehnender Haltung ("Dann fahrt doch nach Griechenland!").

Die Polizei versuchte, die Demonstration mit drei Streifenwagen zu verfolgen, was ihr allerdings nicht gelang: Die Demo löste sich nach circa 15 Minuten auf, um nach einer viertelstündigen Unterbrechung erneut zusammen zu finden und nochmals durch die Fußgängerzone zu ziehen.

Dies war eine von vielen Solidaritätsaktionen und Demos in Bezug auf die Ermordung von Alexandros in der Region Ostwestfalen.
Zuletzt hatten sich am Samstag in Paderborn ca. 15 Menschen und am Montag in Minden über 100 Menschen zu einer Demonstration zusammengefunden.
Creative Commons-Lizenzvertrag Dieser Inhalt ist unter einer
Creative Commons-Lizenz lizenziert.
Indymedia ist eine Veröffentlichungsplattform, auf der jede und jeder selbstverfasste Berichte publizieren kann. Eine Überprüfung der Inhalte und eine redaktionelle Bearbeitung der Beiträge finden nicht statt. Bei Anregungen und Fragen zu diesem Artikel wenden sie sich bitte direkt an die Verfasserin oder den Verfasser.
(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)

Ergänzungen

Flyer

Klaus Dir einfach 19.12.2008 - 22:53
„Weiße Nelken als Zeichen der Unschuld“
denn:
„Mit 15 Jahren hatte er noch gar keine Zeit zum Sündigen“

Polizeigewalt auch in Minden! / friedliche Demonstrant_innen misshandelt

Am späten Samstagabend des 6. Dezembers wurde der 15-jährige Alexandros Grigoropoulos durch einen Polizisten im alternativ geprägten Stadtteil Exarchia in Athen erschossen. Durch verschiedene widersprüchliche Meldungen zum Tathergang ist unklar was genau passierte. Fest steht, dass Alexandros keine Pistole oder ähnliches bei sich trug, um Schüsse aus einem Polizeiauto in irgendeiner Art und Weise zu rechtfertigen. Als Verletzungsfolge durch die drei abgefeuerten Pistolenschüsse des Polizisten, musste Alexandros in ein Krankenhaus gebracht werden, welches er allerdings nicht lebend erreichte – er erlag seinen schweren Verletzungen im Krankenwagen. Schnell verbreitete sich die Meldung in Exarchia, Athen und später im gesamten Land. Seit Samstagabend bis heute kam es seitdem zu teilweise massiven militanten Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und zehntausenden Menschen aus unterschiedlichen Spektren. Die Ereignisse in Griechenland beschäftigten und beschäftigen nach wie vor viele Menschen, teils mit nüchterner Betrachtung wie im überwiegenden Teil der Medien, teils mit emotionaler Aufarbeitung, wie die vielen Solidaritätsaktionen beweisen. Angefacht durch die erbitterten Kämpfe in Griechenland und das nachhaltige Gefühl, machtlos gegenüber einer Staatsmacht zu sein, die mit allen Mitteln unliebsame Menschen tötet, fing der Funke auch im übrigen Europa Feuer – und so auch in Deutschland. In beinahe allen größeren Städten und Metropolen Deutschlands gab es solidarische Aktionen oder Demonstrationen. Selbst in der kleinen ostwestfälischen Weserstadt Minden mit rund 80.000 Einwohner_innen. Hier versammelten sich am Dienstagabend (09.12.2008) etwa 30 Menschen zu einer spontanen Solidaritätsbekundung in Form einer Demonstration. Die Demonstrant_innen zogen lautstark mit einem themenbezogenen Transparent durch die Fußgängerzone samt Weihnachtsmarkt. Die Demonstration endete friedlich und die Demonstrant_innen zerstreuten sich. Gegen 20 Uhr schließlich wurden einige vermeintliche Demonstrant_innen von der Polizei in Gewahrsam genommen.

Erneuter Polizeiskandal in Minden

Nachdem die Demonstration zu Ende war und die Mindener Polizei nicht auftauchte, waren die Uniformträger_innen offensichtlich derart frustriert, dass sie in einer Polizeistaatsaktion wie aus einem schlechten Film vorgingen: Auf dem Parkplatz „Kanzlers Weide“, der nur über wenige Zugänge verfügt, schlug die Polizei zu. An diesem strategisch günstigen Ort fuhren innerhalb weniger Momente Polizeifahrzeuge auf, um einige vermeintliche Demonstrant_innen einzukesseln. Menschen, die sich dieser Willkürmaßnahme zu entziehen versuchten, wurden kurzerhand mit brutaler Gewalt misshandelt. Dabei fuhren Polizist_innen mit einem Mannschaftswagen gezielt eine Person um, die daraufhin verletzt am Bein liegen blieb. Einer anderen Person, die bereits am Boden durch einen Polizisten mit einer „Knie-Fixierung“ des Genicks festgehalten wurde, wurde eine Maglight-Taschenlampe auf den Hinterkopf geschlagen. Davor sagte der Polizeibeamte: „Ich spalte dir deinen Schädel.“ Einem anderen wurde, nach der Aufforderung den Personalausweis zu zeigen, der Arm verdreht und überstreckt. Ein besonders engagierter Polizist flüsterte einem Festgenommen vor dem Abtransport ins Ohr: „Ich brech’ dir die Knochen.“ Den meisten wurde darüber hinaus ohne Grund und eindeutig vorsätzlich aus unmittelbarer Nähe Pfefferspray ins Gesicht gesprüht. Außerdem wurden einige Leute mehrfach ohne Grund geschlagen. Insgesamt wurden 17 Personen vorläufig in Polizeigewahrsam in die Polizeidirektion Minden gebracht. Dabei handelte es sich nicht um Schwerverbrecher_innen, worauf die Vorgehensweise vielleicht hindeuten – aber natürlich auch dann nicht legitimieren – könnte, sondern um größtenteils Jugendliche im Alter von 16 bis 20 Jahren. Beim Abtransport im überfüllten Polizeiwagen wurde eine Redeverbot verhängt, wer trotzdem redet „bekommt Deo“ ab (gemeint ist Pfefferspray), schrie ein Polizist. Im Polizeigewahrsam angekommen setzten sich die Serie der Straftaten durch die so genannten „Gesetzeshüter_innen“ weiter fort. Hierbei gingen die Beamt_innen in ihrer perfiden Art eine Spur professioneller vor: „Wir halten zusammen, ich hab’ nichts gesehen“, sagte ein Polizist, nachdem ein anderer eine Person mehrfach geschlagen hat, welche zu dem Zeitpunkt komplett entkleidet war. Personen, die nicht dem Konstrukt der deutschen Volksgemeinschaft entsprachen, wurden zudem besonders abstoßend behandelt und mit rassistischen und antisemitischen Drohungen überzogen. Einer Person, die von den Polizist_innen als Jude identifiziert wurde, wurde wie allen anderen auch angedroht vergast zu werden: „In der Zelle vergasen wir euch“. Während seiner Gewahrsamnahme monierte er gesundheitliche Beschwerden, woraufhin er von den Aufseher_innen ausgelacht wurde. Kurz vor seiner Entlassung am frühen Mittwochmorgen, wurde seine Jacke „konfisziert“. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt wurde er freigelassen, zitterte aber bereits schon vorher und musste sich dann auf dem Weg nach Hause übergeben. Diese Liste der psychischen und physischen Misshandlungen durch mehrere der eingesetzten Mindener Polizist_innen ließe sich noch weiter fortführen, sprengt aber den Rahmen. Der Höhepunkt für die Polizist_innen dürfte jedoch wohl das „Gruppenfoto“ gewesen sein, wo die Festgenommenen mit Gewalt dazu gezwungen wurden, sich wie auf Familienfotos üblich vermutlich für private Zwecke fotografieren zu lassen.

Mindener Polizeigewalt mit Tradition

Kurze Zeit später tauchte auch schon eine Pressemitteilung der Polizei auf. Trotz fehlender Beweise wird von „Randalierern“ gesprochen und auch gleich noch unterstellt „die Hauswand eines öffentlichen Gebäudes wie auch eines Streifenwagens mit Farbe“ bemalt zu haben. Der Inhalt der Pressemitteilung wurde dann auch noch in der gleichen Nacht 1:1 in der Provinzgazette „Mindener Tageblatt“ (MT) übernommen, ohne selbst zu recherchieren. Im Bericht vom Donnerstag, dem 11.12.2008 sprach man dann sogar schon von „Krawall-Tourismus aus Niedersachsen“, da einige in Gewahrsamgenommenen aus dem benachbarten Landkreis Schaumburg (Niedersachsen) entstammten.
Die Schaumburger Zeitung brachte direkt weitere Sachbeschädigungen in Verbindung mit den Demonstrant_innen, da auf der Demonstration ähnliche Parolen gerufen wurden, wie sie einige Nächte zuvor gesprüht wurden.
Durch diese Hetze der beiden Zeitungen wird versucht zu erklären, dass jeglicher Protest zu kriminalisieren ist – da Protest nach dem Maßstab dieses Denkens bereits kriminell ist. Die Polizist_innen in Minden dürften sich freuen, bekommen sie doch schließlich durch Berichte wie diese erst einen Freifahrtsschein für ihre Misshandlungen.
Und auch dies hat bereits eine merkwürdige Tradition in Minden: Bereits beim letzten Naziaufmarsch am 17.03.2007 in Minden machten Polizist_innen klar, dass sie die Demokratie und das Grundgesetz nicht interessiert und für sie ihr eigenes Recht zählt. Als sie gewaltsam eine Schüler_innen-Blockade räumten, wurden viele der Schüler_innen festgenommen. Ihnen wurde vier Stunden lang kein Wasser gebracht und das obwohl sie teilweise zwei Stunden im Gefangenentransport mit auf den Rücken gefesselten Händen saßen.
Eine Schülerin musste sich unter den Augen männlicher Polizist_innen auf dem Bürgersteig bis auf den BH ausziehen. Darüber hinaus wurde es insbesondere weiblichen Schülerinnen zugemutet sich komplett nackt auszuziehen – eine 17- und eine 18-jährige Schülerin mussten ihre BHs sogar abgeben, um sich nicht strangulieren zu können, ihre Schnürsenkel durften sie allerdings behalten. Die Verweigerung, auf Toilette gehen zu dürfen, führte dazu, dass sich einige Schüler_innen sogar eingenässt haben. Selbstredend, dass ihnen Telefonanrufe verweigert wurden.

Zu sehen ist, dass die Beständigkeit, mit der brutale Polizist_innen in Minden vorgehen, keine Seltenheit ist. Vielmehr können wir davon ausgehen, dass es der Regelfall ist. Dieser neuerlichen Tat werden wir dagegen nicht mehr schweigend zusehen, sondern in die Öffentlichkeit gehen – denn das ist es, was ihnen Angst macht.

Auch die Beamten welche Oury Jalloh im Jahre 2005 in einer Zelle fixierten und, trotz Alarm, verbrennen ließen wurden in diesen Tagen freigesprochen.
Selbst der Richter kommentierte dieses Urteil mit den Worten „Ich habe keine Lust mehr zu diesem Scheiß noch irgendetwas zu sagen“.
Bei solch drastischen Worten ergeben sich für uns einige Zweifel an der Rechtmäßigkeit dieses Prozesses.
Am Montag fand auf Grund dieser Ereignisse eine weitere Demonstration in Minden statt.
Über 100 Teilnehmer_innen zeigten lautstark und friedlich, dass sie sich die anhaltenden Repressionen nicht mehr länger bieten lassen wollen.

Wir fordern:
Konsequenzen aus dem erneuten Mindener Polizeiskandal, sowie eine objektive Berichterstattung von Seiten der Medien.
Pressefreiheit heißt, die Freiheit zu haben, objektiv berichten zu können und nicht, die Freiheit, Geschehnisse frei zu interpretieren.

Seit 1993 starben durch deutsche Polizist_innen 128 Menschen. Keiner der tatbeteiligten Polizist_innen ist zu mehr als einem Jahr auf Bewährung verurteilt worden. Wir fordern eine unabhängige Kommission, die den Tod von Oury Jalloh untersucht.

Solidarität mit den Opfern von Polizeiwillkür und staatlichen Repressionen

Ob Athen oder Minden:

Solidarität kennt keine Grenzen!

Gemeinsam gegen staatliche Repression und Polizeistaat!

Habe etwas gesehen

Toni 20.12.2008 - 15:17
Hallo, ich war in Detmold shoppen und konnte beobachten, wie eine Gruppe Faschos eine Art "Rohrbombe" beim Einkaufszentrum von einem Kofferraum in den eines anderen Autos umpackten.

Leider konnte ich die Kennzeichen nicht genau erkennen, da die Faschos davor standen...

Bei den Autos handelt es sich um einen dk-blauen Opel Astra (kennzeichen: lip-?? 23) und einen silbernen Passat (std- hl ??). Ich meine gehört zu haben, dass einer der Faschos sagte "Der wird Augen machen, der Kuhlmann... Da wird sichs endlich auspaulint haben" oder so ähnlich.

Wer weiß, was die wieder vorhaben... Falls jemand ähnliche Beobachtungen gemacht hat, bitte Posten, vielleicht hat ja sogar jemand Fotos...

bombe ??

bob ma. 21.12.2008 - 21:09
richtig hier kennt sich jemand aus vonwegen "auspaulient"- die "alte pauline " ist das autonome kulturzentrum in detmold.
bin ziemlich sicher das dieser beitrag von einem nazi kommt, um panik zu verbreiten.
oder glaubt ihr ernsthaft die stehen da mit ner rohrbombe vor hertie, und reden so n zeug, dass es andere auch noch hören können?

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

Zeige die folgenden 3 Kommentare an

Nazi fake? — john le.

bitte — Bombe