Griechenland - Bewegung wird breiter

anarchist 18.12.2008 17:29 Themen: Repression Soziale Kämpfe Weltweit
über 600 Schulen und Universitäten besetzt, AnwohnerInnen von Exarchia fordern Abzug der Bullen, GSEE-Zentrale (Allgemeiner Gewerkschaftsbund Griechenlands) besetzt. Arbeiter-Zentrum Patras besetzt, um der Medienpropaganda entgegenzutreten werden immer wieder Radio- und Fernsehsender besetzt und dann live gesendet, Rathäuser besetzt ...
Klar, in den Mainstreammedien steht fast nichts mehr - sie haben Angst, dass die Revolte übergreift! Deshalb eine kurze Zusammenfassung:
- Heute Mittag war erneut eine Großdemonstration mit 15-20.000 Menschen in Athen, es kam erneut zu Auseinandersetzungen, Tränengaseinsatz, Steinen, Mollies, Verhaftungen ...
Demos auch in anderen Städten, aber ruhiger ...
- 2000 AnwohnerInnen im Athener Stadtteil Exarchia (dort wurde Alexandros ermordet) haben die Polizeiwache belagert und den sofortigen Abzug der Bullen aus dem Stadtteil und die Entwaffnung der griechischen Polizei gefordert.
- Es sind mittlerweile über 600 Schulen und Hochschulfakultäten besetzt und in Aktionszentren umgewandelt. Gemeinsames Ziel: "Sturz der Mörderregierung" und die Reformierung des maroden Bildungssystems ...
- Die LehrerInnen- und ProffessorInnen-Gewerkschaften haben sich mit den Aktionen solidarisiert und beginnen sich untereinander zu koordinieren. Schon für nach den Weihnachtsferien rufen sie zu einem gemeinsamen Aktionstag am 9.Januar auf. Am 9.Januar 1991 wurde der linke Lehrer Temponéras in Patras von Faschisten erschlagen. Aus Protest gegen eine damals geplante reaktionäre Bildungsreform hatten SchülerInnen in ganz Griechenland Schulen besetzt. Temponéras war als solidarischer Lehrer mit seinen SchülerInnen in der besetzten Schule als diese von Faschisten angegriffen wurde.
- Die GSEE-Zentrale in Athen wurde gestern von aufständischen Arbeitern besetzt! Sie fordern alle ArbeiterInnen zum Generalstreik auf und sprechen explizit migrantische ArbeiterInnen an sich an Vollversammlungen und den Kämpfen zu beteiligen. (Alle Erklärungen übersetzt auf www.fau.org) Heute wurde auch das Arbeiterzentrum in Patras besetzt.
- Die besetzten Rathäuser in Stadtteilen von Athen, Thessaloniki, Iraklion sind nicht wie öfter zu lesen "von Jugendlichen besetzt", sondern von AktivistInnen aus den jeweiligen Städten. In täglichen öffentlichen Vollversammlungen, die unter der Beteiligung von teilweise mehreren Hundert BürgerInnen aus dem Stadtteil stattfinden wird dort über das weitere Vorgehen beraten! Zumindest in Agios Dimitrios haben sich auch die Angestellten mit der Besetzung solidarisiert.
- Täglich werden für Minuten, teilweise auch Stunden Radio- und (seltener) Fernsehsender in verschiedenen Städten besetzt um der Medienpropaganda und der Verdrehung von Tatsachen entgegen zu treten. Bekannt sind mir Besetzungen aus (Athen, Thessaloniki, Patras, Volos, Xanthi)
- Zum Abschluss noch was zur Kommunistischen Partei (KKE) - weil ab und an gemeldet wird, dass die Partei an den Protesten beteiligt sei. Dies ist falsch! Die KP führt zwar Demonstrationen gegen die Regierung und gegen die Polizeigewalt durch, versucht jedoch gleichzeitig Unibesetzungen entweder zu verhindern oder putschartig zu bestimmen (die Besetzungen werden ansonsten immer in Vollversammlungen beschlossen). Sie verurteilt jegliche nicht von ihr zu kontrollierende Aktion und ist vor allem damit beschäftigt "Randalierer" zu verleumden und Syrisa (Allianz der radikalen Linken, mit 5 Prozent im Parlament) als parlamentarische Konkurenz anzugreifen, da Syriza im Rahmen ihrer parlamentarischen Denkweise einigermaßen solidarisch mit den Protesten ist und sich auch daran beteiligt. Seit Jahren schlagen Ordner der KKE auf Demonstrationen gemeinsam mit SEK-Bullen auf missliebige DemonstrantInnen ein oder liefern sie an die Bullen aus. Die (im übrigen stalinistische) KKE ist inhaltlich das reaktionärste was es außer der rechtsradikal/monarchistischen Partei Laos im griechischen Parlament gibt. Momentan geben beide Parteien im Übrigen oft wortgleiche Presseerklärungen zu den Ereignissen ab.
Presseerklärung vom 12.12. zitiert nach der linksliberalen Tageszeitung Eleftherotypia vom 13.12. Die Generalsekretärin der KKE, Aléka Paparíga erklärte:"Die staatliche Repression und die Vermummten stehen auf der selben Seite. Sie sind miteinander verbunden, unterstützen sich gegenseitig und verfolgen das Ziel die Werktätigen und die Jugendbewegung zu terrorisieren. Die Molotowcocktails und die Plünderungen der Vermummten, deren Komandozentrale mit den Geheimdiensten und ausländischen Zentren verbunden ist, haben keinerlei Beziehung mit der massenhaft geäußerten Wut der Schüler, Studenten und des werktätigen Volkes."

- soweit für heute - was in Griechenland gerade geschieht ist der Versuch der Wiederaneignung des eigenen Lebens, ohne Chefs, Parteibeschluss und Fernsehlügen.
- Alle auf die Straße am 20.12. Nehmen wir unser Leben in die eigenen Hände!
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Ergänzungen

HH: Demo und Kundgebung erlaubt

... 18.12.2008 - 17:54
Widerstand ist nicht zwecklos! Entgegen den gestrigen Ansagen hat die Versamlungsbehörde heute nachgegeben und der Demo und Route des Demobündnisses zugestimmt. Auch die von studentischen Gruppen organisierte Kundgebung kann wie geplant um 17 Uhr am Gänsemarkt beim griechischen Konsulat stattfinden.

Auftakt der Demo ist an der Uni Hamburg, Abschlußkundgebung am Hauptbahnhof. Von dort aus sind alle aufgerufen sich auf den Weg zur Kundgebung am Gänsemarkt zu machen! Die Polizei ist verpflichtet den Zugang von Menschen die an der Kungebung teilnehmen wollen nicht zu verhindern. Aber Achtung: Möglicherweise finden Behinderungen auf dem Weg im Bereich der Mönckebergstraße, dem Rathausmarkt oder der Poststraße statt. Besteht auf euer Recht zur Kundgebung zu gelangen! Seid lautstark und unübersehbar in der Einforderung eines unbeschränkten Demonstrationsrechts am 20.12.!

 http://www.regierung-stuerzen.de

Danke

Auch Anarchist 18.12.2008 - 18:06
Danke für den informativen Bericht, ich erlaube ihn mir auch in das Feaure zu Griechenland zu kopieren, dort bemühen sich einige Indymediauser die Meldungen auf den aktuellen Stand zu halten und es wird sich auch um Übersetzungen bemüht....

"Die Anarchistischen Lügen über Griechenland"

Leo Stalin 18.12.2008 - 19:09
Erstmal vorweg, guter Text. Aber warum kommen die Leute nicht zu den Kundgebungen wie heute in Berlin, und warum verteilen die Anarchisten, die kommen nicht Flugis? DAS WÄRE BITTER NÖTIG.

Dafür gabs heute ein Flugi der SAV:

Zitat der SAV: "Der Generalstreik vom vergangenen Mittwoch war der vierte in diesem Jahr und der zweite in den letzten zwei Monaten. Er war ein großartiger Erfolg, angesichts von Tausenden, die an diesem Tag durch Athen, Saloniki und andere Städte zogen. Und dies war insbesondere wichtig, weil die massiven Verwüstungen und Plünderungen anarchistischer Gruppen Montagnacht dazu führten, Leute aus Angst vor Zusammenstößen mit der Polizei und Angriffen auf DemonstrantInnen usw. von der Teilnahme abzuschrecken."

BBC sprach dagegen von lächerlich wenig Leuten, "embarrassingly low turn out" die zu den Kundgebungen der Gewerkschaften und PASOK und SYRIZA kamen, im Vergleich zu sonst.

Aber wenn die SAV das zugeben würde, wäre es natürlich schuld der unfriedlichen Anarchisten, nicht der Gewerkschaftsbürokraten und der Lampenputzer der PASOK und Syriza. Die BBC berichtet übrigens nicht so schlecht über die Besetzergruppen wie die SAV.

Weiter die SAV:

"Die Kundgebungen waren absolut friedlich. Keine Beschädigungen, keine Angriffe auf Gebäude, Motorräder, Autos, keine Plünderungen und keine Zusammenstöße mit der Polizei."

Lüge! Die Polizei griff die Gewerkschaftsdemo trotz ihrer "Friedlichkeit" an: BBC-World:  http://news.bbc.co.uk/2/hi/europe/7775194.stm

Nun legen die Lampenputzer der SAV richtig los:

"Das zeigt die vollkommen andere Haltung der Arbeiterklasse im Vergleich zu den anarchistischen Gruppen und einigen ultra-linken Gruppierungen, die die Polytechnische Hochschule und das Justizministerium besetzt halten, häufig Angriffe gegen die Polizei durchführen und eine „Revolution“ ausrufen (vor allem nach den Ausschreitungen von Montagabend)."

Aha. Es ist nicht die Polizei die angreift...

Also sind die Anarchisten, kleine linke Parteien, die Besetzer der Rathäuser, die Migranten und Prekären, die das Gewerkschaftsgebäude besetzt halten keine Arbeiter.

Video mit bösen Anarcho-Plünderen

Leo Stalin 18.12.2008 - 19:37
Hier ein Video das ein Programm zeigt das bei der Besetzung eines TV-Sender s in Kreta heute enstand. Ab Minute 2:04 ein Foto, man sieht wer die "bösen Anarchistischen Plünderer ", sind, ein Kind, eine Frau, usw. wahrscheinlich aber keine Arbeiterklasse, sondern, man sieht es an der Kleidung typische Boheme.

 http://garizo.blogspot.com/2008/12/from-siesed-tv-staion-in-chania-krete.html

Mannheim:Farbe auf Polizeiwache

. 18.12.2008 - 20:49

In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch wurde eine Polizeiwache in der Mannheimer Innenstadt symbolisch angegriffen.
In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch wurde eine Polizeiwache in der Mannheimer Innenstadt symbolisch angegriffen. Auf die Fassade wurden Farbbeutel geworfen und Parolen wie "Polizeistaat angreifen" und "Athen ist überall" gesprüht. In einem uns vorliegenden Bekennerschreiben heißt es dazu: "Um unserer Wut über die Ermordung unseres Genossen Alexandros Ausdruck zu verleihen haben wir die Bullenwache in den A-Quadraten angegriffen. Weiterhin richtet sich die Aktion gegen jede Form von Polizeigewalt,gegen die geplante Verschärfung des Versammlungsgesetzes in Baden-Württemberg und gegen die Freisprüche für die für den Tod von Oury Jalloh verantwortlichen Bullen." Abschliessend steht in dem Schreiben: "Alexandros lebt in unserem Kampf für eine klassenlose Gesellschaft weiter!! Hoch die internationale Solidarität!! Freiheit für alle politischen Gefangenen!!"

 http://de.indymedia.org/2008/12/236523.shtml?c=on#comments2

Wer die Jugend unterdrückt...

Mein Name ist Mensch 19.12.2008 - 01:49
unterdrückt die Wahrheit...

Leider brauchte es wieder einen feigen öffentlichen Mord, um ein wenig Adrenalin in die Adern der unterschiedlichen Protestbewegungen zu pumpen. Aufgrund der militanten Rebellion (und der damit verbundenen Medientauglichkeit) sowie der Tatsache, dass es sich bei dem Opfer um ein 16jähriges Kind handelt und der Täter Beamter eines westlichen, als souverän anerkannten Staates ist, bekommt auch die breite Öffentlichkeit die Gelegenheit, sich mit den (vor)herrschenden Verhältnissen in Europa auseinanderzusetzen. Diese Gelegenheit sollte genutzt werden, um erstens, auf die andauernde bzw. zunehmende Repression gegenüber Menschenrechtsaktivisten/innen, "nicht-profitabler" Minderheiten, Systemkritikern usw. aufmerksam zu machen. Außerdem ist zu hoffen, dass die vielfältigen Aktionen der griechischen Jugend (ob militant oder nicht), von der Öffentlichkeit nicht nur als eine Antwort auf den Mord des Jungen gesehen werden oder als sinnlose Zerstörungswut (lt. neusten Medien), sondern auch als eine Antwort auf ein mörderisches Weltsystem, dessen Betreiber die Natur und den Großteil der Menschheit in einer Wüste aus Hoffnungslosigkeit, Wut und Verzweiflung hinter sich gelassen hat. Berlin, Genua, Athen etc. sind schließlich nur kurze Momente des Schocks einer modernen „zivilisierten“ Gesellschaft, im Vergleich zu der Welt, die sich außer Sichtweite unserer Insel befindet.

Zukünftige Proteste sollten daher weniger reformorientierte Bestrebungen anzielen (i.d. Fall z.B. die Forderung der griechischen Linken nach Neuwahlen), sondern die Zerstörung eines Systems, welches nicht zu reformieren ist. Welche Reform konnte den Missbrauch staatlicher Gewalt aufheben, Korruption beseitigen oder Ausbeutung eindämmen?! Hier trifft eine kleine Veränderung auf einen langfristigen Strom, diese besitzt daher nicht die Kraft dessen Richtung bedeutend bzw. dauerhaft zu verändern. Sogar Revolutionen endeten meistens damit, dass eine schlechte Regierung gestürzt und durch eine schlechtere ersetzt wurde. In dieser „heißen Phase“ erhält nicht nur die griechische Jugend die Chance, unabhängig von linken wie rechten Rattenfängern, ein unvergessliches Zeichen der Ablehnung zu setzen. Der Ablehnung gegenüber einer Welt, in der die meisten Menschen schon vergessen haben, nach welcher „Erfüllung“ sie suchen.

„Ich bin der andere, der andere ist ich. Er ist der Spiegel, der es dem Ich erlaubt, sich zu erkennen. Seine Zerstörung zerstört die Menschheit in mir.“ J. Ziegler (*1934)

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