Müntefering in Göttingen zu Gast

B. Äcker 14.12.2008 09:30
Am vergangenen Freitag war Franz Müntefering (SPD-Bundesvorsitzender) zu Gast in Göttingen. Eine kleine Gruppe von DemonstrantInnen begrüßte ihn. Zeitungen der Region verschweigen den Protest.
Die im nördlichen Stadtteil Weende ansässige Bäckerei Thiele feiert in diesem Jahr 130jähriges Bestehen und nutzte die Einweihung des Neubaus einer Filiale in der Hennebergstraße (GÖ-Weende) zu einem Stehempfang mit ausschließlich eingeladenen Gästen. Franz Müntefering hatte vor zwei Jahren als Minister der Inhaberin Thiele-Hann bei der Verleihung des Bundesverdienstordens (für herausragende Leistungen in der Berufsausbildung und sozialem Engagement für MitarbeiterInnen) versprochen, zur Einweihung und zum Jubiläumsfest zu kommen. Obwohl er nicht mehr Bundesminister ist, kam er tatsächlich. Neben örtlicher Politprominenz waren (gegenwärtige und ehemalige SPD-Bundestagsmitglieder usw.) waren wohl rund 100 Personen anwesend und lauschten den Worten des SPD-Vorsitzenden.
Einige BürgerInnen der Stadt erinnerten mit Plakaten und Transparenten daran, dass Franz Müntefering maßgeblich die so genannnten Hartz-Gesetze zu verantworten hat. Polizei und vorher bestellter "Security"-Dienst kamen zum Einsatz. Die DemonstrantInnen konnten keine Einladung vorweisen. Dass sie sich durch die Anwesenheit Franz Müntefering provoziert und eingeladen fühlten, spielte keine Rolle.
Sowohl das Göttinger Tageblatt (GT) als auch die Hessische Niedersächsische Allgemeine (HNA) berichtete ausführlich vom "hohen Besuch", verschwieg aber den Protest. Das scheint jetzt üblich zu werden. Auch beim Besuch des Heeresmusikkorps 2 in Göttingen vor rund vier Wochen wurde nur über die Veranstaltung berichtet, nicht aber über den Protest. Man hat wohl Angst vor "griechischen Verhältnissen" und will den - übrigens völlig friedlichen - Protest deswegen nicht bekannt werden lassen. Aber das ist wohl nur eine Verschwörungstheorie, die sich nicht beweisen lässt.
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