Rostock: 150 auf Solidemo für Athen

Red_Angel 09.12.2008 19:50 Themen: Repression
(Rostock) Etwa 150 Menschen haben heute in der Hansestadt spontan demonstriert. Anlass für den Protestzug war der Tod eines 15-jährigen Schüler in Athen. Dieser wurde am Freitag von einem 37-jährigen Polizisten erschossen.
Um 18:00 Uhr hatten sich etwa 70 Personen auf dem Doberaner Platz eingefunden. Die Polizei die von der Spontandemo erfahren hatte, war zunächst mit 2 Beamten im Einsatz. Begleitet worden sind diese von einem Vertreter des Ordnungsamt. Die Polizei versuchte einen Verantwortlichen zur Absprache der Route zu finden. Die überwiegend schwarz gekleideten und teils vermummten überwiegend jugendlichen Demonstranten, ließen sich aber auf eine derartige Diskussion nicht ein. Ein Transparent mit der Aufschrift "Polizisten sind Mörder - Griechenland ist überall - Athen, Dessau, Genua" wurde entrollt und die Menge zog los. Die Route führte durch die belebte Innenstadt. Auch dem Weihnachtsmarkt, einem der größten Norddeutschlands, wurde ein Besuch abgestattet.
Während der Demonstration waren vor allem polizeifeindliche Parolen zu vernehmen. Aus der Masse heraus wurden auch Feuerwerkskörper geworfen und Bengalos entzündet. Die Einsatzkräfte der Polizei hielten sich zurück und verloren zwischenzeitlich immer wieder den Anschluss zu den Demonstranten. Die Demonstration bewegte sich zügigen Schrittes zur Polizeiwache in der Blücherstraße, wo auch die hiesige Staatsschutzabteilung ansässig ist. Vor dem Gebäude hatten sich etwa 30 Polizeibeamte postiert. Die Demo bog ab und löste sich schließlich in einem Wohngebiet auf. In der KTV, dem alternativ geprägten Stadtviertel wurden einige Polizisten in Zivil gesichtet. Über Festnahmen ist bisher nichts bekannt geworden.


P.S. Wenn nicht anders geäußert wird für eine Spontandemo im Allgemeinen über Mund-zu-Mund-Propaganda mobilisiert, Ankündigungen etwa auf indymedia können rechtliche Schwierigkeiten nach sich ziehen. *MitdemZaunpfahlwink*
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Ergänzungen

Gute Demo

far 09.12.2008 - 21:35
Das war - trotz des traurigen Anlasses - eine gute Demo! Bestimmt 70-100 Menschen gingen auf die Straße, durch Rufe wie "Griechenland - das war Mord, Widerstand an jedem Ort!, wurden die Passanten besonders auf dem Weihnachtsmarkt auf den Sinn der Demo aufmerksam. Viele stimmten dem zu und gingen sogar spontan weiter mit.
Die Polizei schien nicht wirklich auf die Demo vorbereitet zu sein und hielt sich dann auch später "vornehm" zurück. So spontan wie sie angefangen hatte ging sie dann auch zu Ende und die Bullen standen verduzt da, plötzlich waren alle weg ;)

Ich fand toll, das in Rostock so viele Leute sich an dieser Soli Demo beteiligt haben!

ACAB - No Justice, No Peace - Fight the Police!!!

Alexis, we never forget!

Soli-Aktionen ja! So? Nein!

eddie 09.12.2008 - 22:18
Ich finde es eigentlich prima das es Solidaritätsaktionen gibt, aber auf der ganzen Demo war nicht eine Antifa-Fahne zu sehen, es gab nur ein Fronttranspi und sensibilisert wurden die Passanten auch nicht für das Thema: höchstens angeblökt, zumal es ja viele militante Sprüche, aber keine verständlichen Redebeiträge gegeben hat.
Ich habe mehrere Passanten mitbekommen, die einfach nur verwirrt waren, was da an ihnen vorbeirauscht und sich fragten ob das nun der "Schwarze Block" von Rechten oder Linken ist (geschweige denn das denen klar war, worum es geht)! Und angesichts dessen, dass bei soooo viel Militanz das eigentlich politische Statement unterging, kann ich diese Verwirrung auch nachvollziehen. Bleibt die Frage welchen eigentlichen Zweck die Demo erfüllen sollte, die sich wohl jeder Teilnehmer / jede Teilnehmerin selbst beantworten muss.
Ganz ehrlich: wir sind hier nicht in Griechenland und der deutsche Normalbürger guckt entweder gar keine Nachrichten oder sieht Nachrichten aus Griechenland als eine Meldung neben vielen, weshalb es ihm prinzipiell schwerfallen sollte, einen pöbelnden Mob in Rostock mit Massenprotesten in Griechenland überhaupt in Verbindung zu bringen und diesen auch noch gutzuheißen.

Soli-Aktionen ja, aber kreativ und kritisch!

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Red_Angel 10.12.2008 - 09:19
Die Kritik von eddie ist durchaus nachvollziehbar. Es ist unverständlich, warum keine Flyer verteilt worden sind. Die Demo ist von hunderten Rostockern gesehen worden, aber vermutlich war nicht allen klar worum es geht. Insbesondere der Subtext des Transparentes gehörte erklärt. Vor allem der Bezug zu Dessau, denn das haben vermutlich viele Leute nicht mitbekommen. Ärgerlich waren vor allem Teile der erste Reihen: 'Schluss mit lustig, tralala, Bock auf Boxen - Antifa' den Leuten ins Gesichts zu blöken ist nichts weiter als infantile Rummackerei, ebenso wie die Begegnung mit einem Privat-PkW in einer engen Straßen, als der das Auto erstmal angebrüllt worden ist. Da scheinen auch bei einigen die Hormone durchgegangen sein.

Von der Anzahl der teilnehmenden Menschen war die Demo sicher ein Erfolg, über die Art und Weise der Durchführung muss sich aber nochmal unterhalten werden.

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Red_Angel 10.12.2008 - 14:48
Zunächst einmal könnte man darüber nachdenken, ob die Gleichsetzung Bullen = Mörder überhaupt Sinn macht.
Wieviel Prozent der deutschen Polizeibeamten, haben denn in ihrer Laufbahn Leute erschossen?
Betrachtet man dazu, dass die Cops in ihren Einsätzen mit Schusswaffen ausgerüstet sind und sie doch recht häufig in brenzlige Situationen gelangen, dann passiert in Deutschland relativ wenig.
Auch in Griechenland ist es nicht der Normalzustand, dass Leute über den Haufen geschossen werden, sonst würden die Leute auch nicht so ausrasten.
Bei aller Kritik an Polizei und Co. man sollte mal die Kirche im Dorf lassen und nicht so tun, als ob sich hinter jedem Bullen eine Bestie in Menschengestalt verbirgt die die ganze Zeit armen Linken und sonstigen Randgruppen nach dem Leben trachtet.

Dieses undifferenzierte Herangehensweise und dabei gleichzeitige kollektive Haftung für die Vorgänge in Griechenland, hat schon etwas faschistoides... Fehlt bloß noch, dass hier jemand rumposaunt die Bullen seien unser Unglück.

...

Red_Angel 10.12.2008 - 16:52
Der Begriff faschistoid („dem Faschismus ähnlich“, „faschistische Züge tragend“) ist ein politischer Kampfbegriff.

Als „faschistoid“ werden Eigenschaften bzw. Haltungen bezeichnet, die dem Faschismus mehr oder weniger ähnlich sind, aber in abgeschwächter Form auftreten. Auch einzelne Bestandteile einer Ideologie bzw. eines politischen Systems werden manchmal als faschistoid bezeichnet. Man spricht dann von faschistoiden Tendenzen des jeweiligen Systems bzw. der betreffenden Ideologie.

 http://de.wikipedia.org/wiki/Faschistoid

Und wenn ich ein dichotomes Weltbild habe, indem es nur Gut/Böse gibt, und das ganze unterschiedlos, wenn Menschen in Kategorie eingeteilt werden, anhand derer sie unterschiedslos bekämpft oder unterstützt werden sollen, dann kann man an dieser Stelle mit einigem Wohlwollen von faschistoiden Gedankengängen sprechen.

Der Ausspruch ACAB, mag in einem bestimmten Kontext eine gute Parole sein. Reflektiert man diese jedoch, dann stellt sich heraus, dass diese mangels Differenziertheit Humbug ist.

Der deutsche Bulle kann zumindest nicht im gleichen Maße ein 'Bastard' sein, wie ein Bulle in einer Diktatur.

Und ein Mörder kann er mangels empirische Relevanz in Deutschland eigentlich schon mal gar nicht sein. Das die Polizei eine staatserhaltende und bzgl. des Kapitalismus in einer bürgerlichen Gesellschaft eine affirmative Rolle spielt, sollte einer differenzierte Analyse der Repressionsorgane nicht im Wege stehen.
Für Simplifizierungen sind die Leute von der anderen Seite zuständig!

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

Zeige die folgenden 16 Kommentare an

mal langsam — no

bullen sind mörder — bullenhassser

@bullenhasser — habe ich

@ bullenhasser — paraniod

was? wo? — bullenhasser

Faschismus!? — bullenhasser

alter schwede — muss ausgefüllt werden

@ alter schwede — bullenhasser

war doch ganz einfach — bullenhasser

@ bullenhasser — utavalon

.-.-.-. — litle cow

titel — name

@cow — Red_Angel

danke — bullenhasser

also — rote kaputze

achso — rot kaputze