8.11.2008 - Antifa-Demonstration in Hattingen

Antifas aus Bochum 08.11.2008 23:08 Themen: Antifa
Wir beteiligten uns heute an der Antifa-Demonstration in Hattingen.
Im letzten halben Jahr häuften sich die Nachrichten über die (teils gewalttätigen) Aktivitäten in der kleinen Ruhrstadt. Anlaß genug den Antifas aus Hattingen unseren Support zu geben.
Erwartet hatten wir 50 bis 100 DemonstrantInnen. Um so erfreulicher, das weit über 200 Leute kamen. Ca 120 Antifas, 50 SchülerInnen und 50 so genannte Bürgerliche waren gekommen. Kurz vor der Altstadt zählten wir persönlich durch und kamen dort schon auf ca 220 Personen. In der „Einkaufsmeile“ von Hattingen dürften es ein paar mehr Leute geworden sein Supi!
Die Demo war laut, es gab viele Parolen und wir waren gut 2 Stunden unterwegs. Am Platz der ehemaligen Synagoge gab es einen guten Rückblick auf die Geschichte Hattingens und den Antisemitismus im Ruhrgebiet.
Die weiteren Reden ließen doch zu Wünschen übrig. (Ähem, wir sagen jetzt lieber nichts mehr!)
Auch wurden keine Flugblätter an die Schaulustigen Passanten verteilt, was sicherlich nützlich gewesen wäre.

Alles in Allem eine schöne Demo. Dafür, dass es die erste Antifa-Demo in Hattingen nach 15 Jahren und die erste Demo der Antifa Jugend Hattingen/Sprockhövels war, war es ein echter Erfolg.
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Ergänzungen

dumdidum

FlotterIngo 08.11.2008 - 23:24
08.11.2008 | 16:30 Uhr
POL-EN: Hattingen - Demonstration verlief störungsfrei

Hattingen (ots) - Die am 08.11.2008 durchgeführte Demonstration unter dem Thema "gegen Neofaschismus und Gewalt in Hattingen" mit 220 Teilnehmerinnen und Teilnehmern verlief ohne Störungen. Während des Aufzuges kam es zu geringfügigen Verkehrsbeeinträchtigungen. Im Vorfeld der Demonstration wurden im Stadtgebiet vier Personen der rechten Szene angetroffen und Platzverweise gegen sie ausgesprochen. In der Nacht vor der Veranstaltung beschmierten mehrere Personen an der August-Bebel-Straße, auf dem Parkplatz am Bunker Verkehrszeichen und Papiercontainer mit verbotenen Symbolen der rechten Szene. Zeugen informierten die Polizei. Die sechs Tatverdächtigen, zwischen 16 und 33 Jahre alte männliche Personen aus Hattingen und Bochum, wurden vorläufig festgenommen.

Bürgermob

Ich hasse dieses Land 09.11.2008 - 01:25
Nach der Demonstration durften wir noch persönlich erfahren, warum sich Nazis in Hattingen so wohlfühlen. Wir pflasterten die Innenstadt mit antifaschistischen Aufklebern zu und entfernten Nazipropaganda. Dabei trafen wir auf eine Gruppe von 10 +-2 50-70 jährigen Menschen, die uns darauf hinwiesen, wir könnten doch nicht einfach Sachbeschädigung begehen. Wir wiesen auf die Wichtigkeit antifaschistischer Propaganda angesichts des Naziproblems hin. Dieses Argument wurde nicht akzeptiert. Wir gaben zu verstehen, dass wir es inakzeptabel fänden, dass man sich über sogenannte Sachbeschädigungen aufrege, es einem aber scheißegal wäre, wenn Nazis jedes Wochenende alternative Jugendliche, MigrantInnen, Homosexuelle und andere Menschen durch die Stadt jagen. Man sagte uns, wir sollten doch mal was fürs Land tun und nach Afghanistan gehen.

Nein, für ein Land in dem MigrantInnen, alternative Jugendliche, Antifas, Homo- und Transsexuelle, JüdInnen, Muslems unter den Augen der Öffentlichkeit und andere gejagt und diskriminiert werden tun wir nix!

Fuck off Deutschland!
No border no nation!
Fight capitalism!

Lob und Kritik

Anti-Lampenputzer 09.11.2008 - 01:57
Dickes Lob an die Antifaschistische Jugend Hattingen/Sprockhövel für die 220 Leute!
Trotz einigen Fehlern (ich sag nur WAZ), war das alles in allem richtig klasse!


Was gar nicht ging waren die Redebeiträge bis auf den am Platz der alten Synagoge.
Die Stimmung im Antifa-Block, der die absolute Mehrheit der Demo stellte, im Bezug auf die Reden schwankte zwischen Belustigung, Unverständnis und Wut. Die Inhalte, die von den Rednern von VVN-BdA, DKP und solid vertreten wurden, sind nicht die unsrigen! Es geht gar nicht klar auf ner Antifademo sich positiv auf das Konstrukt des Volkes zu beziehen und aus "Völkern" noch Subjekte zu machen, wie mit dem Satz, man wolle mit allen Völkern zusammenarbeiten, die gegen Faschismus seien. Richtig peinlich waren Passagen wie, die antifaschistischen Jugendlichen wollten sich nicht in die Gewaltecke drängen lassen, oder Antifaschismus sei ein Grundrecht. Legalistische Reden auf ner Demo, wo hautpsächlich AnarchistInnen und KommunistInnen (und damit mein ich nicht irgendwelche DKP/MLPDler) anwesend waren! Antifaschismus ist kein Grundrecht, sondern ein Widerstand gegen faschistische Strukturen und gegen diese Gesellschaft, die diese hervorbringt!
Den Vogel schoss die VVN dann ab, als sie den Leuten bei der Abschlusskundgebung weiß machen wollte, dass die Wahl von Obama zum US-Präsidenten einiges positiv verändern würde. Nix verstanden von Staat und Kapitalismus! Der Rassismus in den USA wird genau so bleiben wie vorher und die imperialistische Kriegspolitik will Obama nur auf breiterer Bündnisebene durchführen.
Ekelhaft war die Aussprache der Linksjugend solid für eine Zusammenarbeit mit konservativen Kräften gegen Nazis. Das geht ja nun mal gar nicht. Ich hab keinen Bock mit RassistInnen gegen RassistInnen vorzugehen.

Achso und das Rumgeschleime bei den Bullen seitens der VVN war auch scheiße! Die Bullen kontrollieren ne nicht geringe Anzahl an DemoteilnehmerInnen verdachtsunabhängig und kriminalisieren die Demo und die VVN schleimt die Cops am Lauti an.

Dennoch fand ich die Demo echt gut, vielleicht beim nächsten Mal ohne linksbürgerliche Kräfte...

Presseschau

Medienobserver I 09.11.2008 - 19:09
Tief in der deutschen Provinz gibt es eine Presse, deren Bodenständikeit an Biedermann und Brandstifter erinnert. Hier darf auf deutscher Scholle jeder Praktikant schreiben, was sein Redakteur sich wünscht. Doch leset selbst:

Zähne zeigen - Zeichen setzen
WAZ Hattingen, 09.11.2008, Von Arne Poll


Die Demonstration gegen rechte Gewalt verlief ohne Zwischenfälle. Neonazis hielten sich der Veranstaltung fern.Sechs Festnahmen und vier Platzverweise im Vorfeld


Maskierte und bunt gekleidete Demonstranten mischten sich beim Zug durch die City.Fotos: Udo Kreikenbohm Die Augen sind von tiefschwarzen Sonnenbrillen verdeckt. Viele Demonstranten haben die Kapuzen weit ins Gesicht gezogen. Die Veranstalter geben über Lautsprecher bekannt, was bei Verhaftungen und Übergriffen durch die Polizei zu tun ist. Äußerlich sind die Demonstranten kaum von ihren Feindbildern zu unterscheiden.

220 linke Aktivisten zählt die Polizei am Samstagmittag in der Innenstadt. 300 hatten die Veranstalter von der Antifa-Jugend erwartet. Es bleibt friedlich. Die Neonazis haben auf Gegenaktionen verzichtet. Die Demonstration sei inhalts- und charakterlos, lässt die "Aktionsfront" auf einer Internetseite verlautbaren.

Davon wollen die Antifaschisten erwartungsgemäß nichts wissen. Sie haben große Banner mitgebracht. Die Vermummten tragen die zentrale Botschaft vorneweg: "Hattingen ohne Nazis oder Hattingen ohne Zukunft." Dem Zug durch Bahnhofstraße, August-Bebel-Straße, Heggerstraße schließen sich auch farbenfroh gekleidete Menschen an. Viele haben sich einfach so dazugesellt. Der Protest gegen Rechts eint die Gruppen.

Die Polizei flankiert den Zug mit einem Großaufgebot. Die Beamten haben so wenig zu tun, dass sich die Demonstranten, von denen vorher noch einige über die "Bullenschweine" geschimpft hatten, später öffentlich für die Unterstützung bedanken.

In der Nacht vor der Veranstaltung gab es dagegen sechs vorläufige Festnahmen. Die 16 bis 33 Jahre alten Männer aus Hattingen und Bochum hatten Verkehrszeichen und Papiercontainer mit verbotenen Symbolen der rechten Szene beschmiert. Die Polizei sprach außerdem vier Platzverweise gegen bekannte Neonazis aus.

Die Reaktionen von Passanten und Anwohnern sind eher zurückhaltend: Die Botschaft "Gegen Nazis Zähne zeigen" kommt beim Damenklübchen an der oberen Heggerstraße gut an. "Das haben wir früher versäumt", sagt Helga Schmitt. Das Banner "Gegen Staat, Nationalismus und Kapital" stößt auf Widerstand. Die 79-Jährige: "So etwas kann man doch nicht gut finden. Wer gegen Staat ist, nimmt sich selbst die Existenzberechtigung."

Von den Maskierten will keiner mit seinem Namen die Forderungen erklären. "Das hier ist Krieg", sagt einer. "Es werden in Hattingen und Wattenscheid schon genug Leute Opfer der Faschisten."

Bei der Abschlusskundgebung auf dem Untermarkt haben einige noch etwas zu sagen. Manche ergreifen das Wort für den Kommunismus. Der Spuk geht friedlich vorbei. "Keine Zwischenfälle. Alles friedlich", sagt Polizeisprecher Dietmar Trust. Der Pulk hat sich schnell aufgelöst. Eine Gruppe, die eben noch gegen Kapitalismus Zeichen setzte, muss sich erst einmal stärken. Die Demonstration geht weiter - hinein in die Filiale eines Burger-Bräters.


Das ordentliche Hattingen

Medienobserver II 09.11.2008 - 19:28
Die Hattinger WAZ weiß noch von ordentlichen BürgerInnen zu berichten:


Verse gegen das Vergessen
Hattingen, 09.11.2008

Kranz und Gedichte zum Andenken an die Opfer der Reichspogromnacht

"In der Nacht vom neunten auf den zehnten November 1938 brannte auch die Hattinger Synagoge und jüdische Geschäfte wurden zerstört", mahnte Bürgermeistern Dr. Dagmar Goch auf dem alten Synagogenplatz. Auf dem hatten sich rund 30 Hattinger versammelt, um der Opfer der Nationalsozialisten zu gedenken.

Doch Dagmar Goch warf auch einen optimistischen Blick in die Zukunft: Obwohl es in Hattingen eine aktive Rechte Szene gebe, zeige die friedliche Demonstration gegen Rechts in der Innenstadt: "Dass wir gemeinsam, als breites Bündnis, dem Faschismus entgegen wirken können".

Still wurde es, als Hellmut Lemmer von der Kultur- und Bildungskooperative Schulenberg aus Gedichten der jüdischen Autorin Selmar Meerbaum-Eisinger las.

"Sie wurde 1924 in Czernowitz geboren und 1942 mit ihrer Familie in ein Arbeitslager deportiert. Dort starb sie mit nur achtzehn Jahren an Flecktyphus". Ihre Gedichte widmete das junge Mädchen ihrer großen Liebe Lejser Fichmann, der bei seiner Flucht nach Palästina ums Leben kam. Die Blicke der Zuhörer senkten sich, als die Dichterin für sich feststellen muss: "Wo ist das Glück? Kommt es zurück? Kommt nie zurück".

Gemeinsam mit zwei Mitgliedern der jüdischen Kulturgemeinde Bochum-Herne-Hattingen legte Dagmar Goch einen Kranz am Gedenkstein nieder. Dann brach die Schweigeminute an. la

Rumgepupse der Vollpfosten aus Hattingen

die drei ??? 09.11.2008 - 20:19
Rumgepupse der Vollpfosten aus Hattingen und Bochum

Am Rande der Demonstration fand man einige Aufkleber des Dortmunder Resistore-Verlags und ein paar müde zusammenkopierte Blätter mit einer Erklärung der AG-Ruhr-Mitte. Auch hatten die Vollpfosten in der Fußgängerzone noch ein arg provokantes Plakätchen der „Gladbecker Freien Nationalisten“ mit dem Titel „Nationaler Sozialismus jetzt“ plaziert. Das hielt auch nicht lange.
Das die Aktionsfront Hattingen zwar bemüht, aber nicht auf der Höhe der Zeit ist, sieht man auch an der vorübergehenden Festsetzung von “sechs Tatverdächtigen, zwischen 16 und 33 Jahre alte männliche Personen aus Hattingen und Bochum“ am Vorabend der Demo. Hatten die sich doch beim Rumschmieren von NS-Parolen erwischen lassen.
Ganz niedlich war dann noch die NS-Mammi vor der Sparkasse, die „Klein Adolf“ etwas Frischluft zukommen ließ.

Zur WAZ...

... 10.11.2008 - 01:48
...muss man eigentlich nicht mehr viel sagen. Nähert sich das Niveau der WAZ sowieso seit einiger Zeit mehr und mehr dem der BILD Zeitung, ist das was speziell im Hattinger Lokalteil zu lesen ist meistens derart erbärmlich recherchiert und geschrieben, dass man sich wirklich wundert wie es möglich ist dass Menschen mit sowas auch noch Geld verdienen. Getoppt wird das ganze nur noch durch die Internet Präsenz der WAZ (derwesten.de), in welcher zusätzlich zu den gewpohnt abgründigen Artikel auch noch regelmäßig Kommentare von Nazis zu lesen sind - was die Moderation in der Regel aber scheinbar wenig zu stören scheint.

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

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ahhja — fdkj

Bürgermob — Kropf

... — günter