Lateinamerkia - Continente Rebelde

Fabzgy 03.11.2008 12:06 Themen: Globalisierung Medien Soziale Kämpfe
Vom 31. Oktober bis zum 02. November hatte attac zu einem Kongress in der Mannheimer Waldorfschule eingeladen. Thema: Continente Rebelde - Alternativen zum Neoliberalismus.
Über 500 Kongresstreilnehmer aus Lateinamerika und Europa diskutieren drei Tage lang über die Entwicklungen in Lateinamerika. Es gab verschiedenste Ausstellungen, Filmvoführungen, Foren, Workshops, Buchvorstellungen und ein Konzert.
Ein kleiner Erlebnisbericht.
Freitag ca. 15 Uhr Ankunft in Mannheim Hbf. Der Wegbeschreibung folgend nehm ich die Linie 7 Richtung Rheingoldhalle um zur Waldorfschule zu gelangen. Schon in der S-Bahn erkennt man die Kongressteilnehmer. Ein junger Mann mit einem Leiterwagen vollgepackt mit Kisten steigt auch an der letzten Haltestelle aus. Er kommt gerade aus der Osten der Ukraine und hat in Warschau Bücher abgeholt die er an der Konferenz auslegen wird.

Ich hatte mich im Vorfeld als Helfer angemeldet und melde mich zu allererst Pflichtbewust im Orga-Büro. Dort ist schon lange Hochbetrieb. Beschilderung aufhängen, Raumpläne entwerfen und Drucken, Tische rumtragen, etc.Mit etwa einstündiger Verspätung beginnt das Programm mit dem wiener Sozialantropologen Leo Gabriel. Dieser gibt einen kurzen Überblick über die verschiedenen sozialen Bewegungen in Lateinamerika und hebt als einendes Element dieser Bewegungen das Prinzip der partizipativen Demokratie hervor.
Am sich anschließende Auftaktpodium beteiligen sich Silvia Lazarte (Präsidentin der Verfassungsgebenden Versammlung in Bolivien), Horacio Sevilla Borja (Botschafter Ecuadors in Deutschland) und Regina Viotto (Juristin Uni Bielefeld). Die beiden Gäste aus Lateinamerika von ihren nationalen Bewegungen und stellen ihr jeweiligen neuen Verfassungen vor. Frau Viotto vergleicht anschließend die beiden Verfassungen mit der deutschen Verfassung.

Am Samstag Vormittag finden zehn Workshops statt. Ich nahm am Workshop Medienstruckturen in Lateinamerika teil. Dort erklärte Malte Daniljuk zunächst allgemein einige Konzepte der Medienwissenschaft. Er sprach über die Rolle der öffentlich-rechtlichen Medien und deren Unterscheidung zu privaten und staatlichen Medien. Die theoretischen Ausführungen illustrierte er später an der spanischen Gruppo PRISA und der mexikanischen Televisa. Außerdem gab er eine kurze Einführung in die Medienlandschaft in Kolumbien.
Danach gab uns Viviana Uriona eine Einführung in ihre Arbeit bei freien Radios in Deutschland und Argentinien. Außerdem stellte sie das Radioforum des G8-Gipfel in Heiligendamm vor.
Nachmittags war ich mit der Ausgabe der Übersetzungsgeräte beschäftigt sodass ich keines der Vier großen Foren besuchen konnte. Abends besuchte ich dann den Workshop Alternative Median hüben und drüben. Dort wurde das Projekt Senal 3 - La Victoria aus Santiago de Chile vorgestellt. Senal 3 ist ein Projekt von Medienaktivisten die einen Piratensender in einem Viertel von Santiago de Chile unterhalten und dort eigene Sendungen produzieren und Fussballspiele und Spielfilme von Pay-TV klauen und ins frei empfangbare Antennenfernsehen senden.

Am späteren Abend ging ich zur Filmovorstellung von La Lucha sigue!. Einer unabhängigen Produktion von Miriam Fischer und Andres DelCampo über die Ermordung von Gewerkschaftsführer Iromi Smith. Vorgestellt wurde der Film von der Produzentin Miriam Fischer, Dokumentarfotograf Hinrich Schultze und Gewerkschaftsführer von Suntracs, Panama Saul Mendez. Iromi Smith wurde während Protesten am 12. Februar ermordet. Während der Demonstration wurde er schwer verletzt und wurde von Freunden und seinem Bruder ins Krankenhaus gebracht wo er von einem Polizisten ermordet wurde.
Nachts wurde dann im Volkshaus Neckarau von Papa Verde den Kongressbesuchern eingeheizt. Ein großartiges Konzert das Raum für Bewegung, Austausch und Entspannung bot.
Sonntag morgen gab es dann noch die Vernetzungstreffen und ein Abschlusspodium.
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Ergänzungen

Alternativen zum Neoliberalismus sind möglich

amerika21.de 03.11.2008 - 13:40
Der erste Lateinamerika-Kongress von Attac verzeichnete 500 Besucher.

Von Redaktion amerika21.de, Attac-Pressestelle
amerika21.de

Auftaktpodium mit Regina Viotto (Juristin), Silvia Lazarte (Präsidentin der verfassungsgebenden Versammlung in Bolivien), Horacio Sevilla Borja (Botschafter Ecuadors), Sven Giegold (Attac)

Mannheim. Am Sonntag endete in Mannheim der erste Lateinamerika-Kongress von Attac. Laut Angaben der globalisierungskritischen Bewegung besuchten 500 Personen die dreitägige Veranstaltung. Unter dem Motto "Continente Rebelde – Alternativen zum Neoliberalismus" kamen Interessierte aus ganz Deutschland am Wochenende zusammen, um sich über Alternativen zur neoliberalen Politik aus verschiedenen Ländern Lateinamerikas zu informieren und zu diskutieren. Gäste aus Bolivien, Ecuador, Argentinien, Venezuela und Kuba stellten Projekte wie die neuen Verfassungen von Ecuador und Bolivien vor, die mit breiter Beteiligung der Bevölkerung erarbeitet und anschließend durch Referenden verabschiedet wurden. "Diese Form der direkten Beteiligung der Bevölkerungen führt in diesen Ländern zu einem großen Interesse an Politik und den Verfassungsinhalten. Dies zeigt, wie berechtigt die Forderung von Attac nach einem vergleichbaren Prozess für den EU-Vertrag ist - einschließlich der Referenden. Stattdessen ist der EU-Vertrag absichtlich so kompliziert formuliert, dass die Bürgerinnen und Bürger in der Europäischen Union seinen Inhalt kaum kennen. Und sie werden erst recht nicht gefragt, ob sie mit ihm einverstanden sind", sagte Kerstin Sack vom bundesweiten Attac-Koordinierungskreis.

"Mich hat besonders das von den lateinamerikanischen sozialen Bewegungen vertretene Prinzip des 'Vivir bien', des guten Lebens, beeindruckt", sagte Steffen Stierle, ebenfalls Mitglied im Attac-Koodinierungkreis. "Gutes Leben heißt in diesem Sinne eben nicht, möglichst viel zu konsumieren, sondern Lebensqualität zu erreichen durch die Beteiligung an der gesellschaftlichen Entwicklung und die Möglichkeit, in einer intakten Umwelt zu leben."

In den Diskussionen während des Kongresses sei deutlich geworden, dass es in Lateinamerika bereits heute viele umgesetzte Alternativen gibt, die nicht mehr der neoliberalen Ideologie folgen. "Es gibt keinen Grund mit der derzeitigen Politik fortzufahren, die die Menschen unglücklich macht, die Natur zerstört und teilweise die Demokratie gefärdet", sagte Kerstin Sack. Wie das Beispiel Lateinamerika zeige, bedürfe es dazu jedoch starker sozialer Bewegungen, die eine Änderung der Politik einfordern. Der Kapitalismus in seiner gegenwärtigen Form stecke derzeit in einer schweren Krise. Dies eröffne ein historisches Fenster, um konkrete Alternativen in die Debatte einzubringen. "Am Beispiel Lateinamerika sehen wir, dass vieles auch anders geht. Attac wird sich weiterhin dafür engagieren, auch in Europa entsprechende Veränderungen herbeizuführen", betonte Kerstin Sack.

Das Internetportal amerika21.de unterstützte den Attac-Kongress. Redakteur Harald Neuber gestaltete mit dem Botschafter Boliviens, Walter Prudencio Magne, dem Journalisten Ekkehard Sieker und der Politikwissenschaftlerin Viviana Uriona (Attac) das Forum über Alternative Medien in Europa und Lateinamerika. Auf einem der zehn Vormittagsseminare vermittelte Basis-Aktivist und PSUV-Mitglied Ricardo "Candelario" Peña mit amerika21-Redakteur Ingo Niebel Hintergrundwissen und aktuelle Informationen über die Linksregierungen in Lateinamerika und ihre aussenpolitischen Beziehungen. In einem der Nachmittagsworkshops referierte Peña mit Günter Küsters (Attac) über die Destabilisierungsversuche der USA und der EU in Venezuela und Bolivien. Die anwesenden amerika21-Redakteure erhielten durchweg ein positives Feedback bezüglich des Bekanntheitsgrades und der Inhalte, die das Portal seit Juli 2007 der Öffentlichkeit zur Verfügung stellt.

 http://www.amerika21.de/nachrichten/inhalt/2008/nov/attac-lak-2008/