1. "ich_will_nicht_arbeiten" Brief an Arge

Thomas 30.10.2008 21:13 Themen: Soziale Kämpfe
Unten seht ihr meinen ersten "Ich_will_nicht_Arbeiten"-Protestbrief ans Jobcenter Kreuzberg-Friedrichshain. Das ist insofern eine Weltneuheit, als dass meinen Recherchen zufolge noch niemand auf diese Idee gekommen zu sein scheint[1].
Sollte manchen wohl ein Kuriosum scheinen, dass noch niemand auf denen Gedanken gekommen ist, denen Tacheles zu reden; bei den vielen Arbeitsunwilligen, von denen wir fast täglich (klagen) hören. Wundersam scheint dies für mich überhaupt nicht, eher bezeichnend für die Totalität, mit der das System seine Meinungshoheit betoniert.
Nun könnte wer natürlich monieren, das ganze Schriftstück sei gar zu ausführlich geworden. Hätte nicht ein kurzer Einzeiler es getan? Von wegen: Ich will nicht arbeiten. Oder: Du kannst deine S.-Arbeit selber machen, überweise das Geld und lass mich in Ruhe! Oder etwaiges in der Größenordnung. Und dann hätte man gespannt auf die Resultate gewartet.
Die Wahrheit ist, nur wegen dir liebe_r Indymedianutzer habe ich noch die ganzen Textbausteine über Menschenrechte [2], politischen Kampf und theoretische Betrachtungen über Arbeitsethik dareingebaut. Wenn ich mich dran erinnere, wie beim letzten Anti-Arbeits-Posting die Mods vor lauter Nazikommentaren nicht hinterher kamen und die Arbeitsfetischisten­-Fraktion wieder einmal mit der ihr eigenen Hartnäckigkeit die Diskursherrschaft in den Kommentarierungen verbissen verteidigte, da meine ich, dass die zu erwartenden Beißreflexe nicht unwidersprochen stehen bleiben sollten. [3]
So kam es dass der Umfang auf den eines Indimediaartikels anwuchs und dass auch sb's (Arbeitamtssachbearbeiter Jargon) mal Indymedia lesen.
Welche rechtlichen Konsequenzen von dieser Offenbarung zu erwarten sind, darüber gibt es unterschiedliche Auffassungen. Werde ich verb(r)annt? Komme ich als unverbesserlicher Betrüger in Sicherheitsverwahrung? Oder passiert _natürlich_ nichts? Es gelten schließlich Grundrechte wie Meinungsfreiheit. Selbst eine Sanktionierung seitens Arge hätte vor dem Gesetz keinen Bestand. (was ich vermute)
Geben sie sich betont fair und hüten sich vor übertriebener Schikanierung? Oder schöpfen die jetzt ihre ganze Macht aus, um das Leben zur Hölle zu machen?
Wir sind gespannt


An
Jobcenter
Friedrichshain-Kreuzberg
Kochstraße 30
10958 Berlin

xxx
xxx
xxx

Berlin, 28.10.08

Betreff: Menschenrechtsverletzender Arbeitszwang, sofort aufhören damit!

Sehr geehrte Damen und Herren,

Seit einiger Zeit bekomme ich von ihnen Aufforderungen zu Zwangsterminen, etwa sieben an der Zahl, bei denen ich körperlich anwesend sein muss und Zwangsinterviews über mich ergehen lassen muss. Dort soll über das Thema "Arbeit" "verhandelt" werden.
Doch ich will überhaupt nicht arbeiten. Insbesondere will ich genau das nicht tun, was sie Arbeit nennen. Mehr noch, ich will diese sogenannten Pflichten, die gegen das Verbot der Zwangsarbeit verstoßen, schon aus Gründen der Solidarität, ja einer Streiksolidarität nicht durchführen.

Ihre Amtshandlungen erzeugen Dauerstress und sind somit einer der gefährlichsten ja tödlichen Krankmacher der heutigen Zeit. Die Kürzungen drückten das Einkommen unter einen angemessenen Lebensstandard, bislang nunmehr 20% des Regelsatz. Das sind 60€ pro Monat. Weitere Kürzungen sind nach unten und zeitlich unbegrenzt.
Die Kürzungen sind menschenrechtsverletzend.

Aber die ständigen Zwangs-Vorladungen sind nicht nur in diesem Sinne rechtswidrig. Sie sind nach dem bisher Ausgeführten völlig aussichtslos für den vorgegebenen Zweck. Wenn sie aber sinnlos sind, warum laden sie mich dann ein?
Und noch mal ganz klar, weil's so wichtig ist: Weil ich ja nicht arbeiten will, brauchen Sie mich auch gar nicht einladen. Sie haben keinen anderen Anlass dafür, als den der Menschenquälerei.
Bitte unterlassen Sie das ständige Einladen!

Trifftiger scheint mir die Vermutung, bei Ihren nicht ablassenden Quälereien geht es um eine politische Unabdingbarkeit, einen Krieg gegen das Individuum. Es soll unter den Leuten nicht der Anschein entstehen eine Weigerung gegen Zwangsarbeit sei unter Beibehaltung eines menschenwürdigem Lebensstandards erreichbar. Verweigerung vor Unrecht muss aber für mich immer Option bleiben, als ein Muss gilt mir aber insbesondere, anderen Leuten den Weg zu zeigen, sobald ich ihn gefunden habe, also Ihr menschenverachtendes Zwangsarbeitssystem als ganzes zum Einsturz zu bringen.
Nach dem Motto: Macht es doch alle wie ich. Mindesteinkommen beziehen ohne die menschenrechtswidrigen Arbeitspflichten zu erfüllen. So gehts.

Die von Ihnen vollzogenen Handlungen sind wie gesagt menschenrechtswidrig. Artikel 11 des Pakts für wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte garantiert das Recht auf einen angemessenen Lebensstandard, also ein bedingungsloses Mindesteinkommen. Bedenken sie auch: Die an der Verletzung dieser Rechte Beteiligten können zur Rechenschaft gezogen werden. Deshalb gebe ich ihnen den gutgemeinten Rat, ihre Tätigkeit in diesem Metier zu beenden.

Punkto Solidarität:
Es hetzen unentwegt Medienkonzerne wie Springer oder die Bertelsmannstiftung gegen Arbeitsverweigerer. Die Athmosphäre wird gerne von den Funktionsträger des System als moralisch versicherndes Wohlfühlkissen empfunden, um diskriminierende Handlungen immer hemmungsloser durchzuführen.
Was könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein? Menschen die arbeiten verhalten sich unsolidarisch. Denn sie kassieren für die Leistung, die sie den anderen Menschen gewähren, und zwar auch nur den Menschen, die dafür bezahlen können. Und all das wiederum auch nur, wenn sie es schaffen konkurrierende Menschen auszustechen.
Wer nicht arbeitet, kann seine Tätigkeiten ohne diskriminierende Konditionen nutzbar machen. Diese Person handelt solidarisch.
Jemand hatte einmal gesagt: "Es gehört zur Technik der Kz's, dass es seine Opfer zu Mördern macht." Entsprechend will das unsrige Zwangsarbeitsystem die moralisch per se unbedenklichen Arbeitsuntätigen möglichst zu funktionierenden Raffern erziehen. Mit Lügen und existenziellem Druck werden Mittäter produziert; in einem weltweiten Unterdrückungssystem, in dem 1 000 000 000 Menschen chronisch hungern.
Was sollte es Nutzbareres geben als in Zeiten eines totalen Überwachungs- und Konditionierungssystems sich einzusetzen für die Freiheit aller vor Zwangsarbeit?

Das ist wirklich nicht aus der Luft gegriffen. Denn ich zeige an: Der seit bereits einem Jahr anhaltende "Beschuss" versetzt mich in eine Situation, in der mein politisches Engagement nicht nur auf diesem Feld behindert wird. Die physische Präsenz in heutigen vollüberwachten und gentrifizierten Ballungszentren steht zur Disposition.

[11  http://www.chefduzen.de/index.php?PHPSESSID=df359bfb00d400889b04b49cda8bb157&topic=16338.msg144554#msg144554
 http://www.tacheles-sozialhilfe.de/forum/thread.asp?FacId=1036372

[2]  http://de.wikipedia.org/wiki/Internationaler_Pakt_%C3%BCber_wirtschaftliche,_soziale_und_kulturelle_Rechte
 http://www.fian.de/fian/index.php?option=content&task=view&id=137&Itemid=170
 http://www.fian.de/fian/downloads/pdf/ak+gruppen/SCT_Study_Web_DE.pdf # suche nach Mindesteseinkommen

[31 http://germany.indymedia.org/2008/06/219339.shtml
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Ergänzungen

Herzlichen Glückwunsch

können gar nicht alle können 31.10.2008 - 02:25
Vielen Dank für diesen Brief. Er spricht mir und vielen anderen bestimmt auch aus dem Herzen.

Vielleicht noch eine kurze Anmerkung für den "wer kann, der soll auch"-Troll. Es können gar nicht alle, die könnten. Sprich rein physisch sind viel mehr Menschen in der Lage zu arbeiten, als benötigt werden um die Waren herzustellen, die sie alle benötigen. Wenn die aber alle arbeiten müssen, ist es klar, dass die Bedingungen unter denen sie arbeiten immer schlechter werden. Es wird sich immer noch wer finden, der noch verzweifelter ist.

Wir sind doch schon längst über den Punkt hinaus, wo es zu unser aller Wohlbefinden vor allem daran gemangelt hätte, dass mal ein paar Leute anpacken. Es wird so viel unnötiger Kram produziert und weggeschmissen und so viel extra Verwaltung aufgezogen - z.B. in den Argen. Das Problem ist doch viel mehr, dass wir vor lauter erzwungener Lohnarbeit nicht mehr dazu kommen zu überlegen, was uns eigentlich wirklich wichtig ist und uns da drum zu kümmern.

Mechatroniker ausgelernt 01.09.2008

Mecha 31.10.2008 - 03:58
Ich hatte erst vor kurzem ein Vorstellungsgespräch als frisch ausgelernter Mechatroniker, bei dem mir von einem Weltenretter alias Zeitarbeitsfirma angeboten wurde auf 165 Euro Basis alias 400 Euro Job zu arbeiten.


Kämpfe deinen Kampf. Ich bin als Zuschauen in dem Gerichtssaal...


Solidarische Grüße aus Neukölln, in dem die ARGE und JC noch bedeutend schlimmer hantieren!



Ich will auch

Karl 31.10.2008 - 05:03
In den Gerichtssaal kommen, sollte gegen dich prozessiert werden! Bitte halte uns über Reaktionen der Arge auf dem laufenden!

@Communistin

class war 31.10.2008 - 17:13

"gesellschaftliche Arbeit" wird heutzutage vermehrt von ein-euro-jobber_innen "geleistet",
Communistin, hast du es mitgekriegt? also in grünflächen, kindergärten, ämtern, altenheimen
etc., das heißt, das problem gesellschaftlicher arbeit, die mit produktion nicht viel
zu tun hat, ist mit hartz vier ein strukturelles geworden, auf das thomas schließlich
mittelbar auch Bezug nimmt, wenn er den zwangsarbeitscharakter von hartz vier thematisiert,
denn der zwang wird erwerbslose nötigen, sich entweder in (oft sinnloser) billiger lohnarbeit zu verheizen, oder in den öffentlichen sektoren für nen euro zu schuften.
Letzteres scheint mir (die ich nich ausm osten komme) doch sehr der planwirtschaftlichen
arbeitsverteilung der ddr zu ähneln (die wohl mit kommunismus auch nicht viel
am hut hatte).
Wer soll also wohinein integriert werden? Ich möchte mich nich in die wachstums-sektoren
der call-center-losverticker-branche oder der mobilfunk-drücker von haustür zu
haustür reinboxen lassen (und das ist meine auffassung von "integrieren" seit schröder).
Gesellschaftliche tätigkeiten brauchen gesellschaftliche anerkennung und anständige entlohnung, und niemand braucht elitäre communist_innen oder bertelsmann.

Tabubruch

saul 31.10.2008 - 18:27
Pfui, sowas sagt man nicht. Wir kennen alle das übliche Versteckspiel. Man hat keine Arbeit und hängt bei der Arge rum. Bock auf Arbeit? Man kann locker behaupten, 80% haben keinen Bock auf Arbeit und machen sie nur wegen der Kohle. Nun gut, Arbeit muß keinen Spaß machen, man kann sie trotzdem mit Interesse machen, wenn sie wenigstens angemessen bezahlt wird und genau das ist bei immer mehr Menschen nicht mehr der Fall. Für viele (mehr als die offizielle Statistik sagt) ist dies noch nicht mal das Problem, sie werden nicht schlecht, sondern gar nicht bezahlt. Das trifft auf etliche Zwangsbeschäftigte zu, die in 1 Euro Jobs hängen und für ihre Arbeit nur eine Aufwandsentschädigung (so heißt das auch) bekommen.

Man geht zur Vorladung bei der Arge, die euphemistisch Einladung heißt, weil man sonst ne Sperre bekommt. Da hockt man vor den Amtsmenschen, der natürlich eh keine Arbeit hat, dafür blöde Fragen stellt, was man selbst gegen seine Arbeitslosigkeit unternommen hätte und dann erzählen die Leut halt irgendeinen Scheiß. Oder verweisen auf diverse sinnlose Bewerbungen, die außer Arbeit und Porto ohnehin nichts bringen. Man tut so, als suche man verzweifelt nach Arbeit und findet leider keine. Im Hinterkopp hat man was anderes, den Termin hinter sich zu bringen, so kann ich jetzt wieder nach Hause gehn, dummes A........ !

Sich hinzustellen und zu sagen, ne, Arbeit ist Scheiße? Solche Wahrheiten spricht man auf dem Amt nicht aus. Dabei fehlt es nicht an Leuten, die eine Arbeit die entsprechend bezahlt wird, oder bei der sie sehen, das sie gebraucht werden, auch machen würden. Den ganzen Tag rumhängen hält man ja nicht aus, wer nix zu tun hat, sucht sich eben ein Hobby. Doch keiner hat Bock auf Arbeit um der Arbeit Willen. Das protestantische Arbeitsethos. Mit Arbeit hat der Gläubige für seine Sünden zu büßen. In der Scheiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen. (In diesen Zusammenhang verweise ich auf die immer noch, oder gerade jetzt, aktuelle Schrift des Schwiegersohns von Marx, Paul Lafargue - Für das Recht auf Faulheit) Oder so, die Deutschen leben um zu arbeiten, andere Völker arbeiten um zu leben. Man kann das auch auf unsere heutige Konsumgesellschaft aktualisieren. Man arbeitet um zu konsumieren. Warum konsumieren die Leute? Na um das Loch zu füllen, das ihnen die Arbeit gerissen hat. Dazu werden heute die neuen Konsumtempel in der City installiert. Da kannst dein Geld für allen möglichen Konsumscheiß verfeuern, aber wehe wenn du wirklich was brauchst. Versuch mal in diesen Konsumtempeln ne Glühbirne zu bekommen oder ne lausige Kehrschaufel. Da gehst besser woanders hin. Das beweist, wozu sie da sind, für den Kaufrausch, der allgemein akzeptierten Sucht und erlaubten Droge. Sinnlos Geld ausgeben, weil man so den Frust den man sich bei der Arbeit geholt hat, betäuben kann. Und das ist auch vielfach der Grund für Arbeit, sinnlosen Scheiß zu produzieren, damit es gekauft wird. Das damit Energie verfeuert wird, die Umwelt versaut wird, wen juckts? Daher muß man sich um die Erderwärmung auch keine Gedanken machen, sie zwingen die Leute ja dazu Energie zu verfeuern und sei es nur, das sie täglich mit dem Auto zur Arbeit fahren müssen.

Diese Droge Konsum steht Arbeitslosen natürlich nicht zur Verfügung, die müssen sich anderweitig behelfen und billig kaufen und nur das was sie wirklich brauchen.

Doch zurück zur Arge, echt arg. Arbeit haben sie eh nicht und selbst bei den Leiharbeitsfirmen, wo sie einen hinschicken, ist für viele nix zu holen. Vor allem wenn sie schon jahrelang draußen sind, sind sie nicht mal für Leiharbeit interessant. Doch der Amtsmensch muß ja irgendwas vorweisen, also die Leut irgendwohin schicken.

Kommen wir noch mal zum Punkt Arbeit. Ich hab keine Lust zu arbeiten? Da kommt natürlich der Hass der Leut hoch, die eben so wenig Lust haben, dafür aber noch Arbeit haben. Wenn, dann soll es gefälligst allen dreckig gehen und dann heißt es schnell, wer nicht arbeitet soll nicht essen. Übersehen wird dabei, in der Geschichte haben stets diejenigen am besten gefressen, die am wenigsten arbeiteten. Dann werden noch tonnenweise Lebensmittel weggeschmissen, oft weil zu teuer oder ohnehin zuviel. Man könnte heute problemlos Grundnahrungsmittel kostenlos verteilen, ne die Leut sollen zahlen und wenn nicht, eher werfen wir es weg, als es zu verschenken. Ja gut, aber irgendwer muß es doch ranschaffen. Das tun heute nur wenige und das reicht auch, wie viel Leute arbeiten heute noch in der Landwirtschaft? Die halbe Arbeit wird ohnehin von Maschinen erledigt. Schau dir eine x beliebige Großbaustelle an, was siehst? Fette Maschinen und die Arbeiter kannst an den Fingern abzählen. Na erzähl das den Arsch aufm Amt, den interessiert nur, wie er dich am schnellsten loswerden kann bzw. die paar Kröten kürzen kann.

Klar hetzt Bild mal wieder gegen Arbeitslose die als Schmarotzer hingestellt werden. Die wirklichen Schmarotzer sitzen bekanntlich woanders, doch es trifft die Stimmung der Frustrierten, die ihre Scheißarbeit nur wegen der Kohle machen und davon eh zu wenig bekommen. Mit Absicht wird dabei übersehen, das aus Arbeitslose an der Wirtschaft beteiligt sind und beispielsweise die Arbeitsplätze bei Penny oder Aldi sichern. Außerdem zahlen sie Mehrwertsteuer, der Staat bekommt also gleich einen Teil der Stütze zurück und wer raucht oder mal n Bier säuft, zahlt zudem Tabak bzw. Alksteuer. Sparen kann man eh nicht, Arbeitslose geben das gesamte Geld aus, tia aber Schmarotzer.

Eine Frage wäre noch zu stellen. Was sind Arbeitslose? Arbeitslose sind nicht etwa Menschen die keine Arbeit haben, sondern eine Folge der allgemeinen Verbreitung der Lohnarbeit. Das die Menschen auf ihre Arbeitskraft reduziert werden und die müssen sie auf den Markt werfen, wenn der Markt sie nicht braucht, dann haben sie keine Lohnarbeit und gelten als arbeitslos. Früher haben die Menschen ja auch gearbeitet, doch wenn es mal nix zu tun gab, dann gab s eben nix zu tun, den Begriff arbeitslos kannte man nicht. Hier kann man an die zahlreichen Feiertage des "finsteren" Mittelalters erinnern. Die Bauern haben zur Erntezeit rangeklotzt, im Winter gab s wenig zu tun, deswegen waren sie keineswegs arbeitslos. Handwerker haben dann gearbeitet, wenn sie einen Auftrag hatten, die Gesellen waren eh nicht wild drauf, denn Fleiß brauchte ohnehin nichts. Die soffen lieber als zu arbeiten, denn bekanntlich konnte sich ein Geselle noch so den Arsch abarbeiten, davon wurde er nicht Meister. Also ließen sie es lockerer angehen, was zu den bekannten Verdruß zwischen Meister und Gesellen führte. Was Meister und Gesellen dieser Zeit völlig fremd war, ist das, was in der Arbeitswelt heute Alltag ist. Das man in einen Fabrik geht, und da während der Arbeitszeit permanent arbeiten muß und selbst wenn es grad mal nix zu tun gibt, dann muß man wenigstens so tun als hätte man was zu tun. Hatten die Leut früher die Hufeisen fertig und mehr gab s nicht zu tun, dann gingen sie in die nächste Wirtschaft saufen. Selbst wenn am Tag danach nix kam, dann hatten sie eben nichts zu tun waren aber keineswegs arbeitslos. Ok, nicht das dies paradiesische Zeiten waren, aber alles war doch nicht schlecht. *fg* Nun haben wir seit Jahrzehnten die Entwicklung, das in der Produktion immer weniger Menschen gebraucht werden. Nicht das dagegen was einzuwenden wäre, es gab genug schädliche Arbeiten. Glasbläser beispielsweise hatten keine hohe Lebenserwartung. Heute fertigt man Flaschen mit Pressluft, kein Mensch muß damit seine Lungen ruinieren. Dagegen wird sicher niemand was einzuwenden haben. Es gibt eben Arbeitsplätze, da hat kein Mensch was verloren, lass das die Maschine machen.

Dummerweise kommt dieser technische Fortschritt nur wenigen zugute, der Rest verliert erstmal seine Arbeit. Das war schon zu Maschinenstürmerzeiten so. Die Maschine nahm den Webern die Arbeit weg, der Profit kam nur wenigen zugute, die Weber durften hungern. Dieses Prinzip ist bis heute gleich geblieben. Die Maschine macht deine Arbeit, dich schicken sie zur Arge und die können dich auch nur verwalten und schikanieren, dafür werden die bezahlt. Das sind die Schmarotzer, die produzieren ja nichts. Aber die arbeiten ja, soll heißen, sie gehen täglich ins Büro und gegen die würde Bild nie was zu meckern haben.

Zum Schluß: Was auf jeden Fall legitim ist. Ich hab keine Lust auf Zwangsarbeit die nicht bezahlt wird, die ich nur machen muß, damit ich das kleine und ohnehin nicht ausreichende Grundeinkommen bekomme. Weil mir sonst als Alternative Geldverlust, Wohnungsverlust und Obdachlosigkeit droht, damit zwingen sie derzeit viele in die 1 Eurojobs. Wenn schon Arbeit, dann soll sie wenigstens bezahlt werden und so was wie Tarife und Urlaub gibt es ja auch noch. Für 1 Euro Zwangsarbeiter gibt es nicht mal Urlaub, dafür haben einige was dazugelernt. Das es naiv war, sich da den Arsch abzuarbeiten um zu beweisen, wie leistungsfähig man ist, in der Hoffnung, es könnte ja ein regulärer Arbeitsplatz bei rauskommen. Diese Hoffnung hat sich als trügerisch erwiesen.

Und hier noch Links.
 http://de.geocities.com/gifart4/satire.html
satire

 http://de.wikipedia.org/wiki/Das_Recht_auf_Faulheit
Das Recht auf Faulheit – Wikipedia

 http://www.wildcat-www.de/material/m003lafa.htm
Paul Lafargue, Das Recht auf Faulheit, 1883

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