Großdemo in Berlin "Freiheit statt Angst"

Bernd Kudanek alias bjk 13.10.2008 17:45 Themen: Repression
Die Demo "Freiheit statt Angst" wurde am vergangenen Samstag, den 11.10., bei herrlichem Spätsommerwetter statt um 14 Uhr wie in den Aufrufen angekündigt erst so gegen 14:30 Uhr offiziell eröffnet. Sammelpunkt war der Platz vor dem Roten Rathaus nahe am Alexanderplatz rund um den Neptunbrunnen.
Über eine Stunde lang mußten die auf mehrere Tausend angewachsene Zahl der wartenden TeilnehmerInnen diverse Reden über sich ergehen lassen. Wer sich nicht unmittelbar vor der Tribüne auf der Spandauer Straße aufhielt, bekam davon ohnehin kaum etwas mit und mensch fragt sich, wozu denn eine aufwendige Lautsprecheranlage überhaupt installieren, wenn sie dann doch nicht richtig genutzt wird. Vielleicht wäre es ja auch sinnvoller und effektiver gewesen, die Redner auf zwei oder drei Zwischenkundgebungen, z.B. 1.) vor der Humboldt-Uni am Denkmal des Alten Fritz, 2.) an der Kreuzung Unter den Linden / Friedrichstraße und 3.) vor dem Reichstag, auftreten zu lassen.

Ein riesiger Datenkrake positionierte sich an der Kreuzung Spandauer Straße/Karl-Liebknecht-Straße schon lange vor dem Demostart an die Spitze. Über 117 Gruppen und Organisationen hatten ja zur Teilnahme aufgerufen und sich mit vielen Transpis, Plakaten und verschiedenster Aktionskunst-Aktivitäten (Performances) beteiligt. Auch DIE LINKE, die Grünen und die FDP wollten öffentlichkeits- und damit wählerwirksam mit dabei sein obwohl alle drei Parteien meist mehr als weniger ihren Anteil zum grundgesetzwidrigen Bürger- und Menschen-Rechts-Abbau beigetragen haben.

Die Demo verlief insgesamt ruhig und friedlich, auch die wenigen und einfallslosen Parolen kamen meist nur ziemlich müde rüber. Selbst den Antifas schien es zum sonst so kämpferischen Skandieren möglicherweise zu warm zu sein. Es fehlte offenkundig an entsprechender Lauti-Unterstützung. Lediglich kurz nach der Kreuzung Ecke Friedrichstraße in Höhe des ZDF-Studios kam etwas Unruhe im Block der Antifa auf, weil ein offensichtlich der rechten Szene zugehöriger Teilnehmer mit einer Thor-Steinar-Jacke von mehreren Antifas erkannt und aus der Demo gedrängt wurde. Sofort witterte die Bullerei Randale. Die Rotten kamen hop hop hopp im Schweinsgalopp in voller Kampfmontur schwitzend angerannt und "sicherte" den mutmaßlichen Neonazi. Deutlich war zu erkennen, daß sie Order hatten, sich mit den sonst gewohnten Prügelexzessen zurückzuhalten, schließlich latschten ja DIE LINKE, die Grünen und die FDP mit - nicht zu vergessen die vielen Touristen. So mußten sie in ihren monströsen Kunststoffpanzern schwitzen und konnten sich nicht abreagieren.

Der auf vielleicht fünfzehn- bis zwanzigtausend TeilnehmerInnen angewachsene Demozug zwängte sich dann über die Wilhelmstraße in die Dorotheenstraße an den Abgeordneten-Silos vorbei zum Reichstag. Die Veranstalter wollen ja 100.000 Demo-TeilnehmerInnen gezählt haben und machen sich damit unglaubwürdig, denn so viele waren es ganz sicher zu keiner Zeit, auch nicht bei der Abschlußkundgebung vor dem Brandenburger Tor. Allerdings habe ich die Abschlußkundgebung auch ziemlich bald verlassen, vielleicht sind danach ja noch weitere zehntausende neugierige SpaziergängerInnen und Touries dazugestoßen.

Insgesamt war es eine eindrucksvolle Demo gegen die pervertierte Datenschnüffelei und Sammelwut der BRD-Demokratur und gegen den grundgesetzwidrigen Abbau nahezu aller Bürgerrechte. Es war ein kraftvoller Protest auch gegen die eine irrsinnige Militarisierung zu Lasten der Demokratie und des solidarischen Sozialstaatsgedankens.

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Bernd Kudanek alias bjk
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Ergänzungen

@zählerstand

menno 13.10.2008 - 18:49
Warum blödsinnig Zahlen posten? Ganz offensichtlich warst du nicht bei der demo dabei, denn 10 000 ist VIEL zu wenig. Schau mal auf Google Maps nach: Die Straße des 17. Juni vom war soweit ersichtlich vom großen stern bis zum Brandenburger Tor gefüllt....

Sehr viele Leute

Meier 13.10.2008 - 20:50
Deutschlandradio hat 60 000 Menschen registriert

Besucherzahlen

egal 13.10.2008 - 21:02
Also ich schätze, dass ca. 30.000 auf der Demo waren. Ich war ab Alex bis zur Abschlusskundgebung dabei.

Die Straße des 17. Juni war zu keinem Zeitpunkt vom Brandenburger Tor bis zum Großen Stern gefüllt, auch wenn der Redner auf der Bühne das gesehen haben will.

Repressionen gegen Aktivisten

http://www.gulli.com 14.10.2008 - 23:53
Ein Mitglied der Hamburger Ortsgruppe des Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung berichtet, er sei zusammen mit einem Mitstreiter ausgerechnet am Tag der deutschen Einheit daran gehindert worden, ein Festgelände zu betreten - weil die beiden Männer unter anderem Handschuhe und Flyer in ihrem Gepäck hatten(...)

Weiterlesen auf:
 http://www.gulli.com/news/hamburg-repressionen-gegen-2008-10-14/

Schäuble fühlt sich wg. "Stasi 2.0" beleidigt

http://www.gulli.com 14.10.2008 - 23:54
Innenminister Dr. Wolfgang Schäuble hat sich in einem Interview mit der taz unter anderem zur breiten Kritik an der Vorratsdatenspeicherung und dem kommenden BKA-Gesetz geäußert. Auf Nachfrage ging er auch auf die bekannte "Schäublone" und den Slogan "Stasi 2.0" ein, mit dem die Datenschutzbewegung auf die Gefahren von Überwachung hinweist(...)

Weiterlesen auf:
 http://www.gulli.com/news/taz-interview-sch-uble-f-hlt-2008-10-14/

Polizeiverhalten vor der Demo

teilnehmende 16.10.2008 - 23:27
... sind mit dem zug aus *** angereist. schon auf dem hinweg 2 steigen pozilisten der ich-bin-höflich-und-ohne-helm-fast-in-zivil in den zug und erkundigen sich freundlich "wie viele seid'n ihr?" beim umsteigen im hauptbahnhof waren dann schon überall gruppen von helmchens unterwegs, die sich allerdings während unserer passage auf "präsenz zeigen" beschränkten.nach dem aussteigen am alex, auf dem weg zum startort: an - wie uns zu zu dieser zeit noch schien - allen zugängen standen bullen und forderten uns auf, uns durchsuchen zu lassen. manche liessen dass mit sich geschehen, andere suchten nach aus- und umwegen. viele wurden wegen ihrer stabilen schuhe am durchgang gehindert, transparente sollten entrollt werden (zur inhaltskontrolle? oder wegen der einhaltung behördlich genehmigter abmasse?), manchem schaute man gar unter die mütze... ist das so sitte in berlin? die demokratie muss halt geschützt werden

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