3.Oktober '08 - Überblick

heart-line 07.10.2008 02:27 Themen: Antifa Antirassismus Kultur Militarismus Repression
Ein kurzer Überblick zu den Aktionen die rund um den 3.Oktober 2008 liefen.
Frankfurt - Hamburg - Berlin - Leipzig - Heidelberg
Wie lange nicht mehr kam es am 3.Oktober 2008, dem Tag der Deutschen Einheit, zu einer Konzentration von linksradikalen Aktivitäten, die sich allesamt unter dem Label "Antinationalismus" subsumieren lassen können.

Den Auftakt machte die Nachttanzdemonstration "Deutschland den Schlaf rauben" in Frankfurt am Main, die von einem sehr breiten Bündnis von linken Gruppen, darunter die Autonome Antifa F( http://www.autonome-antifa.com), organisiert wurde und schon am 2.Oktober statt fand. Diese sah sich bereits im Vorfeld massivster Repression ausgesetzt und leistete im Zuge dessen vor und nach der Demo sehr gute Pressearbeit. Die Demo an sich wurde vom Organisationsbündnis kurzer Hand vom eigentlichen Startplatz wegverlegt, weshalb die Cops dies als unangemeldete Versammlung nach rund 100 gelaufenen Metern stoppten und auflösten und schließlich auch die Wägen angriffen. Zu diesem Zeitpunkt beteiligten sich rund 1000 Personen an der Demo. Als Reaktion auf das Verbot und die Polizeigewalt wurde die Frankfurter Innenstadt schließlich Ziel militanter Aktionen.
 http://nachttanzdemo2008.blogsport.de

Weiter ging es am 3.Oktober mit der autonomen "Hart Backbord"-Demonstration, die sich gegen die diesjährigen offiziellen Feierlichkeiten richtete und an der sich rund 1600 Personen beteiligten. Mit einem Plan B wurde im Vorfeld Krawall versprochen, der allerdings mit einem Großaufgebot an Polizisten gänzlichst verhindert werden konnte. Angesichts der z.T. Selbstzerfleischungsszenarien auf Indymedia im Nachhinein, erspare ich mir mal weitere Gedanken dazu. Highlight war hier das Abbrennen einer Deutschland-Fahne.
 http://antifahamburg.blogsport.de

Die zweite im Vorfeld beworbene Demo für den 3.Oktober fand in Berlin mit der "Deutschland in den Rücken fallen!"-Nachttanzdemonstration statt, die die Antifaschistische Revolutionäre Aktion Berlin ( http://www.arab.antifa.de) mit einigen unterstützenden Gruppen organisierte. Zunächst mit rund 1200 Leuten gestartet sollte diese letztlich auf rund 2500 Personen am Ende anwachsen und wurde in unterschiedlichen Berichten als sehr kraftvolle Demo mit hohem Spaßfaktor beschrieben. Außerdem soll es mehrfach zu Vollkontakt mit Neonazis gekommen sein. Obwohl sich die Polizei hier weitestgehend zurückhielt, so traf die Organisatoren im Vorfeld mit einem Teilverbot der Route auch die Repression.
 http://dritteroktober.blogsport.de

Die dritte Demonstration am Tag der Deutschen Einheit fand in Leipzig statt, wo sich unter dem Motto "Den Deutschen Geist austreiben!" rund 200 Personen spontan versammelten und durch die Innenstadt liefen. Einem Indymedia-Bericht zur Folge kam es hier zu Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstranten.
 http://de.indymedia.org/2008/10/228723.shtml

Am 4.Oktober gab es abschließend noch eine Nachttanzdemonstration in Heidelberg, die sich für die Schaffung eines Alternativen Jugendzentrums einsetzte, also nicht direkt in den Rahmen der antinationalen Aktionen zu stellen ist, sich aber auf die Nachttanzdemos in Frankfurt und Berlin bezog. An dieser Demo beteiligten sich noch einmal bis zu 500 Personen.
 http://de.indymedia.org/2008/10/228793.shtml
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Ergänzungen

reaction bizar!

springerleser 07.10.2008 - 14:54
hier ein sehr ungewöhnlicher kommentar des hamburger abendblattes zu der demo. interessant was die sich für gedanken machen.
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Proteste: Linke sprechen von "Reinfall"
Großdemo: Autonome Szene im Umbruch?


1650 Autonome - und so gut wie keine Krawalle. Was eigentlich Normalität sein sollte, ist in Hamburg eine Nachricht. Eine solche Bilanz gab es in den zurückliegenden Jahren nie nach Großdemonstrationen. Die linke Szene ist teils begeistert, teils enttäuscht über den Verlauf der Dinge am Rande der Einheitseiern, so wie sie auch am Abend der Demo gespalten war, was den Bau von Barrikaden anging: Autonome räumten Barrikaden anderer Autonomer von der Straße. Fast kam es zu Prügeleien unter Linken.

Es scheint, als stünde die Szene vor einem Umbruch: Marschierte zu "Bambule-Zeiten" bis vor einem Jahr an der Spitze einer jeden Demo des Spektrums ein fest umrissener "Schwarzer Block", hüllen sich inzwischen 80 Prozent der meist jungen Protestierer in entsprechende Kleidung. Schwarze Kapuzenjacken, meist von der Marke "The North Face", schwarze Handschuhe, dunkle Sonnenbrillen, schwarze Jeans, Turnschuhe. Der Protest ist zur Mode geworden - selbst ultrarechte "Freie Nationalisten" haben den Auftritt des linken "Schwarzen Blocks" eins zu eins kopiert.


Und: Der Protest scheint sich in Teilen schleichend zu entpolitisieren: Längst spricht die Polizei von "erlebnisorientierten Jugendlichen", wenn sie die Kernklientel der für regelmäßige Randale Verantwortlichen umschreiben will. Sie sind es offenbar auch, die immer wieder von "alteingesessenen" Linken, beispielsweise aus dem Umfeld der Nutzer der Roten Flora zur Raison gebracht werden, wenn es um gewalttätige Aktionen geht. Diesmal ist es den Besonnenen gelungen, das Gewaltpotenzial bei annähernd null zu halten - die aufgebotene polizeiliche Übermacht spielte ihnen bei diesem Ansinnen allerdings in die Karten - auch wenn sich der Protest in Teilen gegen den "Polizeistaat Deutschland" richtete.

In einschlägigen Internetforen ist nach dem Demonstrationswochenende von einer "Schlappe" die Rede, von einem "Reinfall". Doch es gibt mindestens ebenso viel Zufriedenheit über den friedlichen Verlauf des Wochenendes.

An anderer Stelle heißt es, das Ziel der Demonstration sei eigentlich gewesen, "Kleingruppen auf das Bürgerfest zu schleusen". Dies sei auf Flugblättern im Demo-Aufzug kommuniziert worden. Aber einige Demonstranten hätten die Zettel einfach weggeworfen. Die Polizei habe sie dann nur noch aufheben müssen, um zu wissen, wie der angebliche "Plan B" ausgesehen habe.
jel

erschienen am 7. Oktober 2008
 http://www.abendblatt.de/daten/2008/10/07/948552.html?cmp=2#commentindex

Plan B = Krawall stimmt nicht!

Dein Name 07.10.2008 - 22:24
"Plan B" war für die Störung der Einheitsfeierlichkeiten auf dem Areal der Hafencity bestimmt, nicht für Krawall.

Diese Presse, manmanman!

unbroken 08.10.2008 - 01:44
Das verfickte Hamburger Abendblatt liest also sogar hier bei Indymedia, oder wurde der Text von nem geltungsgeilen, aber unbezahlten Praktikanten geschrieben, gibt ja in Hamburg genug Mediennutten die wirklich alles machen um ein Stückchen vom Kuchen abzubekommen?!

Wie auch immer, lächerlicher gehts nimmer, da wird eine Einzelmeinung zu einem Meinungsbild hochstilisiert und schon hat man einen tollen Artikel zusammen. Man dreht es sich einfach so wie man es braucht, hauptsache am Ende kann mensch irgendetwas diffamierendes behaupten. Die Autonome Szene ist, wenn es keinen Krawall gibt, einfach nur noch erlebnisorientiert, unpolitisch und rennt einer Mode hinterher. Gibt es allerdings Krawall ist die Linke sowieso nur auf Krawall aus, ergo ebenfalls unpolitischund feige obendrein, weil ja auch noch in schwarz gekleidet und maskiert.

WAS soll das?

Wenn man auf derartige Demos geht gehört zu einer gewissen politischen Haltung eben auch der Bedarf an politischen Erleben! Was weiss denn der Schreiber von den Plenen, internen Diskussionen, Lektürekreisen, ganz privaten Gedanken oder was auch immer, der jeden Einzelnen bewegt hat dort hinzugehen und in einer autonomen Demo mitzumachen!?

Es war einfach eine unglaublich disziplinierte, geschlossene Demo mit einem nach aussen unerhört provokativen Motto! Plan B, dh. eventuell seinen Unmut, in welcher Form auch immer, auch am Ort des natioanlen Taumels zu äussern hat halt nicht optimal geklappt. Ja und? Plan A hat dafür ordentlich gerockt, zumindest sosehr das sich die werte Presse zu derartigem Schundgeschreibe hinreissen lässt.

video

von interpool.tv 10.10.2008 - 00:38
hamburg am 3. oktober 2008

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

Verstecke die folgenden 16 Kommentare

Keine Selbstzerfleischung

HH'ler 07.10.2008 - 04:14
Ich möchte die Sache (und vorallem die beiden Artikel inzwischen auf Indy) aus HH nicht als Selbstzerfleischung sehen, sondern als ernstgemeinte kritische Solidarität innerhalb einer Bewegung. Wenn Sachen nich so toll waren, dann sollte mensch sie auch ansprechen dürfen. Dies als Selbstzerfleischung zu betrachten, ist einer autonomen Bewegung nicht entsprechend...

Die Runde

ging dann 07.10.2008 - 12:09
wohl an Berlin.

@HH´ler

HH´ler2.0 07.10.2008 - 13:07
Seh ich genauso. Eine kritische Reflektion muss Teil solidarischer Praxis sein. Ich bin der Meinung das zerfleischt eine "Szene" nicht, sondern bringt sie vorwärts und macht sie flexibel und stark. Und was den Berlin Kommentar angeht seh ich das mit der Runde aber anders. Wir verbannen Probleme nicht sondern stellen uns ihnen: 1.000 Autonomiepunkte nach HH. Nach der Szene ist vor der Szene.

einige Worte

Entdinglichung 07.10.2008 - 13:13
natürlich waren die oben aufgelisteten Aktionen erst einmal gut und nicht schlecht und daher richtig und nicht falsch, das Problem besteht jedoch darin, dass das Jahr 364 oder 365 Tage hat, dass die revolutionäre Linke in der BRD insgesamt auf der Stelle tritt und dass die Konzentration auf derartige Ereignisse letztendlich nur die gesellschaftliche Event-Orientierung widerspiegelt; der Schwerpunkt der politischen Arbeit sollte nicht auf einige Topevents sondern auf die (all)tägliche Basisarbeit (an den Orten, an denen mensch sich täglich lebt) gelegt werden

Warum?

OI 07.10.2008 - 13:51
Gegen was wird eigentlich demonstriert am 3. Oktober? Ich sehe keinen Sinn darin, gegen die Wiedervereinigung zu demonstrieren. Werden durch solche Aktionen eigentlich nur Vorurteile in der Bevölkerung über Autonome manifestiert?

@die genossen aus hamburg

der autor des artikels 07.10.2008 - 13:59
wenn ihr eure demo auswerten wollt, dann doch besser nicht auf indy, denn indy ist nicht nur für berichte da, sondern liefert dem vs etc mit einer solcher auswertungsdiskussion mit unter auch besten einblick in eure strukturen.

wie wäre es, wenn ihr euch, wie es die berliner in der köpi machen, eine monatliche autonome vollversammlung schafft, wo derlei auswertungen stattfinden und über kommende kampagnen, taktiken und perspektiven diskutiert wird. mit der flora dürftet ihr dafür doch eine gute location haben.

@OI

kommunist 07.10.2008 - 14:06
die demos richteten sich allesamt, das steht schon im eingangsartikel, gegen nationalismus, der als reaktionärer, aber für den staat und seine staatsbürger identitätsstiftende ideologie wirkt.
zumindest bei den berlinern weiß ich, dass sich ihre demo gegen nationalismus, staatlichkeit und kapitalismus generell richtete und das datum nur der aufhänger war. die wiedervereinigung an sich geht denen meines wissens mehr als am arsch vorbei.

@OI

erklärer 07.10.2008 - 14:33
Es wird nicht gegen die Wiedervereinigung demonstriert, sondern gegen das künstliche Gebilde eines Staates und einer Nation, ein Gebilde, durch das Ausbeutung, Kapitalismus, Nationalismus und demnach auch der Nationalsozialismus und Faschismus erst hervorgehen konnte.

@springerleser

will i am 07.10.2008 - 15:21
ist doch nichts neues. entweder sie hetzen gegen die linke und autonome oder sie nehmen den hetz-ton raus und spielen sich als die kenner auf, machen einen auf freundlich und bedauern so, nicht weniger abschreckend für otto-normal-jonny, die zerstrittenheit und rumgespalterei der linken und autonomen.

same procedere as every time

@erklärer

Ossi 07.10.2008 - 15:29
Doch, auch gegen die Wiedervereinigung.

@ Ossi

Maya 07.10.2008 - 16:01
Ach Ossi du im Osten denkst das vielleicht, aber wir haben dich glaub ich schneller integriert, als deine Nazi Freunde im Westen

der schmu

Red Rabbit 07.10.2008 - 17:55
@Maya: Das war unnötig!

Leider muss ich den Artikel des Abendblattes als außerodentlich gut recherchiert bezeichnen. Ist doch genauso: Autonom ist ein Style, keine Aktionsform mehr! Traurig, aber wahr. Was bin ich froh, dass ich mich nicht nur über mein dagegen-sein definiere, ständig black-block-mäßig rumlaufe und meinen Hass demonstrieren muss, indem ich den eigenen Kiez in Flammen aufgehen lasse...

Zur Sinnfrage

- - - 07.10.2008 - 19:46
Aus der Entfernung finde ich, anders als Springer und seine Geistesverwandten, die Demo hat so wie sie gelaufen ist keinen schlechten Sinn gemacht, denn unter Berufung darauf, daß schließlich Nationalfeiertag sei, einen Riot gegen das Auftreten bürgerlicher Politiker anzuzetteln, wäre schlicht reaktionär, weil das als "nationale" Kritik an der bürgerlichen Politik rüberkommt (wahrgenommen wird). Auch die beliebte Begründung, daß es nichts zu feiern gäbe, bleibt hier noch mehrdeutig. Hier müßte also mal etwas genauer gearbeitet werden.

@ erklärer

"gegen das künstliche Gebilde eines Staates und einer Nation, ein Gebilde, durch das Ausbeutung, Kapitalismus, Nationalismus und demnach auch der Nationalsozialismus und Faschismus erst hervorgehen konnte."

Also "Rebellion gegen die Erscheinung" (André Malraux)? Das ist noch so ein Querfront-Fascho-Müll: was will denn der Mensch? Ein "natürliches" Gebilde etwa?

@erklärer

Also ist 08.10.2008 - 18:48
jedes staatliche Gebilde, eben weil es ein solches ist, in letzter Konsequenz faschistisch bis nationalsozialistisch? Vielen Dank für die Aufklärung. Dann vershe ich langsam das Geschwätz der Anti´s. Bloß: das gilt dann auch für jede ein System bildende Gruppe und widerlegt als solches denn auch das Sozialwesen Mensch als solchen, v.a. auch jede linke Gruppenbildung. Sorry!

krawallsuchtis hergehört

ich 10.10.2008 - 10:11
militanz ohne krise und massen = übung für die bullen, mehr nicht.

die krise wird kommen (schaut euch die börse an) und ohne massen können wir eh nicht gewinnen. also hört auf die nächste generation anzufauchen. fangt lieber an die krise zu analysieren und wege zu finden daraus zu profitieren.

um die herzen der massen kämpfen!

Abschalten

Beobachter II 10.10.2008 - 23:49
Was kommt dann, wenn Deutschland ausgeschaltet ist? GB, Frankreich, Spanien, Dänemark, Europa, Asien, Afrika, Australien, Amerika abschalten,jegliche menschliche Verhaltensweise abschalten. Sprengt doch gleich die Welt in die Luft, dann habt ihr alles für allemal erledigt.
Und was kommt nach der Abschaltung der Welt? Ein Gebilde und eine Weltordnung nach eurer Ideologie?
Macht doch mal wieder eine Utopisten-Demo, dass passt zu eurer Weltanschauung.
Der Oskar geht an LInksradikal für das beste Fantasy und SCiFi-Drehbuch.....

Oder seid ihr überwiegend blind, blöd und taub.....