NoBorder: Actions in Dikili und Izmir

NoBorder NoCapitalism 10.09.2008 10:29 Themen: Antirassismus Globalisierung Militarismus Repression Soziale Kämpfe Weltweit
Nach Beendigung des NoBorderCamps in Dikili sammelten sich gestern (09.09.2008) Leute zu Aktionen in Izmir. Schwerpunkte waren Informierung über die Situation im Ege-Meer, wo Flüchtlinge versuchen die Grenze zur Festung Europa zu überqueren und es dabei oftmals zu Toten kommt; sowie die Überwindung der Grenzen von Staaten und den Widerstand gegen die Ordnung des globalen Kapitalismus zu stärken.
Die Aktionen in Izmir standen inhaltlich in unmittelbaren Zusammenhang mit dem NoBorderCamp in Dikili. Dort wurden vorige Woche 6-Tage lang Themen wie Grenze und Grenzüberschreitung, globale ökonomische Ungleichheit und die europäische Sicherheitspolitik (Stichwort: Frontex, IOM), die Situation von Flucht in der Region (Ege-Meer), Flüchtlingslager in der Region und anderen Orten, Migration innerhalb der Türkei (vor allem aus Kurdistan), Strategien zu Überwindung von Grenzen usw. besprochen.

Obwohl das Camp in Dikili eher dem Austausch von Informationen und Vernetzung diente, kam bereits währenddessen zu Aktionen. Wie etwa einer Performance gegen die örtliche Polizei, als diese zuvor die Pässe von allen TeilnehmerInnen des Camps haben wollte, weil es sein könne, dass „Illegale“ anwesend wären; sowie gedroht hat, alle Zelte druchsuchen zu wollen (siehe Hier). Die Absicht der Polizei wurde zu einer Aktion umgewandlet, bei der die Situation der Grenzüberschreitung inklusive Grenzpolizei (Frontex) nachgespielt wurde (siehe Hier). Nach der Performance wurden Parolen gegen Grenzen und Polizei geschrien. Der lokalen Polizei wurde die Dynamik zuviel und wollte dann doch nicht mehr die Pässe haben, hat sich schlussendlich mit 10 Namen von TeilnehmerInnen, die ihr bereits bekannt waren, abgegeben und sich zurückgezogen.

Bei einer anderen Aktion in Dikili wurden in metergroßen Buchstaben aus blutroter Farbe die Zahl der Toten und Vermissten Flüchtlinge von Dikili an einen zentralen Badestrand geschrieben und dabei Flyer verteilt. Die Polizei war zurückhaltend. (siehe Hier und Hier)

Im Stadtzentrum von Dikili wurde ein Ausstellung über das Grenzregime Europa und dem Widerstand dagegen aufgestellt, sowie der Film „Ertrunken“ (es handelt sich um eine Dokumention zur Flüchtlingslage über das Meeresgebiet Ege zwischen Türkei und Griechenland) gezeigt.

Ein Tag nach Ende des Camps kamen AktivistInnen in Izmir zusammen und machten eine unangemeldete Demo zum Stadtzentrum, mit mehrsprachigen Transparenten und Parolen, bei denen Inhalte wie "Kein Mensch ist Illegal" "Grenzen auflösen" "weder Staat noch Nation" usw. vermittelt wurden. Im Stadtzentrum kam es zu einer längeren Kundgebung, bei der Flyer verteilt wurden und produktive Diskussionen mit PassantInnen entstanden. Neben bürgerliche Presse kam dann auch schon die Polizei anmarschiert, die einen überforderten Eindruck machte. Nach Verlesung eines Textes zur tödlichen Situation der Meeresgrenze Ege und mit der nochmaligen Bekräftigung zur Überwindung von Grenzen ging eine weitere spontane Demo los. Über Transparente, Sprachchöre und Flyer wurde versucht das Thema einer Öffentlichkeit zu transportieren. Die Demo blockierte dabei teilweise den Autoverkehr und ging über die Hauptstraße, am Heereshaus vorbei, zur französischen Botschaft. Dort wurde der Protest, nachdem immer mehr Polizei auftauchte, aufgelöst. Es kam zu keinen Festnahmen. (Bilder Hier)

Am Abend wurden in der Straßen Izmirs Stenzels und Graffitis zu NoBorder gesichtet.

Soviel dazu (obwohl sicherlich einiges an Inhalt ausgelassen wurde), hier noch eine Vorankündigung: Nächstes Jahr wird es ein NoBorderCamp in Diyarbakir Kurdistan stattfinden. Dort wird vor allem die Grenzsituation des Gebietes zwischen Türkei/Syrien/Iran/Irak thematisiert werden. Es wird von einer breiten Solidarität in Diyarbakir ausgegangenen, weil die Auseinandersetzungen und der Krieg in der Region eine gewisse Sensibilität zum Thema Grenze und globaler Ordnung mit sich gebracht haben.

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Ergänzungen

Feature zum No-Border Camp in Dikili

antira 26.09.2008 - 21:24
Feature zum Noborder Camp in Dikili:  http://at.indymedia.org/node/11242